Foto: Frontansicht des sozialen Wohnbaus Mühlweg in Wien

Produktion der Zukunft Stakeholderdialog "Vom Rohstoff zum Werkstoff"

16. April 2018, 10.00 - 15.30 Uhr
Haus der Industrie, Ludwig Urban-Saal, Schwarzenbergplatz 4, 1030 Wien

Im Rahmen des Stakeholderdialoges "Vom Rohstoff zum Werkstoff" des BMVIT wurden erfolgreiche Forschungsarbeiten aus der FTI-Initiative "Produktion der Zukunft" zu den Themenschwerpunkten Batterie- und Nanotechnologien vorgestellt.

Veranstalter

bmvit in Kooperation mit der FFG und der Industriellenvereinigung

Rückblick & Vortragsunterlagen

Über 60 TeilnehmerInnen informierten sich am 16. April 2018 beim Stakeholderdialog „Vom Rohstoff zum Werkstoff" über aktuelle Entwicklungen des FTI-Programms „Produktion der Zukunft" und der europäischen Initiative M-ERA.NET (ERA-NET for materials research and innovation). Zentraler Fokus der Veranstaltung waren Forschungsprojekte aus den Bereichen Batterie- und Nanotechnologien. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Chancen und technische Herausforderungen für den Einsatz von Nanotechnologien" wurde über zukünftige Einsatzmöglichkeiten von Nanomaterialien diskutiert.

Nach der Begrüßung von Theodor Zillner (BMVIT) und Dieter Drexel (Industriellenvereinigung) stellte Alexander Pogány (BMVIT) die Programmlinie Produktion der Zukunft vor. Er gab einen Überblick über die zukünftigen Ausrichtungen der kommenden Ausschreibung. Die Schwerpunkte liegen in den Schlüsseltechnologien Nanotechnologie, Werkstoffe (inkl. Rohstoffe), Photonik und Robotik, wobei insbesondere die Integration dieser Technologien in innovative Produkte gefördert werden soll.

Alexandra Kuhn (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft – FFG) präsentierte im Rahmen des Faktencheck zur FTI-Initiative Produktion die aktuelle Einreichstatistik zu Produktion der Zukunft und gab einen Einblick in das M-ERA.NET.

Vorträge zum Themenbereich „Batterietechnolgien"

Helmut Antrekowitsch und Roland Pomberger (Montanuniversität Leoben) gaben einen Einblick in die Wertschöpfungskette von Li-Ionen Batterien. Im Fokus lag das Recycling, da dies in Europa ausgebaut werden sollte, um Rohstoffabhängigkeiten zu verringern. Die Experten zeigten, dass die Herausforderungen von unterschiedlichen Batterietypen bis hin zu problematischen Materialen reichen und plädierten für ein nachhaltiges Produktdesign bei zukünftigen Innovationen.

Die nächste Generation von Materialien in elektrochemischen Energiespeichern war das Thema der Präsentation von Stefan Koller (VARTA Micro Innovation GmbH).

Damian Cupid (AIT) und Martin Artner (Frimenco) stellten das gemeinsame Projekt TimSLIB vor. Dabei sollen die hohen Lithiumspeicherkapazitäten von Zinnsulfiden genutzt werden, um Leistungsdichte, Energiedichte, Kapazität, Zyklenfestigkeit und Zelllebensdauer von Lithium-Ionen-Batterien (LIB) zu erhöhen und somit die Leistung von Elektrofahrzeugen zu verbessern. Ziel des Projektes ist es hochreine Zinnsulfide zu entwickeln, die im Labormaßstab als neue Anodenmaterialien für LIB charakterisiert, untersucht und getestet werden.

Danach zeigte Katja Fröhlich (AIT), wie beim Projekt Pyrobatl gemeinsam mit einen Industriepartner Produktionswege von Mischoxid-Katodenmaterialien für LIB zur Anwendung im Elektromobilitätsbereich entwickelt werden. Durch Nutzung von anderen Ausgangsstoffen, neuen Materialien und innovativen Synthesen wird hierbei eine deutliche Kostensenkung bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung erwartet. So wird erstmals das Sprühröstverfahren in diesem Bereich eingesetzt und hat bei ersten Tests gute Ergebnisse gebracht. In Zukunft wird an einer industrienahen Pouch-Zellen-Fertigung gearbeitet, die den Einsatz von Rohstoffen, insbesondere von seltenen Erden, minimieren soll.

Vorträge zum Themenbereich „Nanotechnologien"

Im zweiten Themenblock präsentierte Dieter Nees (JOANNEUM RESEARCH) das bereits abgeschlossene Projekt NILshim. Dabei wurde eine neue Generation von Polymer-Prägewerkzeugen entwickelt, welche im laufenden Projekt Nano_Outside zur großflächigen Rolle-zu-Rolle-UV-Prägung von witterungsstabilen und kratzfesten nanostrukturierten Antireflexions- und Lichtlenk-Folien verwendet werden. Die neuen Folien sollen zur Vergütung der CZTS Monograin Photovolatik-Folien des Wiener Start-Up-Unternehmens crystalsol gmbh verwendet werden. In ersten Experimenten konnte bereits eine Effizienz-Steigerung dieser neuartigen flexiblen Solarzellen um 6 % erzielt werden.

Danach gab Tung Pham (Universität Innsbruck) einen Einblick in die Entwicklung einer zuverlässigen Technologie zur Herstellung dehnbarer und leitfähiger Textilien. Das Grundkonzept des Projektvorhabens ist eine stromlose Metallbeschichtung auf der Faseroberfläche mittels einer nanoskaligen Vorlage von Metallkeimen. Durch die Bildung von leitfähigen Metallschichten wird die Leitfähigkeit auf der Oberfläche der Polymerfasern realisiert. Die Beweglichkeit der Fasern in der Textilstruktur ermöglicht einen Kontakt auch unter Dehnung und somit die elektrisch leitenden Eigenschaften der elastischen Textilstruktur.

Es folgte Günter Grabher mit einem Einblick in das Smart-Textiles Valley Vorarlberg und einer Vorstellung seines Unternehmens V-trion textile research GmbH. Dort wird intensiv an der Umsetzung von gestickten Kollektoren gearbeitet, die in innovativen Batteriesystemen eingesetzt werden. Dies ermöglicht raschere Aufladung, höhere Spitzenleistung und Mehrkathodenkonzepte, was eine signifikante Gewichtsreduktion erwarten lässt.

Frank von der Kammer (Universität Wien) fuhr mit der Definition von Nanomaterialien und deren möglichen Umweltauswirkungen fort. Dabei machte er deutlich, dass klare internationale Regelungen zur Abgrenzung und Testung in diesem Bereich noch fehlen, aber für die weitere sichere Produktion dringend gebraucht werden. Dann zeigte er, mit welchen technischen Mitteln die genaue Analyse bewerkstelligt wird.

Anton Köck (MC Leoben Forschung GmbH) präsentierte das Projekt „FunkyNano". Hier ist das Ziel die systematische Optimierung von CMOS-integrierten chemischen Sensoren zur Detektion von umweltrelevanten Gasen mittels funktioneller Nanomaterialien. Damit wird ein weltweit einzigartiger Multi-Gassensor-Chip entwickelt, der in Smartphones eingesetzt werden kann.

Zum Abschluss wurde von Leo Schranzhofer (Profactor GmbH) das FFG Projekt AquaNOSE vorgestellt. Es beschäftigt sich mit der Herstellung von Biosensoren zur Detektion von Antibiotika. Zu Demonstrationszwecken wird dabei eine „µf-MEMS cartridge" gefertigt und vervielfältigt, welche die Konzepte aus gedruckter Elektronik, Spritzguss, molekular geprägten Polymeren und Nanoimprintlithographie vereint. Ziel ist es, künstliche Rezeptoren basierend auf molekular geprägten Polymeren zu produzieren und maßgeschneiderte massensensitiven Sensor Chips zu fertigen.

Martin Bauch von AIT stellte in seinem Vortrag „Großflächige Nanostrukturen als Farb- und Infrarotfilter" erste Ergebnisse des Projektes MultiNanoMet vor. In dem Projekt geht es um die großflächige Herstellung von nanostrukturierten, multifunktionalen transparenten Elektroden auf flexiblen Substraten mittels kostengünstiger Rolle-zu-Rolle (R2R) UV-Nanoprägelithographie, ohne zusätzliche Ätz- oder Lift-off-Prozesse. Diese Beschichtungen haben eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, etwa bei farbiger Photovoltaik, als architektonisches Glas sowie als Sonnenschutzglas.

Podiumsdiskussion

Im Anschluss diskutierten Frank von der Kammer (Universität Wien), Tung Pham (Universität Innsbruck) und Günter Grabher (V-trion textile research GmbH) über die Chancen und technischen Herausforderungen für den Einsatz von Nanotechnologien.
Moderation: Alexander Pogany (BMVIT)

Programm

Fotos

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Teilnehmer-Information

Die Teilnahme ist kostenfrei. Aufgrund der beschränkten TeilnehmerInnenzahl bitten wir um rechtzeitige Anmeldung.

Kontaktadresse

ÖGUT – Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik
Karin Granzer-Sudra
Tel.: +43/(0)1/315 63 93 – 26
E-Mail: karin.granzer-sudra@oegut.at

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