Foto: Frontansicht des Biohofs Achleitner

Die Gewinner des Innovationspreises "Energiespeicher Beton" 2010 stehen fest!

Am 3. November 2010 wurde in feierlichem Rahmen der Innovationspreis "Energiespeicher Beton" 2010 durch Bundesministerin Doris Bures (bmvit) verliehen. Mit Hilfe einer ausgewählten Fachjury wurden aus 73 eingereichten Projekten vier Siegerprojekte gewählt und mit insgesamt 30.000 Euro ausgezeichnet.

Inhalt

Im Rahmen der Veranstaltung „Kolloquium Forschung und Entwicklung von Zement und Beton“ in der Wirtschaftskammer Österreich wurden die besten Einreichungen aus dem Innovationspreises „Energiespeicher Beton“ 2010, die künftig als nachhaltige Vorbilder für neue und kreative Baukonzepte dienen sollen, ausgezeichnet.

Der Innovationspreis wurde von der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) in Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit), der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), der Austrian Construction Technology Plattform (ACTP), dem Betonmarketing Österreich (BMÖ) sowie der deutschen und schweizerischen Zement- und Betonindustrie ausgeschrieben mit dem Ziel „erfolgreiche nationale wie internationale Beiträge zum Thema energieeffizientes und nachhaltiges Bauen aufzuzeigen und zu einer internationalen Vernetzung und einem Know-how-Transfer beizutragen.“

In diesem Sinne wurden Best Practice Beispiele zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Wohn- und Dienstleistungsbau in Österreich, Deutschland und der Schweiz gesucht.

Alle 73 eingereichten Pilotprojekte befassten sich erstmals auf innovative Weise mit der thermischen Bauteilaktivierung für die Minimierung des Energieverbrauchs zur Heizung und Kühlung bei gleichzeitig hohem Nutzungskomfort.

Die vierköpfoge Fachjury (Ao. Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Thomas Bednar (TU-Wien), DI ETH/SIA Niklaus Hodel (Gartenmann Engineering AG in Bern), Prof. Dr. Claus Kahlert (ebök Institut in Tübingen) und DI Dr. Christian Pöhn (MA 39 in Wien)) wählte mit Hilfe eines zweistufigen Auswahlverfahrens 26 Projekte aus Österreich, 24 Projekte aus Deutschland und 13 Projekte aus der Schweiz in die Endausscheidung. Aus diesen 63 eingereichten Projekten wurden dann die jeweiligen Siegerprojekte für die einzelnen Kategorien

  1. Kategorie Einfamilienhaus: Betonspeicher statt Heizflächen
  2. Kategorie Mehrfamilienhaus: Forschung für Betrieb ohne fossile Brennstoffe
  3. Kategorie Dienstleistungsgebäude: Starkes Potenzial und zweimal Vorbildcharakter

bestimmt.

Entscheidend dabei waren Kriterien wie die effektive Nutzung der Speichermasse von Beton als Heiz- und Kühlelement mittels Bauteilaktivierung, die Einbindung von Beton als Speichermasse insbesondere für die Heizung und Kühlung von Gebäuden, die Schaffung eines angenehmen, konstanten Raumklimas und eine spürbare Reduktion des Energiebedarfs.

Die Gewinnerprojekte

Haus Natol, Karrösten, Tirol

  • Kategorie Einfamilienhaus: Betonspeicher statt Heizflächen
  • Bautyp: Neubau
  • Bauweise: Massiv
  • BGF: 184 m²
  • HWB: 10,0 kWh/m²a
  • Gesamtkosten: 300.000 Euro

Das in dieser Kategorie ausgezeichnete Einfamilienhaus wurde im Passivhausstandard errichtet, Außenwände, tragende Zwischenwände und Decken sind aus Beton. Eine thermische Solaranlage bedient Heizung und Warmwasser und erreicht die hohe Deckung von 70 Prozent. In allen Räumen wurden Bauteile mit Kunststoffrohren zur Bauteilaktivierung so belegt, dass keine gesonderten Heizflächen im Haus mehr nötig sind. Ein kleiner Kachelofen sorgt für die Restenergieabdeckung und bedient zugleich auch den Betonspeicher.

Wohnhaus B 35 (Nr. 33), Zürich, Schweiz

  • Kategorie Mehrfamilienhaus: Forschung für Betrieb ohne fossile Brennstoffe
  • Bautyp: Neubau
  • Bauweise: Massiv
  • BGF: 760 m²
  • HWB: 36 kWh/m²a
  • Bauwerkskosten: 2,66 Mio. Euro

Das B 35 ist ein 4-Familienhaus, das einen CO2 freien Betrieb ohne Einsatz fossiler Brennstoffe anstrebt. Der private Bauherr ist Professor für Gebäudetechnik an der ETH Zürich. Zur Entwicklung des komplexen, integralen Systems wurden bereits in einem frühen Stadium über ein digitales Gebäudemodell Energiedaten und -kosten am Modell optimiert. Das Energiemanagement erfolgt über massive Speicher. Die Fortführung des Forschungsprojektes mit einem derartigen Versuchsgebäude erscheint Erfolg versprechend.

BOB, Balanced Office Building, Aachen, Deutschland

  • Kategorie Dienstleistungsgebäude: Starkes Potenzial und zweimal Vorbildcharakter
  • Bautyp: Neubau
  • Bauweise: Massiv
  • BGF: 2.700 m²
  • HWB: 7 kWh/m²a
  • KB: 38 kWh/m²a
  • PEB: 82 kWh/m²a
  • Bauwerkskosten: 2,7 Mio. Euro
  • Gesamtkosten: 3,8 Mio. Euro

ENERGYbase, Wien, Österreich

  • Kategorie Dienstleistungsgebäude: Starkes Potenzial und zweimal Vorbildcharakter
  • Bautyp: Neubau, Kombination Massiv/Leichtbau
  • BGF: 9.926 m²
  • HWB: 9,0 kWh/m²a
  • KB: 10,5 kWh/m²a
  • Bauwerkskosten: 12,45 Mio. Euro

Das deutsche Projekt BOB (Balanced Office Building) in Aachen beeindruckt durch einen differenzierten und zukunftsweisenden Umgang mit den aktivierten Speichermassen. Das Bürogebäude ENERGYbase in Wien, das im Rahmen von „Haus der Zukunft“ gefördert wurde, konnte die Jury durch die Befriedigung multifunktionaler Lasten sowohl im Sommer- und Winterbetrieb als auch in der nutzungsintensiven und nutzungsextensiven Betriebsphase überzeugen. Beide Projekte dürften für die zukünftigen Forschungsarbeiten ideale Voraussetzungen durch umfangreiches Monitoring bieten.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass durch die länderübergreifende Ausschreibung des Innovationspreises „Energiespeicher Beton“ 2010 wieder einmal die Stärke der sogenannten D-A-CH-Kooperation (Kooperation der deutschsprachigen Länder) aufgezeigt werden konnte. Diese Kooperation gilt mittlerweile auf EU-Ebene als Vorbild für gelungene internationale Zusammenarbeit im Energieforschungsbereich. Darüber hinaus trägt der Innovationspreis zu einer verstärkten Wahrnehmung Österreichs innerhalb Europas als wesentlicher Innovator im Bereich Energie in Gebäuden bei und ermöglicht umgekehrt den Know-how-Transfer aus dem Ausland nach Österreich, um so Erfahrungen anderer Länder gezielt für die technologische Weiterentwicklung in Österreich zu nutzen.

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