IEA Bericht: World Energy Employment 2025

Seit 2019 wurden im Energiesektor fünf Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Damit ist jeder 50. Arbeitsplatz in diesem Sektor verortet – das zeigen die Analysen des „World Energy Employment Reports“ der IEA. Das Beschäftigungswachstum im Energiesektor war 2024 fast doppelt so hoch wie das gesamtwirtschaftliche Beschäftigungswachstum und stieg um 2,2 % auf 76 Millionen Arbeitnehmer:innen. Besonders hoch ist das Beschäftigungswachstum im Stromsektor, welches hauptsächlich auf die Expansion der Photovoltaik zurückzuführen ist.

Inhaltsbeschreibung

Die vierte Ausgabe des Berichts „World Energy Employment 2025" der Internationalen Energieagentur (IEA) bietet einen umfassenden Überblick und Analyse der weltweiten Arbeitskräfte im Energiesektor. Darüber hinaus wird bewertet, wie sich der Arbeitskräftebedarf im Energiesektor bis 2035 in allen IEA-Szenarien entwickeln wird. Untersucht wird, wie sich der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften und der Fachkräftemangel auf Bildungs- und Ausbildungssysteme, Löhne, Politik und den weltweiten Ausbau der Energieinfrastruktur auswirkt. Die Analyse stützt sich auf die jährliche Beschäftigungsumfrage der IEA in der Energiebranche, für die Antworten von mehr als 700 Energieunternehmen, Gewerkschaften und Bildungseinrichtungen gesammelt wurden.

Stromsektor ist größter Arbeitgeber im Energiebereich

Die Schwellen- und Entwicklungsländer, allen voran Indien, Indonesien und der Nahe Osten, waren 2024 die treibende Kraft hinter dem Beschäftigungswachstum im Energiesektor – analog zu ihrer rasant steigenden Energienachfrage. Dennoch konzentriert sich die Beschäftigung weiterhin stärker auf Volkswirtschaften mit etablierten Energieunternehmen und energierelevanten Lieferketten.

Besonders dynamisch entwickelte sich der Elektrizitätssektor, der erstmals den Bereich der Brennstoffversorgung als größten Arbeitgeber überholte. Dieser Wandel wird vor allem durch die beschleunigte Elektrifizierung vorangetrieben, wobei die Photovoltaik (PV) in etwa die Hälfte der neuen Arbeitsplätze im Stromsektor seit 2019 stellt. Auch Kernenergie, Netze und Speichertechnologien trugen trotz Herausforderungen wie Fachkräftemangel und steigenden Kosten maßgeblich zum Beschäftigungswachstum bei. In Ländern wie China und den USA entfällt mittlerweile ein beträchtlicher Teil der neu geschaffenen Jobs auf den Energiesektor, während in Schwellenländern wie Indien, Indonesien und im Nahen Osten das Wachstum besonders stark ausfiel.

Nachfrage nach Arbeitskräften wird weiter ansteigen

Trotz anhaltender Unsicherheiten in der Wirtschaft und auf den Energiemärkten prognostizieren alle Szenarien der IEA einen weiteren Anstieg der Nachfrage nach Arbeitskräften. Der Stromsektor bleibt weiterhin die wichtigste Quelle für das Beschäftigungswachstum. Branchen wie die Ölversorgung hingegen sehen sich je nach Ausrichtung der künftigen Politik und den Marktbedingungen mit unterschiedlichen Entwicklungen konfrontiert. Flexible Ansätze bei der Personalplanung, der Einstellung und der Mitarbeiterbindung ist erforderlich. Alle Szenarien hängen von der Fähigkeit der Unternehmen ab, die benötigten Fachkräfte zu gewinnen. Je nach Tempo des Ausbaus der Energieinfrastruktur bis 2035 wird ein Anstieg der Beschäftigten im Energiesektor um 3,4 bis 4,6 Millionen erwartet; im Net-Zero Szenario sogar um bis zu 15 Millionen.

Fachkräftemangel nimmt weiterhin zu

Der Bericht zeigt auf, dass der akute Mangel an qualifizierten Fachkräften ein zentrales Problem bleibt, der von über der Hälfte der befragten Unternehmen als kritischer Engpass genannt wird. Besonders betroffen sind Berufe wie Elektriker, Installateure, Monteure von Stromleitungen und Ingenieure, insbesondere im Nuklearbereich. Die Überalterung der Arbeitskräfte im Energiesektor verschärft den Arbeits- und Fachkräftemangel zusätzlich. Bereits heute sind die Auswirkungen des Arbeitskräftemangels deutlich spürbar: Rund 60 % der Unternehmen gaben an, unter Personalmangel zu leiden, was Zeitpläne, die Zuverlässigkeit der Systeme und die Kostenkontrolle gefährdet.

Die Nachfrage nach technischen Fachkräften ist seit 2015 um 16 % gestiegen, doch die Zahl der Absolvent:innen in relevanten Ausbildungsgängen lag deutlich darunter. Um den Bedarf bis 2030 zu decken, müsste die Zahl der Absolvent:innen global um etwa 40 % steigen und sogar noch mehr, um auf einem Netto-Null-Emissionskurs bis 2050 zu sein. Diese Herausforderung wird ohne gezielte Investitionen in Bildung und Umschulung kaum zu bewältigen sein.

Anforderungen an Qualifikation verändern sich

Die Umstellung auf erneuerbare Energien und die Elektrifizierung verändern nicht nur die Struktur der Beschäftigung, sondern stellen auch neue Anforderungen an die Qualifikationen der Arbeitskräfte. Durch gezielte Umschulungen könnten etwa zwei Drittel der Beschäftigten in der Öl- und Gasversorgung und die Hälfte der Beschäftigten fossiler Lieferketten in andere Bereiche der Energiewirtschaft wechseln.

Künstliche Intelligenz (KI) könnte zwar administrative Prozesse effizienter gestalten, ersetzt jedoch kaum technische Berufe. Aktuell besteht ein erheblicher Nachholbedarf, da die KI-Kompetenz im Energiesektor deutlich hinter anderen Branchen wie Technologie oder Finanzen zurückliegt. Während Investitionen in KI-Kompetenzen und -Fähigkeiten im Energiesektor steigen, verringern die aktuellen Anwendungsfälle den Bedarf an Fachkräften in den Bereichen Bau, Betrieb und Wartung nicht wesentlich, da es sich hierbei meist um manuelle Tätigkeiten handelt.

Unternehmen greifen zunehmend auf eine direkte Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen zurück, um Qualifikationslücken zu schließen. Dazu fördern sie Studierende oder bieten Schulungen für schwer zu besetzende Positionen an, insbesondere in berufsbildenden Programmen und Masterstudiengängen.

Fachkräfte im Energiesektor werden in der Regel besser bezahlt als vergleichbare nicht spezialisierte Arbeitskräfte, doch die Löhne innerhalb der Branche variieren stark. Öl, Gas und Kernenergie bieten die höchsten Gehälter, was auf höhere Qualifikationsanforderungen und eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit bei der Gewinnung von Fachkräften zurückzuführen ist. Im Jahr 2025 verzeichneten die Öl- und Gasbranche die größten Lohnsteigerungen gefolgt von der Kernenergie. Die Kohle- und Erneuerbaren-Branche lagen deutlich darunter.

Empfehlungen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken

Den politischen Entscheidungsträger:innen steht eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung, um mehr Arbeitskräfte für den Energiebereich zu gewinnen. Die wirksamsten Maßnahmen umfassen finanzielle Anreize, Ausbildungsplätze und Kampagnen zur Förderung beruflicher Laufbahnen im Energiesektor. Der Anteil an Frauen im Energiesektor liegt derzeit bei etwa 20%. Gezielte Maßnahmen, wie Anreize für die Einstellung und Ausbildung von Frauen, die Einführung von Geschlechterquoten bei öffentlichen Projekten, die Stärkung von Sicherheits- und Inklusionsmaßnahmen auf Baustellen sowie die Verbesserung der Übergänge von Berufsbildungsprogrammen in die Lehrlingsausbildung sind erforderlich, um mehr Frauen für technische und handwerkliche Bereiche zu gewinnen.

Die Attraktivität für Arbeitnehmer:innen hängt auch von wettbewerbsfähigen Löhnen und einer verbesserten Arbeitsplatzqualität ab. In der IEA-Umfrage zur Beschäftigung im Energiesektor nannten Arbeitnehmer:innen und Vertreter:innen die Bezahlung, die Arbeitsplatzsicherheit und ein sicheres Arbeitsumfeld als die wichtigsten Faktoren bei der Bewertung einer Stelle.

Fazit

Insgesamt bleibt der Energiesektor ein wichtiger Jobmotor. Der Bericht macht deutlich, dass der Erfolg der Energiewende nicht nur von technologischen Innovationen, sondern auch von der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte abhängt. Da die Energiesicherheit auf nationaler Ebene immer mehr an Bedeutung gewinnt, wird gut ausgebildetes Personal unerlässlich, um Lieferketten zu stärken, neue Anlagen in Betrieb zu nehmen und einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten. Ein koordiniertes Vorgehen von Regierungen, Industrie und Arbeitnehmervertreter:innen zur strategischen Personalplanung und Investitionen in Ausbildung und Umschulung sind notwendig, um zu verhindern, dass der Fachkräftemangel zu einem entscheidenden Engpass wird.

Download des Berichts

IEA Bericht: World Energy Employment 2025