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Erfolgsfaktoren für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen

Fördernde und hemmende Faktoren auf technischer, rechtlich/politischer und organisatorischer Ebene, Zielrichtung: Markteinsatz innovativer Bauprodukte, Schwerpunktbereiche: Strohballenbau, Oberflächenvergütung, Wärme- und Schalldämmung

Inhaltsbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Der verstärkte Einsatz von Nachwachsenden Rohstoffen - den "Ressourcen von Morgen" - ist als wesentliche Strategie für Nachhaltiges Wirtschaften unbestritten. Gerade im Baubereich lassen sich durch einen intelligenten Einsatz der Materialien Synergien zwischen optimaler Funktionalität und der Vermeidung von Umwelt- und Entsorgungsproblemen realisieren.

Der Anspruch, der sich aus der Leitidee Nachhaltigen Bauens ableitet, ist demnach, durch das Gebäude und die eingesetzten Baukomponenten gegenwärtigen Bedürfnissen (Ansprüchen an die Nutzung) optimal zu entsprechen, ohne künftigen Generationen eine Nachnutzung aufzuzwingen oder Entsorgungsprobleme zu hinterlassen.

Bauprodukte und Systemlösungen auf der Basis von Nachwachsenden Rohstoffen können in hohem Maße zu diesen Zielen beitragen. Ihre Vorteile liegen dabei nicht nur in funktionellen und ökologischen Aspekten, sondern auch in der Stärkung regionaler Wirtschaftsstrukturen.

Die durchgeführten Analysen hemmender und fördernder Faktoren dienten dem Ziel, die Grundlage zu einer verbesserten Marktdurchdringung von Bauprodukten aus Nachwachsenden Rohstoffen zu schaffen. Aus den Ergebnissen aus technischer, rechtlicher und organisatorischer Sicht wurden Maßnahmen für eine marktgerechte Technologieentwicklung und eine zielgerichtete Veränderung der Rahmenbedingungen abgeleitet.

Die Ergebnisse aus den umfangreichen Recherchen zu den technischen Einsatzmöglichkeiten von Produkten wurden in einem nach Einsatzgebieten gegliederten Katalog dargestellt. Darüber hinaus wurden in einer Reihe von Workshops wesentliche organisatorische und rechtliche Aspekte beleuchtet und mit maßgeblichen Akteuren aus den Bereichen Rohstoffbereitstellung, Produktion, Marketing Planung sowie mit Rechtsexperten und Baufachleuten reflektiert.

Technische Ebene

Bei der Dokumentation der technischen Einsatzmöglichkeiten von Bauprodukten und Systemlösungen auf der Basis von Nachwachsenden Rohstoffen wurde ein besonderes Augenmerk auf innovative Ansätze mit hohem Marktpotenzial gelegt. Neben den bereits am Markt erhältlichen Systemen wurden auch in Entwicklung befindliche berücksichtigt. Die Recherche wurde insbesondere für Wärme- und Schalldämmung, Raumtextilien, Oberflächenvergütung, Innenausbausysteme, Montagehilfsmittel, Wand / Decke / Dachaufbauten, Statische Tragsysteme, Fertigteilsysteme sowie Fenster und Türen durchgeführt.

Die Charakterisierung der Produkte erfolgte nach detaillierten Kriterienlisten in den Bereichen Produkteigenschaften und Einsatz, Gebrauchstauglichkeit, umweltrelevante Eigenschaften sowie dem Grad der Markterschließung.

Holz ist, wie erwartet, mit großem Abstand der am häufigsten eingesetzte Rohstoff gefolgt von Schafwolle, Leinöl, Zellulose, Flachs, Bienenwachs, Kokosfasern, Hanf, Stroh und Kork. Auffallend ist auch die Tatsache, dass nur ein kleiner Bruchteil der eingetragenen Produkte ausschließlich aus dem Grundwerkstoff besteht, mehr als die Hälfte der Produkte sind Compounds aus verschiedenen Materialien.

Etliche vielversprechende Produktneuentwicklungen orientieren sich an den Anforderungen der Niedrigenergie- und Passivhaustechnologie. Aufgrund dieser Entwicklungen ist vor allem im Dämmstoffbereich eine steigende Nachfrage zu erwarten. Auf diesen Einsatzbereich entfallen auch die meisten Produktneuentwicklungen, gefolgt von der Kategorie Montagehilfsmittel mit einem Anteil von ca. 17% an den Neuentwicklungen.

Der Großteil der aufgelisteten Bauprodukte ist seit längerem auf dem Markt, nur ca. 10% sind Neueinführungen innerhalb der letzten fünf Jahre. Ein hoher Anteil der Bauprodukte aus Nachwachsenden Rohstoffen ist auch für den Selbstbau geeignet. Etliche Produkte zeichnen sich durch ungenügendes Datenmaterial (hinsichtlich technischer Parameter) und fehlende Prüfzertifikate aus.

Rechtlich-politische Ebene

Auf der rechtlich-politischen Ebene wurden relevante rechtliche Rahmenbedingungen, aktive Fördermöglichkeiten und die Rolle der öffentlichen Hand als Auftraggeber (Erstellen von Leistungsbeschreibungen, Ausschreibung und Auftragserteilung nach den Vergaberichtlinien) untersucht.

Das Baurecht ist in Österreich zum größten Teil Ländersache, die daraus resultierenden neun verschiedenen Bauordnungen unterscheiden sich sowohl in Gesamtkonzeption als auch in zahlreichen Details. Über die Landesregelungen hinaus gibt es auch Bundeskompetenzen zur Regelung von baurechtlichen Fragen und sogar gemischte Kompetenzen (Kumulieren von Bundes- und Landesrecht z.B. im Anlagenrecht).

Eine Harmonisierung der technischen Bauvorschriften wurde erst teilweise erreicht. Ein Beispiel dafür ist die EU-Bauproduktenrichtlinie. Sie wurde in den Bauordnungen der Bundesländer umgesetzt und dient u.a. dem Nachweis der Brauchbarkeit von Bauprodukten (CE-Kennzeichnung).

Darüber hinaus sind wesentliche Anforderungen an Bauwerke festgelegt wie "Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz" oder "Energieeinsparung und Wärmeschutz". Lebenszyklusbetrachtungen für Bauprodukte werden nicht vorgeschrieben, und es gibt auch keine allgemein akzeptierte Methodik der Bewertung. Ebenso fehlen Aussagen zu Fragen der Langzeittoxizität, zum Allergiepotenzial der Bauprodukte und zu anderen baubiologischen Kriterien. Die Bauordnungen befassen sich nur ausnahmsweise dezidiert mit Baustoffen, beispielsweise erhält in der Steirischen Bauordnung Holz eine Sonderrolle.

Bei den in den Bauordnungen bzw. Bautechnikverordnungen festgelegten Schutzzielen hat eine Vermeidung bzw. Minimierung der Gefahren durch Brände nach dem Schutz der Gesundheit oberste Priorität. Es ist allerdings nicht immer klar erkennbar, welche Bestimmungen dem Personenschutz und welche dem Sachwertschutz dienen. Daraus ergeben sich Probleme für die Klärung der Verantwortung. Eine teilweise veraltete Betrachtung der Schutzziele führt zu Vorschriften, die nicht unbedingt den heutigen Gegebenheiten (Möglichkeiten der Brandbekämpfung etc.) entsprechen.

Der rechtliche Umgang mit Innovationen ist für den Einsatz Nachwachsender Rohstoffe von entscheidender Bedeutung. Das Nutzen von Auslegungsspielräumen zugunsten innovativer Lösungen hängt jedoch stark vom Engagement und dem jeweiligen Informationsstand der verantwortlichen Akteure ab. Von Experten wird für die Einführungsphase von Innovationen eine Experimentklausel diskutiert, die unter festgelegten Rahmenbedingungen Testphasen von Gebäuden bzw. -abschnitten vorsieht und zulässt. Derartige Demonstrations- und Mustergebäude können auch den Behörden die Leistungsfähigkeit Nachwachsender Rohstoffe vor Augen führen. Weiters lässt sich durch den anschaulichen Einsatz innovativer Bauprodukte deren Akzeptanz wesentlich erhöhen.

Eine sehr wesentliche Rolle bei der Akzeptanz und Verbreitung kommt natürlich auch den Zertifizierungen (Österreichisch technische Zulassung bzw. Europäisch technische Zulassung) zu. Durch Beschreitung des klassischen Genehmigungsweges kann längerfristig auf Sonderregelungen verzichtet werden.

Daher sollte in einem Prozess der schrittweisen "Normalisierung" von Bauprodukten aus Nachwachsenden Rohstoffen seitens der Hersteller die Initiierung von Produktprüfungen und Zertifizierungen betrieben werden.

Durch die bestehenden Prüfungsbestimmungen und technischen Normwerke werden allerdings Nachwachsende Rohstoffe in vielen Fällen benachteiligt. In diesem Zusammenhang wurde vielfach kritisiert, dass das Zustandekommen der Zertifizierungen zuwenig transparent ist. Während die Art der Veröffentlichung für Gesetze und Verordnungen vorgeschrieben ist und diese für alle offen stehen, ist die Bekanntmachung von Zertifizierungen - die als Quasi-Regelwerke fungieren - nicht in ausreichend konkreter und umfassender Weise festgelegt.

Aktive Förderprogramme wirken als öffentliche Lenkungsmaßnahmen, die in den letzten Jahren sehr erfolgreich vor allem in Richtung energiesparendes Bauen und der Förderung von Biomasse- Heizungen eingesetzt wurden. Die Erweiterung der bestehenden Förderrichtlinien um eine detaillierte Betrachtung der Baustoffe wird in fast allen Bundesländern diskutiert. Das Wissen um die "Graue Energie", die in den Baustoffen steckt, und ein gesamtheitlicher Blickwinkel auf das Bauwerk (Gebäudehülle, Energieversorgung und Lüftung als System) führen zu dieser Erweiterung auf dem Förderungssektor in Richtung "Baustoffe".

Einige Bundesländer berücksichtigen bereits die Art der Rohstoffe für die eingesetzten Dämmprodukte. In Ansätzen wird also versucht, ökologische Produktbewertungen in die Förderkriterien einzubeziehen. Es existiert zwar eine Vielzahl von Kennzahlen, die ökotoxikologische und klimarelevante Daten verarbeiten, allerdings fehlen noch entsprechend einfach anwendbare und dennoch zuverlässige Bewertungsmethoden und -Kriterien. Für und mit den Förderabteilungen der Länder sollten daher aus den verfügbaren Methoden angepasste Bewertungslösungen entwickelt werden. Die zuständigen Abteilungen sind kooperationsbereit und zeichnen sich durch Offenheit und Flexibilität aus.
Weiters wird überlegt, welche baustoffunabhängigen Standards in die Förderkataloge einfließen können, die an Eigenschaften wie Verarbeitungsfreundlichkeit, wohnklimatische Verbesserung (Behaglichkeit), Allergenfreiheit, Rückbau und möglicher Wiederverwendung orientiert sind.

Als weiteres maßgebliches Element der rechtlich/politischen Ebene wird die Rolle der öffentlichen Hand als Auftraggeber und damit die Vergaberichtlinien betrachtet. Die zulässigen Zuschlagskriterien sind in den diesbezüglichen EU-Richtlinien aufgezählt, nach der derzeitigen Gesetzeslage dürfen externe (Umwelt-) Kosten - innerhalb des Vergabeverfahrens für die Bewertung eines Angebotes - nicht berücksichtigt werden. Es gibt aber sehr wohl einzelne Bauvorhaben, für welche die direkten Folgekosten wie Wartungs-, Betriebs- und Entsorgungskosten als Kriterium für die Bestbieterermittlung berücksichtigt wurden.

Durch das neue Vergaberecht hat der Auftraggeber die Pflicht, die für die Auftragserteilung ausschlaggebenden Kriterien und die dazugehörige Gewichtung offen zu legen. Als Kriterien werden neben Preis, Qualität, technischem Wert, Zweckmäßigkeit und Ästhetik auch Betriebs- und Folgekosten, Rentabilität, Kundendienst, Lieferzeitfristen sowie Ausführungszeitpunkte angeführt.

In der Ausschreibung wird bereits festgelegt, ob und in welchem Ausmaß Alternativangebote zulässig sind. Österreich gilt in dieser Hinsicht EU-weit als alternativenfreundlich.

Für den Einsatz Nachwachsender Rohstoffe kommt unter anderem der Passus "Umweltgerechtheit von Leistungen" zum Tragen. Die Relationen von Preis zu Umweltgerechtheit der Leistung werden laut Umwelt-Leistungsblatt oder laut angegebenen Kriterien z.B. in der Nutzwertanalyse vorgegeben.

Organisatorische Ebene

Die beteiligten Akteursgruppen haben unterschiedliche Motivationen für ihr Engagement im Bereich der Bauprodukte aus Nachwachsenden Rohstoffen. So gibt es ein aktives Interesse seitens der Landwirtschaft für den Ausbau neuer Absatzwege im "non food" Bereich. Hersteller und Handel setzen in erster Linie auf eine Ausweitung der Naturproduktlinien, die derzeit nur einen kleinen Anteil am gesamten Umsatz haben.

Marketingstrategien, die derzeit noch vielfach auf die umweltrelevanten Vorteile zielen, verlagern sich zunehmend auf qualitative Aspekte wie bauphysikalische Vorzüge. Der Aufbau von effizienten Kommunikationswegen zwischen den Akteuren der Rohstoffbeschaffung, der Weiterverarbeitung und Produktion, welche die wechselseitigen Anforderungen transportieren können, steht noch am Anfang. Darüber hinaus ist auch ein koordiniertes Auftreten auf dem Markt von entscheidender Bedeutung.

Die Hersteller und Händler sehen zwar die Notwendigkeit einer gemeinsamen Vorgangsweise bei Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying. Es bestehen jedoch Vorbehalte gegenüber horizontalen Kooperationen, da der Markt als zu klein betrachtet wird und Konkurrenzüberlegungen noch vielfach im Vordergrund stehen. Eine vertikale Kooperation der Akteure entlang der Produktionskette erscheint aus diesem Grund vielversprechender.

Gewünscht wird vielfach eine unabhängige Plattform, die diese Aufgaben übernehmen kann. Als Beispiel dafür wurde u.a. ProHolz eine Initiative der Holzindustrie genannt, die zusätzlich noch technische Aufgaben wie Normaufbauten und Zulassungen bearbeitet.

Schwerpunktbereiche

Aus der Vielzahl von Einsatzgebieten für Nachwachsende Rohstoffe wurden drei besonders vielversprechende Bereiche als Schwerpunkte ausgewählt und näher untersucht. Die entscheidenden Kriterien für die Auswahl der Schwerpunktthemen waren ihre Marktrelevanz, das Innovationspotenzial und das Potenzial zur Substitution von Problemstoffen. Folgende Schwerpunktbereiche wurden ausgewählt und im Detail auf fördernde und hemmende Faktoren untersucht:

Schwerpunktbereiche
Technische Argumente
Ökonomische und
ökologische Argumente

Strohballenbau

ausgezeichnete bauphysikalische Werte

geeignet für Niedrighaus- und Passivhaustechnologie

Verwertungschancen für landwirtschaftliche Nebenprodukte

gute Verfügbarkeit

geringer Rohstoffpreis

Oberflächenvergütung

interessante Forschungsaktivitäten

funktionelle Verbesserungen durch neue Rohstoffbasis

Minimierung toxischer Inhaltsstoffe

Verbesserung des Raumklimas

Wärme- und
Schalldämmung

breites Rohstoffspektrum

ausgereifte Lösungen

hohe Absatzmengen (Tendenz steigend)

"Energiesparende Funktion"

regionale Marktchancen

Strohballenbau

Im Bereich des Bauens mit Strohballen existieren im Wesentlichen zwei grundsätzliche Technologien. Bei der "lasttragenden Bauweise" wird die statische und wärmedämmende Funktion ausschließlich von Strohballenwänden übernommen. Bei einer zweiten Technologie wird die statische Funktion von einem Ständerwerk (meist Holz) erfüllt, die Strohballen werden durch die Gebäudelast nicht beansprucht und dienen als Wärme- und Schalldämmung.

Die lasttragende Bauweise wird zwar international (v.a. im Selbstbau) angewendet, hat aber in Österreich derzeit geringe Verbreitungschancen, da die gesetzlichen Vorschriften nicht eingehalten werden können und hierzulande ein Weg der zunehmenden Professionalisierung beschritten wird. Daher werden auch für strohgefüllte Holzständerkonstruktionen große Zukunftsaussichten durch die Möglichkeiten der Vorfertigung bzw. Chancen im Fertigteilhaussektor gesehen. Holzständerkonstruktionen selbst sind anerkannt und geprüft.

Durch eine Vorfertigung von Wandsystemen in witterungsunabhängigen Montagehallen können potenzielle Problembereiche wie die Gefahr der Durchfeuchtung bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden. Diese Vorgangsweise erlaubt auch eine rationelle Lösung zur Ausbildung einer winddichten Gebäudehülle sowie einer wärmebrückenfreien Dämmschichte. Weiters ist eine Kombination von Stroh mit Holz und Lehm als Putzschicht aus bauphysikalischer Sicht interessant und erweitert die funktionellen Vorteile.

Erfahrungen aus den USA und Europa lassen Rückschlüsse auf qualitätsbeeinflussende Faktoren zu. Nach diesen Ergebnissen sind die Eigenschaften des Ballens (Dichte, Maßgenauigkeit etc.) wesentlich wichtiger als die Eigenschaften des Strohs (Sorten, Qualitäten). International besteht weitgehend Übereinstimmung darin, dass die Kontrolle der Feuchtigkeit die größte Herausforderung beim Bauen mit Strohballen ist. Demgegenüber spielen Feuergefahr und Schädlinge eine untergeordnete Rolle.

Die rechtliche Lage für den Strohballenbau wurde im Rahmen dieser Studie am Beispiel des Bundeslandes Niederösterreich und seiner Baugesetzgebung untersucht. Der überwiegende Teil der entsprechenden Paragraphen des NÖ Baurechts beschäftigt sich insbesondere mit Fragen des Brandschutzes.

Von großer Bedeutung für die drei Bereiche Brand-, Feuchte- und Schallschutz ist der §2 der Niederösterreichischen Bautechnikverordnung (NÖ BTV), der generell ein Abweichen von den Bestimmungen der BTV zulässt, wenn nachgewiesen werden kann, dass trotz dieser Abweichungen die wesentlichen Anforderungen gleichwertig erfüllt werden können. Ein Nachweis dieser Gleichwertigkeit kann durch Zeugnisse einer befugten Versuchsanstalt oder durch Berechnungen erfolgen. Wie für andere Produkte aus Nachwachsenden Rohstoffen gilt auch hier, dass Prüfzeugnisse die technisch/rechtliche Basis für eine Markteinführung des Strohballenbaus in Österreich darstellen werden.

Die sozioökonomischen Recherchen zur Akzeptanz der Strohballenbauweise ergaben folgende Problemfelder:

Mangelnde Akzeptanz und Innovationsscheue stellen Hemmnisse für den konventionell-kommerziellen Einsatz von Stroh als Baustoff dar. Experten der Baubranche sehen die Einsatzmöglichkeiten für den Einsatz von Stroh vor allem im Bereich von Niedrigenergie- Einfamilienhäusern.

Die Errichtung von Referenzbauten wird als große Chance gesehen, um praktische Erfahrungen machen und Langzeittests durchführen zu können.

Sämtliche Akteure bekunden Informationsbedarf und mangelnde Interaktionsmöglichkeiten theoretischer und praktischer Art. Dieser Bedarf könnte durch ein zu etablierendes Netzwerk gedeckt werden. Eine solche Organisation ermöglicht den Austausch praktischer Erfahrungen und Ergebnisse aus Langzeittests. Diese Fakten und Berichte können mit empirisch gesicherten und auf kodifizierten Normen beruhenden Testergebnissen aus den Pionierländern des Strohbaus verglichen werden.

Gleichzeitig bestehen aber nach wie vor in einigen Teilbereichen Unklarheiten über das bautechnische Verhalten von Stroh und die korrekte hochbautechnische Detailausführung einzelner Konstruktionsbereiche.

Die technologische Weiterentwicklung von standardisierten Wandaufbauten können bewirken, dass bereits mittelfristig Marktanteile am Fertigteilhausmarkt zu erreichen sind. Langfristig gesehen hat Stroh durchaus Chancen, eine der Zellulose ähnliche Stellung am Bausektor zu erreichen.

Oberflächenvergütung

Der Bereich der Produkte zur Oberflächenvergütung zeichnet sich durch eine Vielfalt an Rezepturen mit anerkannter Funktionalität aus. Trotzdem verfügen derzeit lediglich 5 % über eine anerkannte Marktstellung. Dieser Sektor ist geprägt von zahlreichen technologischen Innovationen. So wurde etwa die Lösungsmittelproblematik durch neue Entwicklungen in Richtung wasserverdünnbarer Produkte entschärft und somit das allergene Potenzial gesenkt.

An weiteren technologischen Verbesserungen wird gearbeitet, z.B. an kürzeren Trocknungszeiten durch mechanische Verfahren der Mikrofiltration.

Die Funktionalität der Produkte aus Nachwachsenden Rohstoffen wird an den Eigenschaften konventioneller Oberflächenbehandlungsmittel gemessen, da sich die Erwartungen der Anwender daran orientieren. Natürliche Oberflächen zeichnen sich gegenüber mit konventionellen Produkten behandelten durch baubiologische und gesundheitliche Vorteile aus und sind auch substanzerhaltend sanierbar, was einen wesentlichen Kostenvorteil darstellt.

Der Kundenkreis der Endverbraucher erweitert sich ständig, aber langsam. Allgemein dürften Professionisten wesentlich schwerer zu überzeugen sein als "Häuslbauer".

Ein interessantes industrielles Einsatzgebiet ist die Anwendung von natürlichen Oberflächenbehandlungsmittel für Fertigparkettböden. Logistische Probleme sind für den Einsatz in der Möbelindustrie zu erwarten, da die Innenseiten anders als die Außenseiten zu behandeln sind.

Marktchancen eröffnen sich auch durch das Anbieten von Dienstleistungspaketen. So kann zum Beispiel das Angebot einer "natürlichen Oberfläche" als kompletter Dienstleistung inklusive Wartung und Service eine attraktive Alternative zum Verkauf des Lacks in der Dose darstellen. Dieses Konzept wird bereits in anderen Wirtschaftsbranchen erfolgreich realisiert.

Wärme- und Schalldämmung

Der Naturdämmstoffsektor bietet Dämmstoffe aus unterschiedlichsten pflanzlichen und tierischen Fasern an und erfordert eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Produzenten. Die funktionell hochwertigen Dämmprodukte bedürfen einer professionellen Vermarktung.

Obwohl ausreichend Flächen vorhanden wären, wird es aus Sicht der Hersteller immer schwieriger, Landwirte zu finden, die Nachwachsende Rohstoffe anbauen. Probleme beim Anbau ergeben sich vor allem wegen fehlender Abnahmegarantien.

Zusätzlich gibt es finanzielle Barrieren in der Rohstoffbereitstellung und Weiterverarbeitung, bedingt durch die anfallenden Kosten für Produktprüfungen.

Hersteller und Händler beschäftigen sich intensiv mit der Bereitstellung der erforderlichen Gutachten für die Zertifizierung und Zulassung ihrer Produkte. Es fehlt aber an einer Unterstützung der Bemühungen von behördlicher Seite. Norm- und Prüfbedingungen sind auf konventionelle Baustoffe ausgerichtet. Somit sind an Nachwachsende Rohstoffe angepasste Bestimmungen noch ausständig.

Der Trend in Richtung Passivhaus geht mit einem Mehrverbrauch an Dämmstoffen einher. Hier ergeben sich neue Chancen für Nachwachsende Rohstoffe. Für die meist höherpreisigen Naturdämmstoffe spricht, dass die Preisunterschiede der gesamten Konstruktion gegenüber gleichwertigen Wandaufbauten mit herkömmlichen Dämmprodukten durch angepasste Konstruktionen, effizienten Einbau (Vorfertigung bzw. bereitgestellte Spezialwerkzeuge) minimiert werden können.

Der Marktanteil von Dämmstoffen aus Nachwachsenden Rohstoffen liegt derzeit bei etwa 3 bis 5 %. Die konventionellen Dämmstoffe sind aufgrund der niedrigeren Rohstoffkosten, der großindustriellen Fertigung und der etablierten Vertriebsnetze den aus Nachwachsenden Rohstoffen gefertigten Dämmstoffen im Preisvergleich überlegen.

Die Eckpfeiler eines zukunftsorientierten Marketingkonzeptes und auch Technologieentwicklungskonzeptes sollten daher die funktionellen Vorteile, die langfristige Wirtschaftlichkeit sowie die problemlose Entsorgung darstellen.

Downloads

Erfolgsfaktoren für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen

Schriftenreihe 24/2001 R. Wimmer, L. Janisch, H. Hohensinner, et.al.
Deutsch, 615 Seiten, vergriffen

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Bibliographische Daten

Erfolgsfaktoren für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen

Grundlagenstudie, Endbericht

Auftragnehmer:
Gruppe Angepasste Technologie (GrAT)

Autoren:
Robert Wimmer, Luise Janisch, Hannes Hohensinner, Manfred Drack (Gruppe Angepasste Technologie - GrAT)
In Zusammenarbeit mit Markus Piringer, Tania Berger (GLOBAL 2000 Umweltforschungsinstitut) und Thomas Zelger (IBO - Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie)

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 24/2001

Wien, Februar 2001
133 Seiten und Anhang

Projektbeteiligte

Projektleiter:
Dipl.-Ing. Robert Wimmer
GrAT - Gruppe Angepasste Technologie an der Technischen Universität Wien

MitarbeiterInnen:
Hannes Hohensinner
Luise Janisch
Manfred Drack
GrAT - Gruppe Angepasste Technologie an der Technischen Universität Wien

KooperationspartnerInnen:

Markus Piringer
Tania Berger
GLOBAL 2000 Umweltforschungsinstitut

Thomas Zelger
Barbara Bauer
Philipp Boogman
IBO - Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie

Kontakt

Dipl.-Ing. Robert Wimmer
GrAT - Gruppe Angepasste Technologie an der Technischen Universität Wien
Wiedner Hauptstraße 8-10
A 1040 Wien
Tel.: +43 1 58801 - 49523
Fax: +43 1 786 42 05
E-mail: r.wimmer@grat.tuwien.ac.at

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