IEA Bericht: The State of Energy Innovation 2026
Herausgeber: IEA, 2026
Englisch
Inhaltsbeschreibung
Der Bericht der International Energy Agency (IEA) analysiert die Fortschritte und Herausforderungen im Bereich der Energietechnologie-Innovationen. Der Bericht identifiziert über 150 bedeutende Innovationen aus dem Jahr 2025, beruht auf Ergebnissen einer Umfrage unter Fachleuten aus mehr als 40 Ländern und zeigt Trends in öffentlichen und privaten F&E-Ausgaben, und politischen Maßnahmen auf.
Der Bericht zeigt, dass sich der Fokus der Energieinnovation zunehmend auf Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit verlagert. 2025 sehen 80 % der befragten Expert:innen die Versorgungssicherheit als einen der drei wichtigsten Treiber für Energieinnovation, noch vor Leistbarkeit und Emissionsreduktion. Dies könnte Technologien fördern, die Versorgung mit kritischen Mineralien, Stromnetze und heimische Energieressourcen unterstützen.
Entwicklung und Wirkung öffentlicher Ausgaben für Energieinnovationen
Der Bericht betont die nachhaltige Wirkung öffentlicher Förderung für Energieinnovation. Studien zeigen, dass die wirtschaftlichen Vorteile öffentlicher F&E-Ausgaben für Energie durch Effizienzgewinne und Kosteneinsparungen oft um ein Vielfaches höher sind als die Investitionen. Frühzeitige staatliche Finanzierung legte den Grundstein für bahnbrechende Technologien wie „Floating-LNG", Lithium-Ionen-Batterien und Geothermie der nächsten Generation. 2025 gab es über 150 bedeutende Innovationen, darunter Fortschritte bei Perowskit-Solarzellen, moderner Geothermie oder Fusionsenergie. Gleichzeitig sinken jedoch die öffentlichen und privaten Investitionen in Energieinnovation: Nach Jahren des Wachstums gingen die globalen Ausgaben für öffentliche Energieforschung 2024 zurück. Auch die F&E Ausgaben der Unternehmen sind im Jahr 2024 nur um 1 % gewachsen, was der geringsten Wachstumsrate seit 2015 entspricht.
Laut IEA sollten die öffentlichen Ausgaben mindestens 0,1 % des BIP betragen. Österreich erreicht diesen Wert und liegt im EU-Ländervergleich nach Spanien, Frankreich und Deutschland im guten Mittelfeld.
Schlüsseltechnologien im Fokus
Energiespeicherung steht heute im Mittelpunkt der globalen Innovationsaktivitäten und spielt im „Zeitalter der Elektrizität" eine immer größere Rolle für die nationale Sicherheit und Stromsysteme. Batterien machten 2023 40 % aller Energiepatente aus – ein sehr hoher Anteil für eine einzelne Technologie. China, Korea und Japan bleiben führend bei Lithium-Ionen-Batterie-Patenten, wobei Chinas Anteil in den letzten zehn Jahren stark zugenommen hat. Im Bereich Solarinnovation dominieren mittlerweile Perowskit-Solarzellen, die über 70 % der Solarzellenpatente ausmachen.
Während bis 2021 die Elektromobilität dominierte, liegt der Fokus nun stärker auf Bereichen wie CO₂-Abscheidung, Kern- und Fusionsenergie sowie kritischen Mineralien, die essentielle Rohstoffe für zahlreiche der genannten Technologien darstellen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Technologien für die Netzresilienz: Netzbildende Wechselrichter, Festkörper-Transformatoren und Langzeitspeicherlösungen, die in öffentlichen F&E-Programmen entwickelt wurden, sind mittlerweile marktreif. Diese Innovationen sind entscheidend, um Stromnetze gegen natürliche Katastrophen und unvorhergesehene Lastschwankungen – etwa durch den Ausbau erneuerbarer Energien – widerstandsfähiger zu machen. Zudem rücken geothermische Systeme der nächsten Generation und CO₂-Abscheidungstechnologien in den Vordergrund, da sie das Potenzial haben, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern weiter zu reduzieren und industrielle Prozesse zu dekarbonisieren.
Wettbewerb der Energieinnovationen „Races to the first"
Im Bericht „The State of Energy Innovation 2025" hat die IEA erstmals 18 zentrale technologische Meilensteine identifiziert, die zur Stärkung von Energiesicherheit, Nachhaltigkeit und positiver wirtschaftlicher Entwicklung beitragen. Diese Meilensteine gelten als entscheidende Etappen, die nicht auf Modellrechnungen beruhen, sondern zentrale Engpässe markieren, die Technologien überwinden müssen. Die meisten betreffen die großskalige Demonstration von Lösungen. Jede Entwicklung durchläuft vier Phasen – von der Erprobung bis zum Überschreiten der Ziellinie durch Erfüllung der Kriterien.
Wesentliche Meilensteine in der Entwicklung wurden laut dem aktuellen IEA Bericht beispielsweise in folgenden Bereichen erzielt: Wasserstoff-Elektro Antriebe für Langstreckenflugzeuge und alternative Treibstoffe für Frachtschiffe, Mikroreaktoren, kalorische Festkörperkühlung von Gebäuden, Emissionsreduktion in der Aluminium-, Zement- und Stahlproduktion, unterirdische Wasserstoffspeicher sowie CO2 Speicher, erste großskalige Langzeit-Speicherbatterie (> 1 GWh), Produktion von Solarmodulen mit einem Wirkungsgrad von 30 % (TRL 6) sowie die Produktion von Elektrofahrzeugen mit Festkörperbatterien (solid-state battery, z. B. in Japan für 2028 geplant).
Diese aktuellen Entwicklungen sind auch in einem interaktivem Tool abgebildet: Races to First in Energy Innovation
Von den Projekten, die sich in den fortgeschritteneren Phasen des IEA-Wettbewerbs „Races to First" befinden, werden 40 % in Europa durchgeführt.
Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft
Die Politik steht vor der Herausforderung, Synergien zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Technologie zu schaffen, Finanzierungslücken zu schließen und internationale Kooperationen zu stärken. Angesichts der komplexen Herausforderungen im Energiesektor betont die IEA drei prioritäre Handlungsfelder für 2026:
Erstens gilt es, Synergien zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Energiesicherheit und technologischer Innovation zu identifizieren und zu nutzen. Dies erfordert eine gezielte Förderung von Technologien, die gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile, Versorgungssicherheit und Klimaziele adressieren – etwa durch die Stärkung heimischer Wertschöpfungsketten für kritische Mineralien oder die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren für First-of-a-Kind-Projekte.
Zweitens müssen Finanzierungslücken über alle Innovationsphasen hinweg geschlossen werden. Da private Investoren zunehmend risikoscheu agieren und Kapital in Bereiche wie KI umschichten, ist die öffentliche Hand gefordert, um Skalierungseffekte zu ermöglichen. Instruments wie staatliche Garantien, steuerliche Anreize oder gezielte Förderprogramme können hier Hilfestellung leisten.
Drittens unterstreicht der Bericht die Bedeutung internationaler Partnerschaften und Netzwerke. Wissenstransfer, gemeinsame Forschungsinfrastrukturen und sektorübergreifende Kooperationen – etwa zwischen Energie-, Digital- und Industrieunternehmen – diese sind zentral, um Innovationszyklen zu beschleunigen. Die IEA empfiehlt zudem, bestehende Politikinstrumente an neue Prioritäten anzupassen, etwa durch die Integration von KI in Energieforschung oder die Förderung von CO2-Abscheidungstechnologien.
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