Foto: Frontansicht des sozialen Wohnbaus Utendorfgasse Wien

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 2/2000
Kachelöfen im nachhaltigen Energiekonzept

Erhebung des Bestands sowie des Marktpotentiales von Kachelöfen in Österreich

Inhaltsbeschreibung

Ausgangshypothese für dieses Projekt war, dass es in Österreich zwar viele Biomasseheizungen in Form von Kachelöfen gibt, diese jedoch nur wenig genutzt werden. Gelänge es, die bereits bestehenden Kachelöfen zu Lasten von Öl- und Gasheizungen mehr zu nutzen und damit fossile Energie zu substituieren, könnten aufgrund des großen Bestandes an Kachelöfen große Mengen an fossiler Energie eingespart werden. Da die Kachelöfen bereits vorhanden sind, fallen keine zusätzlichen Investitionskosten an, die Einsparungen könnten daher vergleichsweise kostengünstig erzielt werden. Fraglich in diesem Zusammenhang erschien, ob der verstärkte Einsatz älterer Kachelöfen auch unter Beachtung des Emissionsverhaltens zu begrüßen ist.

Wenn der verstärkte Einsatz bereits bestehender Kachelöfen Teil eines nachhaltigen Energiekonzeptes sein kann, ist zu überlegen, ob nicht auch die Neusetzung von Kachelöfen insbesondere als Hauptheizung einen Beitrag zur Substitution fossiler Energieträger und damit zur CO2-Einsparung leisten könnte.

Die grundlegenden Fragestellungen für dieses Projekt sind daher. Welche Rolle können Kachelöfen im Rahmen eines nachhaltigen Energiekonzeptes einnehmen, welche Voraussetzungen müssen für einen umweltfreundlichen Betrieb der Kachelöfen gegeben sein und welche strategischen Maßnahmen zur Forcierung von Kachelöfen im Rahmen eines nachhaltigen Energiekonzeptes können gesetzt werden?

Ausgangspunkt für Überlegungen hinsichtlich der potentiellen Rolle von Kachelöfen im Rahmen eines nachhalten Energiekonzeptes bildet die aktuelle Situation der Kachelöfen in Österreich. Da keine Daten bezüglich des Einsatzes von Kachelöfen zur Verfügung stehen, wurde zusätzlich zu einer Literaturrecherche auch eine telefonische Befragung von 1000 österreichischen Haushalten durchgeführt, die Aufschluss über die Nutzung von Kachelöfen gab. Die Ergebnisse der telefonische Befragung waren überraschend und führten zu einer Verwerfung der Ausgangshypothese: Es trifft nicht wie in der Ausgangshypothese angenommen zu, dass bestehende Kachelöfen nur als Ziergegenstand dienen und selten genutzt werden. Im Gegenteil, bestehende Kachelöfen werden intensiv genutzt! In den nachfolgenden Arbeitsschritten wurden daher neben der verstärkten Nutzung bereits bestehender Kachelofen (welche trotzdem noch ein beachtliches Potential an CO2-Einsparung und Substitution fossiler Energieträger mit sich bringt, siehe unten) insbesondere auch auf die Neusetzung von Kachelöfen eingegangen.

Im Rahmen von qualitativen Tiefeninterviews wurden 16 Energieexperten und 11 der 10 Kachelofennutzer hinsichtlich des Nutzerverhaltens, der Motive für die Anschaffung eines Kachelofens, der Anforderungen an den Kachelofen, Voraussetzungen, die für einen verstärkten Einsatz von Kachelöfen gegeben sein müssen sowie der Probleme und Hindernisse für die Forcierung von Kachelöfen befragt. Grundsätzlich zeigt sich, dass die Meinung der Experten weitgehend mit den Aussagen der Konsumenten übereinstimmt:

Hinsichtlich der Ökologie sehen die Nutzer von Kachelöfen diesen Aspekt positiv, Holz wird als ökologischer Brennstoff anerkannt und wahrgenommen. Die Experten sind hier geteilter Meinung. Während die Hafner vom geringen Emissionsverhalten ihrer Öfen überzeugt sind, lässt sich außerhalb der Gruppe der Hafner eine nicht völlig ausgeräumte Skepsis gegenüber der ökologischen Qualität von Kachelöfen feststellen, die insbesondere auf Fehldimensionierung älterer Kachelöfen und Bedienungsfehler zurückzuführen ist. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass neugesetzte, richtig dimensionierte und fachgerecht betriebene Kachelöfen außerhalb von urbanen Zentrallagen aus ökologischer Sicht zu befürworten sind.

Ein Vergleich der Emissionsfaktoren von bestehenden Kachelöfen mit jenen anderer Heizsysteme zeigt, dass die verstärkte Nutzung bereits bestehender Kachelöfen außerhalb von urbanen Zentrallagen auch im Hinblick auf das Emissionsverhalten von Luftschadstoffen zu begrüßen ist. Generell sind für einen möglichst umweltfreundlichen Einsatz von Kachelöfen folgende Faktoren wichtig: die Einbeziehung des Kachelofens bereits bei der Gebäudeplanung in das gesamte Gebäudekonzept, eine Kontrolle der Bauweise, regelmäßige Wartung und fachgerechtes Einheizen erforderlich.

Die Berücksichtigung des Kachelofens bereits bei der Planung eines Gebäudes ist vor allem bei Einsatz des Ofens als Hauptheizung von Bedeutung. Niedrigenergiehäuser eignen sich besonders für den Einsatz von Kachelöfen als Hauptheizung, da durch den vergleichsweise geringen Energiebedarf der Aufwand für die Holzmanipulation in Grenzen gehalten wird. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Kachelofen als Hauptheizung einzusetzen.

Die Ergebnisse der Telefonumfrage und der qualitativen Interviews wurden herangezogen, um die Bedeutung des moderaten Einsatzes von Kachelöfen im Rahmen eines nachhaltigen Energiekonzeptes abzuschätzen. Es wurden drei Ansatzpunkte berücksichtigt:

  • Bereits bestehende Kachelöfen werden verstärkt genutzt
  • Neusetzung von Kachelöfen in Neubauten und bei Sanierungen
  • Kachelofen als Hauptheizung in Niedrigenergiehäusern

Um die Veränderungen des Endenergiebedarfes, die potentiellen CO2-Einsparungen und die Beschäftigungseffekte abschätzen zu können, wurden ausgehend vom Basisszenario ein moderates und ein ambitioniertes Szenario definiert. Im moderaten Szenario wurde im wesentlichen der Anteil der neugesetzten Kachelöfen um 50 % und im ambitionierten um 100 % erhöht, der Anteil der kaum genutzten Kachelöfen wurde um 50 % bzw. 100 reduziert.

Bei moderatem Einsatz von Kachelöfen kann der Anteil des Brennholzes am gesamten Endenergieeinsatz für Raumwärme und Warmwasser der Haushalte in 10 Jahren um 1 % bzw. bei ambitionierten Einsatz um 2 gesteigert werden. Daraus resultieren CO2-Einsparungen in Höhe von 184.000 bis 355.000 Tonnen pro Jahr im Vergleich zur business as usual Entwicklung bzw. zwischen 2,5 % und 4,5% der Einsparungen gemäß EU-interner Reduktionsaufteilung hinsichtlich der Vereinbarungen laut Kyoto-Protokoll. Hinsichtlich der potentiellen CO2-Einsparung, Kosten je eingesparter Tonne CO2 und zusätzlicher Beschäftigung ist die Forcierung von Kachelöfen mit anderen Maßnahmen zur CO2-Einsparung vergleichbar.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass der Einsatz von Kachelöfen im Rahmen eines nachhaltigen Energiekonzeptes eine wichtige Rolle einnimmt: Der verstärkte Einsatz von Kachelöfen ist außerhalb von urbanen Zentrallagen aus ökologischer Sicht zu begrüßen. Der Anteil der biogenen Brennstoffe an der Bereitstellung von Raumwärme und Warnwasser kann beachtlich gesteigert werden und ein wichtiger Beitrag zur CO2-Reduktion wird geleistet.

Bibliographische Daten

Kachelöfen im nachhaltigen Energiekonzept

Heidi Adensam (Projektleitung, Österreichisches Ökologie-Institut),
Harald Rohracher (Interuniversitäres Forschungszentrum),
Jürgen Suschek-Berger (Interuniversitäres Forschungszentrum),
Thomas Schiffert (Österreichischer Kachelofenverband),
unter Mitwirkung von: Christian Rakos (Energieverwertungsagentur)
und Hannes Schmidl (Österreichischer Biomasseverband)

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 2/2000
177 Seiten

Diese Seite teilen ...

zum Anfang