Anforderungen an die Kreislauffähigkeit von Massivbaustoffen

Die Studie zeigt aktuelle Herausforderungen, Chancen und Potenziale in Bezug auf die Kreislauffähigkeit der Massivbauindustrie sowie die mit ihr agierenden Akteure auf. Darauf aufbauend wurden zukünftige Aktionsfelder notwendiger Forschung und Entwicklung zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Bereich mineralsicher Baustoffe herausgearbeitet.

Bibliographische Daten

Schriftenreihe 24/2021
F. Trebut, B. Pfefferer
Herausgeber: BMK
Deutsch, 59 Seiten

Inhaltsbeschreibung

Motivation und Forschungsfrage

Die Bauwirtschaft ist maßgeblich für die weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Allein die Herstellung von Zement verursacht derzeit rund 8 % der weltweiten Treibhausgasemissionen und 3,2 % der österreichischen CO2-Emissionen. Prognosen gehen davon aus, dass Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen sowie der Ressourcenverbrauch der weltweiten Bauwirtschaft zukünftig insbesondere durch gesteigerte Bauaktivitäten in Asien und Afrika noch zunehmen werden. In der EU verursacht der Bausektor über 35 % des gesamten Abfallaufkommens und ist für rund 50 % der gesamten Rohstoffgewinnung verantwortlich. Die erforderliche Reduktion der CO2-Emissionen und des Ressourcenverbrauchs stellt die Baustoffindustrie vor große Herausforderungen. Der Ansatz der energieintensiven Industrien, den Einsatz fossiler Energie zu reduzieren, hebt nur einen Teil der CO2-Potenziale und greift daher zu kurz. Um eine tiefgreifende Dekarbonisierung zu erreichen, bedarf es Innovation entlang des gesamten Produktlebenszyklus bzw. entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Ausgangssituation/Status Quo

Unser Wirtschaftssystem und auch der Bausektor folgen derzeit Großteils einem linearen Prinzip. Rohstoffe werden abgebaut, verarbeitet, genutzt und anschließend zu Abfall oder (im aktuell besten Fall) einer qualitativ minderwertigeren Verwendung zugeführt – nur ein kleiner Anteil wird hochwertig recycelt. Die Transformation hin zu einer Circular Economy erfordert ein Umdenken auf allen Ebenen der gesamten Wertschöpfungskette der Massivbauindustrie.

Projektinhalte und Zielsetzungen

Das Ziel dieser Studie war es, aktuelle Herausforderungen, Chancen und Potenziale in Bezug auf die Kreislauffähigkeit der Massivbauindustrie sowie die mit ihr agierenden Akteure aufzuzeigen. Darauf aufbauend wurden zukünftige Aktionsfelder notwendiger Forschung und Entwicklung zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Bereich mineralsicher Baustoffe herausgearbeitet.

Methodische Vorgehensweise

Dazu erfolgte eine breit angelegte Recherche zu State of the Art und Good Practices hinsichtlich eingesetzter Technologien und Prozesse sowie zu den derzeitigen Aktionsfeldern der Forschung und Entwicklung im Bereich Massivbaustoffindustrie und Kreislaufwirtschaft. Zur Einordnung und Ergänzung der Recherche-Ergebnisse wurden Interviews mit Expert*innen aus den Bereichen Baustoffproduktion, Abfallwirtschaft, Forschung und Bestellern von Bauleistungen geführt. In einem Stakeholder-Workshop wurden die Erkenntnisse präsentiert, mit Stakeholdern aus der Branche diskutiert und zukünftige Handlungsfelder mit Schwerpunkt Forschung und Entwicklung herausgearbeitet. Der identifizierte Forschungsbedarf, der sowohl die technologische als auch die prozess-technische und regulatorische Ebene umfasst, wurde anhand einer Matrix geclustert und diente als Grundlage für die Ableitung von Handlungsempfehlungen.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Grundsätzlich kann die Massivbauwirtschaft in Österreich auf gute Grundlagen aufbauen, um die Kreislaufführung im Massivbausektor auszubauen. Für eine Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft sind aber neue technologische Ansätze, prozess-technische Innovationen wie neue Geschäftsmodelle, eine enge Vernetzung der Akteure entlang der gesamten Prozesskette und förderliche rechtliche und normative Rahmenbedingungen notwendig.

Die Durchführung von Pilot- bzw. Leuchtturmprojekten ist über alle beschriebenen Aktionsfelder hinweg maßgeblich, damit die Kreislaufführung von Massivbaustoffen zur Schaffung eines nachhaltigen Bausektors gelingen kann. Diese sollen als Best Practices die Möglichkeiten und Potentiale der Wiederverwendung und des Recyclings aufzeigen und die wirtschaftliche Umsetzbarkeit innovativer Ansätze und Konzepte demonstrieren. Diese Beispiele gelungener Umsetzungen sollen dazu beitragen, Skepsis und Hürden abzubauen, die gesellschaftliche Akzeptanz für Recycling und Kreislaufführung im Bauwesen zu stärken und ein Umdenken entlang der gesamten Prozesskette zu fördern.

Ausblick

Die Studie befasst sich eingehend mit den Hemmnissen und Potenzialen zur Steigerung der Kreislauffähigkeit von Massivbaustoffen. Es wird empfohlen, weitere Untersuchungen zur Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Produktgruppen der Bauwirtschaft, wie Holzbaustoffe, Dämmstoffe oder Beläge sowie eine Gegenüberstellung der Gemeinsamkeiten und Bauproduktspezifischen Unterschiede hinsichtlich der Kreislaufführung durchzuführen. Die Lokalisierung der relevantesten Handlungsfelder sowie der erforderliche Innovationsbedarf je Bauproduktgruppe kann die Realisierung einer Kreislaufwirtschaft im Bausektor maßgeblich unterstützen.

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