Foto: Frontansicht des KlimaKomfortHauses in Wien

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 16/2001
Erneuerbare Energieträger und Energieverbrauchsverhalten

Der Einsatz erneuerbarer Energieträger auf das Energieverbrauchs- und Investitionsverhalten von privaten Haushalten - eine empirische Analyse

Inhaltsbeschreibung

Die Nutzung erneuerbarer Energieträger in privaten Haushalten wird als Ansatz zur Bekämpfung von Umweltproblematiken gesehen, welche im Zusammenhang mit der Nutzung fossiler Energieressourcen stehen. Wie sich jedoch der Einsatz von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energieträger auf den tatsächlichen Energieverbrauch auswirkt, ob sich die betreffenden Haushalte diesbezüglich signifikant von konventionellen Haushalten unterscheiden und welche Rolle in diesem Zusammenhang das individuelle Verhalten der entsprechenden Nutzer spielt, wurde bis heute in keiner Studie auf umfassende Weise untersucht.

Im Zuge der vorliegenden Arbeit wird detailliert auf das Nutzerverhalten und die Energieverbrauchsstruktur von österreichischen Haushalten, welche Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energieträger (im weiteren "Solartechnologien") anwenden, eingegangen. Die untersuchten Technologiegruppen sind Wärmepumpen für die Raumheizung und für die Warmwasserbereitung, Biomassenutzung in individuellen und Nahwärmesystemen, solar-thermische Kollektoren zur Warmwasserbereitung, teilsolare Raumheizung, solar-passive Elemente und die Photovoltaik. Konkrete Themen der Untersuchung sind das Investitionsverhalten und die Investitionsabfolgen, das alltägliche Nutzerverhalten, aber auch der Einfluss von soziologischen und psychologischen Parametern wie Informiertheit, Einstellungen und Motive.

Es wird weiters analysiert, ob es unter den untersuchten Haushalten Gruppen gibt, die über optimierte Gesamt(gebäude)konzepte verfügen, und inwiefern Least-cost Strategien realisiert werden, d.h. ob zuerst die kostengünstigsten Maßnahmen realisiert wurden und erst zum Schluss die teuersten wie beispielsweise der Einsatz von Photovoltaik. Die Analysen werden für die Energiedienstleistungsbereiche der Raumheizung, Warmwasserbereitung und der stromspezifischen Anwendungen, sowie innerhalb einzelner Fragestellungen auch für den Bereich des Individualverkehrs durchgeführt.

Signifikante Unterschiede zu konventionellen Haushalten werden für obige Energiedienstleistungsbereiche diskutiert, wobei technologie- und verhaltensbedingte Effekte separiert werden. Die Datengrundlage der Studie besteht aus detaillierten Querschnittsdaten von 101 österreichischen Haushalten, welche entsprechende Solartechnologien anwenden und 177 konventionellen Haushalten, jeweils in Einfamilienhäusern.

Als wesentliches Ergebnis der Arbeit kommt zum Ausdruck, dass sich aus statistischer Sicht die Gruppe der "Technologieanwender" als Gesamtheit im Hinblick auf Energieverbrauch und Nutzerverhalten nicht wesentlich von den konventionellen Haushalten unterscheidet, wobei unterschiedliches Verhalten unter den einzelnen Technologiegruppen der "Technologieanwender" doch nachweisbar ist.

In der Gruppe der Solartechnologieanwender spielt eine Qualität der Gebäudehülle, welche über die Bauordnung hinausgeht, eine untergeordnete Rolle. Dafür steht die jeweils eingesetzte Technologie stets im Zentrum des Interesses und der Bemühungen. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind in dieser Gruppe erstaunlicher Weise nur im Ausnahmefall Niedrigenergiehäuser zu finden. Anhand von einzelnen, gelungenen, gesamtheitlich geplanten Projekten wird jedoch vor Augen geführt, dass es auch für einen interessierten und motivierten Laien ("Häuselbauer") möglich ist, ein Niedrigenergiehaus zu planen, zu errichten und unter hohem Komfort und hoher Wohnzufriedenheit zu nutzen.

Aus den Ergebnissen folgen aus der übergeordneten Sicht des Umwelt- und Klimaschutzes drei energiepolitische Ansatzpunkte zur Forcierung der sinnvollen Nutzung erneuerbarer Energieträger in gesamtheitlich durchdachten Gebäuden. Dies ist erstens die Überarbeitung der bestehenden Bauordnungen in Hinblick auf wesentlich verschärfte Wärmeschutzvorschriften. Zweitens die Überarbeitung und Homogenisierung des bestehenden Technologie- und Wohnbauförderungsgeflechtes in Richtung eines transparenten Modells mit der Bindung an eine ökologisch orientierte Least-Cost Strategie mit einem deutlichen Lenkungseffekt. Drittens die forcierte Thematisierung der innovativen Technologien und einer gesamtheitlichen Denk- und Planungsweise im Wohnbau mittels breitenwirksamer Medien, sowie die Integration von Beratungseinheiten (z.B. "Beratungsschecks") durch unabhängige Beratungsinstitutionen als Teil der Wohnbauförderung.

Downloads

Erneuerbare Energieträger und Energieverbrauchsverhalten

Schriftenreihe 16/2001 R. Haas, P. Biermayr, B. Baumann, E. Schriefl, H. Skopetz
Deutsch, vergriffen

Bibliographische Daten

Erneuerbare Energieträger und Energieverbrauchsverhalten. Der Einsatz erneuerbarer Energieträger auf das Energieverbrauchs- und Investitionsverhalten von privaten Haushalten - eine empirische Analyse

Reinhard Haas, Peter Biermayr, Bernhard Baumann, Ernst Schriefl, Harald Skopetz
(alle: Energy Economics Group (EEG) Technische Universität Wien)

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 16/2001
Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie

Wien, März 2001
180 Seiten

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