Foto: ChristophorusHaus

Nachhaltige Wohnungsangebote - individuellen und gesellschaftlichen Mehrwert schaffen

Gesamtoptimierung und Umsetzung vorhandener nachhaltiger Lösungen im Wohnbau durch eine interdisziplinäre, lebenszyklusorientierte Planung, lebenswertfördernde Wohn-dienstleistungen und intelligenten Einsatz von Informations- und Kommunikationslösungen.

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Motivation

Vor dem Hintergrund einer mittel- bis langfristigen Perspektive nehmen wir u.a. folgende Herausforderungen für unseren Wohnbau wahr:

  • Der verfügbare Raum für Neubauten in Vorarlberg und insbesondere in Bregenz nimmt zunehmend ab.
  • Es ist daher eine verstärkte Tendenz zu Mehrfamilienhäusern / Geschosswohnungsbau festzustellen.
  • Für die Nachverdichtung ist Raum vorhanden, mit dem aber sehr sensibel umgegangen werden muss, damit sozial funktionierende kommunale Strukturen und keine sozialen Konfliktpotentiale entstehen.
  • Die Flexibilität der Grundrisse in der Nutzungsphase ist nur sehr eingeschränkt vorhanden, d.h. Anpassungen an individuelle und sich über die Lebenszeit verändernde Nutzungsanforderungen können heute baulich nur schwer realisiert werden.
  • Gemeinsame integrative Lösungen zur Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens im Alter werden verstärkt gefragt sein.
  • Wissenschaftlich abgestütztes soziologisches, psychologisches und geomantisches Wissen in Bezug auf Wohnen ist vorhanden, wird aber in der Planung noch zuwenig systematisch genutzt.
  • Die Informations- und Gebäudetechnik ist hoch entwickelt, wird aber bisher wenig als tatsächlich hilfreiche Unterstützung beim Wohnen eingesetzt.
  • Ein Drittel des gesamten stofflichen Verbrauchs wird durch die Bauwirtschaft verursacht; Ressourcenschonung wird in unserer Gesellschaft verstärkt ein Thema werden.
  • Gesellschaftliche Themen für die Planung und Realisierung von Mehrfamilienwohnungen haben zunehmende Bedeutung: z.B. Kinderbetreuung, Familienleben, Gesundheit, Bildung, Mobilität, Umwelt, Energieversorgung, Arbeit, Lebenszyklen und Lebensstile der Bewohner.

Zusammengefasst wird deutlich, dass die sich laufend verändernden sozialpsychologischen und demographischen Rahmenbedingungen und Notwendigkeiten eine neue Positionierung des Wohnbaus erfordern.

Aus unserer Sicht besteht der Engpass im Wohnbau darin, dass das vorhandene Wissen bis heute nur unsystematisch genutzt wird und nicht darin, dass zuwenig Wissen in Bezug auf nachhaltige Lösungen vorhanden ist. Es geht mehr und mehr um die Integration ökonomischer, ökologischer und vor allem sozialer Komponenten sowie individuell gesundheitlicher Aspekte in das Thema Wohnen.

Ziele

Wir wollen im Forschungsprojekt ein Konzept entwickeln, welches eine umsetzungsreife Planung einer nachhaltigen Mehrfamilienwohnsiedlung mit besonders ausgeprägter Dienstleistungsqualität beinhaltet. Das Konzept soll auf Basis der Lebenszykluskosten mit dem Ziel optimiert werden, dass trotz erhöhter Leistungsqualität keine zusätzlichen Kosten für die Bewohner entstehen.

Die Gebäude dienen der Nutzung als Mehrfamilienwohnhaus bzw. -siedlung mit einer Größe von ca. 60-80 Einheiten.

Die ökologische bzw. energetisch bewusste Nutzung wird durch den aktiven Einbezug der Betroffenen und Transparenz über das Informations- und Kommunikationssystem erreicht. Die Bewohner sollen z.B. die Entwicklung ihrer Betriebskosten über eine transparente Darstellung verfolgen können.

Kernfragen der Forschungsarbeit sind:

  • Können wir die Vorteile eines Einfamilienhauses mit den Vorteilen von Eigentumswohnungen im mehrgeschossigen Wohnbau kombinieren?
  • Durch welche Maßnahmen können wir sicherstellen, dass unsere Kunden ihre "wirklichen" Wohn-Bedürfnisse erkennen?
  • Wie können diese Bedürfnisse in einen individuellen Grundriss umgesetzt werden und wie kann die Wohnung im Laufe der Zeit an die sich ändernden Ansprüche angepasst werden?
  • Wie können wir Informations- und Kommunikationstechnik im Gebäude und für die Bewohner nutzen, damit die Wohn-, Arbeits- und Lebensqualität gesteigert werden kann?
  • Durch welche Maßnahmen und Dienstleistungsangebote können wir ein selbstbestimmtes Leben im Alter und ein positives intergeneratives Zusammenleben unterstützen?
  • Wie können wir die Ressourcen- und Umwelteffizienz unserer Gebäude in Bezug auf Heizwärmebedarf und Versorgung des Gebäudes mit regenerativen Energien, Einsatz nachwachsender und umweltschonender Ressourcen bei Baumaterialien und der Konzeption von Bauelementen weiter verbessern?

Methode

In der Forschungsarbeit "inkl.wohnen" wollen wir bestehendes Wissen in den einzelnen Fachdisziplinen zu einem Konzept "Nachhaltige Wohnungsangebote" integrieren. Dazu arbeiten wir mit Experten aus folgenden Bereichen zusammen:

Als Impuls für die Wissensvernetzung wurde auf der Grundlage des Zielkataloges ein Planungs-Workshop in Form einer "Zukunftswerkstatt" mit den Experten durchgeführt.

Ergebnisse

Im Projekt wurden folgende "Lösungspakete" erarbeitet, die nun im Pilotprojekt "Wohnpark Sandgrubenweg, Bregenz" umgesetzt werden:

Bewusstes Planen - Sensible Bestimmung der individuellen Wohnansprüche und vorausschauende Planung

Im Vordergrund von inkl.wohnen stehen der Mensch, sein Lebenszyklus und das Prinzip der Nachhaltigkeit als realer Wertanspruch.

Das bewusste Einbeziehen der künftigen Eigentümer in die Gestaltung ihres Wohnraums ist damit ein logischer Teil von inkl.wohnen. Modulare Architektur und flexible Baukonstruktion für mehrgeschossige Wohnbauten sind Voraussetzungen für den nötigen Gestaltungsspielraum.

Mit Interessenten am Pilotprojekt "Wohnpark Sandgrubenweg, Bregenz", die bereit sind, ihre persönlichen Ansprüche an das Wohnen, die individuelle Grundrissgestaltung und die Wahl der Ausstattung gemeinsam mit geschulten Beratern zu definieren, wird ein bewusster Planungsprozess eingeleitet. Er umfasst folgende Themenbereiche:

  • Planen mit der Erinnerung (schöne Orte, Rückzugsorte / Schutz, Erholungsorte, Orte für bestimmte Aktivitäten, Bezug zu Innen- und Außenraum)
  • Planen mit Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung (Materialien, Farben, Distanzen, Raumbedürfnissen)
  • Ist-Situation und Vorschau auf die zukünftige Wohnsituation (in 10 und 20 Jahren; Tagesprotokolle)
  • Infrastrukturelle Fragen wie beispielsweise "Was brauche ich wirklich? Was brauche ich in der Wohnung? Was habe ich aus der Umgebung?"
  • Gemeinsames Planen der Wohnungspartner (Rollenverständnis)

Ziel ist die sensible Bestimmung der individuellen Wohnansprüche und eine vorausschauende Planung.

Flexibel und veränderbar - Modulare Grundrisse, realisierbare nachträgliche Änderungs- und Anpassungsmöglichkeiten

inkl.wohnen bietet im Gegensatz zu herkömmlichen Bauweisen im mehrgeschossigen Wohnbau konstruktive und organisatorische Strukturen, die eine bedarfsorientierte Grundriss- und Innenraumgestaltung erst möglich machen: Von großzügiger Offenheit bis zu uneinsehbaren Rückzugsräumen, von speziellen gebäudetechnischen Einrichtungen bis zur detailgestalterischen Ausführung.

Es geht um ein durchgängiges und wirtschaftlich durchführbares Konzept, welches die Nutzungsflexibilität ebenso garantiert, wie praktikable nachträgliche Veränderungsmöglichkeiten, beispielsweise das Trennen, Öffnen oder Zusammenlegen von Wohneinheiten. Die Wohnung begleitet somit den Bewohner in seinem Lebenszyklus und passt sich an die sich ändernden Wohnbedürfnisse an.

Geomantie, Wirkung der Orte - Einbindung der Wirkungsfelder von Räumen und Standorten in die Architekt

"Raum und Mensch besitzen in Bezug auf ihre gemeinsame Entwicklung körperliche, seelische und geistige Qualitäten, die in ihrem Zusammenspiel die Vitalität des Lebens ausmachen. Dementsprechend sind Mensch und Raum von Bewusstsein und Seelenkraft erfüllt und stehen auf psychischer und physischer Ebene in ständiger Wechselwirkung miteinander. (...) In diesem Sinne beschäftigt sich die Kunst und Wissenschaft der Geomantie damit, die Vitalkraft und die Seelenhaftigkeit des Raumes sowie seine ästhetische Wirkung zu erkennen, zu interpretieren und deren Wechselwirkung mit uns Menschen zu begreifen."
(zitiert von Univ. Prof. Dr. Erwin Frohmann, Universität für Bodenkultur, Wien)

Die Entwicklung des Pilotprojektes Wohnpark Sandgrubenweg basiert auf einer geomantischen Raumanalyse des Standortes. Wir setzen damit auf seriöse und aktuelle wissenschaftliche Forschungserkenntnisse und entwickeln damit eine neue Sensibilität für entscheidende Einflussfaktoren auf die Wohnqualität.

Hochwertige Architektur - Faszinierende Raumbegriffe, langfristiger Wohnwert, kostenbewusster Einstieg

Neue gesellschaftliche, technologische und ökologische Entwicklungen fordern ein radikales Umdenken in der architektonischen Gestaltung von mehrgeschossigen Wohnbauten.

In der ersten Umsetzung von inkl.wohnen soll dieses Zusammenspiel zu einem gemeinsamen Ganzen spürbar und als faszinierende neue Architektur sichtbar werden. "Hochwertigkeit" bezieht sich dabei insbesondere auf die Gestaltungsmöglichkeiten und auf die unterschiedlichsten Nutzbarkeiten des Gebäudes. inkl.wohnen ist damit geprägt von offenen und flexiblen Strukturen.

  • Der Wohnpark Sandgrubenweg versucht die individuelle Qualität eines Einfamilienhauses auf Geschossebene umzusetzen.
  • Die besondere Qualität der Baukörpergestaltung besteht darin, dass bei maximaler Veränderbarkeit im Grundriss und der dafür erforderlichen formalen und technischen Voraussetzungen, das Gesamterscheinungsbild des Wohnparks Sandgrubenweg dennoch ästhetisch und formal gestärkt und überzeugend wirkt.
  • Die innovative Gesamtkonzeption inkludiert eine kostengünstige, auf unterschiedliche Lebensphasen zugeschnittene modulare Architektur und modernste Kommunikations- und Gebäudetechnik. Das Leben in einem inkl.wohnen-Projekt soll komfortabel und gut organisiert sein. Die individuelle Privatsphäre hat jedoch Priorität. Alles beruht auf der Basis der Freiwilligkeit.
  • "Hochwertige Architektur" hat die Herausforderung, alle "Lösungspakete" gestalterisch, technisch und wirtschaftlich "unter einen Hut" zu bringen.

Umweltbewusst wohnen - Energieeffizienz und erneuerbare Energien, höchste Ansprüche an Baubiologie, Bauökologie und Bauphysik

Anspruchsvolle Alternativkonzepte zum herkömmlichen Bauen und zeitgemäße Lösungsvarianten stehen bei inkl.wohnen im Vordergrund. Materialien und Bauteile unterliegen einer strengen baubiologischen, bauökologischen und bauphysikalischen Bewertung. Aktuelle Erkenntnisse über den Einsatz von erneuerbaren Energieträgern und energiesparenden Heizungs- und Klimasystemen werden umgesetzt.

Vor dem Hintergrund des ökologischen Anforderungskataloges der Vorarlberger Wohnbauförderung wurde das Pilotprojekt Wohnpark Sandgrubenweg errichtet. Dabei wurde insbesondere versucht, den optimalen Mix zwischen den nachstehenden Kriterien zu finden:

  • Planung - Behaglichkeit und Funktionalität
  • Standort - Flächen und Grundbedarf
  • Energiebedarf - Heizwärme
  • Haustechnik - Energieversorgung
  • Haustechnik - Wärmeverteilung, Warmwasserbereitung
  • Haustechnik - Wasser und elektrische Energie
  • Materialwahl - Ökologische Bewertung
  • Materialwahl - Lebensdauer und Wartung
  • Innenraum - Emissionsfrei

Gemeinschaftliche Strukturen - Durchdachte auf nachbarschaftliches Zusammenleben abgestimmte Angebote

Wir erkennen und nutzen die positiven Seiten im nachbarschaftlichen Zusammensein und richten danach kreative und sinnvolle Servicepakete aus. Entwickelt werden entsprechende Strukturen und nützliche Wohndienstleistungen dort, wo Gemeinschaft Sinn macht, z.B.:

  • Einkaufsservice
  • Wäscheservice
  • Car Sharing
  • Umzugsservice
  • Mobilitätsberatung
  • Umgebungskarte mit Nahversorgern, Fußgänger- und Fahrraddistanzen
  • Attraktive Fahrradabstellplätze inkl. Service- und Reparaturstation
  • Gut ausgeleuchtete Gehwege und Zugänge zum Haus
  • Gemeinschaftsraum im Bereich des Kellers Haus C
  • Gemeinschaftliche Außenbereiche
  • "Begleitete Gemeinschaft" und Förderung von Eigeninitiativen

Hightech im Wohnalltag - Unkomplizierte aber hoch entwickelte Gebäude- und Kommunikationstechnologien

Das Wohnkonzept inkl.wohnen eröffnet mit seiner innovativen Technologie einen "partnerschaftlichen Dialog" zwischen Wohnumfeld und den individuellen Ansprüchen seiner Bewohner. Keine Spielereien, sondern brauchbare Hilfen in der "Bedienung" des eigenen Wohnobjekts:

  • Intelligente, aber einfach handzuhabende Steuerungssysteme für Heizung, Klimatisierung, Beschattung, ...
  • Qualitativ hochwertige Freizeit- und Informationstechnologie
  • Zentrale und dadurch kostengünstige Einheiten
  • Permanenter Informationszugang zu allen gemeinschaftlichen Dienstleistungsangeboten
  • Ständige Kontrolle über aktuelle Verbrauchs- und Betriebskosten
  • Moderne Alarm-, Sicherheits- und Zutrittssysteme

Kombinierte Mobilität - Flexibler Verkehrsmitteleinsatz und -angebote und Reduktion der Schadstoffemissionen

Mobil sein im 21. Jahrhundert - das ist ein bunter Mix aus verschiedenen Fortbewegungsmitteln: das Auto, das Fahrrad, der Bus, zu Fuß. Wir bieten auf Basis unserer Mobilitätsangebote Mobilitätskombinationen an und ermitteln für jeden Bewohner auf Wunsch die geeignete Lösung.

Publikationen

Inkl.wohnen Nachhaltige Wohnungsangebote - individuellen und gemeinschaftlichen Mehrwert schaffen

Schriftenreihe 41/2006 G. Thür, W. Ritsch, M. Summer, et al. 
Deutsch, 146 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter

lic.oec.HSG Gerfried Thür

Partner:

  • ARGE, DI Hörburger, DI Kuess, DI Ritsch, DI Kuess
  • Atelier für Baukunst, DI Wolfgang Ritsch
  • Atelier für Grafikdesign und Kommunikation, Reinhard Gassner
  • BENEVIT - Vorarlberger Pflegemanagement GmbH
  • Co-merce Consulting
  • Creaktiver - Bernhard Tötschinger
  • Energieinstitut Vorarlberg
  • Ender Bianca, Mag.Wirtschpädagogin, Trainerin
  • Fachhochschule Vorarlberg Studiengang "Intermedia", Dr. Roland Alton-Scheidl
  • GMI Ingenieure
  • Hecht Licht- und Elektroplanung
  • Kanzlei Dr. Bruck - Ingenieurkonsulent für technische Physik
  • DI Dr. Künz Lothar, Bauphysik
  • Milton Erikson Institut, Dr. Reinhold Bartl
  • Mader & Flatz Ziviltechniker GmbH
  • Pircher Gruppe
  • St. Anna-Hilfe
  • Teleport Consulting GmbH, Vorarlberger Medienhaus
  • United Innovative Partners AG
  • Universität für Bodenkultur, Institut für Freiraumgestaltung, Freiraumplanung, Gestaltungslehre, Raumwahrnehmung und Geomantie, a.o. Univ. Prof. Dr. Erwin Frohmann
  • Universität Innsbruck, Institut für Soziologie, a.o. Univ.Prof. Dr. Hermann Denz
  • Dr. Wansch Franz, Wohnpsychologe
  • Wirkungsgrad Energieservice GmbH

Kontakt

Rhomberg Bau
lic.oec.HSG Gerfried Thür
Mariahilfstraße 29
A-6900 Bregenz
Tel.: +43 (0)5574 403-200
Fax: +43 (0)5574 403-209
E-Mail: gerfried.thuer@rhombergbau.at

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