RENEWnow - Neue Impulse für die hocheffiziente energetische Sanierung von Geschoßwohnbauten und Quartieren

Sondierung eines innovativen Lösungsansatzes für die hocheffiziente Sanierung von Mehrfamilien­häusern in Österreich. Das Ziel ist durch einen gezielten, neuartigen Mix aus technischen und nichttechnischen Maßnahmen ein neues Dienstleistungs­modell (One-Stop-Shop) für Hausverwaltungen und Eigentümer­gemeinschaften zu entwickeln.

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Motivation und Forschungsfrage

Im Rahmen von Forschungsprojekten vergangener Jahre wurde die Anzahl der Geschoßwohnbauten aus den Baujahren 1960 bis 1980 und darin enthaltenen unsanierten Wohnungen abgeschätzt. Bei den Gebäuden aus dieser Epoche wurde das größte Potential für die thermische Sanierung ermittelt, da sie im Bestand einen sehr hohen Heizenergiebedarf aufweisen und gleichzeitig eine große Anzahl solcher Gebäude vorhanden ist.

Anders als bei noch älteren Gebäuden liegt hier in den meisten Fällen kein Denkmalschutz vor, der die Sanierung zusätzlich erschweren würde. Die zentralen Ergebnisse dieser Abschätzung ergaben, dass rund 42.000 Geschoßwohnbauten mit rund 620.000 Wohnungen thermisch noch weitgehend unsaniert sind und somit für eine umfassende thermische Sanierung zur Verfügung stehen.

Rund vierzig Prozent davon entfallen auf Gebäude mit Mietwohnungen. Da die Sanierungsrate in Österreich in den letzten Jahren deutlich unter 1% lag, haben sich diese Zahlen aus 2014 nicht grundlegend geändert. Die Frage ist wie die Sanierungsrate aber vor allem die Qualität der Sanierungen nachhaltig gesteigert werden können.

Ausgangssituation/Status Quo

Obwohl es bereits technische Lösungen für die Sanierung von Geschoßwohnbauten (bezogen auf Fenstertausch, Wärmedämmung mit Wärmedämmverbundsystemen) sowie für Heizkesseltausch bei zentralen Energieversorgungskonzepten gibt, stagniert die Sanierungsrate seit Jahren auf einem niedrigen Niveau. Damit können die ambitionierten Klimaschutzziele im Gebäudebereich nicht annähernd erreicht werden.

Die Gründe für die geringen Sanierungsaktivitäten sind mannigfaltig. Bei den aktuell üblichen Sanierungsprozessen, -techniken und -kosten bzw. den immer noch in Relation zu niedrigen Preisen für fossile Energieträger und elektrischen Strom, reichen die Rücklagen aus den monatlichen Betriebskostenabrechnungen für Hausverwaltungen nicht, weshalb umfassende Sanierungen nur schwer bzw. häufig mit einhergehenden erheblichen Erhöhungen von Mietkosten umsetzbar sind.

Nachteilig und auch sowohl volks- als auch betriebswirtschaftlich falsch ist dabei, dass eine Bilanzierung sämtlicher Kosten nicht über den Lebenszyklus der Gebäude erfolgt.

Inhalte und Zielsetzungen

Übergeordnetes Ziel des beantragten Sondierungsprojekt war es, die Grundlagen zu erarbeiten, die nötig sind, um die aktuelle jährliche Sanierungsrate um den Faktor 3 bis 5 zu heben. Darauf aufbauend würden dann gezielte nächste Schritte hin zu einer breiten Markteinführung gesetzt.

Das Ziel ist durch eine gezielte, neuartige Kombination aus technischen (modulare und skalierbare Gebäudetechniksysteme, multifunktionale Gebäudekomponenten, Modulbauweise und Standardisierung, industrielle Vorfertigung) und nichttechnischen Maßnahmen ein neues Dienstleistungsmodell (One-Stop-Shop) für Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften zu entwickeln und mit führenden AkteurInnen aus der Branche zu sondieren.

Das Dienstleistungsmodell adressiert dabei in umfassender und verantwortlicher Weise die Themen Gesamtorganisation, Vertragserrichtung, Planung, Finanzierung, Umsetzung, Betriebsführung, Verrechnung, Komfortverantwortung sowie auch das Risiko in Bezug auf Umsetzungsqualität und erzielter Einsparungen.

Die Integration von erneuerbaren Energieträgern, sogenannte „Mieterstrommodelle" auf Gebäude bzw. Quartiersebene sowie die Interaktion mit übergeordneten Energienetzwerken liefern dabei entscheidende Beiträge auf dem Weg zum Plusenergie-Quartier.

Methodische Vorgehensweise

Im Projekt wurde die Gesamtheit des Ablaufs von hocheffizienten Sanierungslösungen mit technischen als auch nichttechnischen Aspekten und Barrieren analysiert. Dabei wurden gezielt Experten und Expertinnen aus der Branche sowie branchenferne AkteurInnen und Stakeholdern eingebunden. Darauf aufbauend wurden neue Dienstleistungsmodelle nach dem Prinzip eines „One-stop-shops", die sowohl organisatorische, rechtliche, technische und wirtschaftliche Barrieren des aktuellen Sanierungsstandards überwinden, als auch den Nutzerkomfort sicherstellen, sowie auch dem Anspruch der Nachhaltigkeit Rechnung tragen, sondiert.

Ein wichtiger Schritt lag dabei in der Definition und Sondierung eines einfach handzuhabenden Portfolios an möglichen technischen Sanierungsmodulen, zugeordnet nach Basisgebäudetypen bzw. der Art der Energieversorgung. Es wurden repräsentative Referenzbeispiele, KPI´s und Methoden zur Beurteilung der Belastbarkeit und Eignung möglicher Dienstleistungsmodelle oder deren erfolgreichen Komponenten analysiert. Daraus Empfehlungen und eine Methodik zum Ablauf eines Sanierungsprozesses abgeleitet.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

In diesem Sondierungsprojekt wurde ein neuer Ansatz bzw. eine neue Herangehensweise für die hocheffiziente Sanierung von Mehrfamilienhäusern in Österreich gemeinsam mit vielen Stakeholdern definiert und analysiert. Dieser ganzheitliche Ansatz bzw. die Methodik unterstützt Bauträger und deren technische Verantwortliche in der Entscheidung für zugeschnittene Sanierungsabläufe und technische Lösungen. Das Ergebnis ist eine Methodik zur Vorgangsweise und zum Ablauf von Sanierungsprozessen in Form eines „Pre-Design-Tools" RENEWnow.

Ausblick

Die Methodik, Analysen und Tools aus dem Projekt haben das Potenzial, in anderen Projekten weiterentwickelt zu werden. Die Aktivitäten aus dem Projekt mobilisieren weiter den Sanierungsmarkt, vor allem die daraus entstandenen Forschungsprojekte PhaseOut und SüdSan, sowie das Innovationslabor RENOWAVE.AT, die alle mithelfen die Sanierungsrate zu heben.

RENEWnow hat verschiedenste Entwicklungen wie konkrete Demonstrationsprojekte mit zugeordneten technischen Innovationen aber auch eine neue Methodik in der Sanierungsplanung angestoßen. Es ist nun klar wie mit Sanierungsmodellen wie Energiesprong umgegangen werden soll, dass Contractingmodelle weiter ausgebaut und weitere bundesweite Initiativen nötig sein werden.

Publikationen

RENEWnow - Neue Impulse für die hocheffiziente energetische Sanierung von Geschoßwohnbauten und Quartieren

Sondierung eines innovativen Lösungsansatzes für die hocheffiziente Sanierung von Mehrfamilien­häusern in Österreich. Das Ziel ist durch einen gezielten, neuartigen Mix aus technischen und nichttechnischen Maßnahmen ein neues Dienstleistungs­modell (One-Stop-Shop) für Hausverwaltungen und Eigentümer­gemeinschaften zu entwickeln. Schriftenreihe 3/2023
M. Hommelberg, W. Nussmüller, C. Urschler, F. Ochs, G. Dermentzis, M. Magni, V. Engstler, T. Roßkopf-Nachbaur, M. Ploss, D. Jähnig, C. Fink, T. Weiss, A. Knotzer
Herausgeber: BMK
Deutsch, 127 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleitung

AEE INTEC (AEE – Institut für Nachhaltige Technologien)

Projekt- bzw. Kooperationspartner:innen

  • Universität Innsbruck
  • Nussmüller Architekten ZT
  • TBH Ingenieur GmbH
  • Stroomversnelling
  • Energieinstitut Vorarlberg

Kontaktadresse

AEE INTEC (AEE – Institut für Nachhaltige Technologien)
DI Armin Knotzer
Feldgasse 19
A-8200 Gleisdorf
Tel.: +43 (3112) 5886-369
E-Mail: a.knotzer@aee.at
Web: www.aee-intec.at