Foto: Frontansicht des sozialen Wohnbaus Utendorfgasse Wien

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 1/1996
Wege zum Autofreien Tourismus

Planungshandbuch

Inhaltsbeschreibung

Sowohl Verkehr als auch Tourismus sind wesentliche Elemente unserer modernen Dienstleistungs- und Freizeitgesellschaft. Die insbesondere durch das Auto ermöglichte hohe individuelle Mobilität hat in Verbindung mit mehr Freizeit und Wohlstand des Einzelnen die Zunahme des Tourismus in Österreich mitbestimmt. Immer mehr touristische Angebote setzen individuelle Mobilität voraus und bewirken dadurch wiederum eine Verkehrszunahme.

Der touristische Autoverkehr wurde damit zu einem Mitverursacher gravierender Umweltbelastungen. Endlose Autoschlangen, die sich durch österreichische Alpentäler wälzen, stellen die deutlichste Manifestation dieser Situation dar. Autoabgase belasten die Luft und tragen zur Ozonbildung bei, wodurch Ökosysteme nachhaltig, geschädigt werden. Eine verstärkte Beachtung dieser Problematik bei der weiteren Entwicklung touristischer Mobilität ist daher unbedingt notwendig.

Autofreier Tourismus gibt uns die Chance, nicht nur unsere Umwelt zu entlasten und zu schützen, sondern auch eine neue Form des Qualitätstourismus zu entwickeln, der den Menschen und nicht das Auto im Mittelpunkt sieht. Dieses Planungshandbuch stellt einen Beitrag und ein Instrument zur Realisierung von autofreien Tourismuskonzepten in Österreich dar. Es soll mithelfen, Tourismus so zu gestalten, dass Verkehrsbelastungen reduziert oder ganz vermieden werden und Erholung gewährleistet ist.

Die Attraktivität vieler Tourismusgemeinden leidet unter den Belastungen durch den Kfz-Verkehr. Die Gemeinschaft Autofreier Schweizer Tourismusorte (GAST) zeigt demgegenüber, dass "Autofreiheit" heute ein Markenzeichen des Qualitätstourismus darstellt. Auch in Orten mit bisher autoorientierter Struktur kann eine Umorientierung möglich sein, wie an den Modellprojekten in Bayern abzulesen ist. Damit Österreichs Gemeinden mit diesem Trend mithalten können, haben das Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie und das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung durch das Ressort für Verkehrswissenschaft des VCÖ die Studie "Autofreie Tourismusorte in Österreich - Machbarkeitsanalyse" erstellen lassen. Um die internationalen Erfahrungen nutzbar zu machen und eine Grundlage für die weiteren Schritte von der punktuellen Verkehrsberuhigung zu einem Gesamtkonzept mit dem Leitziel "Autofreier Tourismus" zu haben, wurden die Ergebnisse dieser Studie in diesem Handbuch aufbereitet. Die vorgeschlagenen Verkehrsmodelle und Maßnahmenbündel sollen dabei als Leitlinien dienen, innerhalb derer an die örtlichen Bedürfnisse angepasste Lösungen umgesetzt werden können.

Das Handbuch gibt eine umfassende Darstellung der Wirkungsmechanismen im Tourismusverkehr und beschreibt die Beurteilungskriterien zur Verkehrs- und Umweltsituation. Die Autofreien Tourismusorte in der Praxis, wie die GAST-Orte und die Modellprojekte in Bayern werden ausführlich vorgestellt_ Als Kernpunkte werden Verkehrsmodelle zum schrittweisen Erreichen der Zielsetzung "Autofreiheit" entworfen. Detailliert werden die Maßnahmenbündel zur Mobilität im Ort und- in der Urlaubsregion aufgelistet, die Einsatzmöglichkeiten von Elektrofahrzeugen dargestellt, Maßnahmen zur Verbesserung der Anreise im Öffentlichen Verkehr und zur Lösung der Gepäcksfrage vorgeschlagen. Tarif- und Marketingstrategien zur Forcierung der autofreien Anreise werden ebenso beleuchtet, wie Formen der Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit.

Die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zur Umsetzung der Verkehrsmodelle werden analysiert und Anpassungsvorschläge gemacht. Checklisten, die die Maßnahmen in übersichtlicher Form zusammenfassen, ergänzen die Teilkapitel_ Die Auswirkungen der Verkehrsmodelle werden beispielhaft in einer Wirkungsanalyse gegenübergestellt und Machbarkeitskriterien zur Umsetzung eines "Autofreien Tourismusortes" aufgestellt. Zum Abschluss werden vorbildliche Initiativen für einen umweltverträglicheren Tourismusverkehr seitens der Gemeinden und Verkehrsunternehmen in Österreich präsentiert.

Die Autoren hoffen, mit diesem Handbuch die fachlichen Grundlagen für einen österreichischen Weg zum Autofreien Tourismus aufbereitet zu haben, damit sich die Lösung der Verkehrsprobleme mit der Entwicklung eines zukunftsorientierten touristischen Qualitätsproduktes kombinieren lässt.

Bibliographische Daten

"Wege zum Autofreien Tourismus"
Peter Glasl, Barbara Kein, Klaus Robatsch, Christoph Stadlhuber, Erich Wagner
(alle: VCÖ-Ressort für Verkehrswissenschaft)

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 1/1996

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie, VCÖ Verkehrsclub Österreich
149 Seiten
Mödling, 1995

Diese Seite teilen ...

zum Anfang