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Nachhaltige Bioenergie 2050

Technologischer Forschungs- und Entwicklungsbedarf im Bereich Bioenergie zur Erreichung der Klimaziele.

Bibliographische Daten

Schriftenreihe 53/2013
L. Kranzl, J. Matzenberger, G. Kalt, F. Schipfer
Herausgeber: bmvit
Deutsch, 162 Seiten

Inhaltsbeschreibung

Die EU hat sich das Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80% bis 95% gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken. Biomasse spielt in praktisch allen Szenarien einer low-carbon Gesellschaft eine zentrale Rolle. Für die Ausgestaltung solcher Systeme stellen sich gerade im Sektor Bioenergie eine Reihe technologischer, sozialer, ökologischer und ökonomischer Fragen, die auf globaler und regionaler Ebene verschränkt sind.

Das Ziel des Projektes besteht darin, "Technology gaps" im Sinne technologischen Forschungs- und Entwicklungsbedarfs im Bereich Bioenergie aufzuzeigen und diese integriert mit Aspekten einer nachhaltigen Biomasse-Ressourcen Bereitstellung im globalen, europäischen und österreichischen Kontext zu untersuchen. Damit soll ein Diskussionsbeitrag geschaffen werden im Hinblick auf Nachhaltigkeitskriterien von Biomasse, der zukünftigen Rolle der Bioenergie sowie der Ausrichtung von F&TE.

Dazu wurden zuerst Zielsetzungen, Szenarien, Potenziale und internationale Handelsverflechtungen der Biomasse auf globaler, europäischer, und österreichischer Ebene aus der Literatur analysiert. Anschließend wurde die künftige Rolle, die verschiedenen Bioenergie-Technologien in den unterschiedlichen Roadmaps, Szenarien und Studien zugewiesen wird, identifiziert. Einen wesentlichen Teil der Arbeit nehmen Fallstudien zur Produktion von Bioenergie in afrikanischen Ländern für den Export nach Europa ein. Abschließend wird die Zertifizierung von Nachhaltigkeitskriterien der Biomasse diskutiert.

Global werden derzeit (2009) etwa 10% (ca. 50 EJ) des Energieverbrauchs durch Biomasse bereitgestellt, wobei der Löwenanteil auf traditionelle Nutzung fester Biomasse entfällt. Szenarien zeigen bis 2050 etwa eine Verdopplung bis mehr als eine Verdreifachung der eingesetzten Bioenergie, wobei die höchsten Zuwachsraten im Bereich biogener Kraftstoffe angenommen werden. In Europa liefert Bioenergie gesamt knapp 7% des Bruttoinlandsverbrauchs (BIV). Laut nationaler Aktionspläne für erneuerbare Energie sollte Bioenergie bis 2020 um etwa 40% bezogen auf 2010 ansteigen, wobei z.B. die EnergyRoadmap-Szenarien hier ein langsameres Wachstum sehen.

In praktisch allen Szenarien und Roadmaps wird gerade jenen Technologien, die derzeit noch den größten Forschungsbedarf aufweisen, die höchste künftige Relevanz zugewiesen. Dies sind im Wesentlichen: Innovative Vorbehandlungstechnologien, Kraftstoffe der zweiten und dritten Generation, integrierte Biomassevergasung und –verstromung, Bioraffinerien und in gewissem Ausmaß KWK im mittleren und kleinen Leistungsbereich. Es liegt damit ein wesentlicher Fokus auf Technologien, die geeignet sind, eine Diversifizierung der Rohstoff-Basis sowie verstärkten Einsatz von Reststoffen und holzartiger Biomasse zu erreichen.

Bioenergie wird international gehandelt und vieles weist auf eine künftig verstärkte Bioenergieproduktion in Entwicklungsländern für den Export hin. Die afrikanischen Fallstudien zeigen, dass bei den ausländischen Direktinvestitionen und damit einhergehenden Praktiken der Landvergabe praktisch keine Teilhabe lokaler Bevölkerung erfolgt, mit entsprechenden Auswirkungen auf die für die Nahrungsmittelversorgung essentiellen kleinbäuerlichen Strukturen und deren Verdrängung unter anderem auf „marginal land". Es bräuchte im Vorfeld detaillierte Analysen des komplexen Bodenrechts, die bisher nicht stattfinden sowie umfassende partizipative Entscheidungsprozesse. Manche dieser Aspekte könnten in das bestehende System von Nachhaltigkeitskriterien, die im Zuge der europäischen Richtlinie für erneuerbare Energie entstanden, aufgenommen werden.

Andere bedürfen allerdings viel tiefgreifenderer Umbrüche in den Strukturen internationalen Handels und der Konkurrenz um Direktinvestitionen, die zum Teil von nationaler, afrikanischer und zum Teil internationaler Seite geprägt sind.
Durch bestehende Aktivitäten im Bioenergie-Sektor wird u.a. von europäischer und damit auch österreichischer Seite, globaler Einfluss ausgeübt und es stellt sich zunehmend die Herausforderung, diesen im Sinne einer verantwortlichen Politik auch zu gestalten. Das Schließen von „Technology-gaps", die nachhaltige Biomasse-Rohstoffbereitstellung sowie politische Zielsetzungen und Rahmenbedingungen sind daher künftig verstärkt integriert, systemisch zu betrachten

Kontakt

Dr. Lukas Kranzl
TU Wien, EEG
E-Mail: lukas.kranzl@tuwien.ac.at
Web: www.eeg.tuwien.ac.at

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