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Berichte aus Energie- und Umweltforschung 2/1997
Betriebliche Mobilitätsberatung

Betriebliche Mobilitätsberatung

Inhaltsbeschreibung

Ausgangslage und Problemstellung
Der "Arbeitspendelverkehr" ist gekennzeichnet durch regelmäßige Verkehrsbeziehungen, fast immer gleichen Ausgangs- und Zielorten und größtenteils gleichen Zeitrhythmen mit einer extrem starken Verkehrsspitze am Morgen und einer relativ ausgeprägten Spitze am späteren Nachmittag. Damit ist eine ständig sich wiederholende Verhaltensweise der Verkehrsteilnehmer gegeben.

Die derzeitige Situation im Berufsverkehr sieht so aus, dass der Pkw das meistverwendete Verkehrsmittel ist. Das bringt v. a. in den Stoßzeiten enorme Probleme mit sich. Neben den auftretenden Staus ist hier u. a. der große Flächenverbraucht, die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit anderer Verkehrsmittel (z. B. den öffentlichen Verkehr, wenn er über keine vom Kfz-Verkehr gekennzeichneten Trassen verfügt), der hohe Energie- und Kostenaufwand (unökonomisch), zusätzliche negative Auswirkungen auf die Lebensqualität (Abgase, Lärm etc.) sowie die großen notwendigen Stellplatzkontingente zu erwähnen. Besonders in der Stellplatzfrage kommt es zudem immer wieder zu Interessenskonflikten von Berufspendlern mit der Wirtschaft (Dauerparker versus Kunden).

Eine Änderung der Verkehrsmittelwahl im Berufsverkehr und damit eine Reduzierung des MIV-Anteils ist also sowohl aus ökologischen als auch aus ökonomischen Gründen anzustreben. Ganz im Sinne der Ziele des Österreichischen Gesamtverkehrskonzept, der Verkehrsprogramme der Länder (z. B. des Steirischen Gesamtverkehrsprogrammes) und der verkehrspolitischen Leitlinien der meisten Städte (im Fall des österreichischen Modellbetriebes also der Stadt Graz), nämlich "Verkehr vermeiden, verlagern, verbessern", ist eine Verhaltensänderung wünschenswert. Die betriebliche Mobilitätsberatung zielt darauf ab, Betriebe vom Erkennen von Problemen bis hin zum Handeln und Umsetzen zu unterstützen. Tagesganglinie für den Arbeitspendelverkehr Unter Arbeitspendelverkehr versteht man die Wege von der Wohnung zum Betrieb und retour.

Die Verkehrsstärke der Morgenspitze ist ein Auslegungskriterium für die Straßengestaltung . D. h. der Arbeitspendelverkehr ist in hohem Maß für die Dimensionierung der Straßen verantwortlich. Ebenfalls in den Bereich Flächenverbrauch fallen Parkplätze, die ein Betrieb für seine Mitarbeiter zur Verfügung stellt.

Projektziel

Traject C. V. (Belgien) und die Forschungsgesellschaft Mobilität (Österreich) wollten in einem gemeinsamen Forschungsprojekt anhand von Pilotbetrieben einerseits eine Vorgangsweise zur betrieblichen Mobilitätsberatung und andererseits Lösungswege zur Reduktion des motorisierten Arbeitspendlerverkehrs untersuchen, entwickeln und aufzeigen. Die Hauptfragen sind dabei

  • "Wie kann eine Vorgangsweise einer Mobilitätsberatung für Betriebe aussehen."
  • "Welche Maßnahmen sind geeignet, Arbeitspendler zu einem umweltfreundlichen Verkehrsverhalten zu bewegen?".

In diesem Pilotprojekt sollen also wertvolle Erfahrungen gesammelt und Impulse geliefert werden, die anderen Betrieben in Österreich zugute kommen. Eine Vorgangsweise soll nicht nur im Theoretischen erklärt und aufgezeigt werden, sondern in allen entscheidenden Schritten praktisch dargestellt werden. Damit wird Betrieben ein gangbarer Weg vorgezeichnet, der eine Nachahmung bzw. gegebenenfalls eine Adaption erleichtert. Bei der Maßnahmenerstellung wird auf die Strategie "push and pull" zurückgegriffen. D. h. es wird versucht, das gesamte Maßnahmenpaket so zu schnüren, dass einerseits inzentive Maßnahmen zugunsten der Benützung des Umweltverbundes (OV, Rad, zu Fuß) vorgeschlagen werden, und andererseits gleichzeitig die Benützung des Pkw als Alleinfahrer weniger attraktiv erscheinen zu lassen. Zumeist wird dabei das Augenmerk auf einen Ausgleich der Rahmenbedingungen gelegt, anstelle rein MIV-restriktiven Maßnahmen durchsetzen zu wollen. Dieser "push and pull" - Ansatz wurde nach dem neuesten Stand der Wissenschaft konzipiert. Bei der Maßnahmenerstellung werden außerdem Vorschläge zu allen drei Maßnahmentypen gemacht, d. h. bauliche / infrastrukturelle Maßnahmeninformative / bewusstseinsbildende Maßnahmen organisatorische / finanzielle Maßnahmen.

Bibliographische Daten

"Betriebliche Mobilitätsberatung"
Robert Preßl, Adi Hirzer
(alle: Forschungsgesellschaft Mobilität)

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 2/1997

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr und des Bundesministeriums für Umwelt und des Landes Steiermark
218 Seiten
Graz, Oktober 1996

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