IEA EBC Annex 96: Netzintegrierte Steuerung von Gebäuden

Die Energiewende erfordert, dass Gebäude zu aktiven, flexiblen Bestandteilen zukünftiger Energiesysteme werden. Mit dem steigenden Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien gewinnt die nachfrageseitige Flexibilität an Bedeutung für Netzstabilität und Dekarbonisierung. Der IEA EBC Annex 96 entwickelt digitale, interoperable Steuerungskonzepte, um Gebäudeflexibilität in Strom-, Wärme- und Kältenetzen zu erschließen und zu skalieren.

Kurzbeschreibung

Ziele

Der IEA EBC Annex 96 zielt auf die systematische Integration gebäudeseitiger Flexibilität in lokale und nationale Energiesysteme. Er schafft methodische, technologische und organisatorische Grundlagen für eine netzdienliche, automatisierte und vertrauenswürdige Steuerung verteilter Ressourcen.

Konkret werden interoperable digitale Rahmenwerke für die Steuerung flexibler Energienutzungen entwickelt, Anforderungen an Datenschnittstellen und -austausch harmonisiert, Umweltauswirkungen flexibler Betriebsstrategien bewertet, Lösungen in internationalen Fallstudien validiert und marktreife Produkt- und Dienstleistungspakete mit neuen Geschäftsmodellen entwickelt.

Der österreichische Beitrag konzentriert sich auf die Entwicklung interoperabler digitaler Konzepte zur Steuerung und Koordination von Flexibilität und Lastmanagement in Multi-Energie-Systemen. Dazu werden geeignete Technologien, Gebäudetypen und Geschäftsmodelle untersucht, in realen Anwendungsfällen validiert und daraus praxisnahe Handlungsempfehlungen abgeleitet. Damit unterstützt Österreich nationale Strategien wie NEKP, klimaaktiv, e5 und die Pionierstädte-Initiative.

Inhalte

  • Subtask A: Zukunftsszenarien & Interoperabilität
    Erarbeitung von Zukunftsszenarien und Interoperabilitätsanforderungen für Multi-Energie-Systeme.
  • Subtask B: Aggregation flexibler Nachfrage
    Entwicklung von Methoden zur Bündelung dezentraler Flexibilitäten.
  • Subtask C: Produktpakete & Geschäftsmodelle
    Definition marktfähiger Produkt- und Servicemodelle zur Nutzung von Flexibilität.
  • Subtask D: Fallstudien & Implementierungsmodelle
    Validierung durch Demonstrationen und Umsetzungsmodelle.

Erwartete Ergebnisse

  • Interoperabilität & Referenzmodelle: Offene Schnittstellen- und Datenmodelle für Gebäude-, Quartiers- und Marktintegration; automatisierte Steuerungskonzepte für Strom- und Wärmenetze.
  • Aggregations-Toolchain: Methoden und Prototypen zur Prognose, Optimierung und Koordination heterogener Energieeinheiten.
  • Produkt- & Tarifkonzepte: Lösungen für Lastverschiebung, Spitzenlastreduktion und CO₂-optimierten Betrieb; Geschäftsmodelle und Tarife zur Aktivierung von Flexibilität.
  • Praxisnachweise: Validierte Demonstrationen in Österreich und international mit messbaren Effekten auf CO₂-Minderung, Netzstabilität und Nutzerkomfort.
  • Handlungsempfehlungen: Leitfäden und Politikempfehlungen für Eigentümer:innen, Energieversorger und Regulierungsbehörden; Beiträge zur Standardisierung.
  • Wissenstransfer: Open-Access-Leitfäden, Schulungsunterlagen, Webinare und Fallstudienplattformen zur Stärkung österreichischer Sichtbarkeit.

Durch die Kombination interoperabler digitaler Steuerung, marktorientierter Geschäftsmodelle und realer Demonstrationen beschleunigt Annex 96 – gestützt durch Österreichs Fokus auf Mehrenergiesysteme und Quartierslösungen – die kosteneffiziente Dekarbonisierung und stärkt die Resilienz zukünftiger Energiesysteme.

Teilnehmende Staaten

Australien (Leitung), Belgien, Dänemark (Leitung), Hongkong, Irland, Italien, Kanada, Niederlande, Norwegen, Österreich, Tschechien, USA, Vereinigtes Königreich

Kontaktadresse

DI Dr. Ingo Leusbrock
AEE - Institut für Nachhaltige Technologien
Feldgasse 19, 8200 Gleisdorf
E-Mail: i.leusbrock@aee.at

Simon Hinterseer, MSc.
Technische Universität Wien
Karlsplatz 13
1040 Wien
E-Mail: simon.hinterseer@tuwien.ac.at