Foto: Frontansicht des Bürohauses Tattendorf

10 Jahre "Haus der Zukunft"

10. Dezember 2009
Architekturzentrum Wien, Museumsplatz 1, im MQ
1070 Wien, AT

Rückblick über die letzten 10 Jahre "Haus der Zukunft"

Veranstalter

Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Abteilung für Energie und Umwelttechnologien

Inhaltsbeschreibung

Das Forschungsprogramm "Haus der Zukunft" wurde im Jahr 1999 gestartet. Bisher wurden 6 Ausschreibungen durchgeführt, knapp 300 Forschungsprojekte umgesetzt und über 25 Demonstrationsgebäude realisiert.

Das Programm zählt europaweit zu den erfolgreichsten Forschungsprogrammen zu nachhaltigem Bauen und hat dazu beigetragen, dass Österreich in diesem Bereich die Technologieführerschaft besitzt. Mit dem Nachfolgeprogramm "Haus der Zukunft Plus" wurde ein weiterer Schritt Richtung innovatives und nachhaltiges Bauen gesetzt.

Das Programm "Haus der Zukunft" konnte 2009 sein 10-jähriges Bestehen und seine bedeutende Rolle in der österreichischen Baubranche feiern. Zu diesem Anlass veranstaltete das BMVIT am 10.12.2009 ab 18:00 Uhr im Architekturzentrum Wien eine 10-Jahresfeier "Haus der Zukunft", zu der 130 TeilnehmerInnen kamen.

Dokumentation

DI Michael Paula, Leiter der Abteilung für Energie- und Umwelttechnologien im BMVIT, hieß die Gäste im Architekturzentrum willkommen: "Wir können zehn Jahre zurückblicken und eine positive Bilanz ziehen - aber auch vorausschauen. Wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern wir müssen aktiv weiter gehen. Das Programm ‚Haus der Zukunft Plus', das auf den bisherigen Ergebnissen aufbaut, hat bereits 50 Projekte in Umsetzung, aktuell läuft die 2. Ausschreibung."

Österreich - führend im Passivhausbereich

Generalsekretär DI Herbert Kasser vom BMVIT betonte, dass Österreich europaweit die Themenführerschaft im Passivhausbereich habe. Die "Haus der Zukunft"-Demogebäude, z. B. in der Utendorfgasse oder das Bürogebäude ENERGYbase, waren Vorreiter für weitere Siedlungen und Gebäude im Passivhausstandard und gelten als Benchmark im europaweiten Vergleich. "Haus der Zukunft" habe wesentlich zur Hebung der Baustandards beigetragen. Gerade die Bauwirtschaft gelte als Wirtschaftsmotor vor Ort, könne aber auch auf Erfolge im Export verweisen, z. B. bei Passivhausfenstern oder Lüftungssystemen. Das Programm habe ArchitektInnen, ForscherInnen und Ausführende zu einer Community vernetzt.

Die Welt auf den Kopf stellen

Architekt Thomas Rau aus den Niederlanden rüttelte mit seinem Festvortrag zum Thema "Oneplanetarchitecture" auf. Anhand eigener Projekte zeigte er unkonventionelle Ansätze für Energieeffizienz, beispielsweise eine Drehtür zur Energiegewinnung, mit der Bewegungsenergie in einem Bürogebäude in elektrische Energie umgesetzt wird, oder eine Wasserleitung an der Decke, die gleichzeitig für Kühlung sorgt. "Ein Systemwechsel ist notwendig. Wir müssen die Welt auf den Kopf stellen.", so Rau in seinem unkonventionellen Vortrag.

Podium 1 - Akzeptanz und Qualität

"Bauen darf man nicht allein den Technikern und Architekten überlassen, wir bauen mit und für Menschen!" so Herbert Greisberger von der ÖGUT am 1. Podium. Die NutzerInnen seien unterschiedlich, darum stimmen Berechnungen und der tatsächliche Verbrauch oft nicht überein. Alexander Keul berichtete, dass im sozialen Wohnbau die Entscheidungen für eine Wohnung oft zufällig fallen, das habe sich bei Evaluierungsprojekten gezeigt. Die Akzeptanz der Passivhaus-Bauweise bei den BewohnerInnen sei dennoch meist hoch und das Zufriedenheitspotential groß. Karin Stieldorf von der TU Wien meinte, dass die Zusammenarbeit aller Beteiligten, von der Industrie über PlanerInnen und Ausführende bis zu den BewohnerInnen weitergeführt und verstärkt werden müsse.

Podium 2 - Nachhaltige Gebäude und Architektur

Im zweiten Podium wurde über "Nachhaltige Gebäude und Architektur" diskutiert. Arch. DI Ingrid Domenig berichtete vom Sanierungsprojekt Makartstraße in Linz: "Die positive Erfahrung bei der Sanierung kam für manche BewohnerInnen, die im Vorfeld gegen eine hochwertige Sanierung gewesen waren, im Nachhinein." Der Komfortgewinn habe die BewohnerInnen überzeugt, Kommunikation im Vorfeld sei deshalb besonders wichtig. Heinz Plöderl von PAUAT-Architekten hält einen Wertewandel quer durch alle Institutionen für notwendig; viele Projekte zeigten bereits vor, wie man alte Klischees aufbrechen könne. Michael Zangerl von Rhomberg Bau riet, das Zusammenspiel von Wohnen und Arbeiten möglichst breit zu verstehen. Als Beispiel nannte er das das Projekt Sandgrubenweg. Andere Planungsprozesse seien notwendig, Lebenszykluskosten müssen optimiert werden. Die Erhaltungskosten seien bei modernen Gebäuden meist wesentlich höher als die Errichtungskosten. Theodor Zillner vom BMVIT stellte fest, dass die Menschen zwar 90 % ihrer Zeit in gebauter Umgebung verbringen, es werde aber dennoch sofort nach der Amortisationszeit von Mehrkosten bei der Errichtung - z. B. für Lüftungsanlagen - gefragt. Im Gegensatz dazu sei es beim Autokauf unüblich, nach der Amortisation der Klimaanlage oder elektrischer Fensterheber zu fragen. Podium 2 kam zum Resümee, dass Österreich im internationalen Vergleich im Gebäudebereich an der Spitze ist. Um in die Breite zu kommen, seien klare Gebäudestandards - inklusive höherer Effizienzkritierien auch für die Sanierung - und entsprechende Festlegungen in den Bauordnungen notwendig. Der Gebäudebereich biete die Chance, sofort gegen den Klimawandel und für Energieeffizienz handeln zu können.

Nachhaltige Technologien und Materialen entwickeln sich weiter

Im dritten Podium war der Einsatz nachhaltiger Technologien und Materialien das Thema. "Haus der Zukunft" hat entscheidend dazu beigetragen, Produkte zu entwickeln, die nun in Serie erzeugt werden und sogar Weltmarktführung erreicht haben. Diese Entwicklung soll durch die Einbindung der Austria Wirtschaftsservice in das Programm-Management des Nachfolgeprogramms "Haus der Zukunft Plus" weiter verstärkt werden, so Wilhelm Hantsch-Linhart von der aws. Sonja Geier von der AEE Intec, die sich in Österreich im Bereich Solarthermie engagiert, meinte, der richtige Weg führe von der Betrachtung des Grundmoduls hin zum Gesamtsystem, vom Einsatz einzelner Solarmodule bis zur solaren Heizung. Robert Wimmer von der Gruppe für angepasste Technologien hob die Bedeutung des Einsatzes nachwachsender Rohstoffe hervor. Energie dort zu produzieren, wo sie gebraucht werde, soll in Zukunft mit dem Programm "Haus der Zukunft Plus" forciert werden. Peter Kremnitzer, PORR AG und Koordinator der Austrian Construction Technology Platform (ACTP), betonte dass man mit dem Thema "Energieeffizienz im Gebäude" möglichst viele Menschen erreichen solle. Eine breite Masse könne die Gedanken der VordenkerInnen noch nicht nachverfolgen, es gelte, alle ArchitektInnen, PlanerInnen, UnternehmerInnen und Bauherren zu erreichen.

Im Anschluss wurde beim Buffet rege weiter diskutiert.

Programm

  • 18:00 Begrüßung:
    Generalsekretär Herbert Kasser
    Michael Paula
  • 18:10 Festvortrag "Oneplanetarchitecture"
    Arch. Thomas Rau
  • 1. Podiumsgespräch "Akzeptanz und Qualität"
    Herbert Greisberger, Alexander G. Keul, Karin Stieldorf, Wibke Tritthart
  • 2. Podiumsgespräch "Nachhaltige Gebäude und Architektur"
    Ingrid Domenig, Heinz Plöderl, Michael Zangerl, Theodor Zillner
  • 3. Podiumsgespräch "Nachhaltige Technologien und Materialien"
    Sonja Geier, Willi Hantsch-Linhart, Peter Kremnitzer, Robert Wimmer
  • Buffet

Moderation: Claudia Reiterer, ORF

Downloads

Broschüre: 10 Jahre Programmlinie Haus der Zukunft (1999 - 2009)

Herausgeber: bmvit
Deutsch, 32 Seiten, kostenlos
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Brochure: 10 years of the program "Building of Tomorrow"

Herausgeber: bmvit
Englisch, 32 Seiten, kostenlos
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Kontaktadresse

Claudia Dankl
Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik
Tel.: +43 (1) 3156393-24
E-Mail: claudia.dankl@oegut.at

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