Foto: Frontansicht der Schule Schwanenstadt

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 9/2000
Holzpellets in Europa

Status, Technologien, Aktivitäten, Märkte

Inhaltsbeschreibung

Im Rahmen des Thermie B Projektes DIS2043/98-AT (DGXVII) "Industrielles Netzwerk Holzpellets - Von der Produktion bis zur Vermarktung eines komfortablen Biomassebrennstoffes" versuchten die Projektpartner aus Schweden, Norwegen, Deutschland und Österreich die Marktverbreitung dieses relativ neuen biogenen Energieträgers zu unterstützen und voranzutreiben. Durch die vielfältige Zusammensetzung des Projektteams, in dem Praktiker, Forscher und Consultings zusammenarbeiteten, sowie den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit mit nationalen Schlüsselakteuren, war es möglich, dieses vielfältige Thema möglichst umfassend zu bearbeiten und konkrete Aktivitäten zur Marktverbreitung der Pelletstechnologie zu starten.

Der Terminus "Pelletstechnologie" wird hier - wie im gesamten Projektablauf - in einem erweiterten Sinn verwendet und umschreibt die Gesamtheit der bei der Marktverbreitung dieses erneuerbaren Energieträgers zu berücksichtigenden Aspekte. Er umfasst die Herstellung und Weiterentwicklung der Pellets und der Heizanlagen, Marketing, Vertrieb und Service sowie die Berücksichtigung der jeweiligen Rahmenbedingungen. Für eine umfassende Bearbeitung des Themas war aber auch die Integration von technischen, wirtschaftlichen, logistischen und ökologischen Aspekten erforderlich. Räumlich konzentrierte sich die Arbeit auf die Länder Schweden, Deutschland, Österreich, weil hier der Pelletsmarkt bereits am weitesten entwickelt ist, sowie Norwegen, in dem aufgrund der Nähe zu Schweden und des Rohstoffpotenzials günstige Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Diese Länder spielen eine Vorreiterrolle am Pelletssektor und von ihnen gehen Impulse für die Nachbarländer aus.

Das durchgeführte Projekt hatte im wesentlichen zwei sich ergänzende Schwerpunkte:

Die Analyse des state of the art" der Pellettechnologie (im oben beschriebenen Sinne) in den beteiligten Ländern, wobei besonders die Untersuchung der Marktchancen, der technischen und nicht-technischen Verbreitungshindernisse und die Ableitung von Strategien zu besseren Marktverbreitung im Vordergrund standen. Die methodische Vorgehensweise umfasste die Auswertung von schriftlichen Unterlagen, Fragebogenaktionen (Endkunden, Heizungshersteller, Lieferanten und Produzenten von Pellets), persönliche Interviews und Round-Table-Talks mit Schlüsselakteuren sowie die Diskussion in der internen Projektgruppe. Die Studie inkludiert auch eine kurze Darstellung des Pelletsmarktes in den Vereinigten Staaten, da die Technologie ja von hier ihren Ausgang nimmt. Die europäische Situation unterscheidet sich aber deutlich, besonders in der höheren Bedeutung von Umweltargumenten bei der Markteinführung, so dass hier keine direkten Rückschlüsse sinnvoll sind. Die Ergebnisse sind in der vorliegenden Publikation zusammen gefasst. Die Untersuchungsergebnisse können - erforderlichenfalls unter Berücksichtigung der nationalen Spezifika - auch auf andere (EU)Staaten übertragen werden und dort die Markteinführung von Pellets beschleunigen, indem auf übersichtlich zusammen gefassten Erfahrungen aufgebaut werden kann, bekannte Verbreitungshemmnisse vermieden und fördernde Einflüsse gezielt gestärkt werden können. Am Ende der Publikation ist auch ein Verzeichnis der Heizungs- und Pellethersteller in den betreffenden Staaten angefügt.

Der zweite Schwerpunkt dieses Projektes war die Durchführung und Initiierung- von konkreten Verbreitungsaktivitäten und der europaweite Erfahrungsaustausch. Es fanden Projektreffen in Schweden und Deutschland statt, wo neben der Diskussion bestimmter Themenbereiche (Pelletherstellung, Pelletqualität, Logistik, Heizungs- und Fördertechnik) auch Pelletierwerke und Pelletsheizanlagen besichtigt wurden. Den Höhepunkt des internationalen Erfahrungsaustausches bildete die Organisation und Durchführung des "l` European Roundtable an Woodpellets" in Österreich, Salzburg im Oktober 1999, an dem sich 200 Fachleute aus nahezu ganz Europa beteiligten. (Die Referate sind in einem eigenen Tagungsband zusammen gefasst).. Neben der Fachkonferenz fand auch eine Poster-Session und eine Geräte-Ausstellung (Brenner, Öfen, Analyseanlagen, Matrizen) statt. Neben dem beschriebenen Erfahrungsaustausch wurden in den am Projekt beteiligten Ländern, angepasst an die spezifische Situation, verschiedene Aktivitäten zur Marktverbreitung der Pellets durchgeführt. Diese Aktivitäten umfassten die Diskussion und den Erfahrungsaustausch mit nationalen Fachleuten, die Durchführung von Informationsveranstaltungen, Round-Table-Gespräche, Artikel in Fachzeitschriften und Vorträge, Beratungen für Verbraucher und Multiplikatoren, die Herausgabe von Informationsbroschüren oder auch die Initiative zur Verbesserung der Pelletqualität und Normung sowie die Motivation von genossenschaftlichen Wohnbauträgern für das Pelletsheizsystem.

Die vielfältigen Erfahrungen des Projektes können wie folgt zusammen gefasst werden:

Der Biomasse-Brennstoff Holzpellets verfügt über ein enormes Marktpotenzial, wenngleich zur Kenntnis genommen werden muss, dass der derzeitige Marktanteil von Pellets am gesamten Heizenergiemarkt ebenso wie am Biomassebrennstoffmarkt minimal ist. Wesentliche Voraussetzungen für dieses Marktpotenzial sind die Verfügbarkeit des Rohstoffes, die vergleichsweise hohe Energiedichte und die Möglichkeit der Verbrennung in automatischen Feuerungsanlagen mit hohem Bedienungskomfort und nicht zuletzt - bestimmte energiepolitische Rahmenbedingungen vorausgesetzt - die preisliche Konkurrenzfähigkeit. Besonders für Kleinanlagen eröffnet sich hier eine neue Dimension des komfortablen Heizens mit Biomasse, die unter bestimmten Voraussetzungen zu den in diesem Einsatzbereich verbreiteten Öl- oder Elektroheizungen eine echte Alternative darstellt.

Die wesentlichen Herausforderungen für die Weiterentwicklung im technischen Bereich sind die Sicherung einer hohen Brennstoffqualität (geringer Staubanteil und frei von Verunreinigungen oder bedenklichen Zusätzen), funktionstüchtige Heizanlagen mit hohem Sicherheitsstandard und Bedienungskomfort, Entwicklung von schonenden Transport- und Lagertechniken, Weiterentwicklung und Standardisierung der Austragungssysteme, rasch verfügbare und qualifizierte Serviceleistungen.

Im nicht technischen Bereich wurden folgende notwendige Schwerpunkte für die Weiterentwicklung des Systems identifiziert: Der geringe Informationsstand nicht nur der Konsumenten sondern auch von Politikern, lokalen Behörden, Installateuren, Brennstoffhändlern, Bauträgern und Architekten ist trotz vielfältiger Aktivitäten noch immer zu gering. Kommunikationsprobleme und Konkurrenzen zwischen den verschiedenen Akteuren erschweren die Abstimmung der Komponenten. In manchen Fällen kann auch fehlende bauliche Infrastruktur (keine Kamine, kein wasserbasiertes Zentralheizungssystem) den Einbau einer Pelletsheizung erschweren. Aber auch ein fehlendes oder nicht funktionierendes lokales Versorgungssystem (Markt) mit Brennstoff Heizanlagen und Serviceleistungen kann Konsumenten vor dem Umstieg auf dieses Heizsystem abhalten. Weiters sind die traditionelle Heizkultur und soziale Einflüsse mögliche Hemmnisse. Den wesentlichen Einfluss stellt aber letztlich die ökonomische Seite dar. Hier kommen sowohl die Brennstoffkosten, die seit neuerem in vielen europäischen Ländern mit nicht regenerierbaren Heizstoffen konkurrenzfähig sind, als auch die deutlich höheren Investitionskosten zum tragen.

Generell dürften die nicht technischen Verbreitungshemmnisse stärkeren Einfluss auf die Marktentwicklung haben als die technischen Barrieren.

Strategien für die weitere Marktverbreitung: Nach wie vor ist politische Unterstützung und Richtungsvorgabe unverzichtbar, sollen die auf politischer Ebene formulierten CO2 - Reduktionsziele auch erreicht werden. Biomasse (Pellets) und der Niedertemperaturwärmemarkt haben hier einen wichtigen Anteil, den es zu unterstützen gilt.

Die Intensivierung von Koordination, Kooperation und Information stellt einen weiteren wichtigen Pfeiler der Marktverbreitung dar. Die technische Entwicklung des Systems muss vorangetrieben und professionalisiert werden, dies bezieht sich auf die Heizanlagen, die Austragungs- Transport- und Lagersysteme, die Pelletsqualität und die Versorgungskette allgemein und schließt auch die Qualitätssicherung mit ein (Zertifizierung und Normen). Der (weitere) Ausbau der Marktinfrastruktur, von regionalen Vermarktungsnetzwerken und eine Standardisierung des Pelletversorgungs- und Heizungssystems ist erforderlich. Marketing und Werbung sind zu vertiefen, wichtig wäre auch die Definition eines eigenständigen Marken-Images für Holzpellets.

Die derzeit vielfältigen Aktivitäten und das Engagement der am Markt aktiven Unternehmen, Berater und Institutionen lässt erwarten, dass die derzeit noch bestehenden Verbreitungshemmnisse überwunden werden können und um den neuen Biomasse-Brennstoff Holzpellets ein florierender Wirtschaftssektor entsteht, der wesentlich zur Hebung des Biomasseanteils an der Wärmeversorgung sowie zur Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe beiträgt.

Bibliographische Daten

Holzpellets in Europa. Status, Technologien, Aktivitäten, Märkte

  • Ulrich Malisius (Asplan Viak AS, Lillehammer, Norwegen)
  • Horst Jauschnegg, Hannes Schmidl (Europäischer Biomasse Verband (AEBIOM) und Österreichischer Biomasse Verband)
  • Bengt Nilsson (FastBränsiePannor Bengt Nilsson AB, Karlstad, Schweden)
  • Siegfried Rapp (Lambelet Heizungssysteme, Grenzach-Wyhlen, Deutschland)
  • Arno Strehler, Hans Hartmann (Technische Universität München, Freising, Deutschland)
  • Rudolf Huber (Umdasch AG, 3300 Amstetten,Österreich)
  • Jerry Whitfield, Dietmar Kessler (Whitfield GmbH Rankweil, West Europäische Vertretung von Pyro-Industries, Burlington, USA)
Koordinatotion: Alois Geißlhofer, Brigitte Hahn (UMBERA, Umweltorientierte Betriebsberatungs-, Forschungs- und Entsorgungs-Gesellschaft, St. Pölten, Österreich)

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 9/2000

Mit Unterstützung von:

  • Europäische Kommission DG XVII, Gemeinschaftsprogramme in Verbindung zu Spezifischen Programmen für Forschung und Technologieentwicklung, einschließlich Demonstration, im Bereich Nicht-Nuklear Energie, Ratsentscheidung 94/806/EC (Demonstrations Komponente: THERMIE), Projektnummer DIS2043/98-AT "Industrial Network an Woodpellets".
  • Österreichisches Ministerium für Wissenschaft und Verkehr
  • Norwegisches Wasserresourcen und Energie Direktorat (NVE), Abteilung Energieeffizienz, Oslo

96 Seiten

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