Foto: Frontansicht des sozialen Wohnbaus Mühlweg in Wien

Indikatoren zur Baustoffwahl in der Sanierung

Erarbeitung von Vergaberichtlinien für das internationale Qualitätszeichen natureplus mit speziellem Blick in Richtung Bauprodukte für die Sanierung. Bei den gewählten Produkten handelt es sich um Wärmedämmverbundsysteme, Wand- und Bodenbeschichtungen.

Inhaltsbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Teil A: Motivation, Inhalt, Ziele, Methoden, Daten

Inhalt und Ziel des Projekts war die Erarbeitung von Vergaberichtlinien für das internationale Umweltzeichen natureplus® (gefördert durch 1. Ausschreibung des Haus der Zukunft) mit speziellem Blick in Richtung Bauprodukte für die Sanierung. Als für die Sanierung wichtig wurden folgende Produktgruppen ausgewählt:

  • Wärmedämmverbundsysteme
  • Wand- und Bodenbeschichtungen

natureplus®

natureplus® ist eine Initiative für ein internationales Umweltzeichen für Bauprodukte. Diese Initiative wird von einem Verein getragen, dem alle interessierten Sparten als Mitglieder angehören: Hersteller, Händler, Verbraucher- und Umweltorganisationen, Planer, Berater und Anwender sowie Prüfinstitute. Die Organisation in Sparten verbunden mit einem gewichteten Stimmrecht gewährleistet, dass keine Interessensgruppe - gleichgültig wie zahlreich oder kapitalkräftig sie ist - bei der Vergabe des Zeichens dominiert. Das IBO - Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie ist Gründungsmitglied von natureplus® und im Vorstand und in der Kriterienkommission vertreten.

Die natureplus®-Vergaberichtlinien sind in 3 Hierarchien gegliedert. Die Basiskriterien gelten für alle Produkte, die mit dem natureplus®-Qualitätszeichen ausgezeichnet werden. Darüber hinaus sind die produktgruppen- und produktspezifischen Vergaberichtlinien zu erfüllen. Alle Vergaberichtlinien beinhalten die 3 Grundanforderungen Gesundheitsverträglichkeit, Umweltverträglichkeit und Gebrauchstauglichkeit. Die Vergaberichtlinien werden basierend auf vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Datenmaterial erstellt, der Industrie und einem breiten interessierten Kreis zur Anhörung gebracht und durch den Vorstand verabschiedet.

Wärmedämmverbundsysteme

Der überwiegende Anteil an thermischen Fassadensanierungen wird mit Wärmedämmverbundsystemen basierend auf EPS (Expandiertes Polystyrol) gefolgt von Systemen mit Mineralwolle durchgeführt. Alternativen zum konventionellen Wärmverbundsystem haben einen Marktanteil von unter 1 %. Dabei gab es aber in den letzten Jahren aus ökologischer Sicht vielversprechende Entwicklungen, wie zum Beispiel rein mineralische Wärmedämmverbundsysteme mit Mineralschaumplatten. Natureplus® möchte mit der Erstellung von Vergaberichtlinien den Einsatz alternativer Dämmstoffe fördern.

Wand- und Bodenbeschichtungen

Durch die großflächige Anwendung von konventionellen Wand- und Bodenbeschichtungen kann es in Innenräumen zu hohen Konzentrationen an Schadstoffen wie Flüchtige Kohlenwasserstoffe (VOC) kommen. Als Alternative gibt es die sogenannten Naturfarben, die aus nachwachsenden oder ausreichend vorhandenen Rohstoffen mit geringem Risikopotential hergestellt werden. Aber auch Naturfarben enthalten Substanzen, die gesundheitliche oder ökologischen Probleme verursachen könnten. Auf eine Überprüfung der Materialien und Qualitätssicherung kann daher auch in diesem Bereich nicht verzichtet werden.

Teil B: Ergebnisse und Schlussfolgerung

Zunächst wurden die am Markt befindlichen Produkte einer Beurteilung der Konformität mit den natureplus®-Basiskriterien, des Stands des Wissens und ihrer Marktrelevanz unterworfen. Dabei wurden (zumindest vorerst) für folgende Produkte von der Erstellung von Vergaberichtlinien abgesehen:

  • Expandiertes Polystyrol, Kunstharzdispersionsfarben, Lacke, Lasuren
  • Öle und Wachse basierend auf Erdölprodukten: nicht vereinbar mit der natureplus®-Anforderung "Der Anteil an nachwachsenden und/oder mineralischen Rohstoffe inklusive Wasser muss mind. 85 M-% betragen."
  • Mineralfaserplatten: nicht vereinbar mit der natureplus®-Anforderung "Produkte mit nachfolgenden Einstufungen werden nicht ausgezeichnet: ...Erzeugnisse nach MAK-Liste III1 und III2", "Minimierungsgebot für Belastung von Umwelt und Gesundheit in Bezug auf Energie und Stoffeinsatz" und "Begrenzung der Emissionen in den Innenraum ...von Stäuben und Fasern"
  • Schilfdämmplatten: Es gibt zur Zeit keine zugelassenen Systeme für Wärmedämmverbundsysteme am Markt.
  • Leimfarben: eingeschränkte technische Gebrauchstauglichkeit, keine Marktrelevanz
  • Öle und Wachse aus nachwachsenden Rohstoffen: Es besteht noch Forschungsbedarf Emissionsverhalten während der Nutzungsphase

Als Ergebnis des Projekts liegen nun folgende natureplus®-Vergaberichtlinien vor:

  • RL 0100 Vergaberichtlinie für Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen
  • RL 0101 Vergaberichtlinie für Hanffaserplatten
  • RL 0104 Vergaberichtlinie für Holzfaserdämmplatten
  • RL 0113 Vergaberichtlinie für Korkdämmplatten (in Anhörung)
  • RL 0400 Vergaberichtlinie für Dämmstoffe aus expandierten, geblähten oder geschäumten mineralischen Rohstoffen (in Anhörung)
  • RL 0405 Vergaberichtlinie für Mineralschaumplatten (in Anhörung)
  • RL 0600 Vergaberichtlinien für Wandfarben
  • RL 0601 Vergaberichtlinie für Innenwandfarben auf pflanzlicher Basis
  • RL 0602 Vergaberichtlinie für Innenwandfarben auf mineralischer Basis
  • RL 0605 Vergaberichtlinien für Kaseinfarben
  • RL 0700 Vergaberichtlinien für Oberflächenbeschichtungen aus nachwachsenden Rohstoffen (Lacke, Lasuren, Öle, Wachse)
  • RL 0701 Lacke und Lasuren für Holz

Mit den Vergaberichtlinien sollen in Folge auch möglichst viele Produkte ausgezeichnet werden, sodass den "Sanierern" eine Auswahl von geprüften ökologischen Produkten zur Verfügung steht. Die Kriterien des Umweltzeichens sind sehr umfassend und streng, jedoch nicht "am Markt vorbei", wurden sie doch unter Mitarbeit von Herstellern erstellt. Für die nun anstehenden Produktprüfungen erhofft sich natureplus® einen erneuten Schub in Richtung ökologische Produktoptimierung. Die Vergaberichtlinien oder einzelne Kriterien können aber auch - unabhängig davon, ob eine natureplus®-Prüfung vorliegt oder nicht - z.B. als Teil der technischen Leistungsbeschreibung in Ausschreibungen genutzt werden.
Natureplus® ist ein dynamisches Projekt. Der vorliegende Bericht stellt den Stand der Diskussion zum Zeitpunkt der Erstellung (November 2003) dar. Alle aktuellen Informationen wie Vergaberichtlinien, Prüfmethoden, geprüften Produkte können auf der homepage www.natureplus.org eingesehen und heruntergeladen werden.

Downloads

Indikatoren zur Baustoffwahl in der Sanierung

Vergaberichtlinien für Wärmedämmverbund- und Beschichtungssysteme als Grundlage für die Vergabe des internationalen Umweltzeichens natureplus
Schriftenreihe 04/2004 H. Mötzl
Deutsch, 147 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation

Bibliographische Daten

Indikatoren zur Baustoffwahl in der Sanierung
Mag. Hildegund Mötzl

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 04/2004

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr
November 2003

Projektbeteiligte

Projektleiter:

Mag. Hildegund Mötzl
Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie GmbH (IBO)

Partner:

  • Dipl. Biol. Michael Köhler, Bremer Umweltinstitut
  • Thomas Schmitz-Günther, natureplus
  • Holger Struwe, TÜV Süddeutschland Bau und Betrieb GmbH
  • Dr. Gerd Zwiener, eco-Umweltinstitut GmbH
  • Dr. Michael Fischer, IUG Institut für Umwelt und Gesundheit
  • Felix Meier, WWF Schweiz

Kontakt

Mag. Hildegund Mötzl
Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie
Alserbachstr. 5/8
1090 Wien
Tel.: +43 1 3192005-32
Fax: +43 3192005-50
E-Mail: hmoetzl@ibo.at

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