Gründerzeit der Zukunft - Subprojekt 5: Dokumentation und Monitoring

Ziel sind die Dokumentation und das begleitende Monitoring der im Rahmen des Leitprojekts "Gründerzeit mit Zukunft" umgesetzten Demonstrationsprojekte hinsichtlich der umgesetzten Maßnahmen und deren Kosten im Bau und im laufenden Betrieb sowie im Hinblick auf die energetischen Effekte und die Komfortbedingungen und auf die NutzerInnenzufriedenheit und die Erfahrungen mit den Sanierungsprozessen.

Kurzbeschreibung

Dieses Projekt ist ein Subprojekt des Leitprojekts "Gründerzeit mit Zukunft: Innovative Modernisierung von Gründerzeitgebäuden"

Ausgangssituation/Motivation

Gründerzeitgebäude (Bauzeit ca. 1850-1918) sind sowohl durch das Volumen als auch durch die kulturhistorische Prägung des Stadtbildes ein wesentlicher Teil des Baubestandes von Wien und vielen anderen Städten im ehemaligen habsburgischen Einflussbereich. Diese Objekte weisen zwar mehrheitlich eine gute Bausubstanz auf, erfordern jedoch aufgrund des Baualters, spezifischer Merkmale (wie z.B. gegliederte Fassaden, Kellergewölbedecke) und aufgrund des öffentlichen Wunsches nach Erhaltung des Stadtbildes spezielle Sanierungsmethoden und stellen an alle Beteiligten hohe Ansprüche in den Bereichen Gestaltung, Ökonomie und Umsetzung.

Inhalte und Zielsetzungen

Das Leitprojekt „GdZ - Gründerzeit mit Zukunft" setzte sich zum Ziel, multiplizierbare technische und organisatorische Lösungen zu entwickeln und im Rahmen von Demonstrationsgebäuden nutzergerecht und kosteneffizient umzusetzen. Damit sollte ein Beitrag geleistet werden, um den historischen Gebäudebestand energietechnisch und technisch auf einen zeitgemäßen Standard zu bringen.

Das Ziel des Subprojekts GdZ SP5 „Dokumentation und Monitoring" war die Dokumentation und Evaluierung der in den vier Demonstrationsprojekten umgesetzten technischen Maßnahmen.

Methodische Vorgehensweise

Um Aussagen über die tatsächliche Performance des Gebäudes und der einzelnen eingesetzten Technologien treffen zu können, wurden die Gebäude einem technischen Energieverbrauchs- und Komfortmonitoring unterzogen. Neben der Messung von Energieverbräuchen und Komfortparametern konnten im Zuge eines umfassenden Monitorings auch die Nutzerzufriedenheit und die Wirtschaftlichkeit der Sanierungsmaßnahmen evaluiert werden.

Im Zuge des Projekts erfolgte die Dokumentation und das begleitende Monitoring der Best Practice Beispiele über einen Zeitraum von zwei Jahren. In den einzelnen Demonstrationsprojekten wurden erstmals hoch innovative Sanierungsmaßnahmen auf gründerzeitliche Gebäude angewandt und einer intensiven Begleitforschung unterworfen, die folgende Dimensionen umfasst:

  • Dokumentation der umgesetzten technischen Sanierungsmaßnahmen, insbesondere der innovativen Maßnahmen an der Gebäudehülle und der Haustechnik
  • Dokumentation der Kosten der innovativen Sanierungsmaßnahmen für Investition und im laufenden Betrieb
  • Monitoring der Energieverbräuche und zentraler Komfortparameter über zwei Jahre inkl. Auswertung und Optimierung der Betriebsführung
  • Sozialwissenschaftliche Begleitung durch Bewohnerbefragung (Zufriedenheit mit der Sanierung, insbes. mit den umgesetzten innovativen Maßnahmen)
  • Dokumentation der organisatorischen und rechtlichen Barrieren bei der Umsetzung der Demonstrationsgebäude und Formulierung von Empfehlungen für die Überwindung rechtlicher Hindernisse
  • Zertifizierung nach dem Gebäudebewertungssystem TQB der ÖGNB
  • Zusammenfassende Auswertung und Darstellung der Ergebnisse, Schlussfolgerungen hinsichtlich Weiterentwicklung der Wohnbauförderung

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Im Zuge der Demonstrationsprojekte konnten innovative Lösungen und Konzepte für die Sanierung von Gründerzeitgebäuden entwickelt und umgesetzt werden, die sich auch im Betrieb bewährt haben und auf eine Vielzahl von anderen Gebäuden übertragen werden können.

Es wurde gezeigt, dass angemessene technische und organisatorische Lösungen für unterschiedliche Anwendungsfälle zur Verfügung stehen, ausgehend von der jeweiligen Gebäudesituation: z.B. Innendämmung bei gegliederter Fassade, Fensterlösungen für Denkmalschutz und Schutzzone, Kombination mit Dachgeschoß-Ausbau, unterschiedliche Lüftungskonzepte, Konzepte für die Integration von erneuerbaren Energien, Sanierungen in bewohntem Zustand, gebäudeübergreifende Lösungen bezüglich Haustechnik und Innenhofnutzung.
Ein Bedarf an Forschung und Entwicklung bei technischen Lösungen wird weiterhin im Bereich der Fassaden und bei der Bauakustik gesehen. Bei den Fassaden fehlen nach wie vor gestalterische Ansätze für sogenannte „abgeräumte" Fassaden.

Die Ergebnisse des Energieverbrauchs- und Komfortmonitorings zeigen, dass die Gebäude sowohl beim tatsächlichen Energieverbrauch (bereinigt nach HGT und Raumlufttemperatur) als auch bei den Komfortbedingungen für die NutzerInnen den Planwerten bzw. erwarteten Bedingungen entsprechen. Der sommerlichen Überwärmung der Wohnungen sollte jedoch zukünftig in der Planung mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Die Detailuntersuchung der in der Kaiserstraße ausgeführten Innendämmung mit 5 cm Mineralschaumdämmplatte zeigt, dass bei den gegebenen Rahmenbedingungen über den Messzeitraum von drei Heizperioden keine kritischen Feuchtezustände im Außenwandquerschnitt auftreten. Bei der durchgeführten Wärmestrommessung ergeben sich für zwei Messzeiträume dynamische U-Werte der sanierten Außenwand von 0,499 bzw. 0,502 W/m²K. Das 52 cm dicke Bestandsmauerwerk inklusive Verputz weist einen Bestands-U-Wert von 1,12 W/m²K auf. Es liegt somit eine Verbesserung des U-Werts von 0,62 W/m²K vor.

Durch die sozialwissenschaftlichen Begleituntersuchungen der Demonstrationsprojekte wird bestätigt, dass eine mehrheitlich sehr hohe Zufriedenheit der NutzerInnen vorliegt. Die innovative Sanierung wird von Wohnungssuchenden sehr positiv beurteilt. „Altbaufeeling im Passivhaus" bzw. „hier wird auf Nachhaltigkeit geachtet" könnten künftig zum USP (unique selling point) in der Vermarktung werden.

Die hohe Qualität der Gebäude kommt auch in den ÖGNB-Zertifizierungen zum Ausdruck, wobei die historischen Gebäude nach umfassender Sanierung durchwegs die Qualitäten heutiger Neubauten übertreffen. Auch wurden die Demonstrationsprojekte in der einschlägigen Fachpresse und in Fachmagazinen sehr positiv aufgenommen und fanden breite Resonanz bzw. unter anderen mit dem Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit, dem Wiener Stadterneuerungspreis oder dem ETHOSUE Award ausgezeichnet.

Es wurde auch in diesen Projekten deutlich, dass ein systematisches Energieverbrauchs- und Komfortmonitoring schon von Beginn der Planung an mitgedacht werden muss. Besonders deutlich wurde der Nutzen eines systematischen Energieverbrauchsmonitorings im Zuge der Qualitätssicherung der Objekte bzw. einzelner haustechnischer Gewerke.

Aufgrund des detaillierten Kostenmonitorings liegen sowohl detaillierte Angaben zu den Investitionskosten vor als auch zu den Kosten im laufenden Betrieb. Die monatlichen Energiekosten bezogen auf die Nutzfläche (ohne haushaltsbezogene Stromkosten) liegen bei den analysierten Gebäuden im Bereich von 0,52 bis 0,56 €/m²NFL im Monat.

Für die umfassende Sanierung von Gebäuden bestehen nach wie vor erhebliche rechtliche Barrieren, die im Zuge dieses Projekts mit Fokus auf historische Objekte gesondert untersucht wurden um darauf aufbauend konkrete Lösungsvorschläge auszuarbeiten.

Verwertung

Die Ergebnisse aus der Begleitforschung der Demonstrationsprojekte und allgemein aus dem gesamten Leitprojekt sind auf der Projektwebsite Gründerzeit mit Zukunft unter http://www.gruenderzeitplus.at/ veröffentlicht. Der vorliegende Bericht stellt eine Zusammenfassung der Monitoringberichte der einzelnen GdZ Demonstrationsgebäude dar. Detailinformationen und Quellenangaben sind den jeweiligen Berichten zu entnehmen.

Publikationen

Gründerzeit mit Zukunft: Dokumentation und Monitoring von vier Demonstrationsgebäuden

Dokumentation und begleitendes Monitoring der im Rahmen des Leitprojekts "Gründerzeit mit Zukunft" umgesetzten Demonstrationsprojekte hinsichtlich der umgesetzten Maßnahmen und deren Kosten im Bau und im laufenden Betrieb sowie im Hinblick auf die energetischen Effekte und die Komfortbedingungen und auf die NutzerInnenzufriedenheit und die Erfahrungen mit den Sanierungsprozessen. Schriftenreihe 44/2018
J. Rammerstorfer, W. Hüttler, M. Krempl, M. Havel, F. Oettl, K. Sammer, H. Schöberl, P. Wegerer
Herausgeber: BMVIT
Deutsch, 67 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

ProjektleiterIn

e7 Energie Markt Analyse GmbH

Projekt- und Kooperationspartner

  • Havel & Havel BeratungsGmbH
  • Österreichischer Verband der Immobilientreuhänder ÖVI
  • pos architekten ZT-KG
  • Schöberl & Pöll OEG

Kontaktadresse

DI (FH) Johannes Rammerstorfer
e7 Energie Markt Analyse GmbH
Theresianumgasse 7, 1040 Wien
Tel.: +43 (1) 907 80 26 - 63
E-Mail: Johannes.rammerstorfer@e-sieben.at
www.e-sieben.at