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World Energy Outlook 2017

Der World Energy Outlook beschreibt den Ist-Zustand sowie Zukunftsszenarios für die weltweite Energiewirtschaft bis 2040. Der Primärenergiebedarf wird weltweit bis 2040 um rund 30% weiter steigen wobei 40% des Anstiegs durch Erneuerbare Energien bereitgestellt werden.

Bibliographische Daten

© OECD/IEA 2017
Herausgeber: International Energy Agency (IEA)
Englisch, 782 Seiten

Inhaltsbeschreibung

Den Hintergrund des World Energy Outlooks (WEO) 2017 bilden vier große Änderungen im globalen Energiesystem:

  • Die rasche Verbreitung erneuerbarer Energietechnologien und deren sinkende Kosten
  • Die wachsende Bedeutung der Elektrizität im Energiemix
  • Die Umorientierung Chinas hin zu einer dienstleistungsorientierten Wirtschaft und einem sauberen Energiemix
  • Der ungebrochenen Stärke von Schiefergas und Schieferöl in den USA

Wie diese Entwicklungen einzeln und im Zusammenspiel miteinander zum Tragen kommen, wird im WEO 2017 anhand unterschiedlicher Szenarien untersucht. Das New Policies Szenario untersucht dabei die Entwicklung, die sich aufgrund der aktuellen Politik ergibt. Erstmals wird im WEO 2017 das Sustainable Development Szenario vorgestellt. Es beschreibt einen integrierten Ansatz um jene energierelevanten UN-Sustainable Development Goals zu verwirklichen, die im New Policies Szenario nicht erreicht werden. Diese sind entschlossene Klimaschutzmaßnahmen, universeller Zugang zu zeitgemäßer Energie bis 2030 und drastische Reduzierung der Luftverschmutzung. Basierend auf einem Katalog gewünschter Ergebnisse wird hier untersucht was getan werden muss, um diese zu erreichen.

Wesentliche Erkenntnisse aus dem Bericht:

Weltenergiebedarf steigt bis 2040 um den Umfang des aktuellen Verbrauchs von China und Indien

Auch wenn sich laut New Policies Szenario das Wachstum des Energiebedarfs verlangsamt kommt es von heute bis 2040 zu einem Anstieg um 30 %. Wie die untenstehende Grafik zeigt, sind die Treiber dieses Wachstums die Entwicklungsländer Asiens. Auf diese entfallen etwa zwei Drittel des prognostizierten Anstiegs. Zu einem leichten Rückgang des Energiebedarfs kommt es hingegen in Europa, Japan und den USA.

Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Erdgas bremsen das Wachstum von Kohle und Öl

Energieeffizienzsteigerungen tragen, im New Policies Szenario, erheblich zur Entlastung der Angebotsseite bei. Ohne Energieeffizienzmaßnahmen würde der voraussichtliche Anstieg des Energiebedarfs doppelt so hoch ausfallen.

40 % des Anstiegs des Primärenergieverbrauchs werden aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt. Deren explosionsartige Expansion in der Stromerzeugung markiert das Ende der Boomjahre der Kohle, wobei auch hier noch mit geringfügig steigenden Verbräuchen gerechnet wird.

Der Anstieg des Ölverbrauchs setzt sich bis 2040 fort. Wobei es bis Mitte der 2020er noch ein kräftiges Wachstum gibt. Dieses wird in weiterer Folge durch den Rückgang des Bedarfs für den PKW Verkehr verlangsamt. Grund sind Effizienzsteigerungen und die Umstellung auf alternative Energieträger und das trotz einer prognostizierten Verdopplung der weltweiten PKW Flotte auf 2 Milliarden Fahrzeuge bis 2040.

Wachsende Bedeutung der Elektrizität im Energiemix

Laut WEO wir die Elektrizität weltweit die wachsende Kraft im Endenergieverbrauch. Auf sie entfallen 40 % des weltweiten Anstiegs des Endenergieverbrauchs bis 2040 – genauso viel wie auf Öl während der letzten 25 Jahre.

Die Elektrizität expandiert nicht nur in ihren traditionellen Einsatzbereichen, sondern dringt zunehmend auch in die Bereiche Wärmeerzeugung und Verkehr vor. Laut Prognosen steigt die Zahl der Elektrofahrzeuge bis 2040 auf 280 Millionen. Dies entspricht etwa 14 % der Fahrzeuge. Mobilität bleibt aber demnach unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen von fossilen Energieträgern dominiert.

Laut den Prognosen muss China seine Elektrizitätsinfrastruktur bis 2040 in einem Umfang vergrößern, der dem heutigen Stromsystem der Vereinigten Staaten entspricht, während Indien sein Stromsystem um den Umfang der heutigen Kapazitäten der Europäischen Union erweitern muss, um den zunehmenden Bedarf zu decken.

Diese Vergleiche verdeutlichen die Herausforderung für die Politik, ausreichende Investitionen in Stromnetze, sowie in einen Mix an Stromerzeugungstechnologien zu sichern, der den Anforderungen des Stromsystems optimal gerecht wird.

China setzt auf Strom, Erdgas und saubere Technologien

Das Verbrauchswachstum in China hat sich bereits von 8 % pro Jahr im Zeitraum 2000-2012 auf 2 % pro Jahr ab dem Jahr 2012 verringert. Laut WEO wird ein weiterer Rückgang auf durchschnittlich 1 % pro Jahr bis 2040 erwartet. Hauptgrund für diesen Rückgang sind Vorschriften für mehr Energieeffizienz – ohne neue Energieeffizienzmaßnahmen wäre der Endenergieverbrauch 2040 um 40 % höher.

China wird eine entscheidende Rolle als einer der Motoren für eine Transformation hin zu einer CO2-ärmere Wirtschaft beigemessen: Laut New Policies Szenario wird ein Drittel der neuen Windstrom- und PV-Kapazitäten in China errichtet und über 40 % der weltweiten Investitionen in Elektrofahrzeuge werden in China getätigt.

Zuwachsrekorde bei der Öl- und Gasförderung in den USA

Laut der Projektionen steigt die Schieferölförderung der Vereinigten Staaten zwischen 2010 und 2025 um 8 Mio. Barrel pro Tag – in einem zusammenhängenden Zeitraum entspricht dies dem stärksten Zuwachs an Ölförderung, der je in der Geschichte der Ölmärkte von einem einzelnen Land erreicht wurde Bis zum Ende der 2020er Jahre soll die USA, die bereits jetzt Nettoexporteur von Gas ist, auch zum Nettoexporteur von Öl werden.

Diese enormen Zuwächse führen auch dazu, dass die Ölpreise auf einem niedrigen Preisniveau bleiben und so keine deutliche Wende beim globalen Ölverbrauch anreizen.
Im New Policies Szenario steigen die energiebedingten CO2-Emissionen bis 2040 weiter an
Die derzeitig gesetzten Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus, um einen Anstieg der CO2 bedingten Emission zu begrenzen und die schwerwiegenden Folgen des Klimawandels zu vermeiden. Die größten Fortschritte zeichnen sich im Strombereich ab. Hier steigen die weltweiten Emissionen zwischen heute und 2040 nur um 5 %, obwohl der Stromverbrauch um 60 % steigt. In anderen Sektoren vollzieht sich jedoch kein ähnlich rascher Wandel: 2040 sind die Emissionen aus der Verbrennung von Öl im Verkehrssektor vergleichbar hoch, wie die – stagnierenden – Emissionen aus der Kohleverstromung. Zudem nehmen die Emissionen der Industrie um 20% zu.

Im Sustainable Development Szenario verdoppelt sich der Anteil CO2-armer Quellen am Energiemix bis 2040 auf 40%. Werden sämtliche Möglichkeiten zur Steigerung der Energieeffizienz genutzt, beginnt der Kohleverbrauch sofort zu sinken und der Ölverbrauch erreicht wenig später einen Scheitelpunkt. Mit einem Anteil der erneuerbaren Energien von über 60 % und der Kernenergie von 15 % ist die Stromerzeugung 2040 fast vollständig dekarbonisiert.

Da Kohle und Öl an Bedeutung verlieren und die erneuerbaren Energien stark expandieren, wird Erdgas im Sustainable Development Szenario zum weltweit wichtigsten Einzelenergieträger. Damit sich die Erdgasnutzung eindeutig positiv auf das Klima auswirkt, muss das Entweichen des starken Klimagases Methan in die Atmosphäre bei der Förderung minimiert werden.

Im Bericht wird erstmals eine globale Analyse der Kosten zur Senkung des Methanausstoßes bei der Förderung von Öl und Gas durchgeführt. Es zeigt sich, dass 40-50 % der Methanausstöße nettokostenfrei vermieden werden könnten. Die Umsetzung dieser Maßnahmen hätte im Jahr 2100 den gleichen Effekt im Hinblick auf die Eindämmung des globalen durchschnittlichen Anstiegs der Oberflächentemperatur, wie die sofortige Schließung sämtlicher derzeit existierender Kohlekraftwerke in China.

Um das Sustainable Development Szenario umzusetzen müssen die Subventionen für fossile Energieträger abgeschafft werden

Damit die Preissignale und die politischen Rahmenbedingungen stimmen müssen Energieverbrauchssubventionen abgeschafft werden, die einer verschwenderischen Nutzung fossiler Brennstoffe Vorschub leisten (mit rund 260 Mrd. USD waren diese Subventionen 2016 fast doppelt so hoch wie die, die derzeit in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen). Zusätzlich zu den immer zahlreicheren gemeinschaftlichen, kommunalen und privatwirtschaftlichen Initiativen bleiben gut konzipierte Politikmaßnahmen und -impulse unerlässlich für eine nachhaltigere Energiezukunft.

Die Publikation ist um 150 Euro im IEA-Bookshop bestellbar.

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