Foto: Frontansicht des Biohofs Achleitner

altes haus? altes haus!

Entwicklung eines betreuten Stützpunktes für Senioren im städtischen Umfeld durch Restrukturierung eines Altbaues mit modernster ökoeffizienter Gebäudetechnologie.

Inhaltsbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Motivation

Zwei Themen des nachhaltigen Bauens im Wohnbau der europäischen Zukunft sollen in diesem Projekt miteinander verknüpft werden:

  • Strategien für ein zeitgemäßes Wohnen im letzten Lebensabschnitt und
  • Gründerzeitsanierung zum Passivhaus nachhaltig ökologisch intelligent

Ornament und Klimaschutz

Die thermische Sanierung von Gebäuden dieser Bauperioden mit ihren zum größten Teil ornamentierten Fassaden ist derzeit kein öffentlich diskutiertes Thema. Ornament und Klimaschutz scheinen einander momentan noch auszuschließen.

Da die Masse des gründerzeitlichen Gebäudebestandes sehr groß ist (30 % aller Wiener Wohnungen stammen aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg) und daher keine vernachlässigbare Größe darstellt, halten wir es für wesentlich, die Diskussion zur Minimierung des Energieverbrauches dieser Gebäude in Gang zu bringen und ein Beispiel darzustellen, wie eine zeitgemäße Sanierung aussehen könnte und welche Themen dabei angesprochen werden sollten.

Inhalt

Die Arbeit enthält vorab die erforderlichen Grundlagen zu den Themen: Bauen für Senioren und Wohnen mit Service, als auch die erforderlichen Grundlagen über Gründerzeithäusersamt einer Zusammenstellung von Konstruktionen und Materialien der Gründerzeit.

Aufbauend darauf wurden 12 Qualitätskomponenten entwickelt an Hand derer die Eignung eines Entwurfes für die Nutzung Seniorenwohnen geprüft werden kann.

Ein eigenes Kapitel enthält die Prinzipien einer nachhaltigen, energieeffizienten Sanierung in allgemeiner Form. Hier wird die Umstrukturierung des Grundrisses in prinzipieller Form dargestellt, der Frage der Infrastruktur nachgegangen, zur Frage nach einer neuen Haut Stellung genommen, auf die Nutzung des Daches, das Schaffen eines wohnungseigenen Freiraumes und auf die sanfte Sanierung des Kellers eingegangen. Anschließend dargestellt ist die spezielle Typenentwicklung für die Nutzung Seniorenwohnen in einem gründerzeitlichen Grundriss und auch prinzipielle Überlegungen zu den allgemeinen Bereichen.

Im Kapitel Entwurf wird an einem realen Gebäude gezeigt, wie die vorab besprochenen Prinzipien gestalterisch, barrierefrei und haustechnisch umgesetzt werden können, und zwar an Hand der Grundrisse, Fassaden, und Freiräume. Ein eigenes Unterkapitel ist einem barrierefreien Weg durch das Gebäude gewidmet und das letzte Unterkapitel beinhaltet den haustechnischen Entwurf.

Im letzten Teil des Berichtes findet sich die technische Umsetzung mit den erforderlichen technischen Details, den statischen Angaben, den Aufbauten und U-Werten, den umfangreichen Wärmebrückenberechnungen, dem Passivhausprojektierungspaket, und den Ergebnissen der Kellersimulation.

Beabsichtigte Ziele

Die vorliegende Arbeit soll als Grundlage für eine radikal neue Diskussion in der Stadterneuerung dienen. Die Ergebnisse und Lösungen können jederzeit an Gebäuden dieser Periode umgesetzt werden.

Damit wird die Voraussetzung für eine neue Herangehensweise an die Sanierung von Gründerzeitbauten geschaffen und ebenso eine Argumentationshilfe für alle Teilbereiche in denen es bisher noch keine adäquaten Lösungen und Ergebnisse gab.

Methode und Daten

Die Grundlagen wurden auf Basis einer eingehenden Internet- und Literaturrecherche und der praktischen Erfahrung als Architektin erarbeitet. Die angewendeten Daten zur Barrierefreiheit stammen aus der ÖNORM, der Wiener Bauordnung und Gesprächen mit der Organisation BIZEPS.

Die gesamte Planung wurde als integrale Planung durchgeführt, wobei von Anfang an ein Austausch zwischen allen Projektteilnehmern stattgefunden hat.

Die U-Werte wurden mit dem Programm Archiphysik gerechnet, der Heizwärmebedarf und die Heizlast mit dem PHPP 2004 des Passivhausinstitutes in Darmstadt. Die Statischen Elemente für die Infrastrukturbox und die wärmebrückenarme Auflagerung der Balkone und Loggien wurden von Dipl. Ing. Lutz statisch bemessen. Die Wärmebrückenberechnungen wurden mit dem Programm WAEBRU 6.0 durchgeführt.

Die Simulationen der Zustände des Kellers wurden mit dem am Zentrum für Bauphysik und Bauakustik am Institut für Hochbau und Technologie der Technischen Universität Wien eigens entwickelten Simulationsprogramm HMS durchgeführt

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Service Wohnen für Senioren
Die wesentlichen angestrebten sozialen Eckdaten für ein zeitgemäßes Wohnen im Alter wie Selbstbestimmung, Autonomie, Wohnen in residentiellem Setting, Rückgriffsmöglichkeit auf ein Netzwerk professioneller Unterstützung, Außenorientierung und Verankerung im sozialen Gefüge können unter dem Begriff "Service Wohnen für Senioren" zusammengefasst werden. Unser Ansatz ist es, Wohnen mit Service unbedingt in zentraler Lage anzusiedeln, da hier die so sehr gewünschte Teilnahme am "normalen Leben" ohne Schwierigkeiten erfolgen kann. Die Gründerzeitlichen Viertel Wiens bieten dazu ausgezeichnete Voraussetzungen. Sinnvoll wäre es, gleich mehrere Häuser in engen räumlichen Kontext entsprechend umzustrukturieren, dies würde die Effizienz erhöhen, ohne die unangenehme "Ghettobildung" zu forcieren.

Barrierefreiheit
Barrierefreiheit bedeutet dass alle Einrichtungen für alle Menschen - in jedem Alter und mit jeder Einschränkung oder Behinderung - ohne technische oder soziale Abgrenzung nutzbar sind. Es wird deutlich, dass für die gute Benützbarkeit eines Wohnhauses durch Senioren oder betagte Menschen die Rollstuhlgerechtigkeit nur einen kleinen Teilaspekt darstellt, während die Vermeidung von anthropometrischen , ergonomischen und sensorischen Barrieren auch für das "normale" Betagten und Hochbetagtenalter eine deutliche Erleichterung bringt.

Qualitätskomponenten
Qualitätskomponenten für eine Gebäudebewertung zu definieren ist ein wesentliches Instrument um Nutzern die Bewertung ihrer (zukünftigen) Immobilie zu ermöglichen. Die im Projekt altes Haus erarbeiteten 12 Qualitätskomponenten könnten eine Untergruppe eines allgemeinen Gebäudepasses darstellen, wie er verschiedentlich schon entwickelt worden ist.

Mit diesem Zusatz könnte die allgemeine Evaluierung noch um eine Evaluierung für spezielle Nutzungen ergänzt werden. Maßnahmen in diese Richtung würden sicherlich nicht nur die Nutzer in ihrer Entscheidungsfähigkeit unterstützen sondern auch Bauträger herausfordern mit ihren Gebäuden in der Evaluierung gut abzuschneiden. Letztendlich werden sich langfristig dadurch Qualitätsverbesserungen einstellen.

Prinzipien der nachhaltigen, energieeffizienten Sanierung
Sechs Prinzipien der nachhaltigen, energieeffizienten Sanierung im Fall Gründerzeit wurden definiert:

  • Gebäudeneustrukturierung, neue Haut, Nutzung des Daches, sanfte Sanierung des Kellers, Wohnungseigener Freiraum, Infrastruktur.
  • Gründerzeithäuser sollten auf Grund ihrer hohen räumlichen und baubiologischen Qualitäten und auf Grund ihres unverwüstlichen Potentials erhalten werden, es ist allerdings eine Rundumerneuerung und eine Transformation hin zu zeitgemäßen Möglichkeiten (und geänderten Bedürfnissen) sowohl technisch machbar als auch langfristig einzig sinnvoll.
  • In der Sanierung dieser Häuser zu kurz zu greifen und wesentliche qualitative Mängel unbeachtet zu lassen bedeutet, dass unzeitgemäßes und technisch überholtes einer vergangenen Epoche für weitere 50 bis 100 Jahre konserviert wird.

Gebäudeneustrukturierung
Eine Analyse des gründerzeitlichen Gebäudebestandes ergab, dass unterschiedliche Haustypen mit unterschiedlichem Restrukturierungsbedarf vorhanden sind. So bedürfen die typischen bürgerlichen und großbürgerlichen Häuser auch für heutige Wohnverhältnisse lediglich einer haustechnischen Aufrüstung und thermischen Verbesserung, während die ehemaligen Arbeiterwohnhäuser, "Bassenahäuser" genannt, starken Restrukturierungsbedarf haben und wesentlich radikaler angegangen werden sollten.

Neue Haut
Wir halten es für legitim die angesprochenen Häuser aus der Gründerzeit ihres Dekors zu entkleiden und ihnen statt dessen eine neue Hülle zu geben die Ausdruck der inneren Qualität des Hauses und einer zeitgemäßen ökologischen Haltung ist.

Dem Wunsch nach Öffentlichkeitswirksamkeit könnte nach wie vor durch Plastizität

Rechnung getragen werden, allerdings nicht im Dekor, sondern durch Schichtung und nutzbare Elemente. Wir halten die Herstellung einer außenliegenden Wärmedämmung für eine energieeffiziente Sanierung von Gründerzeithäusern für unumgänglich notwendig. Weiters halten wir es für wichtig, dass hinsichtlich des Dämmmaterials und der Oberfläche intensiv nach finanziell gleichwertigen und demontierbaren Alternativen zum Wärmeschutz aus Polystyrol gesucht wird. Eine erste Alternative stellen wir im Projekt vor.

Nutzung des Daches
Wir plädieren hier mit allem Nachdruck für die intensive Nutzung von Dachgeschossen und den verstärkten wenn nicht sogar ausschließlichen Einsatz von Flachdächern auf Gebäuden im dicht verbauten Siedlungsgebiet. Je nach der jeweiligen Nutzung des Gebäudes sollten diese für die private und auch für die allgemeine Nutzung vorgesehen werden, der Großteil der Flächen sollte (auch im Hinblick auf die Verbesserung des Mikroklimas) als Gründach ausgeführt werden.

Sanfte Sanierung des Kellers
Prinzipielles Ziel der sanften Sanierung ist es, die beheizten Nutzflächen des Gebäudes umfassend thermisch zu sanieren (d.i. Wärmezudämmen) und gleichzeitig den Keller so zu sanieren, dass ohne "Durchschneiden" des aufgehenden Mauerwerks und ohne die Injizierung von chemischen Substanzen ein dauerhafter und schadensfreier Zustand hergestellt wird. Dieses Ziel ist in den meisten Fällen erreichbar, bedarf aber der genauer Analyse und Simulation. Mit dem Programm HMS ist es erstmals möglich die komplexen Zusammenhänge der zahlreichen Feuchteeinflüsse auf den Keller abzubilden. Durch eine genaue Bestandserhebung und die Simulation wird es in Zukunft möglich sein präzise

Vorgaben für eine einfache und sanfte Sanierung der Keller zu machen. Die Einflüsse der in Zuge der Sanierung aufgebrachten hohen Wärmedämmung auf das Kellerklima sind jedenfalls zu berechnen um zukünftige Schadensfreiheit zu gewährleisten.

Freiraum
Für den wohnungsseitigen Freiraum wurde ein Entwurfskonzept erarbeitet, sowohl straßenseitig als auch hofseitig. Dabei wurde im speziellen auf allgemein verwendbare Überlegungen für Bauten in der geschlossenen Bauweise geachtet. Hofseitig wird die Fassade komplett durch einen grundstücksbreiten und fassadenhohen Zubau ergänzt. Diese Maßnahme bedeutet einerseits eine Zunahme der Kompaktheit, andererseits kann die Gartenseite so vollflächig mit modernen, lichtdurchfluteten Erkern, Loggien und Pflanzflächen instrumentiert werden. Auch thermische Kollektoren und PV-Elemente (die gleichzeitig beschatten) finden hier Platz.

Darüberhinaus findet sich ein Kapitel zu den Möglichkeiten für einen hausallgemeinen Freiraum sowohl in den Geschoßen als auch auf dem Dach.

Infrastruktur = INFRAbox
Es war ein Grundanliegen des Projektes eine von der derzeitigen Praxis abweichende und zerstörungsfreie Alternative zur Implementierung von Infrastruktur in alte Gebäude zu suchen. Dazu wurde die sog. INFRAbox entwickelt. Sie beinhaltet das Bad, eine Küchenzeile, den Schacht mit der gesamten Leitungsführung (HLSE), 2 tragende Betonsäulen, die erforderlichen Heizflächen, eine Großteil der Elektroinstallation und die Lüftung.

Gründerzeit-Seniorenwohnen Typenentwicklung
Wir bieten ein Kompendium an Lösungen an, die für eine große Zahl von Bassenahäusern zur Umsetzung geeignet sind. Es kann dabei auch gezeigt werden, dass die Passivhaustechnologie speziell gut geeignet ist sogenannte Gangwohnungen qualitativ zu verbessern. Desgleichen wird eine Lösung entwickelt wie die Lage am Gang für die Nutzung Seniorenwohnen zu einem Mehrwert umgewandelt werden kann.

Haustechnik
In diesem Kapitel wird die Anwendung der Passivhaustechnologie auf das spezielle Haus erläutert. Obwohl das Haus - wie es vermutlich für die meisten Gründerzeithäuser nach der Sanierung möglich ist- hinsichtlich Heizwärmebedarf und mittlerer Heizlast die PHPP Kriterien erfüllt, wird dennoch keine reine Luftheizung projektiert. Dies ist sowohl mit der extremen Ungleichheit im Heizwärmebedarf und in der Heizlast der Wohnungen begründet, als auch mit deutlich höheren Temperaturanforderungen bei der speziellen Nutzung Seniorenwohnen.

Auch ein eventueller Abbruch der Nachbargebäude muss berücksichtigt werden. All diese erhöhten Anforderungen lassen sich mit der Qualität der Wärme dämmenden Hülle allein nicht wirtschaftlich lösen.

Wärmebrückenberechnung
Es wurden einige Lösungen für in der Sanierung zum Passivhaus relevante Punkte entwickelt und durch das Institut für Baubiologie und -ökologie neu berechnet. Damit liegt ein erster Wärmebrückenkatalog vor, der Passivhaustechnologie und die speziellen baulichen Gegebenheiten eines Gründerzeithauses mit seinen hohen Wandstärken berücksichtigt. Diese Berechnungen sind als Anhaltspunkte oder auch direkt in allen anderen Häusern ähnlicher Baukonstruktion anwendbar.

Passivhausprojektierungspaket PHPP 2004
Für das Projekt wurde das komplette PHPP 2004 durchgerechnet, es ergibt sich ein HWB von 14 kWh/m²a, eine durchschnittliche Heizlast von 10,7 W/m², ein PE kennwert (WW, Heizung, Hilfs- u. Haushaltsstrom) von 61 kWh/m²a, ein PE Kennwert (WW, Heizung und Hilfsstrom) von 32 kWh/m²a. Durch die vorgesehenen PV-Paneele kann ein Anteil von 7 kWh/m²a an der Primärenergie zusätzlich eingespart werden. Aus diesen Zahlen ist ablesbar, dass der Anteil des Haushaltsstromes an der Primärenergie 50 % beträgt. Die Übertemperaturhäufigkeit beträgt trotz der großzügigen Verglasungen nur 5,2%. Dank der hohen Speichermasse und der konstruktiven südseitigen Verschattung durch Loggien, Pflanztröge, und PV-Elemente werden im Sommer ausgezeichnete thermische Bedingungen herrschen.

Downloads

ALTes Haus - Barrierefreies Wohnen im GründerzeitPassivHaus

Schriftenreihe 12/2005 U. Schneider, F. Brakhan, T. Zelger, et al.
Deutsch, 451 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter: Arch. Dipl. Ing. Ursula Schneider
pos architekten ZT KEG

Kontakt

pos architekten ZT KEG
Arch. Dipl. Ing. Ursula Schneider
Maria Treu Gasse 3
1080 Wien
Tel: 01/4095265, Fax: DW 99
E-Mail: office@pos-architekten.at

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