IEA EBC Technical Day - Energy Innovation for the City of Tomorrow

24. Juni 2020
Online

Das Webinar am 24. Juni 2020 beleuchtete die Aktivitäten des IEA-Programms "Energy in Buildings and Communities" (EBC) sowie Ergebnisse österreichischer F&E-Projekte aus dem Programm "Stadt der Zukunft". Über 130 TeilnehmerInnen - von Chile bis Japan, von Norwegen bis Südafrika - nahmen teil.

Veranstalter

Die Veranstaltung, durchgeführt im Rahmen des EBC Exco Meetings (Executive Committee Meeting des Technologie-Programms Energy in Buildings and Communities), wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) organisiert und vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) gehosted.

Rückblick & Vortragsunterlagen

Das Ziel des Webinars war es, die Aktivitäten des Programms "Energy in Buildings and Communities" (EBC) sowie Ergebnisse österreichischer F&E-Projekte, die im Rahmen des österreichischen Forschungs- und Technologieprogramms "Stadt der Zukunft" gefördert werden, zu beleuchten.

Das Webinar mit über 130 TeilnehmerInnen aus verschiedenen Ländern der Welt - von Chile bis Japan, Norwegen bis Südafrika - wurde von Sabine Mitter (BMK) moderiert. Eva-Maria Titz (BMK) eröffnete die Veranstaltung mit einleitenden Worten zu der im Regierungsprogramm gesetzten Ziele bezüglich der Dekarbonisierung des Elektrizitätssektors bis 2030 und der Erreichung der Klimaneutralität bis 2040. Innovationsführerschaft wird in den F&E-Feldern Systemintegration und Sektorkopplung, industrielle Energiesysteme sowie nachhaltige Mobilitätssysteme angestrebt. In dieser Hinsicht, adressiert der missionsorientierte Ansatz des Forschungsprogramms „Stadt der Zukunft" die Reduktion des Energieverbrauchs und den verstärkten Einsatz von erneuerbaren Energien in Gebäuden und Stadtquartieren. Takao Sawachi (EBC Vorsitzender) stellte die Mission der IEA, die priorisierten Themen des EBC TCP sowie die einzelnen Annexe, welche diese Themenfelder bearbeiten, vor. Diese umfassen Integrierte Planung und Gebäudedesign, Energiesysteme im Gebäude, Gebäudehülle, Methoden für Energieverbünde sowie den realen Energieverbrauch in Gebäuden.

Präsentationsunterlagen (Über das Webinar)

Präsentationsunterlagen von Takao Sawachi

Die Energieflexibilität von Gebäuden als Teil resilienter, kohlenstoffarmer Energiesysteme war Thema des Vortrags von Søren Østergaard Jensen (Danish Technological Institute, Dänemark). Diese beschreibt die Fähigkeit, den Gebäudebedarf und die Energieerzeugung abgestimmt auf lokale Klimabedingungen, Nutzerbedürfnissen und Netzanforderungen zu steuern. Die energetische Flexibilität von Gebäuden ermöglicht somit eine nachfrageseitige Laststeuerung und damit eine bedarfsgerechte Reaktion auf die Anforderungen der umliegenden Netze. Das Ausmaß der Energieflexibilität eines Gebäudes hängt dabei von verschiedenen Faktoren, wie der Art des Gebäudes und seines Energiesystems, der Nutzung, dem Klima oder der Gebäudetechnik ab.

Raphaela Reinfeld (Green Energy Lab) gab anschließend einen Überblick über laufende Aktivitäten des Green Energy Lab im Bereich Energieraumplanung zur Umsetzung der Wärmewende (Projekt Spatial Energy Planning) und das Fernwärmenetz der Zukunft (Projekt ThermaFLEX). Bei der Betrachtung von Flächennutzung und Energieproduktion liegen speziell in stark besiedelten Gebieten große Herausforderungen. Hier kann die Energieraumplanung als unterstützendes Instrument für Städte und Regionen wesentlich dazu beitragen, Landnutzung und Energieerzeugung optimal zu verschränken.

Präsentationsunterlagen von Raphaela Reinfeld

In seinem Vortrag zum IEA EBC Annex 73: Hin zu resilienten öffentlichen "Niedrigstenergie"-Gebäudeverbänden und Siedlungen präsentierte Rüdiger Lohse (KEA Klimaschutz- und Energieagentur, Deutschland) den Near Zero Energy Resilient Communities (NZERC)-Ansatz sowie aktuelle Pilotprojekte weltweit. Die Erkenntnisse aus diesen Pilotprojekten sowie das entwickelte NZEC-Tool sollen dabei unterstützen, den Modellierungs- und Entscheidungsprozess bei der Umsetzung von NZERC zu beschleunigen. Offene Fragestellungen liegen derzeit bei der wirtschaftlichen Betrachtung: Hier gilt es die Kostenwirksamkeit zu verbessern und die Risiken für die Gemeinschaft zu reduzieren.

Präsentationsunterlagen von Rüdiger Lohse

Simon Schneider (FH Technikum Wien) stellte das Projekt Zukunftsquartier 2.0 vor, welches sich mit der Konzeption netzunterstützender Plus-Energie-Quartiere befasst. Durch Demand-Side-Management Maßnahmen, wie die Absenkung bzw. Anhebung der Raumtemperatur in einem festgelegten Temperaturband, können diese Quartiere Leistungsspitzen erneuerbarer Energieträger (Wind, PV) nutzen und damit den Anteil des konventionellen Netzstroms deutlich reduzieren. Über einen Betrachtungszeitraum von 30 Jahren übersteigt die Energieeinsparung die Kosten Errichtung – die Bilanz der Lebenszykluskosten ist somit positiv.

Präsentationsunterlagen von Simon Schneider

Der IEA EBC Annex 75: Kosteneffiziente Strategien in der Gebäudesanierung auf Stadtteilebene wurde von Manuela Almeida (University of Minho, Portugal) präsentiert. Das Ziel des Projekts ist es, eine kosteneffiziente Optimierung von Energieverbrauch und CO2-Emissionen bei der Gebäudesanierung auf Stadtteilebene zu erreichen. Dabei ist es essentiell, die richtige Balance zwischen Energieeffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energieträger zu finden. Im Projekt werden unter anderem Best Practices vorgestellt sowie Instrumente und Leitfäden erarbeitet, welche zukünftig Entscheidungsträger, Unternehmen und Gebäudeeigentümer bei der kosteneffizienten Sanierung unterstützen sollen.

Präsentationsunterlagen von Manuela Almeida

Helmut Strasser (Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen) sprach in seinem Vortrag über die Kommunikation zwischen Forschung und Städte-VertreterInnen und die Notwendigkeit, diese zu verbessern, um die Dekarbonisierung und die gesetzten Klimaziele erreichen zu können. Dazu sind gemeinsame Strategien und Investitionsentscheidungen von Städten, Investoren, Energieversorgern, Mobilitätsanbietern etc. erforderlich. Die Transformation unseres Energiesystems – über die Stadtebene hinaus – ist nicht nur eine Frage der Technologie, sondern auch der (Lokal-)Politik. Ein breites Spektrum an Wissen und Fähigkeiten sowie eine „gemeinsame Sprache" aller Beteiligten ist dazu gefragt. Das neu geplante TCP „Dekarbonisierung von Städten und Gemeinden (DoCC)" wird sich mit dieser Thematik befassen.

Präsentationsunterlagen von Helmut Strasser

Abschließend vermittelten Diana Ürge-Vorsatz (Central European University, Ungarn) und Günter Lang (LANG Consulting, Österreich) die ersten Ergebnisse aus dem Projekt „Otto Wagner Areal Plus". Diese zeigen, dass es möglich ist, das historische, denkmalgeschützte Ensemble in den weltweit ersten Null- oder sogar Plus-Energie-Campus zu verwandeln. Die Mehrkosten einer tiefgehenden Renovierung im Vergleich zu einer Renovierung ohne energetische Optimierung liegen hier bei nur ca. 10%. Das Vorzeigeprojekt zielt darauf ab, einen Impuls für die dringend benötigte Transformation des internationalen Gebäudebestands in nachhaltige Immobilien zu geben.

Präsentationsunterlagen von Diana Ürge-Vorsatz und Günter Lang