BIGMODERN - Subprojekt 5: Machbarkeits­analysen innovativer technischer Lösungen

Der Einsatz innovativer Technologien bedeutet zusätzlichen Planungs- und Koordinierungsaufwand, der in konventionellen Planungsprozessen der BIG üblicherweise nicht unterzubringen ist. Um diese Barrieren für den Einsatz innovativer Technologien für Planungsprozesse zu überwinden, zielt das Projekt darauf ab, Informationen, Machbarkeitsanalysen, Planungsunterlagen und Anwendungs- bzw. Ausführungsbeispiele sowie Erfahrungsberichte zu innovativen Technologien so aufzubereiten, dass sie unmittelbar in Planungsprozessen eingesetzt werden können.

Kurzbeschreibung

Dieses Projekt ist ein Subprojekt des Leitprojekts "BIGMODERN - Nachhaltige Modernisierungsstandards für Bundesgebäude der Bauperiode der 1950er bis 1980er Jahre"

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Ausgangssituation/Motivation

Um die Zielkriterien nachhaltigen Sanierens in der Praxis erreichen zu können, sind in einigen Teilbereichen „Technologiesprünge“ erforderlich. Der Einsatz innovativer Technologien (auch wenn bereits im Neubau erprobt) bedeutet im Umfeld von Sanierungen einen erheblichen zusätzlichen Planungs- und Koordinierungsaufwand, der in konventionellen Planungsprozessen üblicherweise nicht unterzubringen ist. Technologiesprünge bedeuten für den Bauherrn auch Risiken wie Kostenüberschreitung in der Errichtung, geringerer Einspareffekt als erwartet, Probleme in der Funktionalität. Diese gilt es zu minimieren, wenn Innovationen zu Standards werden sollen.

Inhalte und Zielsetzungen

Um diese Barriere der Risiken für den Einsatz innovativer Technologien für die Planungsprozesse der BIG zu überwinden, zielte das gegenständliche Subprojekt darauf ab, Informationen aus Forschungsprojekten und Pilotanwendungen, Planungsunterlagen und Anwendungs- bzw. Ausführungsbeispielen sowie Erfahrungsberichten zu innovativen Technologien so aufzubereiten, dass sie unmittelbar in den Planungsprozessen bei den Sanierungen von Schulen und Büro- bzw. Verwaltungsgebäuden eingesetzt werden können.

Ziel ist die Verankerung der innovativen, den Nachhaltigkeits- und Energieeffizienzkriterien entsprechenden Technologien in den Planungs- und Ausführungsprozessen für sämtliche zukünftige Modernisierungsvorhaben der BIG sowie die Minimierung der Risiken bei der Anwendung dieser Technologien.

Für die Modernisierung der Büro- und Unterrichtsgebäude der 1950er bis 1980er Jahre wurden dabei folgende Themenfelder von zentraler Bedeutung für die Erreichung nachhaltiger Standards identifiziert:

  1. Nachrüstung von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung in Büro- und Unterrichtsgebäuden:
    Ohne Reduzierung von Lüftungswärmeverlusten ist schnell eine Grenze bei der Energieeinsparung erreicht - die Chance auf höherwertige Sanierungen wäre somit für lange Zeit vertan. Weiters ist das Thema Innenluftqualität insbesondere für Unterrichtsgebäude von höchster Bedeutung. Es existieren bisher wenige Erfahrungen bei der Nachrüstung in Nicht-Wohngebäuden, speziell im Bereich Verwaltungsgebäude.
  2. Verschattungssysteme, Tageslichtnutzung und energiesparende Beleuchtung:
    Das Tageslicht optimal zu nutzen ist vor allem bei Bestandsbauten eine Herausforderung - ein optimales Zusammenspiel zwischen außen liegender Verschattung und Beleuchtung samt Steuerung ist daher von zentraler Bedeutung für eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und geringen Energieeinsatz für Beleuchtung.
  3. Sommerlicher Komfort und nachhaltige Kühlung:
    Sommerlicher Überwärmungsschutz spielt vor allem im Bereich Büro- und Verwaltungsbauten eine immer größere Rolle. Bisher wurden bei Problemen mit sommerlicher Überhitzung wenig effiziente Splitklimaanlagen nachgerüstet - es sollen künftig bei nachhaltigen Modernisierungen sowohl die Möglichkeiten der passiven Verbesserung des Raumklimas ausgeschöpft als auch die Möglichkeiten nachhaltiger Kühlsysteme genutzt werden.
  4. Innovative Fassadensysteme bei der Sanierung:
    Die Mehrzahl der Gebäude wird während der vollen Nutzung modernisiert - ohne vorgefertigte Fassadenelemente würde eine umfassende energetische Sanierung auf hohem Niveau zu sehr hohen Belastungen der NutzerInnen während des Baubetriebes führen (sehr lange Bauzeiten, Maueröffnungen, Staub, Lärm z.B. beim Bohren von Dämmstoffdübeln etc.).

Methodische Vorgehensweise

Projektergebnis dieses Subprojektes sind für den Bauherren BIG aufbereitete Informationen aus Forschungsprojekten und Pilotanwendungen innovativer Technologien in der Sanierung, Anwendungs- bzw. Ausführungsbeispiele sowie Erfahrungsberichte zu innovativen Technologien, damit sie unmittelbar in den Planungsprozessen eingesetzt werden können.

Die wesentlichen Informationen für den Bauherren BIG sind hierbei:

  • Bedingungen für die technische Machbarkeit (z.B. techn. Voraussetzungen auf Gebäudeseite für die leichte Nachrüstung von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung; Voraussetzung für die Installation fixer, lichtlenkender Verschattungselemente etc.)
  • Kritische (technische) Faktoren wie z.B. Störanfälligkeit der Steuerung beweglicher Verschattungselemente, Platzbedarf von Verteilleitungen der Lüftungsanlage
  • Bedingungen für die Wirtschaftlichkeit und Kostentreiber im Gesamtsystem wie z.B. verglaste, öffenbare Elemente in vorgefertigten Fassaden
  • Zielkriterien für die Planerfindung und die Ausschreibungstexte

Auf Basis der Recherchen wird die konkrete Machbarkeit innovativer Technologien bei den Modernisierungsvorhaben der BIG analysiert (Schwerpunkt Büro- und Unterrichtsbauten) und in Form einer Entscheidungsmatrix und Arbeitsbehelfen für Standardprozesse der BIG für Projektverantwortliche aufbereitet.

Es wurden Recherchen und Analysen bei bestehenden nationalen und internationalen Demonstrationsprojekten durchgeführt und durch Interviews mit den Planern, Bauherren zum Thema Erfahrungen und Schwachstellen ergänzt. Die gewonnenen Erkenntnisse werden durch entsprechend aufbereitete, informative Unterlagen vervollständigt und in eine Entscheidungsmatrix integriert. Diese Matrix soll als Standard-Entscheidungsinstrument bei allen Modernisierungsvorhaben dienen. Diese stellt einen wesentlichen Teil des Gesamtprojektes BIGMODERN dar

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Das Subprojekt lieferte einen wertvollen Beitrag in Richtung integralem Planungsprozess. Die Integration von hohen Energieeffizienzkriterien in den Planungsprozess erfolgt künftig an Hand der Beispiele der Planungen in Bruck an der Mur (Amtshaus Bruck) und Innsbruck (Universität – Bauingenieurfakultät) und der erarbeiteten Materialien und Arbeitsbehelfe im vorliegenden Subprojekt.

Bereits im Vorentwurf müssen verschiedene Optimierungsvarianten überlegt und geprüft werden – die Arbeitsbehelfe sind dabei ein erstes Hilfsmittel für die Projektleiter der BIG. Die Anregungen und Empfehlungen für Verbesserungen in der Planung müssen von Seiten des Bauherrn kommen. Der Bauherr muss für Kompetenz im Bereich Energieeffizienz Sorge tragen, sodass die technischen Lösungen des Planers mit Hilfe der erarbeiteten Materialien sorgfältig geprüft werden können. Die erarbeitete Entscheidungsmatrix soll diese Kompetenz innerhalb aufzubauen helfen.

Gleichzeitig müssen der Bauherr sowie der Mieter bereits bei Projektbeginn, wenn das Gebäude definiert wird, jedoch spätestens beim Vorentwurf, wenn die ersten Pläne vorliegen, von den Errichtungskosten sowie den künftigen Betriebskosten informiert werden.

Auf Basis von Lebenszykluskosten kann die ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit gewährleistet werden. Nur wenn den Mietern veranschaulicht werden kann, dass höhere Investitionen aufgrund des hohen Qualitätsstandards durch geringere Betriebskosten wirtschaftlich sinnvoll sind, können energieeffiziente Lösungen umgesetzt werden. Die Auswirkungen auf den Nutzungskomfort sind im Rahmen der Planung aufzuzeigen. Nichtsdestotrotz müssen die beschränkten budgetären Möglichkeiten der Mieter der BIG berücksichtigt werden.

Ausblick

Diese Energieeffizienzstandards sollen künftig für alle Modernisierungsvorhaben der BIG im Gebäudebestand der Bauperiode der 1950er bis 1980er Jahre den Ministerien zur Ausführung empfohlen werden. Dieser Qualitätsstandard muss jedoch von den Ministerien akzeptiert werden, etwaige Mehrkosten durch die Energieeffizienzstandards sind zu budgetieren.

Aus Sicht der BIG ist es notwendig, dass die Ministerien als Auftraggeber der BIG nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden. Ohne aktiven Beitrag der Mieter an der Umsetzung und am Betrieb von energieeffizienten Gebäuden sind hohe Energieeffizienzstandards nicht sinnvoll.

Publikationen

BIGMODERN Subprojekt 5: Machbarkeitsanalysen innovativer technischer Lösungen

Leitprojekt: Nachhaltige Sanierungsstandards für Bundesgebäude der Bauperiode der 50er bis 80er Jahre
Schriftenreihe 43/2012 D. Jäger, et al., Herausgeber: bmvit
Deutsch, 259 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter

Mag. Dirk Jäger
Bundesimmobiliengesellschaft m. b. H.

Projektpartner

  • DI (FH) Gerhard Hofer, Mag. Klemens Leutgöb, DI Margot Grim, Dipl. Umwelt-Natw. ETH Màrton Varga
    e7 Energie Markt Analyse GmbH
  • DI Gerhard Bucar
    Grazer Energieagentur GmbH

Kontaktadresse

Architekt Mag. Dirk Jäger
BIG Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H.
Hintere Zollamtsstraße 1
1031 Wien
Tel.: + 43 05 0244 4829
E-Mail: Dirk.JAeGER@big.at
Web: www.big.at

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