Innovative Energietechnologien in Österreich: Marktentwicklung 2020

Biomasse, Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen und Windkraft

Bibliographische Daten

Markterhebung 18/2021
P. Biermayr, C. Dißauer, M. Eberl, M. Enigl, H. Fechner, B. Fürnsinn, M. Jaksch-Fliegenschnee, K. Leonhartsberger, S. Moidl, E. Prem, C. Schmidl, C. Strasser, W. Weiss, M. Wittmann, P. Wonisch, E. Wopienka
Herausgeber: BMK
Deutsch, 273 Seiten

Inhaltsbeschreibung

Motivation, Methode und Inhalt

Die Dokumentation und Analyse der Marktentwicklung der Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie schafft eine Daten-, Planungs- und Entscheidungsgrundlage für zahlreiche Akteursgruppen in der Politik, der Wirtschaft und im Bereich der Forschung und Entwicklung. Die vorliegende Marktstudie "Innovative Energietechnologien in Österreich – Marktentwicklung 2020" schafft diese Grundlagen für die Bereiche feste Biomasse, Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen und Windkraft.

Zur Ermittlung der Marktentwicklung werden technologiespezifische Methoden angewandt, wobei fragebogenbasierte Erhebungen bei Technologieproduzenten, Handelsunternehmen und Installationsfirmen sowie bei den Förderstellen der Länder und des Bundes den zentralen Ansatz darstellen. Weiters werden Literaturanalysen, Auswertungen verfügbarer Statistiken und Internetrecherchen zur Informationsbereitstellung durchgeführt. Die generierten Daten werden in konsistenten Zeitreihen dargestellt, um eine Ausgangsbasis für weiterführende Analysen und strategische Betrachtungen bereitzustellen.

Neben der Darstellung der Marktentwicklung in Stückzahlen oder Leistungseinheiten auf Jahresbasis erfolgt die Ermittlung des in Betrieb befindlichen Anlagenbestandes und des Energieertrages aus dem Anlagenbestand unter der Berücksichtigung der technischen Lebensdauer. Die erforderliche Hilfsenergie für Antriebe und Hilfsaggregate wird berücksichtigt und Nettoeinsparungen von Treibhausgasemissionen werden ausgewiesen. Die dargestellten Branchenumsätze und die Beschäftigungseffekte veranschaulichen die wirtschaftlichen Auswirkungen der unterschiedlichen Technologien in Österreich. Die nachfolgende Darstellung der Ergebnisse erfolgt in alphabetischer Reihung der Technologien.

Einleitung

Die Einflussfaktoren auf die Marktdiffusion der Erneuerbaren im Jahr 2020 waren breit gestreut. Die Auswirkungen der Coronakrise blieben – wie generell in der Bauwirtschaft – noch weitgehend überschaubar und klassische Faktoren wie die Preise fossiler Energie, der bestehende energiepolitische Rahmen und der Wettbewerb unter den Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie dominierten das Geschehen. Vor diesem Hintergrund konnte ein Wachstum des Inlandsmarktes in den Bereichen Biomassekessel, Photovoltaik und Wärmepumpen verzeichnet werden, während in den Bereichen Biomasseöfen, Solarthermie und Windkraft teils deutliche Rückgänge verbucht werden mussten.

Die inhomogene Marktentwicklung der letzten Jahre setzte sich damit auch im Jahr 2020 fort. Ein signifikantes und stabiles Wachstum der jährlich neu installierten Kapazitäten konnte in Österreich während der letzten Dekade ausschließlich im Bereich der Wärmepumpen beobachtet werden, wobei auch im Bereich der Biomassekessel und bei der Photovoltaik zuletzt ein mehrjähriges Marktwachstum zu beobachten war. Die aktuelle Marktentwicklung ist zur Erreichung der nationalen Energie- und Klimaziele für 2030 bzw. 2040 jedoch bei weitem nicht ausreichend. Die gesteckten Ziele können nur durch eine prompte, umfassende und ambitionierte Implementierung effektiver und effizienter energie- und umweltpolitischer Instrumente erreicht werden, wobei die Steigerung der Marktdiffusion aller Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie mit einer Steigerung der Energieeffizienz in allen Nutzenergiesektoren einhergehen muss.

Feste Biomasse – Brennstoffe

Die energetische Nutzung fester Biomasse stellt in Österreich traditionell eine der tragenden Säulen erneuerbarer Energienutzung dar. Der Bruttoinlandsverbrauch fester Biobrennstoffe ist von 142 PJ im Jahr 2007 auf rund 179 PJ im Jahr 2013 gestiegen. 2014 kam es aufgrund der außergewöhnlich milden Witterung zu einem Rückgang, um in den Folgejahren wieder anzusteigen – siehe Abbildung 1. 2018 und 2019 sind bedingt durch eine milde Witterung wieder etwas geringere Verbrauchsdaten zu beobachten. Im Jahr 2020 stieg der Bruttoinlandsverbrauch fester Biobrennstoffe aufgrund der Witterungsbedingungen und stärkerer Absätze von Biomassetechnologien wieder auf 185,25 PJ an.

Der Hackgutverbrauch stieg seit Beginn der 1980er Jahre, mit Ausnahme 2014, kontinuierlich an und erreichte im Jahr 2017 ein Maximum von rund 88,8 PJ. Im Jahr 2020 betrug der Hackgutverbrauch 84,5 PJ. Der Pelletsmarkt entwickelte sich bis zum Jahr 2006 mit einem jährlichen Wachstum von 30 % bis 40 % pro Jahr. Diese Entwicklung wurde im Jahr 2006 durch eine temporäre Pelletsverknappung und -verteuerung gebremst und erholte sich anschließend wieder. Im Vergleich zu 2019 stieg der nationale Pelletsverbrauch im Jahr 2020 um 6,3 % auf rund 17,3 PJ (1.015.000 t) Pellets. Zur Sicherung der Pelletsversorgung haben 28 aktive österreichische Pelletsproduzenten eine Produktionskapazität von rund 1,75 Mio.t/a aufgebaut.

Mittels fester biogener Brennstoffe konnten im Jahr 2020 rund 9,2 Mio. t CO2äqu eingespart werden. Die Biobrennstoffbranche konnte 2020 einen Gesamtumsatz von 1,580 Mrd. € erwirtschaften, was in dieser Branche einem Beschäftigungseffekt von 18.376 Vollzeitarbeits-plätzen entspricht. Der Erfolg der Bioenergie hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit geeigneter Rohstoffe zu wettbewerbsfähigen Preisen ab. Aktuell ist die Rohstoffverfügbarkeit aufgrund von Kalamitäten in Österreich und den Nachbarländern sehr hoch. Neben der klassischen Nutzung zur Raumwärmebereitstellung rückt zunehmend auch die Rolle der Bioenergie als Teil eines Gesamtsystems in Kombination mit anderen Erneuerbaren in den Fokus. Hier können Biomassebrennstoffe vor allem als leicht speicherbare Energieträger punkten. Im Sinne einer möglichst effizienten Ressourcennutzung ist in diesem Zusammenhang auch die Co-Produktion von Strom und/oder stofflichen Produkten wie z. B. Pflanzenkohle von großem Interesse.

Feste Biomasse – Kessel und Öfen

Der Markt für Biomassekessel wuchs in Österreich im Zeitraum von 2000 bis 2006 kontinuierlich mit hohen Wachstumsraten. 2007 reduzierte sich der Absatz aller Kesseltypen aufgrund der niedrigen Ölpreise, siehe Abbildung 2. Im Jahr 2007 kamen die Auswirkungen einer Verknappung des Handelsgutes Holzpellets hinzu, wodurch die Pelletspreise signifikant stiegen und der Pelletskesselmarkt in der Größenordnung von 60 % eingebrochen ist. 2009 kam es aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise neuerlich zu einem Rückgang der Verkaufszahlen um 24 %. Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren fort, mit Ausnahme der Pelletkessel, welche in den Jahren 2011 und 2012 steigende Verkaufszahlen verzeichnen konnten. Gründe für die sinkenden Verkaufszahlen waren steigende Biomassebrennstoff-preise und vorgezogene Investitionen in den Jahren nach der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie niedrige Ölpreise und hohe Durchschnittstemperaturen. Seit 2019 steigen die Absatzzahlen wieder deutlich an. Die Verkaufszahlen der Pelletsfeuerungen erhöhten sich im Jahr 2020 um 21,9 %, jene der Stückholz-Pellets-Kombikessel sogar um 45,2 %. Die Verkaufszahlen der Hackgutkessel (<100 kW) legten um 6,9 % zu, jene der Stückholzkessel um 10,9 %.

Im Jahr 2020 wurden auf dem österreichischen Markt 8.132 Pelletkessel, 2.315 typen-geprüfte Stückholzkessel, 1.215 Stückholz-Pellets Kombikessel sowie 2.057 Hackschnitzelkessel – jeweils alle Leistungsklassen – abgesetzt. Zusätzlich konnten mindestens 1.800 Pelletöfen, 4.600 Herde und 6.000 Kaminöfen verkauft werden. Österreichische Biomassekesselhersteller setzen typischer Weise ca. 77 % - 80 % ihrer Produktion im Ausland ab. Durch die Wirtschaftstätigkeit im Biomassekessel- und -ofenmarkt konnte 2020 ein Umsatz von 1.016 Mio. Euro erwirtschaftet werden, was einen Beschäftigungseffekt von 4.198 Arbeits-plätzen mit sich brachte. Forschungsanstrengungen bei Biomassekesseln fokussieren auf die weitere Reduktion der Emissionen und den Einsatz von Biomasse als Energieträger in industriellen und gewerblichen Prozessen mit hohem Wärmebedarf. Um weiterhin Erfolge auf internationalen Märkten erzielen zu können, ist möglichst eine Kostensenkung der Anlagentechnik unter Beibehaltung der hohen technischen Qualität förderlich.

Photovoltaik

Der Photovoltaikmarkt erlebte in Österreich nach einer frühen Phase der Innovatoren und autarken Anlagen ab den 1980er Jahren mit dem Ökostromgesetz 2003 seinen ersten Aufschwung, brach aber bald danach im Jahr 2004 durch die Deckelung der Tarifförderung auf 15 MWpeak wieder ein. Nach einem durch eine Förderanomalie ausgelösten Rekordzuwachs im Jahr 2013 hat sich der PV-Markt in den Folgejahren bei jährlichen Zubauraten zwischen 150 MWpeak und 190 MWpeak eingependelt.

Nach einer Steigerung der neu installierten Leistung im Jahr 2019 auf 247 MWpeak, konnte auch im Jahr 2020 ein deutlicher Zuwachs erreicht werden: Wie in Abbildung 3 ersichtlich, wurden Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 340,8 MWpeak neu installiert, was einem Zuwachs von ca. 38 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. In Österreich waren damit Ende 2020 Photovoltaikanlagen mit einer kumulierten Gesamtleistung von 2.043 MWpeak in Betrieb. Das entspricht einem Anstieg von 20 %. Die in Österreich in Betrieb befindlichen Photovoltaikanlagen führten 2020 zu einer Stromproduktion von mindestens 2.043 GWh und damit zu einer Reduktion der CO2äqu-Emissionen im Umfang von 888.063 Tonnen.

Die österreichische Photovoltaikindustrie beschäftigt sich mit der Herstellung von Modulen, Wechselrichtern und weiteren Komponenten, der Planung, Installation, dem Monitoring und der Wartung von Anlagen sowie mit Forschung und Entwicklung. In diesem Wirtschaftssektor waren im Jahr 2020 2.755 Vollzeitarbeitsplätze zu verbuchen. Der mittlere Systempreis einer netzgekoppelten 5 kWpeak Photovoltaikanlage in Österreich ist im Vergleich zum Vorjahr von 1.568 Euro/kWpeak exkl. MwSt. auf 1.506 Euro/kWpeak exkl. MwSt. gesunken. Für Österreich ist besonders die Entwicklung von photovoltaischen Systemen zur Gebäudeintegration von strategischer Bedeutung, da genau in dieser Sparte eine besonders hohe nationale Wertschöpfung erreichbar scheint. Mit einem BIPV (Bauwerkintegrierte PV) Forschungs- und Innovationsschwerpunkt könnte die Chance für Österreichs Industrie bestehen, eine Nische zu besetzen, die weltweit Chancen für bedeutende Exportmärkte eröffnet. Dabei betrifft die Integration nicht nur architektonische, sondern auch systemische Aspekte der optimalen Nutzung des lokal erzeugten Stromes.

Solarthermie

Bereits in den 1980er Jahren erlebte die thermische Solarenergienutzung einen ersten Boom im Bereich der Warmwasserbereitung und der Erwärmung von Schwimmbädern. Zu Beginn der 1990er Jahre gelang es, den Anwendungsbereich der Raumheizung für die thermische Solarenergie zu erschließen. Zwischen dem Jahr 2002 und 2009 stiegen die Verkaufszahlen rasant und erreichten im Jahr 2009 mit einer installierten Kollektorfläche von 364.887 m², entsprechend einer Leistung von 255 MWth den historischen Höchstwert. Diese Entwicklung war auf den Anstieg der Energiepreise, sowie die Erweiterung der Einsatzbereiche der thermischen Solarenergie auf den Mehrfamilienhausbereich, den Tourismussektor und die Einbindung von Solarenergie in Nah- und Fernwärmenetze sowie in gewerbliche und industrielle Anwendungen zurückzuführen.

Nach der Phase des massiven Wachstums bis zum Jahr 2009 ist der Inlandsmarkt nun seit mehr als einer Dekade rückläufig. Diese Entwicklung ist nicht nur in Österreich, sondern bis auf wenige Ausnahmen auch in den meisten europäischen Ländern ähnlich. Auch im Jahr 2020 verzeichnete der österreichische Inlandsmarkt im Vergleich zum Jahr 2019 wieder einen Rückgang um 17,0 %.

Mit Ende des Jahres 2020 waren in Österreich 4,9 Millionen Quadratmeter thermische Kollektoren in Betrieb, was einer installierten Leistung von 3,4 GWth entspricht. Der Nutzwärmeertrag dieser Anlagen lag bei 2.116 GWhth. Damit werden unter Zugrundelegung des österreichischen Wärmemixes 345.637 Tonnen an CO2äqu-Emissionen vermieden.

Im Jahr 2020 wurden 76.060 m² thermische Sonnenkollektoren, entsprechend einer Leistung von 53,2 MWth neu installiert, siehe Abbildung 4.

Der Exportanteil thermischer Kollektoren stieg von 81 % im Jahr 2019 auf 84 % im Jahr 2020. Der Umsatz der Solarthermiebranche wurde für das Jahr 2020 mit 131,1 Mio. Euro abgeschätzt und die Anzahl der Vollzeitarbeitsplätze kann mit ca. 1.100 beziffert werden.

Wärmepumpen

Die historische Entwicklung des Wärmepumpenmarktes in Österreich ist von einer ersten Phase einer starker Marktdiffusion von Brauchwasserwärmepumpen in den 1980er Jahren, einem deutlichen Markteinbruch in den 1990er Jahren und einer zweiten Phase einer starken Marktdiffusion von Heizungswärmepumpen ab dem Jahr 2001 gekennzeichnet – siehe Abbildung 5.

Die Verbreitung von Heizungswärmepumpen fand ab dem Jahr 2001 parallel zur Marktdiffusion von energieeffizienten Gebäuden statt, die durch einen geringen Heizwärmebedarf und geringe Heizungsvorlauftemperaturen gute Bedingungen für den energieeffizienten und wirtschaftlich attraktiven Einsatz von Wärmepumpen boten.

Der Gesamtabsatz von Wärmepumpen (Inlandsmarkt plus Exportmarkt für alle Anwendungen und Leistungsklassen) steigerte sich von 43.665 Anlagen im Jahr 2019 auf 47.192 Anlagen im Jahr 2020. Dies entspricht einem Wachstum von 8,1 %. Ein Wachstum war dabei sowohl im Inlandsmarkt (+8,0 %) als auch im Exportmarkt (+8,3 %) zu beobachten. Ein starkes Wachstum war dabei vor allem bei Heizungswärmepumpen in der kleinsten Leistungsklasse bis 10 kW zu beobachten. Die Verkaufszahlen für Brauchwasserwärmepumpen zeigten im Inlandsmarkt einen Anstieg von 3,1 % und im Exportmarkt einen Anstieg um 1,7 %.

Der Anteil des Exportmarktes am Gesamtabsatz betrug im Jahr 2020 nach Stückzahlen 32,8 % und war damit unverändert wie 2019. Der Wirtschaftsbereich Wärmepumpe (Produktion, Handel, Installation und monetarisierte Umweltwärme) erzielte im Jahr 2020 einen Gesamtumsatz von 870 Mio. Euro und einen Beschäftigungseffekt von 1.721 Vollzeitarbeitsplätzen. Weiters konnten im Jahr 2020 durch den Einsatz von Wärmepumpen 832.853 Tonnen CO2äqu Emissionen vermieden werden.

Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen fokussieren bei Wärmepumpensystemen zurzeit auf Kombinationsanlagen mit anderen Technologien wie z. B. mit solarthermischen Anlagen oder Photovoltaikanlagen, auf die Erschließung von neuen Energiedienstleistungen wie die Raumkühlung- und Klimatisierung oder auch die Gebäudetrockenlegung im Sanierungsbereich. Der Einsatz neuer Antriebsenergien wie Erdgas und der Einsatz in smart grids ergänzen das Innovationsspektrum.

Windkraft

Die historische Marktentwicklung der Windkraft in Österreich ist in Abbildung 6 dargestellt. Während im Jahr 2019 der Ausbau der Windkraft auf niedrigem Niveau weitergehen konnte, kam dieser im Jahr 2020 fast komplett zum Erliegen. So wurden in Österreich lediglich 7 Windkraftanlagen mit insgesamt 25 MW neu errichtet. Von den insgesamt 7 Anlagen entfielen 4 Anlagen mit 17 MW auf Niederösterreich und 3 Anlagen mit 8 MW auf das Burgenland. Gleichzeitig wurden rund 66 MW an Windkraftleistung abgebaut. Damit übersteigt die in einem bestimmten Jahr abgebaute Windkraftleistung erstmals jene der zugebauten. Ende des Jahres 2020 waren damit 1.295 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 3.105 MW am Netz. Diese Leistung ermöglichte eine durchschnittliche jährliche Stromproduktion von 7 TWh, was ca. 11 % des österreichischen Stromverbrauchs entspricht. Verglichen mit dem Bestand Ende 2019 reduzierte sich das Stromerzeugungspotential aus Windkraft damit sogar geringfügig.

Insgesamt wurde im Jahr 2020 von der Windkraftbranche – darunter Windenergiebetreiber-firmen, Zulieferbetriebe und Dienstleistungsunternehmen – ein Gesamtumsatz von ca. 981 Mio. Euro erwirtschaftet.

In der österreichischen Windbranche waren Ende 2020 rund 3.690 Personen beschäftigt. Davon 2.609 in den Bereichen Errichtung, Rückbau, Wartung und Service sowie 481 bei Betreibern von Windkraftanlagen. Aus der zuliefernden Industrie wurden rund 2.350 Beschäftigte gemeldet.

Die durch die Ökostromnovelle 2019 fertig genehmigten 250 Projekte und die seit 2015 auf die Realisierung wartenden Projekte mit einer Leistung von 1.150 MW werden vorraussichtlich erst im Jahr 2021 bis 2025 realsiert. Dadurch werden bis 2025 über 1 GW Windkraftleistung neu errichtet und Investitionen von 1,7 Milliarden Euro generiert werden. Zusätzlich entstehen 640 Dauerarbeitsplätze. Neue Projekte haben derzeit keine Perspektive auf einen Fördervertrag, weil die Mittel im Ökostromgesetz bis Ende 2021 ausgeschöpft sind. Die Windkraftbranche wartet daher auf die rasche Finalisierung des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) im Jahr 2021.

Schlussfolgerungen

Die Marktentwicklung im Bereich der untersuchten Technologien war im Jahr 2020 im österreichischen Inlandsmarkt – wie schon in den Vorjahren – sehr heterogen, wobei sich die technologiespezifischen Trends der Vorjahre weitestgehend bestätigt haben. Langfristig stabile Entwicklungen sind dabei lediglich das seit dem Jahr 2000 stattfindende stetige Wachstum der Verkaufszahlen von Heizungswärmepumpen und der seit dem Jahr 2010 zu beobachtende kontinuierliche Rückgang der Verkaufszahlen im Bereich der Solarthermie. Ein zumindest mehrjähriges Wachstum kann im Bereich der Photovoltaik seit dem Jahr 2017 und im Bereich der Biomassekessel seit 2019 beobachtet werden. Im Bereich der Windkraft fand im Berichtsjahr 2020, wie schon davor im Zeitraum 2007 bis 2010, nur ein marginaler Ausbau statt, der wegen der gleichzeitig stattfindenden Dekommissionierung von alten Bestandsanlagen zu einem Rückgang der in Betrieb befindlichen Windkraftleistung führte.

Konkrete Fahrpläne für eine Dekarbonisierung der österreichischen Energieversorgung in den Bereichen Strom und Wärme werden in den Studien "Stromzukunft 2030" von Resch et al. (2016) und "Wärmezukunft 2050" von Kranzl et al. (2018) dargestellt. Die zur Erreichung der nationalen Klima- und Energieziele erforderlichen Diffusionsraten von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie liegen dabei jeweils deutlich über den aktuell messbaren Entwicklungen.

So müsste die jährliche Stromproduktion aus Photovoltaik von 2,0 TWh im Jahr 2020 auf 11,3 TWh im Jahr 2030 gesteigert werden, was einem gleichmäßigen jährlichen Zubau von 930 MWpeak im Zeitraum von 2021 bis 2030 entspricht. Der Ersatz von Altanlagen spielt im Bereich der Photovoltaik in diesem Zeitraum wegen des gegebenen Diffusionsverlaufs noch keine nennenswerte Rolle. Der Zubau an Photovoltaik im Jahr 2020 in der Höhe von 341 MWpeak müsste folglich für die Zielerreichung bereits im Jahr 2021 um den Faktor 2,7 gesteigert werden. Erfolgt diese Steigerung nicht prompt, so muss – wenn die Ziele erreicht werden sollen – dieses Versäumnis im weiteren Diffusionsverlauf bis 2030 nachgeholt werden. Dies führt in der Folge jedoch zu immer größeren Herausforderungen.

Im Bereich der Windkraft müsste eine Steigerung der Stromproduktion von 7,1 TWh im Jahr 2020 auf 17,5 TWh im Jahr 2030 erfolgen. Dies entspricht einer jährlichen Netto-Neuinstallation von Windkraftanlagen im Umfang von ca. 456 MW für den Zeitraum von 2020 bis 2030, was auch das historische Diffusionsmaximum aus dem Jahr 2014 mit 408 MW deutlich übertrifft. Zu alledem ist zu berücksichtigen, dass im Zeitraum 2020 bis 2030 rund 1 GW Windkraftleistung zur Dekommissionierung ansteht und diese Leistung durch zusätzlichen Neubau kompensiert werden muss. Dies gilt jeweils unter der Voraussetzung, dass der in dem Szenario angenommene Ausbau weiterer Strombereitstellungstechnologien auf Basis Erneuerbarer wie Wasserkraft, Biomasse KWK, Biogas etc. tatsächlich stattfindet und sich die Steigerung der Nachfrage trotz Elektrifizierung des Mobilitätssektors etc. in den angenommenen Grenzen bewegt.

Ähnliche Herausforderungen sind im Wärmebereich zu bewältigen. In diesem Bereich geht es einerseits darum, die Neuinstallation jeglicher Wärmebereitstellungssysteme auf Basis fossiler Energie inklusive des weiteren Ausbaus der damit zusammenhängenden Infrastrukturen prompt zu unterbinden und andererseits den großen Anlagenbestand zur Nutzung fossiler Energie zügig durch Erneuerbare zu ersetzen. Die vermeintlich lange, hierfür zur Verfügung stehende Zeitspanne bis 2040 ist aufgrund der langen Anlagenlebensdauern selbst unter den Rahmenbedingungen ambitionierter Szenarien knapp bemessen und erfordert unverzügliches Handeln. In diesem Sinne wird jedes im Jahr 2021 neu installierte Heizsystem auf Basis fossiler Energie aus einer rein technischen Sicht im Anlagenbestand 2040 enthalten sein und die Erreichung der Ziele verhindern, da diese Systeme in der Regel länger als 20 Jahre in Betrieb sind. Eine vorzeitige Dekommissionierung solcher Anlagen ist im weiteren Verlauf zwar prinzipiell möglich, diese erfordert jedoch politischen Mut (normative Instrumente) und entsprechende finanzielle Mittel (anreizorientierte Instrumente und soziale Abfederung).

Grundvoraussetzung für eine vollständig erneuerbare Wärmeversorgung ist weiters die Halbierung des Energieverbrauchs im Wärmesektor. Effektive Maßnahmen wie die thermische Gebäudesanierung sollten dabei synchron mit der Umstellung auf Erneuerbare erfolgen. Wenig ambitioniert sanierte Gebäude und deren Wärmebedarf verbleiben ebenfalls weit über den Zielhorizont 2040 im Bestand und verhindern in der Folge die Erreichung der Ziele im Wärmebereich.

Ein wichtiges Signal für den Umbruch im Wärmesektor war die Beendigung der Förderung von neuen Ölkesseln durch die österreichische Mineralölindustrie im Jahr 2019 und der gleichzeitige Start der "Raus aus dem Öl" Kampagnen auf Bundes- und Länderebene. Dieser Impuls führte bereits zu deutlichen Wachstumseffekten bei den Pelletskesseln und bei den Heizungswärmepumpen. Die Verkaufszahlen von Wärmebereitstellungssystemen auf Basis fossiler Energie zeigen jedoch, dass die bisherigen Bemühungen zur Zielerreichung prompt und massiv verstärkt werden müssen. Der Verkauf von Erdgas-Brennwertgeräten reduzierte sich laut Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten von 2019 auf 2020 bloß um 2 % auf 46.000 Stück und jener von Ölkessel reduzierte sich um 35 % auf 3.000 Stück. Demnach wurden im Jahr 2020 in Österreich noch ca. 49.000 Wärmebereitstellungssysteme auf Basis fossiler Energie neu installiert. Fast jedes zweite in Österreich verkaufte Heizsystem war damit ein System auf Basis fossiler Energie.

Das Regierungsprogramm 2020–2024 der österreichischen Bundesregierung enthält ein detailliertes, weitreichendes und ambitioniertes Programm zum Thema Klimaschutz und Energie. Es enthält das klare Ziel, Österreich bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu machen. Dieses Vorhaben bringt viele Chancen für die österreichische Wirtschaft, die einen Innovations- und Produktionsvorsprung für Marktführerschaften und Patente nutzen kann. Dieser Ansatz bringt auch die Chance einer hohen nationalen Wertschöpfung mit sich, da ein frühzeitiger Ausbau des Inlandsmarktes auch große Exportchancen schafft. Österreich könnte auf diese Weise seine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz und erneuerbare Energie wiedererlangen und entsprechend nutzen. Da sich Technologie- und Finanzbedarf zur Umsetzung des Regierungszieles gut abschätzen lassen, wird empfohlen, einen entsprechenden Plan bis zum Zielhorizont verbindlich zu fixieren und auf eine Art und Weise zu implementieren, welche auch InvestorInnen mobilisiert und die erforderlichen hohen Diffusionsraten ermöglicht.

Die Studie wird am 17. Juni 2021 beim Webinar "Mit Energieforschung und innovativen Energie- und Speichertechnologien zur Energiewende" vorgestellt.

Downloads