Foto: Frontansicht des Wohnhauses in der Makartstraße, Linz

Altbausanierung mit Passivhauspraxis

Entwicklung von Strategien zur Implementierung von Passivhauskomponenten, -systemen und -techniken in die Praxis der Althaussanierung, um den Energieverbrauch möglichst stark zu reduzieren und die Wohnqualität erheblich zu erhöhen. Ausführenden und Planern, die sich auf Althaussanierung spezialisiert haben, soll der Zugang zu Passivhaus-Know-how verschafft werden.

Inhaltsbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Motivation

In Österreich gibt es derzeit ca. 3 Mio. Wohnungen: 78% der Wohnfläche wurde vor 1981 errichtet. Diese weisen einen spezifische Jahresheizenergiebedarf von ca.150 bis 250 kWh/m²a auf. Durch die österreichischen Haushalte werden jährlich ca. 218 PJ Endenergie für Raumwärme und Warmwasser verbraucht.

Im Sinne einer ökologischen und volkswirtschaftlichen Gesamtbilanz ist es daher dringend notwendig, bei einer möglichst effizienten Sanierung der Altbauten anzusetzen. Da der Sanierungszyklus bei Altbauten über 30 Jahre beträgt, ist es von größter Bedeutung, dafür Techniken, Systeme und Komponenten zu verwenden, welche die besten Einspareffekte nach dem heutigen Stand der Technik erwarten lassen. Dafür können das Know how und die technischen Innovationen, welche aus der Baupraxis des Passivhauses gewonnen werden konnten, eingesetzt werden.

"Die Zukunft der Passivhaustechnologie liegt in der Althaussanierung". Während im Neubau bei heutigem Stand der Technik 90 % an Energieeinsparung am einzelnen Objekt realisierbar sind, liegt 90 % des gesamtgesellschaftlich erzielbaren Einsparpotentials von "Bauen und Wohnen" in der hochwertigen Sanierung des Gebäudebestandes. Das Zauberwort der einschlägigen Konferenzen in den letzten Monaten heißt "Althaussanierung zum Passivhausstandard". Wenn man diesen Begriff entzaubert, so bleibt in der Regel kein vernünftiger Grund, in der Altbausanierung genau jene 15 kW/m²a erreichen zu wollen, welche für ein Passivhaus vorgeschrieben sind. (Man bedenke beispielsweise die Wärmebrücken im Aufstandsbereich der Gebäude, welche in der Regel mit vernünftigem Kostenaufwand nicht sanierbar sind).

Umgekehrt gibt es keinen vernünftigen Grund in der Althaussanierung weiterhin auf hochwertigste Komponenten, Dämmsysteme, Haustechniksysteme, "Miniheizungen" und sonstige Ausführungsdetails, welche aus der Passivhaustechnologie kommen, zu verzichten. Genau darauf zielt das gegenständliche Projekt.

Inhalt

Zahlreiche passivhaustaugliche Produkte lassen sich sofort in der Althaussanierung einsetzten. Beim geplanten Fenstertausch kann inzwischen aus 40 zertifizierten Produkten ausgewählt werden. Bei Erneuerung eines Daches sollten 35-40 cm Dämmstoffstärke und thermisch optimierte Träger eigentlich selbstverständlich sein. Bei Generalsanierungen lassen sich auch Wohnraumlüftungsanlagen mit einplanen, die zusätzlich die Schimmel- und Feuchtesanierung unterstützen können. Es gibt bereits einige Beispiele von erfolgreich betriebenen Anlagen aus der Praxis der Althaussanierung.

Beabsichtigte Ziele

  • Beschleunigung der Implementierung und der Verbreitung von Passivhauskomponenten und -systemenin die Praxis der Althaussanierung durch Einbeziehung der Akteure aus derBauwirtschaft mit Hilfe von Workshops, Fachtagungen und Exkursion.
  • Impulse zur Adaptierung von passivhaustauglichen Produkten zur Althaussanierung in Form von strategischen Empfehlungen und Einbeziehung von Akteuren aus der Wirtschaft für die Verwertung der Ergebnisse

Methode der Bearbeitung

"Ausführenden und Planern, die sich auf Althaussanierung spezialisiert haben, soll der Zugang zu Passivhaus-Know-how verschafft werden."

Die reichhaltigen Erfahrungen des abgeschlossenen "Haus der Zukunft" Projektes "Das "Passivhaus in der Praxis" waren der Ausgangspunkt für eine Verbreitungsstrategie zur hochwertigen Althausanierung. Durch Recherchen in einschlägiger Fachliteratur und mit Hilfe von best practise-Beispielen sollte das Thema einer breiten Zielgruppe nahegebracht werden. Dazu wurden ExpertInnen-Workshops, Fachtagungen und Exkursionen geplant und durchgeführt.

Ergebnisse

Mit Hilfe der oben erwähnten, durchgeführten Veranstaltungen wurden mehr als 400 Personen für die Thematik rund um die Althaussanierung mit Passivhauskomponenten, -systemen und -techniken erreicht. Fragestellungen aus der Praxis, welche im Rahmen vorangegangenen Recherchen und in Workshops aufgetreten sind, wurden bearbeitet, Lösungsansätze gesammelt und diese bei Symposium und Fachtagung präsentiert.

Fest steht, dass die hochwertige Althaussanierung mit heutigem Stand der Technik machbar ist. Die Zielsetzung sollte allerdings nicht lauten, jedes Althaus zum Passivhaus zu sanieren, vielmehr ist das Ziel, hohe Qualität in der Sanierung ein- und umzusetzen. Nicht alle Komponenten, Systeme und Techniken aus der Passivhauspraxis sind auf jeden Altbestand anwendbar. Die konsequente Erreichung des Passivhausstandards ist zweitrangig. In erster Linie zählen zukunftsweisender Komfort und Wirtschaftlichkeit als Kriterien für das Qualitätsniveau, das erreicht werden soll. Beispielhaft für die Umsetzung oben genannter Kriterien wurden einige Sanierungsobjekte in den Veranstaltungen dokumentiert.

Es gibt jedoch Probleme im Zusammenhang mit Ausführungsdetails in der Baupraxis, wie zum Beispiel das zuverlässige Erreichen der Luftdichte eines Gebäudes oder die fachgerechte Montage von großen Dämmstärken. Etliche dieser Details wurden bereits aus der Passivhauspraxis heraus entwickelt und für die Sanierung adaptiert, sind aber nur wenig bekannt und sollten daher mittels Schulungsmaßnahmen bei AnwenderInnen verbreitet werden.

Das bereits vorhandene und auch neu erworbene Wissen sollte durch qualitätssichernde Maßnahmen für die Planung und Baupraxis abgesichert werden. Einige dieser bereits dazu vorhandenen Tools wurden gesammelt und im Rahmen der Veranstaltungen vorgestellt. Qualitätssicherung, in Form von Labels präsentiert, stellt auch ein interessantes Marketinginstrument zur Verbreitung der hochwertigen Althaussanierung in der Bevölkerung dar. Qualitätssiegel von Prüfinstituten und Veröffentlichung der ausgezeichneten Produkte könnten ebenfalls die Verbreitung beschleunigen. Derzeit gibt es bereits vom Passivhausinstitut Darmstadt zertifizierte Komponenten. Hierzu wurde in diesem Projekt ein Beitrag in Form einer Liste von Passivhauskomponenten, -systemen und -techniken erstellt. Im Rahmen von ExpertInnen-Workshops wurde Entwicklungs- und Forschungsbedarf in Richtung Adaptierung von Komponenten für die Althaussanierung herausgearbeitet.

Ausblick und Empfehlungen

Daher gilt es mit gezielten Weiterentwicklungen von Komponenten und Techniken aus der Passivhauspraxis für die Althaussanierung sowie konsequenter und breiter Umsetzung von zum Teil bereits entwickelten Marketingstrategien und Schulungsmaßnahmen für PlanerInnen und Professionisten die Entwicklung in Richtung möglichst hochwertiger Althaussanierungen voranzutreiben.

So würde zum Beispiel die Entwicklung geprüfter und zugelassener technischer Standardlösungen und modularer Funktionseinheiten bei Lüftungsanlagen, Fenstereinbau, Dämmfassaden-Montagekits etc, die Planung und Ausführung von Althaussanierungen mit Passivhauskomponenten wesentlich erleichtern.

Wenn die Dynamik, welche das Passivhaus derzeit im Neubau aufweist, auch in der hochwertigen Althaussanierung fortgesetzt werden kann, ergeben sich größte Potentiale im Hinblick auf Reduzierung von Schadstoffemissionen und Komfortgewinn in unseren Wohnungen und Häusern.

Downloads

Altbausanierung mit Passivhauspraxis

Strategien zur Marktaufbereitung für die Implementierung von Passivhauskomponenten in der Althaussanierung
Schriftenreihe 02/2004 K. Guschlbauer-Hronek, G. Grabler-Bauer
Deutsch, 211 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation

Bibliographische Daten

Altbausanierung mit Passivhauspraxis
Mag. Katharina Guschlbauer-Hronek, Gertraud Grabler-Bauer

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 02/2004

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr
Oktober 2003

Projektbeteiligte

Projektleitung:
Gertraud Grabler-Bauer, Mag. Katharina Guschlbauer-Hronek
AEE-Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE - NÖ-Wien

Partner:
Josef Seidl
Energieberater

Arch DI Helmut Krapmeier
Energieinstitut Vorarlberg

Ing. Christof Drexel
Drexel und Weiss Energieeffiziente Haustechniksysteme GmbH

Ing. Thomas Klauser
Arge Baumeisterhaus

Öttl Fritz
pos architekten

DI Johannes Haas
Energie- und Umwelt Unternehmensberatung

DI Johannes Fechner
17&4 Organisationsberatung GmbH

Kontakt

AEE-Arbeitsgemeinschaft ERNEUERBARE ENERGIE - NÖ-Wien
Gertraud Grabler-Bauer, Mag. Katharina Guschlbauer-Hronek
Schönbrunner Straße 253/10, A-1120 Wien
Tel.: +43 (1) 7107523
Fax: +43 (1) 7107523 - 18
E-Mail: buero-noe@aee.or.at

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