Foto: Fenster des Freihofs Sulz

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 5/1998
Ökologischer Vergleich von zentralen und dezentralen Abwasserreinigungsanlagen

Untersuchung von Reinigungsmethoden von belasteten Abwässern unter Anwendung von Lebenszyklusbetrachtungen

Inhaltsbeschreibung

In den letzten Jahren wurden enorme Summen in den Umweltschutz investiert - trotzdem werden die Forderungen von Bevölkerung und Behörde immer größer - die Umweltaufwendungen scheinen in vielen Bereichen unüberblickbar. Eine Umstellung auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise und einen vorsorgenden Umweltschutz wird immer mehr als Notwendigkeit erachtet.

Der Gedanke des vorsorgenden Umweltschutzes führt zur verstärkten Forderung nach Vermeidungsstrategien. Im Industriebereich ist es bereits in vielen Fällen durch Einbindung von "Cleaner Production Technologies" möglich, Umweltbelastungen bereits an ihrer Quelle zu verringern. Es können so vielfach ökologische und ökonomische Vorteile miteinander verbunden werden.

Es verbleiben aber immer Bereiche, in denen Belastungen nicht vermieden werden können, wo weiterhin Nachreinigungsverfahren (End of Pipe) eingesetzt werden müssen. Eines der bedeutendsten Beispiele ist hier die kommunale aber auch die industrielle Abwasserreinigung.

Es besteht im Bereich der Abwasserentsorgung die Tendenz, immer strengere Grenzwerte vorzuschreiben, die gesamtheitlichen Auswirkungen und Möglichkeiten der Vorsorge oder Kreislaufführung - kurz die Aspekte von Sustainable Development werden dabei mitunter vernachlässigt. Die ökologischen Kosten, die mit den für den besonderen Schutz eines Umweltsegments erforderlichen Maßnahmen (Gewässer) verbunden sind, d.h. auch die zeitlich und räumlich verschobenen Umweltauswirkungen (z.B. Herstellung der Vorprodukte wie Stahl, Beton, PVC, Energieverbrauch oder Entsorgung der Altanlagen) sowie der ökologische Gesamtzusammenhang werden manchmal vernachlässigt.

Aufgabenstellung

Im Rahmen einer ökologischen Betrachtung ist der insgesamt schonendste Weg zur Reinigung der belasteten Abwässer zu suchen. Die Betrachtung darf sich dabei nicht auf die Reinigungsanlage allein beschränken, sondern muss die Aufwendungen durch die Abwassererfassung sowie die Ableitung in den Vorfluter miteinbeziehen [Leitfaden NÖLReg 1996].

Diese Ansicht wird auch von der Wasserrechtsbehörde vertreten, kann aber im konkreten Variantenvergleich oder beim Genehmigungsverfahren durch Fehlen von Bewertungsmaßstäben nur selten berücksichtigt werden.

Grundsätzlich bieten sich zwei Lösungsvarianten (Philosophien) zur Abwasserreinigung an.

  • Zentrale Großkläranlagen, die bei hohem baulichen Aufwand gute Reinigungsleistungen erbringen, wofür allerdings in ländlichen Gebieten große Einzugsgebiete mit ausgedehnten Kanalnetzen zusammengefasst werden müssen
  • Dezentrale Kläranlagen stellen eine flexible Lösung dar, , erfordern aber auch eine entsprechende Wartung und Betreuung.

Die erste Variante wird derzeit von den meisten Planern und Organisationen wegen der beschriebenen Vorteile bevorzugt. Sie bietet außerdem die Möglichkeit, die Kläranlage in der Nähe eines ausreichend großen Vorfluters zu errichten, was oft auch eine Forderung der zuständigen Behörden ist (Beurteilung nach Immissionsrichtlinien). Für ländliche Gemeinden stellt die Errichtung der Abwasserentsorgung meist eine beträchtliche ökonomische Belastung dar. Gleichzeitig ist die Auswahl der ökologisch vorteilhaftesten Lösung selten einfach.

Um den ökologisch richtigen Weg, d.h. jenen der in Summe die geringsten Belastungen verursacht, aus mehreren Varianten auszuwählen, kann die Methode der Lebenszyklusbetrachtungen (Life Cycle Assesment LCA) eine wichtige Hilfe darstellen.

Die LCA versucht sämtliche Umweltauswirkungen im Laufe des Lebenszyklusses eines Produktes, eines Prozesses, oder einer Dienstleistung zu erfassen (von der Wiege bis zur Bahre). Hierbei werden alle für einen Prozess relevanten Belastungen von der Rohstoffentnahme bis zur Entsorgung untersucht. Es erfolgt auch eine Betrachtung der dem eigentlichen Prozess vor- und nachgelagerten Aufwendungen und Prozessschritte, um zu einem ganzheitlichen Ergebnis zu gelangen.

Bibliographische Daten

Ökologischer Vergleich von zentralen und dezentralen Abwasserreinigungsanlagen
A. Windsperger, S. Steinlechner, M. Piringer (alle: Forschungsinstitut für Chemie und Umwelt, Technische Universität Wien)
B. Hahn (UMBERA GmbH)

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 5/1998
Im Auftrag des Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
83 Seiten
Wien, Februar 1998

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