Innovative Energietechnologien in Österreich: Marktentwicklung 2019

Biomasse, Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen und Windkraft

Bibliographische Daten

Markterhebung 14/2020
P. Biermayr, C. Dißauer, M. Eberl, M. Enigl, H. Fechner, B. Fürnsinn, M. Jaksch-Fliegenschnee, K. Leonhartsberger, S. Moidl, E. Prem, C. Schmidl, C. Strasser, W. Weiss, M. Wittmann, P. Wonisch, E. Wopienka
Herausgeber: BMK
Deutsch, 266 Seiten

Inhaltsbeschreibung

Motivation, Methode und Inhalt

Die Dokumentation und Analyse der Marktentwicklung der Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie schafft eine Daten-, Planungs- und Entscheidungsgrundlage für zahlreiche Akteursgruppen in der Politik, der Wirtschaft und im Bereich der Forschung und Entwicklung. Die vorliegende Marktstudie "Innovative Energietechnologien in Österreich – Marktentwicklung 2019" schafft diese Grundlagen für die Bereiche feste Biomasse, Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen und Windkraft.

Zur Ermittlung der Marktentwicklung werden technologiespezifische Methoden angewandt, wobei fragebogenbasierte Erhebungen bei Technologieproduzenten, Handelsunternehmen und Installationsfirmen sowie bei den Förderstellen der Länder und des Bundes den zentralen Ansatz darstellen. Weiters werden Literaturanalysen, Auswertungen verfügbarer Statistiken und Internetrecherchen zur Informationsbereitstellung durchgeführt. Die generierten Daten werden in konsistenten Zeitreihen dargestellt, um eine Ausgangsbasis für weiterführende Analysen und strategische Betrachtungen bereitzustellen.

Neben der Darstellung der Marktentwicklung in Stückzahlen oder Leistungseinheiten auf Jahresbasis erfolgt die Ermittlung des in Betrieb befindlichen Anlagenbestandes und des Energieertrages aus dem Anlagenbestand unter der Berücksichtigung der technischen Lebensdauer. Die erforderliche Hilfsenergie für Antriebe und Hilfsaggregate wird thematisiert und Nettoeinsparungen von Treibhausgasemissionen werden ausgewiesen. Die dargestellten Branchenumsätze und die Beschäftigungseffekte veranschaulichen die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der unterschiedlichen Technologien in Österreich. Die nachfolgende Darstellung der Ergebnisse erfolgt in alphabetischer Reihung der Technologien.

Einleitung

Die Marktentwicklung der Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie wurde im Jahr 2019 von ähnlichen hemmenden und fördernden Faktoren beeinflusst, wie schon in den Jahren davor. Die anhaltend niedrigen bis moderaten Preise fossiler Energieträger, geringe Sanierungsraten, verhaltene Signale aus dem Bereich der energiepolitischen Instrumente, der Wettbewerb unter den Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie selbst und nicht zuletzt die milde Witterung wirkten diffusionshemmend, während das allgemeine Wirtschaftswachstum und die steigenden Privatausgaben diffusionsfördernd wirkten. Vor diesem Hintergrund konnte ein Wachstum des Inlandsmarktes im Jahr 2019 nur in den Bereichen Wärmepumpen, Photovoltaik sowie Pelletskessel beobachtet werden. Der Absatz von Biomasse-Brennstoffen stagnierte, während die Technologiebereiche Scheitholzkessel, Biomasseöfen, Solarthermie und Windkraft teils deutliche Marktrückgänge aufwiesen.

Der Trend der zögerlichen bis rückläufigen Marktentwicklung der letzten Jahre findet damit auch im Jahr 2019 seine Fortsetzung, auch wenn Gewinner und Verlierer über die Jahre fallweise wechseln. Verlässlich und dynamisch wachsende Diffusionsraten, wie sie für einen Systemwechsel von fossiler zu erneuerbarer Energie erforderlich wären, können in den vergangen Jahren ausschließlich im Sektor Wärmepumpen beobachtet werden. Sollen die gesteckten nationalen Energie- und Klimaziele für 2030 bzw. 2040 erreicht werden, muss den diffusionshemmenden exogenen Faktoren entschieden begegnet werden. Hierfür müssen die Anstrengungen im Bereich der Energie- und Umweltpolitik deutlich gesteigert werden und effektive sowie effiziente Instrumente müssen verstärkt zur Anwendung kommen.

Feste Biomasse – Brennstoffe

Die energetische Nutzung fester Biomasse stellt in Österreich traditionell eine der tragenden Säulen erneuerbarer Energienutzung dar. Der Bruttoinlandsverbrauch fester Biobrennstoffe ist von 142 PJ im Jahr 2007 auf rund 179 PJ im Jahr 2013 gestiegen. 2014 kam es aufgrund der außergewöhnlich milden Witterung zu einem Rückgang, um in den Folgejahren wieder anzusteigen – siehe Abbildung 1. 2018 und 2019 sind bedingt durch eine milde Witterung wieder etwas geringere Verbrauchsdaten zu beobachten. Im Jahr 2019 betrug der Bruttoinlandsverbrauch fester Biobrennstoffe 180,5 PJ. Der Hackgutverbrauch stieg seit Beginn der 1980er Jahre, mit Ausnahme 2014, kontinuierlich an und erreichte im Jahr 2017 ein Maximum von rund 88,8 PJ. Im Jahr 2019 betrug der Hackgutverbrauch nur 83,2 PJ. Der Pelletsmarkt entwickelte sich bis zum Jahr 2006 mit einem jährlichen Wachstum von 30 % bis 40 % pro Jahr. Diese Entwicklung wurde im Jahr 2006 durch eine temporäre Pelletsverknappung und -verteuerung gebremst und erholte sich anschließend wieder. Im Vergleich zu 2018 steigt der nationale Pelletsverbrauch im Jahr 2019 um 0,5 % auf rund 16,2 PJ (955.000 t) Pellets. Zur Sicherung der Pelletsversorgung haben 29 österreichische Pelletsproduzenten eine Produktionskapazität von 1,66 Mio.t/a aufgebaut.

Mittels fester biogener Brennstoffe konnten im Jahr 2019 rund 9,3 Mio. t CO2äqu eingespart werden. Die Biobrennstoffbranche konnte 2019 einen Gesamtumsatz von 1,535 Mrd. € erwirtschaften, was in dieser Branche einem Beschäftigungseffekt von 17.540 Vollzeitarbeits-plätzen entspricht. Der Erfolg der Bioenergie hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit geeigneter Rohstoffe zu wettbewerbsfähigen Preisen ab. Aktuell ist die Rohstoffverfügbarkeit aufgrund von Kalamitäten in Österreich und den Nachbarländern sehr hoch. Neben der klassischen Nutzung zur Raumwärmebereitstellung rückt zunehmend auch die Rolle der Bioenergie als Teil eines Gesamtsystems in Kombination mit anderen Erneuerbaren in den Fokus. Hier können Biomassebrennstoffe vor allem als leicht speicherbare Energieträger punkten. Im Sinne einer möglichst effizienten Ressourcen-Nutzung ist in diesem Zusammenhang auch die Co-Produktion von Strom und/oder stofflichen Produkten wie z.B. Pflanzenkohle von großem Interesse.

Feste Biomasse – Kessel und Öfen

Der Markt für Biomassekessel wuchs in Österreich im Zeitraum von 2000 bis 2006 kontinuierlich mit hohen Wachstumsraten. 2007 reduzierte sich der Absatz aller Kesseltypen aufgrund der niedrigen Ölpreise, siehe Abbildung 2. Im Jahr 2007 kamen die Auswirkungen einer Verknappung des Handelsgutes Holzpellets hinzu, wodurch die Pelletspreise signifikant stiegen. Dies bewirkte einen Markteinbruch am Pelletskesselmarkt in der Größenordnung von 60 %. 2009 kam es aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise neuerlich zu einem Rückgang der Verkaufszahlen um 24 %. Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren fort, mit Ausnahme der Pelletkessel, welche in den Jahren 2011 und 2012 steigende Verkaufszahlen verzeichnen konnten. Gründe für die sinkenden Verkaufszahlen waren steigende Biomassebrennstoffpreise und vorgezogene Investitionen in den Jahren nach der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie niedrige Ölpreise und hohe Durchschnittstemperaturen. Im Jahr 2019 konnten aber – mit Ausnahme der Stückholzkessel (-15,0 %) – wieder steigende Absätze beobachtet werden. Die Verkaufszahlen der Pelletsfeuerungen stiegen um 30,5 %, jene der Stückholz-Pellets-Kombikessel um 21,5 %. Die Verkaufszahlen der Hackgutkessel (<100 kW) stagnierten mit -0,6 %.

Im Jahr 2019 wurden auf dem österreichischen Markt 6.750 Pelletkessel, 2.088 typen-geprüfte Stückholzkessel, 837 Stückholz-Pellets Kombikessel sowie 1.920 Hackschnitzelkessel – jeweils alle Leistungsklassen – abgesetzt. Zusätzlich konnten 1.838 Pelletöfen, 5.494 Herde und 6.368 Kaminöfen verkauft werden. Österreichische Biomassekesselhersteller setzen typischer Weise ca. 80 % ihrer Produktion im Ausland ab. Durch die Wirtschaftstätigkeit im Biomassekessel- und -ofenmarkt konnte 2019 ein Umsatz von 942 Mio. Euro erwirtschaftet werden, was einen Beschäftigungseffekt von 3.876 Arbeitsplätzen mit sich brachte. Forschungsanstrengungen bei Biomassekesseln fokussieren auf die weitere Reduktion der Emissionen und den Einsatz von Biomasse als Energieträger in industriellen und gewerblichen Prozessen mit hohem Wärmebedarf. Um weiterhin Erfolge auf internationalen Märkten erzielen zu können, ist eine weitere Kostensenkung der Anlagentechnik unter Beibehaltung der hohen technischen Qualität erforderlich.

Photovoltaik

Der Photovoltaikmarkt erlebte in Österreich nach seiner frühen Phase der Innovatoren und autarken Anlagen ab den 1980er Jahren mit dem Ökostromgesetz 2003 seinen ersten Aufschwung, brach aber bald danach im Jahr 2004 durch die Deckelung der Tarifförderung wieder ein. Nach einem durch eine Förderanomalie ausgelösten Rekordzuwachs im Jahr 2013 hat sich der PV-Markt in den Folgejahren bei jährlichen Zubauraten zwischen 150 und 190 MWpeak eingependelt. Im Jahr 2019 konnte jedoch eine deutliche Steigerung erreicht werden: Wie in Abbildung 3 ersichtlich wurden Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 247 MWpeak neu installiert, was einem Zuwachs von ca. 32,7 % entspricht.

In Österreich waren damit Ende 2019 Photovoltaikanlagen mit einer kumulierten Gesamtleistung von 1.702 MWpeak in Betrieb. Das entspricht einem Anstieg von 17,0 %. Die in Österreich in Betrieb befindlichen Photovoltaikanlagen führten 2019 zu einer Stromproduktion von mindestens 1.702 GWh und damit zu einer Reduktion der CO2-Emissionen im Umfang von 739.900 Tonnen.

Die österreichische Photovoltaikindustrie beschäftigt sich mit der Herstellung von Modulen, Wechselrichtern und weiteren Zusatzkomponenten, der Installation, dem Monitoring und der Wartung von Anlagen sowie mit Forschung und Entwicklung. In diesem Wirtschaftssektor waren im Jahr 2019 2.749 Vollzeitarbeitsplätze zu verbuchen. Der mittlere Systempreis einer netzgekoppelten 5 kWpeak Photovoltaikanlage in Österreich blieb von 2018 auf 2019 mit 1.568 Euro/kWpeak nahezu unverändert.

Für Österreich ist besonders die Entwicklung von photovoltaischen Systemen zur Gebäudeintegration von strategischer Bedeutung, da genau in dieser Sparte eine besonders hohe nationale Wertschöpfung erreichbar scheint. Mit einem BIPV (Bauwerkintegrierte PV) Forschungs- und Innovationsschwerpunkt könnte die Chance für Österreichs Industrie bestehen, eine Nische zu besetzen, die weltweit Chancen für bedeutende Exportmärkte eröffnet. Dabei betrifft die Integration nicht nur architektonische, sondern auch systemische Aspekte der optimalen Nutzung des lokal erzeugten Stromes.

Solarthermie

Bereits in den 1980er Jahren erlebte die thermische Solarenergienutzung einen ersten Boom im Bereich der Warmwasserbereitung und der Erwärmung von Schwimmbädern. Zu Beginn der 1990er Jahre gelang es, den Anwendungsbereich der Raumheizung für die thermische Solarenergie zu erschließen. Zwischen dem Jahr 2002 und 2009 stiegen die Verkaufszahlen rasant und erreichten im Jahr 2009 mit einer installierten Kollektorfläche von 364.887 m², entsprechend einer Leistung von 255 MWth den historischen Höhepunkt. Diese Entwicklung war auf den Anstieg der Energiepreise, sowie die Erweiterung der Einsatzbereiche der thermischen Solarenergie auf den Mehrfamilienhausbereich, den Tourismussektor und die Einbindung von Solarenergie in Nah- und Fernwärmenetze sowie in gewerbliche und industrielle Anwendungen zurückzuführen.

Nach der Phase des massiven Wachstums bis zum Jahr 2009 ist der Inlandsmarkt nun seit einer Dekade rückläufig. Diese Entwicklung ist nicht nur in Österreich, sondern bis auf wenige Ausnahmen auch in den meisten europäischen Ländern ähnlich. Auch im Jahr 2019 verzeichnete der österreichische Inlandsmarkt im Vergleich zum Jahr 2018 wieder einen Rückgang um 7,9 %.

Mit Ende des Jahres 2019 waren in Österreich 5 Millionen Quadratmeter thermische Kollektoren in Betrieb, was einer installierten Leistung von 3,5 GWth entspricht. Der Nutzwärmeertrag dieser Anlagen lag bei 2.081 GWhth. Damit werden unter Zugrundelegung des österreichischen Wärmemixes 353.713 Tonnen an CO2äqu-Emissionen vermieden.

Im Jahr 2019 wurden 91.580 m² thermische Sonnenkollektoren, entsprechend einer Leistung von 64,1 MWth neu installiert, siehe Abbildung 4.

Der Exportanteil thermischer Kollektoren konnte 2019 wie im Jahr 2018 bei 81 % gehalten werden. Der Umsatz der Solarthermiebranche wurde für das Jahr 2019 mit 149 Mio. Euro abgeschätzt und die Anzahl der Vollzeitarbeitsplätze kann mit ca. 1.200 beziffert werden.

Wärmepumpen

Die historische Entwicklung des Wärmepumpenmarktes in Österreich ist von einer ersten Phase starker Marktdiffusion von Brauchwasserwärmepumpen in den 1980er Jahren, einem deutlichen Markteinbruch in den 1990er Jahren und einer starken Marktdiffusion von Heizungswärmepumpen ab dem Jahr 2001 gekennzeichnet, siehe Abbildung 5. Die Verbreitung von Heizungswärmepumpen fand ab dem Jahr 2001 parallel zur Marktdiffusion von energieeffizienten Gebäuden statt, die durch einen geringen Heizwärmebedarf und geringe Heizungsvorlauftemperaturen gute Bedingungen für den energieeffizienten und wirtschaftlich attraktiven Einsatz von Wärmepumpen boten.

Der Gesamtabsatz von Wärmepumpen (Inlandsmarkt plus Exportmarkt) steigerte sich von 34.604 Anlagen im Jahr 2018 auf 39.138 Anlagen im Jahr 2019. Dies entspricht einem Wachstum von 13,1 %. Ein Wachstum war dabei sowohl im Inlandsmarkt (+13,9 %) als auch im Exportmarkt (+10,8 %) zu beobachten. Ein starkes Wachstum war vor allem bei Heizungs-wärmepumpen in den kleinen Leistungssegmenten bis 20 kW zu beobachten. Die Verkaufszahlen für Brauchwasserwärmepumpen zeigten im Inlandsmarkt einen Anstieg von 25,3 % und im Exportmarkt einen Anstieg um 8,4 %.

Der Anteil des Exportmarktes am Gesamtabsatz betrug im Jahr 2019 nach Stückzahlen 24,7 % und war damit geringfügig niedriger als 2018. Der Wirtschaftsbereich Wärmepumpe (Produktion, Handel, Installation und monetarisierte Umweltwärme) erzielte im Jahr 2019 einen Gesamtumsatz von 796 Mio. Euro und einen Beschäftigungseffekt von 1.551 Vollzeit-arbeitsplätzen. Weiters konnten im Jahr 2019 durch den Einsatz von Wärmepumpen 778.561 Tonnen CO2äqu Emissionen vermieden werden.
Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen fokussieren bei Wärmepumpensystemen zurzeit auf Kombinationsanlagen mit anderen Technologien wie z.B. mit solarthermischen Anlagen oder Photovoltaikanlagen, auf die Erschließung von neuen Energiedienstleistungen wie die Raumkühlung- und Klimatisierung oder auch die Gebäudetrockenlegung im Sanierungsbereich. Der Einsatz neuer Antriebsenergien wie Erdgas und der Einsatz in smart grids ergänzen das Innovationsspektrum.

Windkraft

Die historische Marktentwicklung der Windkraft in Österreich ist in Abbildung 6 dargestellt. Seit 2018 beträgt erstmals in der Geschichte der österreichischen Windkraft die installierte Gesamtleistung mehr als 3.000 MW. Im Jahr 2019 ist der Ausbau der Windkraft auf niedrigem Niveau weitergegangen. So wurden in Österreich 49 Windkraftanlagen mit insgesamt 152,4 MWel neu errichtet. Von den insgesamt 49 Anlagen entfielen 21 Anlagen mit 62,3 MW auf Niederösterreich, 8 Anlagen mit 23,8 MW auf die Steiermark, 20 Anlagen mit 66,3 MW auf das Burgenland. Ende des Jahres 2019 waren damit 1.340 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 3.160 MWel am Netz. Diese Leistung ermöglichte eine durchschnittliche jährliche Stromproduktion von 7,3 TWh, was ca. 11 % des österreichischen Stromverbrauchs entspricht. Verglichen mit dem Bestand Ende 2018 erhöhte sich das Stromerzeugungspotential aus Windkraft um 7 %.

Insgesamt wurde im Jahr 2019 ein Gesamtumsatz der Windkraftbranche, darunter Windenergiebetreiber sowie Zuliefer – und Dienstleistungsunternehmen, rund 1 Milliarde Euro erwirtschaftet. Das bedeutet eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorjahr vor allem bedingt durch die Erlöse aus dem Stromverkauf der Windenergiebetreiber.

In der österreichischen Windbranche waren Ende 2019 3.555 Personen beschäftigt. Rund 2.655 in den Bereichen Errichtung, Rückbau und Wartung, davon 470 bei Betreibern von Windkraftanlagen. Aus der zuliefernden Industrie wurden rund 900 Beschäftigte gemeldet.

Durch die Ökostromnovelle 2019 können 250 fertig genehmigte und seit 2015 auf die Realisierung wartende Projekte mit einer Leistung von 900 MW mit Förderverträgen ausgestattet werden. Dadurch werden bis 2024 über 1 GW Windkraftleistung neu errichtet und Investitionen von 1.6 Milliarden Euro generiert werden. Zusätzlich entstehen 640 Dauerarbeitsplätze.

Neue Projekte haben derzeit keine Perspektive auf einen Fördervertrag, weil die Mittel im Ökostromgesetz bis Ende 2021 ausgeschöpft sind. Die Windkraftbranche wartet daher auf das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes, das für Anfang 2021 angekündigt wurde.

Schlussfolgerungen

Die Marktentwicklung im Bereich der untersuchten Technologien war im Jahr 2019 – wie schon in den Vorjahren – sehr heterogen. Längerfristig stabile Trends bestätigten sich durch weiterhin sinkende Verkaufszahlen von solarthermischen Kollektoren und weiterhin steigende Verkaufszahlen von Wärmepumpen. Der Absatz von Biomassebrennstoffen stagnierte, während die Verkaufszahlen von Pelletskessel stiegen und jene von Scheitholzkessel sanken. Die Verkaufszahlen für Photovoltaik stiegen und die Neuinstallation von Windkraftanlagen sank auf ein 8-Jahres Tief. In Summe mischten sich im Jahr 2019 damit Entwicklungen, die der Erreichung der nationalen Klima- und Energieziele 2030, 2040, bzw. 2050 zuträglich sind mit solchen, welche ein Hemmnis darstellen.

Konkrete Fahrpläne für eine Dekarbonisierung der österreichischen Energieversorgung in den Bereichen Strom und Wärme werden in den Studien "Stromzukunft 2030" von Resch et al. (2016) und "Wärmezukunft 2050" von Kranzl et al. (2018) dargestellt. Die zur Erreichung der nationalen Klima- und Energieziele erforderlichen Diffusionsraten von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energie liegen dabei jeweils deutlich über den aktuell messbaren Entwicklungen.

So müsste die Stromproduktion aus Photovoltaik von 1,7 TWh im Jahr 2019 auf 11,3 TWh im Jahr 2030 gesteigert werden, was einem gleichmäßigen jährlichen Zubau von 873 MWpeak im Zeitraum von 2020 bis 2030 entspricht. Der Zubau an Photovoltaik im Jahr 2019 in der Höhe von 247 MWpeak müsste hierfür bereits im Jahr 2020 um den Faktor 3,5 gesteigert werden. Erfolgt diese Steigerung nicht prompt, so muss – wenn die Ziele erreicht werden sollen – diese Versäumnis im Diffusionsverlauf bis 2030 nachgeholt werden, was zu immer größeren Herausforderungen führt. Im Bereich der Windkraft müsste eine Steigerung von 7,3 TWh im Jahr 2019 auf 17,5 TWh im Jahr 2030 erfolgen. Dies entspricht einer jährlichen Neuinstallation von Windkraftanlagen von netto ca. 400 MW für den Zeitraum von 2020 bis 2030, was dem historischen Diffusionsmaximum aus dem Jahr 2014 entspricht. Dies gilt jeweils unter der Voraussetzung, dass das, in dem Szenario auch bei allen anderen Strombereitstellungstechnologien auf Basis Erneuerbarer wie Wasserkraft, Biomasse KWK, Biogas etc. unterstellte Wachstum, tatsächlich stattfindet und sich die Steigerung der Nachfrage in den angenommenen Grenzen bewegt.

Ähnliche Herausforderungen sind im Wärmebereich zu bewältigen. In diesem Bereich geht es einerseits darum, die Neuinstallation von Wärmebereitstellungssystemen auf Basis fossiler Energie rasch zu unterbinden und durch Systeme auf Basis erneuerbarer Energie zu substituieren. Andererseits muss der große Anlagenbestand zur Nutzung fossiler Energie zügig durch Systeme auf Basis erneuerbarer Energie ersetzt werden. Die vermeintlich lange, hierfür zur Verfügung stehende Zeitspanne bis 2040 bzw. 2050, ist aufgrund der langen Anlagenlebensdauern selbst unter den Rahmenbedingungen ambitionierter Szenarien knapp bemessen und erfordert unverzügliches Handeln. Hierbei muss weiteres betont werden, dass eine erneuerbare Wärmeversorgung überhaupt nur dann gelingen kann, wenn der Energieverbrauch im Wärmesektor gleichzeitig durch Effizienzsteigerung halbiert wird, was für sich genommen schon eine große Herausforderung ist.

Die Marktdiffusion der untersuchten Technologien wurde im Jahr 2019 durch hemmende und fördernde, endogene und exogene Faktoren beeinflusst. Als endogene Faktoren waren die implementierten energiepolitischen Instrumente, die Anstrengungen von Firmen und Forschungseinrichtungen, sowie die Arbeit von DiffusionsagentInnen und LobbyistInnen, aber auch der Wettbewerb unter den Technologien selbst wirksam. Exogen beeinflussend waren die vergangenen milden Winter, die heißen Sommer, der langfristig niedrige Preis fossiler Energie und die sich langsam abkühlende Konjunktur.

Als endogener fördernder Faktor kann der Start der "Raus aus dem Öl" Kampagne angeführt werden. Ein Mix aus anreizorientierten, normativen und informatorischen Instrumenten auf unterschiedlichen Ebenen war hierbei ein starkes Signal an die Wirtschaft und an die KonsumentInnen. Die Botschaft ist konkret und unmissverständlich und hat ohne besonderen Fokus auf die normative Komponente im Jahr 2019 bereits zu Effekten wie der Steigerung der Verkaufszahlen von Pelletskesseln um 30,5 % und der Steigerung der Verkaufszahlen von Heizungswärmepumpen um 11,7 % beigetragen. Mit Ende 2019 wurde schließlich auch die Förderung von neuen Ölkesseln durch die österreichische Mineralölwirtschaft eingestellt. Über diese, innerhalb der Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls im Jahr 2009 ins Leben gerufene Förderschiene, wurden insgesamt mehr als 50.000 neue Ölkesseln gefördert.

Angesichts der aus dem bestehenden Macht- und Interessensgefüge resultierenden Handlungsträgheiten wird einerseits empfohlen, die weitere Marktdiffusion von Ölkesseln so rasch wie möglich auslaufen zu lassen und in Anlehnung an den Erfolg der "Raus aus dem Öl" Kampagne eine Strategie in Richtung "Raus aus dem Erdgas" zu entwickeln und zu etablieren. In vielerlei Hinsicht ist eine solche Strategie wesentlich anspruchsvoller als die "Raus aus dem Öl" Kampagne, da es sich um einen massiven Eingriff in bestehende kapitalintensive Infrastrukturen, Unternehmensstrukturen und große Marktanteile handelt. Vorlaufzeiten werden in diesem Bereich auch durch die erforderliche Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten entstehen, welche prompt durchgeführt werden sollten. Aus rein technischer und ökonomischer Sicht wäre es jedenfalls möglich, binnen 30 Jahren (bis 2050) den Energieträger Erdgas im nationalen Energiemix auf ein Minimum zu reduzieren, siehe auch Kranzl et al. (2018) und Resch et al. (2016).

Das Regierungsprogramm 2020–2024 der österreichischen Bundesregierung enthält ein detailliertes, weitreichendes und ambitioniertes Programm zum Thema Klimaschutz und Energie. Es enthält das klare Ziel, Österreich bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu machen. Die Energiewende soll also rascher vollzogen werden, als dies z. B. in der EU geplant ist (2050). Dieser mutige Schritt bringt viele Chancen für die österreichische Wirtschaft mit sich, die einen Innovations- und Produktionsvorsprung für Marktführerschaften und Patente nutzen könnte. Dieser Ansatz bringt auch die Chance einer hohen nationalen Wertschöpfung mit sich, da ein frühzeitiger Ausbau des Inlandsmarktes auch hohe Exportchancen schafft. Österreich könnte auf diese Weise seine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz und erneuerbare Energie wiedererlangen und entsprechend nutzen. Da sich Technologie- und Finanzbedarf zur Umsetzung des Regierungszieles gut abschätzen lassen, wird empfohlen, einen entsprechenden Plan zumindest für 10 Jahre (2030) verbindlich zu fixieren und auf eine Art und Weise zu implementieren, welche auch InvestorInnen mobilisiert und die erforderlichen Diffusionsraten ermöglicht.

Die Corona-Krise 2020 stellt nunmehr alle etablierten Systeme in Frage und zeigt, welche Maßnahmen von Menschen akzeptiert und mitgetragen werden, um Unheil von der Gesellschaft abzuwenden. Es geht nun darum, eine Zukunftsperspektive für Wirtschaft und Gesellschaft zu präsentieren, die Zuversicht ermöglicht und neue Chancen bringt. Die Energiewende ist ein solches Programm, welches sich mit einem Bruchteil der krisenbedingten öffentlichen Sonderausgaben umsetzen lässt und Chancen für Generationen eröffnet.

Die Studie wird am 8. Juli 2020 beim "Webinar Energiewende" vorgestellt.

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