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Berichte aus Energie- und Umweltforschung 11/2001
"Kulturelle" Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit von nachhaltigen Lösungsansätzen in der Praxis

Studie über nachhaltige Lösungsansätze in der österreichischen Stoffflusswirtschaft

Inhaltsbeschreibung

Die Erfahrungen des Instituts für Produktdauer-Forschung auf dem Gebiet der internationalen Unternehmens- und Politikberatung der letzten Jahre haben gezeigt, dass die kulturellen Faktoren in Österreich und Europa den Übergang zu einem nachhaltigeren Wirtschaften in Kreisläufen eher nicht fördern.

Einem Land wie Österreich, das zahlreiche dauerhafte Konsumgüter importiert, bieten die Strategien einer höheren Ressourcenproduktivität die gleichzeitigen Vorteile einer Verbesserung der Handelsbilanz, einer Förderung des regionalen Wirtschaftens, einer Schaffung von (Fach-)Arbeitsplätzen sowie eine Verminderung des Verbrauchs an nicht-erneuerbaren Ressourcen.

Um diese Chancen ausnützen zu können, ist ein besseres Verständnis der nicht-technischen, bzw. 'kulturellen' Faktoren notwendig, welche nachhaltigen Lösungsansätzen zum Erfolg verhelfen und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Der vorliegende Studienvorschlag will zur Lösung dieses Problems beitragen.

Durch Fallstudien, welche ausgewählte Unternehmensstrategien, die regional unterschiedlich Erfolg haben, analysieren, sollen die Faktoren identifiziert werden, welche als Anreize oder Hindernisse auftreten. Die Analyse wird ergänzt durch eine Synthese, wie diese Faktoren in Österreich beeinflusst werden können, damit nachhaltige Lösungsansätze wirtschaftlich erfolgreich sind. Dies kann unter anderem durch den Abbau von Hemmnissen, und die Förderung von Anreizen, geschehen.

Sechs Fallstudien wurden mit Bezug auf regionale Unterschiede in der Anwendung von nachhaltigen Lösungsansätzen untersucht: (a) Aufbereitung und Resterilisation von medizinischen Einwegprodukten; (b) Aufbereitung von Schmierstoffen (Altöl); (c) Betriebsleasing für Kommunen; (d) ,Caterer-Land-Wirte'; (e) Energie-Land-Wirte; (f) die Rolle der VerbraucherInnen (Nachfüllen von Kosmetikflaschen).

Die Umsetzung von Ideen für nachhaltige Lösungen wird oft durch die heutigen Rahmenbedingungen behindert, welche auf Erhaltung und Optimierung bestehender Strukturen ausgerichtet sind. Nachhaltige Lösungsansätze scheitern manchmal am fehlenden Zugang zu Wissen, selten an fehlender Technik.

Der Umgang mit Risiko durch die Anwendung des Vorsorgeprinzips in der EU verlangt nach einer wissenschaftlichen Analyse der Risikoeinschätzung, bzw. einem gesellschaftlichen Konsens. Der Wissenschaft kommt somit eine große Aufgabe bei der Umsetzung von nachhaltigen Lösungsansätzen in neue Marktchancen zu; Städte und Regionen können zu innovativen Kompetenzzentren werden.

Nachhaltige Lösungen profitieren von einer klaren Trennung von hoheitlichen Aufgaben und wirtschaftlichen Funktionen des Staates, vor allem im Bereich von Systemlösungen [(a), (c)]. Die Beurteilung von nachhaltigen Lösungen beruht auf backcasting' (Rückblick aus der Zukunft) und einem Denken in ,performance' (erzieltem Nutzen pro Naturverbrauch) statt Technologie- und Produktnormen.

Damit der Wettbewerb zwischen prozessorientierten Technologien und organisationsorientierten Lösungen spielt, muss der Staat das Nachhaltigkeits-Prinzip nach wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Effizienz verkörpern. Dies bedeutet auch eine Vorreiterrolle des Staates beim Anstoß zu einem notwendigen sozialen und wirtschaftlichen Umbau [(a), (b), Vision Zero in Schweden].

Der Eigennutz der Nachhaltigkeit für wirtschaftliche Akteure, staatliche Einkäufer und Verbraucherlnnen ist nicht offensichtlich; zwischen Recycling und Wiedernutzung wird nicht unterschieden [(b), (f)].

Folgerungen der Studie

,Umweltschutz' (US) und nachhaltige Lösungsansätze' (NL) unterscheiden sich grundsätzlich:

Mehr Umweltschutz führt deshalb nicht notwendigerweise zu mehr Nachhaltigkeit. Beiden ist gemeinsam, dass Prävention effizienter ist als Reparatur (Vorsorgeprinzip). NL verbinden oft Suffizienzstrategien (,Anreizumkehr' zum nichts / anders tun) mit Effizienz (besser tun).

Die Förderung von NL verlangt deshalb nach einer neuen Beziehung zwischen Politik, innovativen Unternehmen und Verbrauchern.

Downloads

Kulturelle Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit von nachhaltigen Lösungsansätzen in der Praxis

Schriftenreihe 11/2001 W. Stahel, Renate Hübner
Deutsch, vergriffen

Bibliographische Daten

"Kulturelle" Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit von nachhaltigen Lösungsansätzen in der Praxis

Walter R. Stahel (Institut für Produktdauer-Forschung, Genf)
in Zusammenarbeit mit Renate Hübner (ARECon GmbH, Wien)
und Doris Hirschberger (Ingenius Ingenieurgesellschaft bR, Berlin)

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 11/2001
Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie und des Landes Steiermark

Genf, März 2001
122 Seiten

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