Städtebauliche Exkursion "Kopenhagen - Malmö - Stockholm": Programm am 25. August 2014

Tag 1 der Exkursion

Vorträge im Amt für Städtebau in Kopenhagen

Planning and Strategy in Copenhagen – Building a Region (Marc J. Jørgensen, Centre for Urban Development)

Marc J. Jørgensen berichtete von Planungsstrategien in Kopenhagen, ausgehend vom so genannten "Fingerplan" 1947, der fünf Siedlungs­achsen vorgab. Kopenhagen wächst ständig, derzeit um etwa 1.000 EinwohnerInnen pro Monat. Bis 2025 wird die Anzahl der EinwohnerInnen von Kopenhagen um etwa 100.000 wachsen. Viele der großen Stadtent­wicklungsgebiete liegen in ehemaligen Industrie- bzw. Hafengebieten:

  • Carlsberg
  • Norhavn
  • Sydhaven
  • Valby Süd

Einzig im Stadterweiterungsgebiet Orestad wird bisher unerschlossenes Gebiet besiedelt ("greenfield development").

Grundlage für die strategische Stadtentwicklung in Kopenhagen ist eine ausgeglichene Work-Life-Balance der BewohnerInnen. Voraussetzung dafür ist, dass Destinationen in der Stadt in kurzer Zeit erreichbar sind. Eine Besonderheit von Kopenhagen ist, dass PendlerInnen sowohl in die Stadt kommen (170.000) als auch aus dieser auspendeln (110.000).

In den jährlichen Plänen zur Stadtentwicklung ("annual action plan") wird nicht nur auf die bauliche, sondern auch auf die soziale Struktur der Stadt geachtet. Soziale Balance und Kohäsion sind wichtige Prinzipien der Stadtentwicklung, die unter dem Motto "Consider urban life before urban space before buildings" geschieht.

Sustainable Urban Development, means and tools Copenhagen 1947–2025 (Tøger Nis Thomsen)

Auch Tøger Nis Thomsen berichtete von den Stadtentwicklungsgebieten in Kopenhagen.

Kopenhagen hat 20 Indikatoren für ein Nachhaltigkeitsprofil städtischer Bezirke entwickelt:

  • Heating/person
  • Housing m2/person
  • Car ownership
  • Shared cars/1000 pers
  • Employed inside city
  • Area for sports
  • Green and blue areas
  • Affordable housing
  • Outdated flats
  • Housing ownership
  • Unemployment rate
  • Dwellings beyond 68 dB from traffic
  • Energy in commerce
  • Percentage of industries in environment network
  • Share of Climate Citizens
  • Area of restaurants, hotels and culture
  • Household income
  • Share of higher education
  • Number of workplaces per inhabitant
  • Sales prices of houses and flats

14 Punkte gilt es im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit von Projekten zu berücksichtigen:

  • Use of area
  • Transport
  • Energy
  • Water
  • Materials – lifecycle
  • Green and blue areas
  • Social diversity
  • Townscape
  • Urban life
  • Identity
  • Business and service
  • The city’s economy
  • The project’s economy
  • Durability of the project

Kopenhagens Vision ist es, die lebenswerteste Stadt der Welt zu werden – eine nachhaltige Stadt, deren Stadtraum die Menschen zu einem einzigartigen, abwechslungsreichen städtischen Leben einlädt.

Kopenhagens Ziele sind:

  • 2015 sollen 80% der Kopenhagener mit den Möglichkeiten, am urbanen Leben ihrer Stadt teilzunehmen, zufrieden sein.
  • 2015 soll der Fußgängerverkehr um 20% gewachsen sein.
  • 2015 sollen Kopenhagener um 20% mehr Zeit im öffentlichen Raum verbringen als bisher.

Auf Englisch können diese Ziele so zusammengefasst werden:

  • More urban life for all
  • More people walk more
  • More people stay longer

The Nørrebrogade project – Green Mobility (Klaus Grimar, Projektmanager in der Verkehrsabteilung)

Klaus Grimar berichtete vom Umbau der Einkaufsstraße Nørrebrogade, die eine von 11 Einkaufsstraßen und Flaniermeilen ("Strøgade") in Kopen­hagen ist. Prinzipien der Umgestaltung waren die Schaffung von Möglich­keiten für den Aufenthalt im Straßenraum, Sicherheit für RadfahrerInnen, eine höhere Bedeutung des öffentlichen als des motorisierten Verkehrs und die Vorgabe von niedrigeren Geschwindigkeiten für Autos (20 bis 40 km/h).

Der Umbau erfolgte in mehreren Stufen und in ständigem Dialog mit den Beteiligten: Ausgehend von einem Masterplan fand ein Dialog mit BürgerInnen statt. Ein Versuchsprojekt wurde implementiert, darauf folgte wieder eine Dialogphase, dann ein weiteres prototypisches Umsetzungsprojekt. Nach einem weiteren Dialog mit den BürgerInnen wurde ein erstes Projekt permanent umgesetzt, nach einer weiteren Dialogphase ein zweites Projekt. Im Rahmen der Umbauprojekte wurden beispielsweise Gehsteige erweitert, Bänke und Bäume in den Straßen­raum eingebracht. Die Anzahl der FußgängerInnen stieg von 4.700 auf 7.600. Die öffentliche Meinung zum Umbau ging bei den verschiedenen Zielgruppen auseinander: Nach der Testphase waren 67 % der BürgerInnen dafür, das Projekt permanent umzusetzen, 65 % der Geschäftsinhaber waren dagegen.

Copenhagen Smart City (Kim Spiegelberg-Stelzer, Berater der Stadt Kopenhagen)

Der Vortragende legte Strategien von Kopenhagen im Kreislauf Lebensqualität – Wachstum – nachhaltige Stadt (CO2, Natur, Luft) dar. Angestrebt werden "smarte" Projekte, z.B. der gezielte Einsatz von Daten bei der Lösung von Problemen, die Arbeit mit innovativen Technologien, die effizientere Nutzung von Ressourcen und die Einbeziehung von BürgerInnen. Die "open city data platform" soll eine gezielte Nutzung von Daten als Grundlage für Dienstleistungen und Services ermöglichen, wobei auf die Bedürfnisse der NutzerInnen eingegangen werden soll. Angedacht sind intelligente Projekte im Bereich der Mobilität, wie Vorrang für Busse oder die intelligente und bedarfsgesteuerte Beleuchtung von Kreuzungen. Weitere Nutzungen könnten eine sensorgesteuerte Entleerung von Mülltonnen sein. Daten zur Stadt Kopenhagen stehen unter data.kk.dk zur Verfügung.

Interaction between Social Sustainability and Town Planning (Niels Bjørn, Centre for Urban Strategies)

Niels Bjørn berichtete vom Zusammenspiel der sozialen und der baulichen Entwicklung von Stadtgebieten am Beispiel von Strategien für das Stadtviertel Nørrebro, dem Viertel mit der wenigsten Grünfläche pro EinwohnerIn in Kopenhagen. Die Eisenbahn zerschneidet das Viertel und schafft dadurch eine Art Rückseite, einen "Un-Ort", der von niemandem genutzt wird. Durch den Umbau zweier großer Areale nahe der Siedlung "Mjølnerparken" sollte diese Rückseite der Stadt in eine Frontseite verwandelt werden. Mit den Projekten "Superkilen" und "Mimusparken" entstanden ein Platz mit starker Identität und ein Park, der umfassende Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten bietet. In einer zweiten Planungsphase sollen die neu gestalteten Plätze und die Siedlung besser miteinander verbunden werden.

Besichtigung der Projekte Mimusparken und Superkilen

Am Nachmittag besichtigte die Gruppe mit dem Architekten und Städteplaner Tøger Nis Thomsen vom "Centre for Urban Strategies" mit dem Rad die Projekte, von denen am Vormittag berichtet worden war: die zum Teil bereits umgebaute Bezirksstraße Nørrebrogade sowie den Park Mimusparken und den Platz Superkilen in Nørrebro.

Besichtigung des Stadtteils Ørestad

Anschließend führte die Exkursion ins neue Stadtviertel Ørestad, wo in den letzten Jahren viele Wohnbauten entstanden sind. Der Masterplan soll zu einer stärkeren Durchmischung von Wohnen mit anderen Nutzungen führen, indem beispielsweise Teile der Universität dort angesiedelt werden.

Besichtigung von Sluseholmen und Enghave Brygge

Mit den Gebieten Sluseholmen und Enghave Brygge besuchte die Gruppe weitere neue Siedlungsgebiete mit vor allem architektonisch bemerkenswerten Impulsen. Die Erschließung der Gebäude erfolgt über die Höfe, Fassaden sind zur besseren Unterscheidbarkeit und Identitätsstiftung unterschiedlich gestaltet. Eine Zeile von alten Bootshäusern entlang des Hafenbeckens wurde erhalten und trägt wesentlich zur Identität der schicken Neubausiedlung bei.