IEA Bericht: The State of Energy Innovation 2026

Der Bericht „Energy Efficiency 2025“ ist die jährliche Analyse der Internationalen Energieagentur (IEA) zu globalen Entwicklungen im Bereich der Energieeffizienz. Er wertet aktuelle Trends hinsichtlich Energieintensität und -nachfrage sowie von Investitionen, Beschäftigungseffekten und politischen Maßnahmen aus. Darüber hinaus enthält der Bericht sektorspezifische Analysen für Industrie, Gebäude, Geräte und Verkehr und behandelt zudem Themen wie Emissionsminderung, Energieversorgungssicherheit, Leistbarkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Herausgeber: IEA, 2026
Englisch, 101 Seiten

Inhaltsbeschreibung

Der Bericht zeigt, dass sich die Energieeffizienz weltweit zwar verbessert, das Tempo jedoch nicht ausreicht, um die Klimaziele zu erreichen. Zwar nehmen Investitionen und politische Maßnahmen zu, doch ohne deutlich strengere Standards und eine schnellere Umsetzung bleibt ein großer Teil des Effizienzpotentials ungenutzt.

Energieeffizienz steigt, Fortschritte bleiben jedoch hinter dem globalen Ziel zurück

Die weltweiten Fortschritte bei der Energieeffizienz werden sich 2025 voraussichtlich auf 1,8 % erhöhen, gegenüber rund 1 % im Jahr 2024. Vorläufige Schätzungen zeigen, dass mehrere wichtige Regionen damit wieder über ihrem Durchschnitt seit 2019 liegen. So dürfte sich die Energieintensität in China um mehr als 3 % und in Indien um über 4 % verbessern – deutlich über den jeweiligen Durchschnittswerten seit 2019. In den USA und der EU hingegen wird nach mehreren Jahren stärkerer Fortschritte infolge der Energiekrise ein Rückgang auf unter 1 % erwartet.

Trotz dieser Entwicklung bleibt die Welt deutlich hinter ihrem Ziel zurück. Auf der COP28 einigten sich fast 200 Regierungen darauf, die durchschnittliche jährliche Verbesserung der globalen Energieeffizienz bis 2030 zu verdoppeln. Seit 2019 liegt der weltweite Fortschritt – gemessen an der Veränderung der Primärenergieintensität – jedoch nur bei durchschnittlich 1,3 % pro Jahr. Damit liegt er sowohl unter dem langfristigen Durchschnitt von rund 2 % im Zeitraum 2010 bis 2019 als auch deutlich unter dem Ziel von 4 % jährlich bis 2030.

Vier zentrale Trends hindern schnellere Fortschritte:

  1. Rund zwei Drittel des weltweiten Wachstums des Endenergiebedarfs seit 2019 entfallen auf die Industrie – einen Sektor, in dem sich die Fortschritte bei der Energieintensität deutlich verlangsamt haben. Während der industrielle Energiebedarf seit 2019 schneller wächst, ist die durchschnittliche jährliche Verbesserung der Energieintensität im selben Zeitraum auf unter 0,5 % gesunken, verglichen mit nahezu 2 % im vorangegangenen Jahrzehnt. Die Zunahme des Energieverbrauchs in der Industrie kompensiert Effizienzgewinne in anderen Sektoren und bremst den globalen Fortschritt bei der Energieeffizienz.
  2. Die Politik hält mit dem technologischen Fortschritt bei der Energieeffizienz nicht Schritt, sodass erhebliche Einsparpotenziale ungenutzt bleiben. Viele der heute verkauften Geräte sind nur etwa halb so effizient wie die leistungsfähigsten verfügbaren Modelle. Zwar hat sich die Effizienz entsprechender Technologien in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, doch die Energieeffizienzstandards wurden nicht im gleichen Tempo verschärft. So hat sich etwa die Effizienz der besten LED-Glühbirnen in den letzten 15 Jahren etwa verdoppelt, während die entsprechenden Mindestleistungsstandards lediglich um rund 30 % angehoben wurden.
  3. Der wachsende Zugang zu Klimaanlagen hat den Strombedarf für Kühlung stark ansteigen lassen. Seit 2000 verzeichnet die Energie für Raumkühlung mit über 4 % Wachstum pro Jahr den schnellsten Anstieg aller Endenergieanwendungen im Gebäudesektor. Ein großer Teil dieser zusätzlichen Nachfrage wird jedoch durch vergleichsweise ineffiziente Geräte gedeckt, was die Energiesysteme in einer Phase raschen Marktwachstums zusätzlich belastet. Wären alle seit 2019 verkauften Klimaanlagen so effizient wie die derzeit besten verfügbaren Modelle, hätte sich ein zusätzlicher Strombedarf vermeiden lassen, der dem Anstieg des Energiebedarfs von Rechenzentren im gleichen Zeitraum entspricht.
  4. Der Anstieg des Strombedarfs übertrifft das Wachstum der erneuerbaren Energien und führte zu einem Anstieg der weniger effizienten Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen. Seit 2019 ist der Strombedarf zwei- bis dreimal schneller gewachsen als der Gesamtenergiebedarf. In einigen Regionen hat dieser zusätzliche Bedarf die Nutzung ineffizienter Erzeugungsquellen verstärkt, was den Primärenergieverbrauch erhöht und den Fortschritt bei der Verbesserung der Energieintensität verlangsamt.

Mehr Investitionen und Jobs – aber Kosten und Fachkräftemangel bremsen

Die weltweiten Investitionen in Energieeffizienz werden bis 2025 voraussichtlich nahezu 800 Milliarden US-Dollar erreichen – ein Plus von 6 % gegenüber dem Vorjahr und über 70 % im Vergleich zu 2015. In einigen Ländern wurden jedoch öffentliche Förderprogramme gekürzt, während gleichzeitig die Materialkosten gestiegen sind. So sind beispielsweise die Baupreise in der EU seit 2021 um mehr als 20 % gestiegen. Zudem zeigen sich weiterhin deutliche regionale Unterschiede: Rund zwei Drittel der Endverbrauchsinvestitionen entfallen auf China, die USA und die EU, während das schnellste Wachstum der letzten zehn Jahre in Indien und Südostasien zu verzeichnen war.

Im Jahr 2024 waren weltweit fast 18 Millionen Menschen im Bereich Energieeffizienz beschäftigt, doch der Sektor leidet weiterhin unter Arbeits- und Fachkräftemangel. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 2023 bis 2024 um über 6 %. Den größten Anteil an Arbeitskräften stellen China, die EU und die USA, während in Schwellenländern wie Indien in den letzten Jahren ein besonders starkes Beschäftigungswachstum zu verzeichnen ist. Neue Umfragen der IEA aus dem Jahr 2025 zeigen jedoch, dass der Fachkräftemangel weiterhin ein Hemmnis darstellt und die Anstrengungen zur Gewinnung und Ausbildung qualifizierter Arbeitskräfte deutlich intensiviert werden müssen.

2025 rückt Energieeffizienz erneut in den Fokus globaler Wirtschafts- und Energiepolitik

Eine neue Analyse der IEA zeigt, dass Energieeffizienzmaßnahmen seit 2000 wesentlich zur Erreichung globaler energiepolitischer Ziele beigetragen haben. Ohne die seit 2010 erzielten Effizienzsteigerungen wären die Treibhausgasemissionen heute um 20 % höher, während Haushalte in Industrieländern bis zu 20 % ihrer Energiekosten einsparen konnten. Gleichzeitig hat die Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und produziert heute rund 20 % mehr Wert pro Energieeinheit als im Jahr 2000. Effizienzmaßnahmen haben zudem die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten reduziert und während der Energiekrise in Europa zwei Drittel der Gasverbrauchseinsparungen der Haushalte ermöglicht, wodurch Versorgungssicherheit und strategische Unabhängigkeit gestärkt wurden.

Auf der 10. jährlichen IEA World Energy Efficiency Conference wurde die zentrale Rolle der Energieeffizienz erneut anerkannt, wobei Regierungen ihr Engagement für verstärkte Maßnahmen bekräftigten und deren Bedeutung für Energiekosten, Lebensqualität und industrielle Wettbewerbsfähigkeit hervorhoben.

Regierungen müssen Ambitionen steigern und Lücken in der Gesetzgebung schließen, um Effizienzfortschritt zu beschleunigen

Im Jahr 2025 haben Regierungen weltweit über 250 neue oder überarbeitete Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umgesetzt, die über 85 % des globalen Energiebedarfs abdecken. Im Vorfeld der COP30 haben außerdem mehr als 50 Länder ihre national festgelegten Beiträge um aktualisierte Effizienzziele ergänzt. Diese Maßnahmen schaffen eine wichtige Grundlage für schnellere Fortschritte, die auf zwei Wegen weiter beschleunigt werden können:

  1. Erstens können Regierungen bestehende Maßnahmen ambitionierter gestalten. Viele Regelungen sind technologisch überholt und die Effizienzstandards variieren stark zwischen Ländern. So kann ein Gebäude, das lokalen Effizienzstandards entspricht, bis zu dreimal so viel Energie verbrauchen wie ein vergleichbares Gebäude in einem anderen Land mit ähnlichem Klima, aber strengerem Standard. Durch die Anpassung bestehender Maßnahmen würden sich Fortschritte schnell und effizient steigern lassen.
  2. Zweitens müssen noch bestehende Lücken in der Gesetzgebung geschlossen werden. In rund der Hälfte aller Länder fehlen beispielsweise Effizienzstandards für Neubauten und in zwei Dritteln existieren keine verbindlichen Standards für Industriemotoren. Die gezielte Schließung dieser Lücken, insbesondere in Bereichen mit hohem Energieverbrauch und großem Einsparpotential, könnte den Effizienzfortschritt deutlich beschleunigen.

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