Foto: Frontansicht der Schule Schwanenstadt

Urban Future - Erhebung von Forschungsfragen zum Thema "Resource Efficient City of Tomorrow"

Herausforderungen für die Städte der Zukunft mit relevanten Forschungsfragen im Hinblick auf Ressourcenmanagement, Ressourceneffizienz und Technologieentwicklungen

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Der Trend der globalen Urbanisierung bringt es mit sich, dass Mitte dieses Jahrhunderts mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Die Stadt ist der menschliche Lebensraum der Zukunft. Städte sind die Zentren menschlicher Aktivität und als solche sowohl die Zentren von Kultur, Innovation und Wirtschaftstätigkeit, als auch die Brennpunkte von globaler Ressourcenkonsumation und sozialen Konflikten. Städte nutzen gegenwärtig nur 2% der Erdoberfläche, sind aber für 75% des Ressourcenverbrauches und für 80% der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zudem sind Städte mit Themen wie Migration, Bildung und Kultur oder einer alternden Gesellschaft konfrontiert. Andererseits bieten Städte zahlreiche Chancen und Potentiale für eine nachhaltige Entwicklung, denn in Städten entstehen die Trends der Zukunft, welche die Anforderungen für neue Produkte und Dienstleistungen vorgeben.

In den modernen Gesellschaften finden gegenwärtig tiefgreifende technologische, ökonomische und soziale Entwicklungsvorgänge statt. Diese sogenannten Megatrends, (Wertewandel, demographischer und ökonomischer Wandel, Globalisierung, Ressourcenverknappung, Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien, globale Umweltveränderung) beeinflussen alle Bereiche der Stadtentwicklung. Die daraus abgeleiteten zukünftigen Herausforderungen für die Stadt der Zukunft können in folgende Themenfelder gegliedert werden:

  • Urbane Struktur
  • Energie
  • Wasser und Abwasser
  • Produkte und Abfälle
  • Mobilität
  • Ökonomie
  • Urbanes Management
  • Mensch und Umwelt

Beispiele auf der ganzen Welt zeigen, dass vielerorts die Umsetzung einer nachhaltigen Stadtentwicklung begonnen hat. Curitiba, solarCity Linz Pichling, Bo01 Malmö, Dongtan oder Masdar sind einige der ersten namhaften Beispiele, bei denen die Kriterien der Nachhaltigkeit bei Errichtung oder Planung einen hohen Stellenwert einnehmen.

Der Großteil der „best practice Beispiele“ betrifft derzeit vor allem den Neubau. Für bestehende Stadtteile, und damit auch für Städte Europas, stellt sich zunehmend die Frage, wie die vorhandenen Strukturen an die neuen Anforderungen angepasst werden können. Es ist offensichtlich, dass Städte mit einem erheblichen Restrukturierungsbedarf ihres Bestandes konfrontiert sind. Städte müssen neue Wege finden, wie sie ihre Vitalität in einer dynamischen, ungewissen Umwelt erhalten können.

Bis 2050 werden voraussichtlich neue Städte für mehr als 2 Milliarden Menschen gebaut, der Großteil davon in Entwicklungs- und Schwellenländern. Prognosen zeigen, dass im Jahr 2060 die Weltbevölkerung mit 9 Milliarden Menschen einen vorläufigen Zenit erreichen wird und entsprechende wirtschaftliche Entwicklung vorausgesetzt, bis zum Jahr 2150 wieder auf 5 Milliarden schrumpfen wird. Mit diesem „vorrübergehenden“ Ansturm auf urbane Zentren sind für Stadtplaner gewaltige Herausforderungen verbunden.

Wie sollen diese Städte konzipiert werden? Ein Lösungsansatz wäre die Städte der Zukunft derart zu gestalten, dass sie flexibel auf Veränderungen reagieren können. Damit müssen neue Konzepte entwickelt werden, welche es ermöglichen ganze Städte oder Stadtteile nach einigen Jahrzehnten vollständig um- oder rückzubauen. Wir leben heute in der Stadt von gestern. Die gegenwärtigen Zentren werden wesentlich von der Verfügbarkeit billiger fossiler Energieträger getragen.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Folgen sich für Städte ergeben, wenn fossile Energieträger nur noch zu höheren Preisen verfügbar sein werden. Dabei ist auch auf Interdependenzen einzugehen. Derzeit besteht beispielsweise die Gefahr, dass mit der Elektromobilität zwar einerseits die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringert wird, gleichzeitig aber die Abhängigkeit von anderen Ressourcen zunimmt. Damit stehen alte Städte im Spannungsfeld zwischen Bewahren und Erneuern, zwischen Neubau und Umbau ganzer Stadtteile.

Hinter dem Begriff Umbau steht die Chance, zwischen Abbruch und Sanierung die beste Strategie zu finden, um den Flair der Städte zu erhalten und dennoch ein modernes zukunftsweisendes urbanes Zentrum für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu gestalten. Durch die Herausforderungen der Urbanisierung besteht weltweit ein erheblicher Investitionsbedarf an zukunftsfähigen Lösungen.

Die Errichtung, die Erhaltung und der Umbau von urbanen Infrastruktureinrichtungen ist ein kapitalintensiver Bereich. Der erhöhte Finanzbedarf für die Anpassung an die geänderten Rahmenbedingungen und der Übergang zu nachhaltigen Infrastruktursystemen machen deshalb innovative Finanzierungs- und Geschäftsmodelle notwendig, die teilweise erst zu entwickeln sein werden. Eine Frage ist, wie manche Städte unter dem massiven Einbruch auf der Einnahmeseite durch die demographische Entwicklung und die Abwanderungstendenzen (schrumpfende Städte) zukünftig die Finanzierung ihrer Strukturen sicherstellen werden. Auch für einige österreichische urbane Gebiete werden bereits Bevölkerungsrückgänge von bis zu 40% prognostiziert. Eng verknüpft mit der Frage der nachhaltigen Stadtentwicklung ist neben den finanziellen Rahmenbedingungen auch der haushälterische Umgang mit materiellen Ressourcen. Urbane Agglomerationen stehen im Brennpunkt der Ressourcenfrage. Als zentrale Frage wird sich stellen, wie die menschlichen Bedürfnisse, wie Ernährung, Arbeit, Wohnen und Freizeit möglichst ressourceneffizient befriedigt werden können. Diese Lösungen führen zu Standortfaktoren, welche im wirtschaftlichen Wandel zur Wissens- und Dienstleistungsökonomie von entscheidender Bedeutung für die Attraktivität urbaner Zentren sein werden.

Das Thema „Stadt der Zukunft“ stellt ein strategisches Schwerpunktthema und Zukunftsfeld für die österreichische FTI Politik dar. Der Schwerpunkt orientiert sich im Sinne des Begriffes der neuen Missionsorientierung an zentralen gesellschaftlichen Problemfeldern und unterstützt das zur Problemlösung notwendige Wechselspiel technologischer und sozioökonomischer Innovationen. Die Bündelung vorhandener wissenschaftlicher und technologischer Stärkefelder (Passivhaustechnologie, Umwelttechnologie, Energietechnologie, Verkehrstechnologie, IKT,…) im Schwerpunktthema „Stadt der Zukunft“ unterstützt eine konvergente Entwicklung und ermöglicht eine Synergiebildung zwischen den breit gestreuten Kompetenzen des österreichischen Forschungs- und Technologieportfolios.

Um der Komplexität des „Systems Stadt“ und den umfassenden Anforderungen des Leitziels Nachhaltigkeit gerecht werden zu können, ist in verstärktem Maße integrative Forschung, inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit und kooperative Technologieentwicklung notwendig.

In diesem Zusammenhang gilt es effiziente Strukturen und Rahmenbedingungen zu schaffen bzw. weiter auszubauen, welche themenrelevante integrative Forschung und Entwicklung ermöglichen und unterstützen. Österreichische Unternehmen und Institute weisen in allen relevanten, für die Stadt der Zukunft wichtigen Themenbereichen Know-how und Forschungskompetenzen auf. Österreichische Unternehmen verfügen in vielen stadtrelevanten Infrastrukturbereichen über hohes technologisches Know-How und international anerkannte Produkte.

In einigen Teilbereichen davon sind österreichische Firmen Markt- und Technologieführer. Daraus kann gefolgert werden, dass die grundsätzlichen wissenschaftlich-technologischen Voraussetzungen für die Etablierung eines F&E Schwerpunktes im Bereich „Stadt der Zukunft“ gegeben sind. Aufgrund der hohen Komplexität und der großen thematischen Breite des Themenfeldes ist eine verstärkte Einbindung der österreichischen F&E Aktivitäten in die europäische Forschungslandschaft unumgänglich. Abschließend kann zusammengefasst werden,dass

  • „Urban Technologies“ einen enormen Zukunftsmarkt darstellen,
  • zunehmend nicht mehr Einzellösungen sondern Gesamtlösungen gefordert werden
  • sich dieser Bedarf an kompetenten Systemlösungen in Städten konzentriert
  • diese Lösungen einen holistischen Ansatz benötigen und den Kriterien der Nachhaltigkeit genügen müssen
  • die österreichische Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung heute schon in diesem Zukunftsmarkt tätig ist und
  • eine Unterstützung durch eine entsprechende Forschungsförderung diesen Vorsprung der österreichischen Wirtschaft weiter steigern würde.

Publikationen

Urban Future

Erhebung von Forschungsfragen zum Thema "Resource Efficient City of Tomorrow"
Schriftenreihe 83/2010 R. Obernosterer, A. Karitnig, B. Lepuschitz Berichte aus Energie- und Umweltforschung 83/, Herausgeber: bmvit
Deutsch, 195 Seiten

Downloads zur Publikation

Kontaktadresse

DI Richard Obernosterer
RMA Ressourcen Management Agentur
9524 Villach, Europastraße 8
Tel.: +43 (4242) 3652224
E-Mail: richard.obernosterer@rma.at
Web: www.rma.at

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