Biodiesel

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 38/2001
Umsetzung nachhaltiger Entwicklung in Österreich

2. Bericht des Vereins SUSTAIN

Inhaltsbeschreibung

Der Vereich SUSTAIN, der im zeitlichen Umfeld des Welt Umweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 auch mit Unterstützung des BMVIT gegründet wurde, leistete in seiner bisherigen Arbeit als wissenschaftliche Plattform einen wichtigen Beitrag beim Aufbau einer fachlichen Basis im Bereich Nachhaltigkeit. Mit dem vorliegenden Bericht legte SUSTAIN eine oft auch kritische Zustandserhebung der Umsetzung nachhaltiger Entwicklung aus wissenschaftlicher Sicht vor und definiert für verschiedene Sektoren und Politikbereiche notwendige nächste Umsetzungsschritte. Damit gibt der Bericht Entscheidungshilfen für Politik und Wirtschaft.

Der Bericht beschäftigt sich mit Fragen der Implementierung von nachhaltiger Entwicklung. Bewusst wird der Fokus des Berichtes weg von der Wissenschaft als Leitthema hin zu Fragen der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Strukturänderung gelegt.

Diese Fragen bedürfen einer interdisziplinären, wissenschaftlichen Herangehensweise. Es ist dieser Aspekt, der den Verein dazu bewogen hat, sein wissenschaftliches Potential, das einen breiten Bogen von Forschungsdisziplinen umspannt, in den Dienst der Erstellung dieses Berichtes zu stellen. Der vorliegende Bericht ist ( im Gegensatz zum ersten) keine Auftragsarbeit, sondern entspringt der Verantwortung und dem Selbstverständnis des Vereines als Akteur zur Förderung nachhaltiger Entwicklung in Österreich zu wirken. Wesentlich unterstützt wurde das Vorhaben durch die Basisfinanzierung des Vereines durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, dem an dieser Stelle ausdrücklich gedankt werden soll.

Dieser Bericht geht von der These aus, dass nachhaltige Entwicklung ein radikal neues Paradigma darstellt, das nicht durch kosmetische Korrekturen der bisherigen Vorgehensweisen und Strukturen zu erreichen ist , sondern einen neuen Abschnitt in der menschlichen Gesellschaft darstellt, in seiner Tragweite etwa der industriellen Revolution vergleichbar. Diese radikale Neuheit nachhaltiger Entwicklung erfasst alle Bereiche des menschlichen Lebens, das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt ebenso wie das Wirtschaftssystem und das politisch-soziale System unserer Gesellschaft. Es ist diese umfassende Bedeutung des neuen Paradigmas nachhaltiger Entwicklung, die hinter dem Bild der drei Säulen, der ökologischen, ökonomischen und sozialen Säule, steht. Nachhaltige Entwicklung erfordert nicht nur eine neue Entwicklungslogik sondern auch ein neues Maß an Integration der Handlungen in den verschiedenen Bereichen.

Die These der radikalen Neuheit nachhaltiger Entwicklung hat aber auch noch andere Folgerungen, die diesen Bericht wesentlich beeinflusst haben. Eine dieser Folgerungen ist, dass die Implementierung eines so umfassenden und neuen Entwicklungsparadigmas zwangsläufig Konflikte hervorrufen wird. Nachhaltige Entwicklung wird in der Gesellschaft Gewinner und Verlierer hervorbringen, es wird Widerstände gegen dieses Paradigma ebenso geben wie Bemühungen, seine Realisierung voranzutreiben. Der rasche Erfolg der Implementierung wird dabei davon abhängen, inwieweit diese Konflikte zu kreativen Lösungen führen können und wie mit den "Verlierern" nachhaltiger Entwicklung umgegangen wird.

Der tiefgreifende Wandel, den das Paradigma nachhaltiger Entwicklung auslöst, ist Ausdruck eines ebenso tiefgreifenden Wertewandels in der Gesellschaft. Wertewandel und Änderung des Entwicklungsparadigmas sind untrennbar miteinander verbunden und können daher auch nicht getrennt voneinander behandelt werden. Im Gegensatz zum ersten SUSTAIN-Bericht geht der vorliegende Bericht daher auch auf diesen Aspekt ein. Dies vor allem auch deshalb, weil die Verknüpfung zwischen Wertewandel und nachhaltiger Entwicklung wesentlichen Einfluss auf die Dynamik und Struktur des Implementationsprozesses hat. Wertewandel in der Gesellschaft sind keine kurzfristigen Prozesse und können auch nicht "von oben" verordnet und geplant werden.

Prozesse, die auf Wertewandel aufbauen, können nicht verhindert, wohl aber beschleunigt werden. Je feinfühliger eine Gesellschaft auf einen solche Wertewandel reagiert, je umsichtiger und vorausschauender sie die Randbedingungen für das aus dem Wertewandel folgende Entwicklungsparadigma nachhaltiger Entwicklung setzt, desto besser wird sie sich in der Zukunft behaupten können. Obwohl die Implementation nachhaltiger Entwicklung ein längerfristiger Prozess ist, der mindestens die nächste Generation betreffen wird, so müssen die Weichen für diesen Prozess bereits heute gestellt werden.

Es versteht sich von selbst, dass diese Randbedingungen insbesondere auch den gesamten Bereich der staatlichen Lenkungsinstrumente, insbesondere das Abgaben- und Fördersystem umfassen muss. Diese Forderung ergibt sich aus allen Teilaspekten, die in diesem Bericht behandelt werden, in gleicher Weise. Eine tiefgreifende ökologische Steuerreform, die menschliche Arbeit entlastet und Verbrauch von Ressourcen entsprechend ihres ökologischen Druckes belastet, ist ebenso ein (dringendes) Muss, wie eine Umstellung des Fördersystems, das heute noch auf die Anforderungen des alten, nicht nachhaltigen Entwicklungsparadigmas abgestellt ist. Es sind vor allem die Defizite auf diesem Gebiet, die heute viele notwendige Maßnahmen zur Implementierung nachhaltiger Entwicklung in Österreich behindern.

Der vorliegende Bericht gliedert hier fachliche und strategische Grundlagen für die dringend notwendige Intensivierung der Diskussion über die Neugestaltung des Steuer- und Förderungsbereiches. Für eine effiziente Implementierung nachhaltiger Entwicklung ist es jedoch erforderlich, dass diese Diskussion in allernächster Zeit zu konkreten Maßnahmen führt!

Der Bericht selbst ist in zwei Teile gegliedert. Einem strategischen Teil, der sich mit den vorherrschenden Megatrends, dem Spannungsfeld zwischen Demokratie und Wissenschaft, einer Neuausrichtung der Wirtschaft in Richtung Dienstleistung und dem wichtigen Thema Bildung beschäftigt, folgt ein stärker fachlich orientierter Teil, der sich Fragen der Landwirtschaft, der Energiebereitstellung, der Regionalen Entwicklung, aber auch der gesetzlichen Umsetzung und der Messung nachhaltiger Entwicklung widmet. Den Teilen vorangestellt ist eine Arbeitshypothese nachhaltiger Entwicklung, die Grundlage des Berichtes darstellt.

Downloads

Umsetzung nachhaltiger Entwicklung in Österreich, 2. Sustain Bericht

Schriftenreihe 38/2001 div. Autoren
Deutsch, vergriffen

Bibliographische Daten

Umsetzung nachhaltiger Entwicklung in Österreich. 2. SUSTAIN Bericht
Roland Albert, Paul H. Brunner, Elisabeth Fromm, Jochen Gassner, Andrea Grabher, Ruth Kratochvil, Christian Krotscheck, Thomas Lindenthal, Rebecka Milestad, Anton Moser, Michael Narodoslawsky, Michael Pollak, Lothar Rehse, Horst Steinmüller, Heinz Peter Wallner, Robert Wimmer, Heinrich Wohlmeyer

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 38/2001
Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie

Graz, Dezember 2001
175 Seiten

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