Foto: Frontansicht der Schule Schwanenstadt

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 18/1996
Bewertungsfelder für eine umweltbewusste Produktgestaltung

Entwicklung eines als Checkliste nutzbaren Bewertungsrasters zur Unterstützung der umweltorientierten Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen

Inhaltsbeschreibung

Ziel der Arbeit war die Entwicklung eines als Checkliste nutzbaren Bewertungsrasters zur Unterstützung der umweltorientierten Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen.

Ausgangspunkt für die Arbeit waren die österreichischen PREPARE-Aktivitäten zum vorsorgenden, integrierten Umweltschutz (s. Abb. 3, S. 15). In diesem international vernetztem Projekt entstand der Begriff ECODESIGN mit dem Ziel der Abfall- und Emissionsvermeidung schon in der Produktgestaltung.

Mittlerweile ist die Initiative ECODESIGN über die Zieldefinition der Arbeit stark in die internationale Diskussion um "Sustainable Development" (nachhaltige oder zukunftsfähige Entwicklung) involviert, so dass deren Leitbild eine wichtige Grundlage dieser Arbeit bildet.

Zum dritten bietet die Konstruktionswissenschaft Hilfsmittel und Erkenntnisse an, die für diese Arbeit relevant waren. Deren wichtigste scheinen zu sein, dass auch "ökologische Produkte" funktionieren müssen, dass auch für "ökologische Produkte" die Marktgesetze gelten (Kosten-Nutzen-Relation für den Konsumenten) und dass eine Aussage über ein "ökologisches Produkt" eine andere Kommunikationsebene darstellt als die Abschätzung möglicher ökologischer Auswirkungen eines zu konstruierenden Produktes während des Konstruktions- und Entwicklungsprozesses (Messungen versus prognostischen Annahmen).

Darauf aufbauend wurden zunächst die in der Literatur gefundenen Strategien zur ökologischen Bewertung von Produkten näher untersucht (s. Abb. 7, S. 28). Dabei stellte sich heraus, dass es zwar einige Vorschläge für die Erhebung und Bewertung ökologisch relevanter Daten gibt, dass es aber keine wissenschaftlich anerkannten Aussagen zu deren Relevanz für die Verbesserung der Umweltsituation gibt. Zum Einsatz in der Produktentwicklung fehlen zudem die sehr aufwendig zu erhebenden Daten, auch wenn sich mit den Aktivitäten des Wuppertal-Institutes im Zusammenhang mit dem MIPS-Ansatz potentielle Verbesserungen abzeichnen.

Auch die nähere Untersuchung der in der Literatur gefundenen Vorschläge für die Umsetzung der Umweltorientierung im Prozess der Produktentwicklung (s. Abb. 10, S. 45) bieten kaum Perspektiven, die umfassenden Vorstellungen von zukunftsfähiger Produktgestaltung umzusetzen. Entweder sie verharren an der Oberfläche der Probleme der ökologischen Bewertung (s.o.) oder sie reduzieren die Ziele und Ansprüche soweit, dass nur die Steigerung der Kosteneffizienz im Zusammenhang mit Auflagen zum Umweltschutz übrig bleibt. Einzig die nutzenorientierten Strategien des Instituts für Produktdauerforschung in Genf (W. Stahel) und in Ansätzen Schmidt-Bleek/Tischner vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie beinhalten Vorschläge, die Wege zu einer zukunftsfähigen Produktgestaltung andeuten.

Das im folgenden Kapitel vorgeschlagene Bewertungsraster (Abb. 23, S. 69) basiert in wichtigen Teilen auf deren Strategien zur Erhöhung der Ressourceneffizienz, wobei erst die Gegenüberstellung mit den Handlungsfeldern der verschiedenen Akteure, die am Prozess der Produktentwicklung beteiligt sind, die Einordnung der konkreten Strategien in eine daraus aufgebaute Matrix ermöglicht.

Als wichtiges Ergebnis der Arbeit sind die Leitbilder für die verschiedenen Akteure anzusehen. Diesen erfüllen am weitestgehenden den Zweck eines Bewertungsrasters für zukunftsfähige Produktgestaltung: Ausgehend von der Annahme, dass das KnowHow für Grenzen und Möglichkeiten der Produktverbesserung bei den Akteuren und ihrem Umfeld liegt, werden für diese Akteure Wege, Visionen und konkrete Ansatzpunkte aufgezeigt, die sie im Prozess der zukunftsfähigen Produktgestaltung handlungsfähig bleiben lassen - im Sinne einer Maximierung der Optionen.

Speziell den letzten Punkt soll die Aufbereitung einiger Beispiele in der Darstellungsform des Bewertungsrasters leisten. Sie stellt keine Bewertung im herkömmlichen Sinn dar, das Raster entwickelt sich erst durch das eigene Beispiel zu einem Instrument, das die innovative, umweltorientierte Produktentwicklung unterstützt und Optionen für strategische Änderungen, Erweiterungen oder Neuentwicklungen aufzeigt.

Bibliographische Daten

"Bewertungsfelder für eine umweltbewusste Produktgestaltung"
Lothar Rehse (GrAT Gruppe Angepasste Technologie, Technische Universität Wien)

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 18/1996

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr
100 Seiten
Wien, Juni 1996

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