IEA Energy Policy Review: Austria
Herausgeber: IEA, 2026
Englisch
Inhaltsbeschreibung
Österreich gehört mit seinen Klima- und Energiezielen zu den weltweit ambitioniertesten Ländern und weist den höchsten Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in der EU auf. Grundlage dafür sind ein hoher Anteil an Wasserkraft (rund 60 % der Stromerzeugung), einschließlich 5,6 GW an Pumpspeicherkapazität, sowie der flächendeckende Smart Meter Roll‑out. Während die energiebedingten Treibhausgasemissionen seit 1990 um 16 % gesunken sind, sind die Emissionen unter Einbeziehung von Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) um 13 % gestiegen.
Economy-wide greenhouse gas emissions in Austria, 1990-2024 and 20240 target
Um seine Ziele zu erreichen, muss Österreich seine Umsetzungsmechanismen und die verfügbaren Finanzierungsinstrumente neu ausrichten und stärken. Der IEA‑Bericht liefert hierzu zehn Empfehlungen, insbesondere zu zwei Schwerpunkten: der Flexibilisierung des Energiesystems sowie der Dekarbonisierung der Industrie.
Empfehlungen für Österreich
Energiepolitische Ausgangslage
Damit Österreich seine Klima- und Energieziele erreichen kann, braucht es konkrete Umsetzungsstrategien und ausreichende finanzielle Mittel. Die Wasserkraftressourcen des Landes und die Möglichkeiten für weitere Effizienzsteigerungen und Elektrifizierung bieten gute Grundlagen für eine künftige Dekarbonisierung. Dennoch sind ein erheblicher Ausbau der erneuerbaren Erzeugungs- und Speicherkapazitäten sowie ein weiterer Netzausbau und regulatorische Reformen erforderlich, um mehr Systemflexibilität zu ermöglichen und letztlich die gesetzten Ziele zu erreichen.
Einen guten Einblick in die Entwicklung des österreichischen Energiesystem liefert folgende Infografik der IEA: https://www.iea.org/reports/austria-2026/infographic
Empfehlungen:
- Österreich sollte sicherstellen, dass seine Klima- und Energieziele durch realistische Umsetzungsstrategien und ausreichende Finanzierung unterstützt werden, indem Energiebedarf, Infrastruktur, finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten neu bewertet und MaßEmpfnahmen auf aktuelle Daten gestützt werden.
- Beschleunigung der Gesetzgebung mit rascher Umsetzung des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG) und des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes (EABG). Dies ist essenziell, um Planungssicherheit zu schaffen und Genehmigungsverfahren zu verkürzen.
- Leistbare Energiepreise sollen durch mehr Wettbewerb im Strommarkt sowie durch strengere Regulierung und transparente Tarifstrukturen in der Fernwärme sichergestellt werden.
- Der Ausstieg aus fossilen Heizsystemen soll durch integrierte Wärme- und Kältepläne auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene, vereinfachte Genehmigungsverfahren für Wärmepumpen sowie gezielte Anreize für Vermieter und Mieter gefördert werden.
Flexibilität des Energiesystems:
Die Systemflexibilität muss mit dem steigenden Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien und der Elektrifizierung Schritt halten, um die Kosteneffizienz und Resilienz des österreichischen Stromsystems zu sichern. Entscheidend ist nun die Rahmenbedingungen so verbessern, dass Flexibilität im Stromsystem gezielt belohnt wird, etwa durch den weiteren Ausbau von Maßnahmen auf der Nachfrageseite, z. B. durch Anreize für intelligentes Laden von Elektrofahrzeugen, sowie die Stärkung von Preissignalen.
Auch wenn der Ausbau der Photovoltaik dank gezielter Förderungen, Steuererleichterungen und der Energiekrise stark gewachsen ist und 2024 über 11 % der Stromerzeugung gestellt hat, bleibt der notwendige Ausbau der Windenergie in Österreich hinter den Zielen (10 TWh zusätzliche Jahresproduktion) zurück.
Empfehlungen:
- Um die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne zu bewältigen, müssen Speicherlösungen (Batterien, Pumpspeicher) gefördert und die Nachfrageflexibilität (Demand-Response) durch dynamische Tarife gestärkt werden.
- Österreich sollte den Ausbau von Solar- und Windenergie stärker mit dem Stromsystem abstimmen, damit neue Anlagen möglichst kostengünstig, netzschonend und flexibel integriert werden.
- Vollständige Nutzung der rechtlichen Möglichkeiten für den Ausbau der Windkraft, Ausweisung von Windzonen, transparente langfristige Verpachtungen öffentlicher Flächen, koordinierte Raumplanung, gestraffte Genehmigungsverfahren und Einbindung der Stakeholder sind erforderlich.
Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie
Österreich verfügt über ein leistungsfähiges Energie-Innovationsökosystem, das gute Voraussetzungen für die Entwicklung und Skalierung von Dekarbonisierungslösungen für die sogenannten „hard-to-abate" Industrien bietet.
Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen in Höhe von 3,3 % des BIP sowie fortgeschrittenen technologischen Ansätzen, insbesondere in der wasserstoffbasierten Stahlproduktion und im Bereich Kohlenstoffabscheidung, -verwendung und -speicherung (CCUS) für die Zementindustrie, bestehen gute Grundlagen, um sowohl die nationalen Klimaziele zu erreichen als auch zur Mitgestaltung der internationalen Entwicklung von Dekarbonisierungstechnologien in der Industrie beizutragen. Die IEA empfiehlt Innovationen in den Bereichen Wasserstoff, CCUS, Energieeffizienz und Elektrifizierung mit Unterstützung des nationalen F&E Budgets zur Marktreife zu führen. Auch sollten transformative FTI-Missionen wie die „Energiewende" genützt werden, um Technologien und Systemlösungen zu entwickeln und zu skalieren.
Gleichzeitig steht die österreichische Industrie, die 22 % der Wirtschaftsleistung und 26 % der Beschäftigung ausmacht, unter erheblichem Anpassungsdruck. Neben hohen Energiekosten erfordern insbesondere internationale Wettbewerbsdynamiken und die Transformation hin zu klimaneutralen Produktionsprozessen umfangreiche Investitionen und langfristige Planungssicherheit.
Um sein Innovationsökosystem besser zu nutzen und die Einführung innovativer Lösungen zur Dekarbonisierung der Industrie zu beschleunigen, sollte die österreichische Regierung klare, branchenspezifische Regelungen schaffen, die Planungs- und Investitionssicherheit bieten.
Auch die neue österreichische Industriestrategie skizziert eine klare Vision für höhere Produktivität, Attraktivität für Investitionen und wirtschaftlichen Erfolg und empfiehlt Maßnahmen, die auch in diesem Bericht aufgegriffen werden. Dazu gehören unter anderem Energiekostenerleichterungen für die energieintensive Industrie, Ausgleichszahlungen für indirekte CO₂‑Kosten sowie Investitionen in Innovation und die Markteinführung neuer Technologien. Auch das Verbot von CO₂-Abscheidung und -Speicherung aufzuheben und die Nutzung von abgetrenntem CO₂ als Rohstoff zu fördern, eröffnet neue wichtige Potenziale.
Empfehlungen:
- Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit wird angesichts der hohen Energiepreise eine gezielte, zeitlich befristete Unterstützung der Energiekosten für energieintensive Industrien empfohlen, die jedoch an Bedingungen für Reinvestitionen in kohlenstoffarme Technologien geknüpft sein sollte.
- Um sein Innovationsökosystem besser zu nutzen und die Einführung innovativer Lösungen zur Dekarbonisierung der Industrie zu beschleunigen, sollte die österreichische Regierung klare, branchenspezifische Regelungen schaffen, die Planungs- und Investitionssicherheit bieten.
- Österreich soll den Wasserstoffnetzausbau vorantreiben, die Entwicklung einer Nachfrage unterstützen und den Infrastrukturausbau gemeinsam mit regionalen Partnern an investitionssicheren Nachfrageclustern und internationalen Korridoren ausrichten.
Durch die Verbindung von Innovationsförderung, klaren regulatorischen Rahmenbedingungen und industriepolitischen Maßnahmen kann Österreich den Übergang zu einer klimaneutralen Industrie unterstützen und zugleich seine Wettbewerbsfähigkeit im Bereich sauberer Technologien stärken.
Die Erreichung des Klimaneutralitätsziels bis 2040 erfordert jedoch ein kohärentes Maßnahmenpaket über alle Sektoren hinweg, unterstützt durch beschleunigte Gesetzgebung, den Infrastrukturausbau sowie kontinuierliche Investitionen in saubere Technologien. Dafür müssen Reibungen zwischen Bundes- und Länderebene überwunden, der Netzausbau beschleunigt und weitere Maßnahmen in den Sektoren Verkehr und Wärme durchgesetzt werden. Durch die Stärkung von Gesetzgebung und Regulierung zur Dekarbonisierung der Industrie und zum Aufbau eines flexiblen, kohlenstoffarmen Energiesystems kann Österreich eine Vorreiterrolle einnehmen, die Versorgungssicherheit erhöhen und die Energiewende in Europa vorantreiben.
Source: IEA. International Energy Agency Website: www.iea.org