OttoWagner-ArealPlus - Machbarkeitsanalyse zertifizierte Plus-Energie-Quartier-Sanierung des denkmalgeschützten Otto-Wagner-Areals

Entwicklung eines innovativen denkmalschutzverträglichen Sanierungskonzepts zur Transformation des Wiener Otto Wagner-Areals in ein Plus-Energie-Quartier. Das Jugendstil-Juwel umfasst eine Fläche von rund 50 Hektar, 70 Gebäude und eine Brutto-Grundfläche von rund 200.000 m². Der Lösungsansatz umfasst dabei höchste Energieeffizienz- und Komfortanforderungen.

Kurzbeschreibung

Das Otto-Wagner-Areal in Wien ist ein weltweit bedeutendes und großflächig angelegtes Jugendstil-Ensemble, dessen charakteristische Pavillon-Bauten in einer parkähnlichen Hanglage angeordnet sind. Die ursprüngliche Nutzung als Krankenhaus wird ab 2020 schrittweise aufgegeben und mit der Ansiedelung der Central European University auf einem Teilareal wird ein Universitätscampus entstehen. Die Gebäude werden an die künftigen Anforderungen einer Büro- und Universitätsnutzung, studentischer Wohnnutzung sowie verbleibender medizinischer Einrichtungen adaptiert.

In einem Projektteam unter der Konsortialführung der Schöberl & Pöll GmbH und den Projektpartnern Central European University, Institut für Architektur und Entwerfen der TU Wien, LANG consulting und der OeAD-Wohnraumverwaltungs-GmbH wurde im Rahmen dieses Projekts eine Machbarkeitsanalyse durchgeführt, deren Ziel darin bestand, eine fundierte Entscheidungshilfe für eine international richtungsweisende Sanierung und Erneuerung eines historischen Areals unter den folgenden Aspekten bereitzustellen:

  • Reduktion des Endenergiebedarfs des Gesamtareals um 90 % gegenüber dem Bestand
  • Bereitstellung des Rest-Endenergiebedarfs durch erneuerbare Energien vor Ort
  • Wirtschaftlichkeitsanalysen, insbesondere Betrachtung von Lebenszykluskosten.

In methodischer Hinsicht lagen die Schwerpunkte auf einer fundierten energetischen und bautechnischen Bestandserhebung (mit Hilfe von Begehungen und unter Anwendung geeigneter Tools), Abstimmungen mit dem Bundesdenkmalamt, Entwicklung und Bewertung eines Maßnahmenkatalogs (ebenfalls unter Anwendung adäquater Tools) und der Durchführung von Wirtschaftlichkeitsberechnungen mit einer Lebenszyklus-Perspektive.

Die Machbarkeitsanalyse gelangte zum Ergebnis, dass unter Einhaltung des Denkmalschutzes mit Anwendung des entsprechenden Know-Hows die Sanierung des gesamten Otto-Wagner-Areals auf Plus-Energie-Standard umsetzbar ist. Dabei kann der Endenergiebedarf gegenüber einer klassischen Bestandssanierung unter Denkmalschutz („Baseline-Sanierung") über 90 %, und der Primärenergiebedarf um bis zu 75 % gesenkt werden. Mit einem besonderen Augenmerk auf die Verwendung von hochenergieeffizienten Geräten auf Nutzer*innen-Seite und weiterer Optimierung der anderen Bereiche könnte der Plus-Energie-Standard auch inklusive der Nutzung erreicht werden.

Für eine Plus-Energie-Sanierung des denkmalgeschützen Otto-Wagner-Areals sind jedenfalls folgende Maßnahmen umzusetzen:

  • Dämmung der Dächer und der Bodenplatten sowie Innendämmung der Außenwände
  • Optimierung der Kastenfenster und Einbau eines Sonnenschutzes zwischen den Flügeln
  • Minimierung der Wärmebrücken
  • Optimierung der Luftdichtheit in der Bestandssanierung
  • Hocheffiziente Lüftungsanlagen mit Wärme- und Feuchterückgewinnung
  • Hocheffiziente Warmwasser-Aufbereitung und Einsatz von durchflussoptimierten Armaturen
  • Heizung und Kühlung über effiziente Flächensysteme
  • Installation eines hocheffizienten Beleuchtungssystems
  • Einsatz hocheffizienter energieverbrauchender Geräte in allen Nutzungsbereichen
  • Installation von Photovoltaik-Anlagen auf den Dachflächen

Wird das Areal durch ein effizientes Wärmepumpen-System über oberflächennahe Erdwärme-Kollektoren oder Tiefensonden versorgt, liegt der Endenergiebedarf niedriger gegenüber einer Versorgung mit einem Fernwärme/Fernkälte-System. Aus primärenergetischer Sicht ist (unter Anwendung der gängigen Primärenergie-Konversionsfaktoren) der Energiebedarf mit einem Fernwärme/Fernkälte-System niedriger gegenüber einer Versorgung mit einem Geothermie-Wärmepumpen-System.

Die Umsetzung des innovativen Plus-Energie-Sanierungskonzepts weist höhere Investitions- und Planungskosten im Vergleich zu einer konventionellen Sanierung auf. Betrachtet über einen Vergleichszeitraum von 15 bzw. 40 Jahren weist die Plus-Energie-Sanierung jedoch die geringsten Gesamtkosten (Summe aus Investitions- und Betriebskosten) auf. Darüber hinaus sind Zusatznutzen (sogenannte „Co-Benefits") einer Plus-Energie-Sanierung zu berücksichtigen.

Publikationen

Machbarkeitsanalyse zertifizierte Plus-Energie-Quartier-Sanierung des denkmalgeschützten Otto-Wagner-Areals (OttoWagner-ArealPlus)

Entwicklung eines innovativen denkmalschutzverträglichen Sanierungskonzepts zur Transformation des Wiener Otto Wagner-Areals in ein Plus-Energie-Quartier. Das Jugendstil-Juwel umfasst eine Fläche von rund 50 Hektar, 70 Gebäude und eine Brutto-Grundfläche von rund 200.000 m². Der Lösungsansatz umfasst dabei höchste Energieeffizienz- und Komfortanforderungen. Schriftenreihe 3/2021
K. Schlögl, C. Kresser, E. Schriefl, H. Schöberl, I. Artner, S. Chatterjee, D. Ürge-Vorsatz, D. Ürge, K. Stieldorf, F. Gharakhanzadeh, I. Stieldorf, G. Lang, M. Lang, T. Lebinger, G. Jedliczka, B. Mayr
Herausgeber: BMK
Deutsch, 162 Seiten

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Projektbeteiligte

Projektleitung

Schöberl & Pöll GmbH

Projekt- bzw. KooperationspartnerInnen

  • Central European University (CEU)
  • TU Wien – Institut für Architektur und Entwerfen
  • LANG consulting
  • OeAD-WohnraumverwaltungsGmbH

Kontaktadresse

DI Klemens Schlögl
Schöberl & Pöll GmbH
Lassallestraße 2/6-8
A-1020 Wien
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Fax: +43 (1) 726 45 66/18
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