IEA SHC Task 68: Effiziente solare Fernwärme­systeme (Arbeitsperiode 2022 - 2024)

Solartechnologien bieten eine besonders effiziente Möglichkeit zur Dekarbonisierung der Nah-/Fernwärmeversorgung. In diesem Projekt wurden die Chancen und Herausforderungen untersucht, um die benötigten Temperaturen in Fernwärmenetzen effizient durch Solartechnologien bereitzustellen, die Digitalisierung voranzutreiben, neue Geschäftsmodelle und Maßnahmen zur Kostenreduktion zu identifizieren sowie das Wissen über das Potential von solaren Fernwärmesystemen zu verbreiten.

Kurzbeschreibung

Das IEA TCP SHC hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Solarenergie-Technologien zur Deckung des Wärme- und Kühlbedarfs für Gebäude bis 2050 auf mehr als 50 % zu erhöhen und somit wesentlich zur Senkung der CO2-Emissionen weltweit beizutragen.

In diesem Zusammenhang wurde bereits der IEA SHC Task 55 durchgeführt, welcher sich mit den technisch-wirtschaftlichen Parametern und Anforderungen sehr großer solarthermischer Anlagen (>0,5 MW bis GW) beschäftigte. Die Bearbeitung des Themas solarer Nah-/Fernwärmesysteme wurde im Task 68 – Efficient Solar District Heating Systems fortgesetzt, vertieft und um aktuelle Fragestellungen und Entwicklungen erweitert.

Dabei verfolgte Task 68 vier Hauptziele:

  1. Effiziente Bereitstellung der Wärme auf dem gewünschten Temperaturniveau von Nah-/Fernwärmesystemen
  2. Erhöhung des Digitalisierungsgrades solarthermischer Systeme
  3. Reduktion von Kosten solarer Nah-/Fernwärmesystemen und Identifikation von neuen Geschäftsmodelle
  4. Schärfung des Bewusstseins und fundierte Dissemination der Ergebnisse zu solaren Nah-/Fernwärmesystemen

Der Task 68 bot dabei eine Plattform für Industrie und Wissenschaft, um die Möglichkeiten, Herausforderungen und Vorteile bzgl. dieser Hauptziele gemeinsam auf internationalem Level und unter der Führung Österreichs zu bearbeiten. Zu diesem Zweck ist der Task 68, wie folgende Abbildung zeigt, in vier Subtasks gegliedert.

Neben der Leitung des gesamten Tasks war auch jene von Subtask B in österreichischer Hand. Weiters waren führende österreichischer Expert:innen aus Industrie und Wissenschaft in das nationale Konsortium eingebunden. Ein Logo-Board, das die internationale Kooperation darstellt, ist weiter unten bei den Projektbildern zu sehen.

Zentrale Erkenntnisse aus dem Projekt

  • Anlagentechnik: Moderne Kollektoren geeigneten Typs können auch bei > 100 °C zuverlässig Wärme liefern. In der Fernwärmeversorgung lassen sich damit Solaranteile von bis 20 % erreichen; in Kombination mit saisonalen Speichern auch deutlich höhere Werte.
  • Digitalisierung: Standardisierte Datenerfassung, KI-basierte Fehlerdiagnose und prognosegestützte Regelstrategien ermöglichen zuverlässigeren Betrieb, schnellere Fehlerbehebung und Effizienzgewinne von bis zu 15 %.
  • Ökonomisch: Durch Standardisierung, industrielle Vorfertigung, größere Anlagen und optimierte Planung können nach Expert:innen-Meinung Investitionskosten um ≈ 11 %, Betriebskosten um ≈ 9 % und Lebenszykluskosten um ≈ 22 % gesenkt werden.
  • Politik & Markt: Langfristig stabile Wärmepreise und hohe Versorgungssicherheit sind erreichbar, erfordern jedoch attraktive Finanzierungsmodelle, angepasste Förderungen und bessere Datenverfügbarkeit.

Fazit

Solare Fernwärme ist technologisch reif, wirtschaftlich konkurrenzfähig und ein Schlüssel zur Dekarbonisierung urbaner Wärmenetze – wenn das Potenzial der Digitalisierung gehoben wird und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Konkrete Ergebnisse aus dem Projekt, zu denen das österreichische Konsortium maßgeblich beigetragen hat, sind ein Algorithmus zur KI-gestützten Fehlererkennung, ein regelbasierter prädiktiver Algorithmus für den Betrieb von Solaranlagen mit Speicher, eine umfassende Übersicht zu offenen Daten in der Solarthermie sowie ein Leitfaden zur Norm ISO 24194:2022 für Leistungsbewertung, in deren Weiterentwicklung und Implementierung in Form von Open-Source-Software die Task-Ergebnisse auch in Zukunft einfließen werden.

Projekt-Bilder

Nutzungshinweis: Die unter Projekt-Bilder aufgelisteten Bilder stammen aus den Projekten, die im Rahmen der Programme Stadt der Zukunft, Haus der Zukunft und IEA Forschungskooperation entstanden sind. Sie dürfen unter der Creative Commons Lizenz zur nicht-kommerziellen Nutzung unter Namensnennung (CC BY-NC) verwendet werden.

Publikationen

IEA Solares Heizen und Kühlen (SHC) Task 68: Effiziente solare Fernwärmesysteme (Arbeitsperiode 2022 - 2024)

Solartechnologien bieten eine besonders effiziente Möglichkeit zur Dekarbonisierung der Nah-/Fernwärmeversorgung. In diesem Projekt wurden die Chancen und Herausforderungen untersucht, um die benötigten Temperaturen in Fernwärmenetzen effizient durch Solartechnologien bereitzustellen, die Digitalisierung voranzutreiben, neue Geschäftsmodelle und Maßnahmen zur Kostenreduktion zu identifizieren sowie das Wissen über das Potential von solaren Fernwärmesystemen zu verbreiten. Schriftenreihe 20/2026
Klaus Lichtenegger, Maria Moser, Christoph Rohringer, Thomas Natiesta, Fabian Ochs
Herausgeber: BMIMI
Deutsch, 50 Seiten

Downloads zur Publikation

Kurz-Präsentation von Sandra Staudt beim IEA Vernetzungstreffen 2022

Das Video wird über Youtube bereitgestellt, dabei wird eine Verbindung zu den Servern von Youtube hergestellt (sh. Datenschutzerklärung).

Projektbeteiligte

Projektleitung

Klaus Lichtenegger
BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH
Inffeldgasse 21b, 8010Graz
E-Mail: klaus.lichtenegger@best-research.eu
Web: best-research.eu

Projektpartner:innen

Christoph Rohringer
AEE - Institut für Nachhaltige Technologien
Feldgasse 19, 8200 Gleisdorf
E-Mail: c.rohringer@aee.at

Thomas Natiesta
AIT Austrian Institute of Technology GmbH
Giefinggasse 4, 1210 Wien
E-Mail: thomas.natiesta@ait.ac.at

Maria Moser
SOLID Solar Energy Systems GmbH
Am Pfangberg 117, 8045 Graz-Andritz
E-Mail: m.moser@solid.at

Fabian Ochs
Universität Innsbruck – Institut für Konstruktion und Materialwissenschaften
Technikerstraße 13, 6020 Innsbruck
E-Mail: fabian.ochs@uibk.ac.at

Teilnehmende Staaten

China, Dänemark, Deutschland, Finnland*, Frankreich, Israel, Italien, Niederlande, Österreich (Leitung), Polen, Schweden, Schweiz, Spanien, Vereinigtes Königreich

* über Kooperation mit TCP District Heating and Cooling (DHC)