Foto: Frontansicht des Biohofs Achleitner

heimWERT - Ökologisch-ökonomische Bewertung von Siedlungsformen

Ökologie und Ökonomie des Wohnens. Ein Bewertungssystem zur Einschätzung der Zukunftstauglichkeit von Wohngebäuden und Siedlungsstrukturen.

Inhaltsbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Im Zentrum des Vorhabens stand eine Bewertung der "Ökonomie und Ökologie des Wohnens" in unterschiedlichen Typen von Wohngebäuden. Die Vergleichbarkeit der makro- und mikroökonomischen Kosten sowie der ökologischen Effizienz von Wohngebäuden (v.a. des Einfamilienhauses) war Ziel dieser Gesamtbewertung, die auf bereits vorliegenden "Total Quality"-Bewertungsmethoden aufbaut. Das aus den Bewertungsergebnissen resultierende ökonomisch / ökologische Argumentarium soll die Entwicklung des Wohnbausektors nach den Leitprinzipien des "Haus der Zukunft" -Programms fördern und unterstützen.

Ausgangslage und Ziele des Projektes

Gebäude sind ein wesentlicher Bestandteil jener Infrastruktur, welche die Gesellschaft zum Wohnen und Arbeiten benötigt. Der gesamte Materialinput in das Bauwesen beträgt mehr als 40% des Gesamtmaterialinputs in die österreichische Wirtschaft, 77% davon gehen in den Hochbau. Steigender Versiegelungsgrad und hoher Energieaufwand für Errichtung und Benutzung der Wohngebäude belegen die ökologische "Ineffizienz" der laufenden Entwicklung. Wesentliche Rahmenbedingungen allerdings werden durch siedlungspolitische Festlegungen (z.B. Raumordung) und förderpolitische Anreizsysteme (z.B. Wohnbauförderung, Infrastrukturfinanzierung) vorgegeben.

Ziel dieser Grundlagenstudie war die Ausarbeitung von ökonomisch-ökologischen Argumentationslinien für "zukunftstaugliche" Gebäudetypen und Siedlungsstrukturen. Die Argumente werden aus den Ergebnissen einer Gebäudebewertung abgeleitet, die auch makroökonomische Kostenargumente mitberücksichtigt. Als Bewertungsgrundlage wird eine umfassende Gebäudetypologie entwickelt, unter Einbeziehung der wesentlichen Motive der Gebäudenutzer.

Methodische Grundsätze

Ausgangsbasis war eine Gebäudetypologie nach Bauweise, Produktionstechnik, Lagekriterien und Nutzungsbreite. Als Kriterien zur Beurteilung der ökonomischen Tragfähigkeit gegenwärtiger und zukünftiger Bauformen wurden sowohl subjektive / haushaltsbezogene Kostenargumente als auch gesamtwirtschaftliche Argumente (unter Berücksichtigung öffentlicher Infrastrukturaufwendungen sowie zusätzlicher externer Kosten) entwickelt.
Die ökologischen Beurteilungskriterien bauen auf den zur Programmlinie "Haus der Zukunft" formulierten Prinzipien der Ressourcenoptimierung (energie- und stoffbezogene Effizienz), Flexibilität und Adaptionsfähigkeit von Gebäude- und Siedlungsstrukturen bei einer lebenszyklusbezogenen Betrachtungsweise auf.

Ergebnis

Das Öko-Haus am Waldesrand, ganz nahe der Natur: Wer wünscht sich das nicht? Ist diese Siedlungsform tatsächlich ökonomisch und ökologisch verträglich? Oder hat sie höhere Folgekosten für die Allgemeinheit als eine Wohnung alten Typs im dichten Stadtumfeld?
Das Projekt heimWERT geht der Frage nach der ökologischen Verträglichkeit und der ökonomischen Effizienz einzelner Siedlungstypen auf den Grund. Im Gegensatz zu anderen Forschungsvorhaben, in denen die ökologische Qualität einzelner Gebäudetypen (Umweltverträglichkeit von Baumaterialien, u.a.) im Zentrum des Interesses steht, legt heimWERT den Fokus auf den Vergleich unterschiedlicher Siedlungsformen. Zentrale Bewertungskriterien sind Flächenverbrauch, Versiegelung, Energieeffizienz und Infrastruktur-Kosten.

Als wesentliches Ergebnis dieser Grundlagenstudie liegt ein kompaktes ARGUMENTARIUM für eine ökonomisch-ökologische Optimierung der Siedlungsstruktur in Österreich vor. In zwei Workshops konnte das Projektteam sowohl mit Akteuren benachbarter Forschungsfelder (Architektur, Soziologie, etc.) als auch mit Vertretern aus Wohnungswirtschaft, Landesverwaltung und Kommunalpolitik einen intensiven Austausch über die Projektergebnisse durchführen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden direkt in die zielgruppenspezifischen Handlungs-empfehlungen eingebunden.

Zusammenfassung des Argumentariums

  • Siedlungssysteme sind als mehrdimensionales Gesamt-Angebot zu entwickeln, das neue Gebäudetypen, spezielle Umfeldqualitäten (Freiflächen, Verkehrslösungen) und Innovationen im Technologiesektor (z.B. Nahwärmeversorgung) beinhaltet.
  • Die Qualität des Wohnens, die Bauherren mit dem "Einfamilienhaus im Grünen" verbindet, sind bei der Entwicklung neuer Siedlungssysteme zu berücksichtigen.
  • Für innovative Siedlungstypen sind Marketingkonzepte auszuarbeiten und umzusetzen, vergleichbar mit der Grundidee eines Fertighausparks: Die Vorteile müssen für Konsumenten sichtbar und erlebbar werden.
  • Für eine ökologisch und ökonomisch optimierte Siedlungsplanung bedarf es neuer Methoden für die Vorbereitung und Durchführung des Planungsprozesses.
  • Die größten Potenziale zur Kostenminimierung und Ressourcenschonung liegen in einer effizienten Nutzung bestehender Siedlungssysteme und Infrastrukturen.
  • Eine zentrale Lenkungsmaßnahme besteht in einer Neuausrichtung der Infrastruktur-Gebühren und Erschließungsbeiträge nach den tatsächlich anfallenden Aufwendungen.
  • Das Siedlungswesen ist als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu sehen. Der Vermittlung von Informationen und Wissen über ökologische Zusammenhänge und ökonomische Effizienz kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu.
  • Eine zwischen Bund und Ländern abgestimmte Strategie für eine nachhaltige Siedlungspolitik ist einzufordern, damit die Gemeinden als zentrale Umsetzungsebene in ihren Entscheidungen nicht "im Stich gelassen werden".

Downloads

Heimwert, ökologisch-ökonomische Bewertung von Siedlungsformen

Schriftenreihe 25/2002 G. Tappeiner
Deutsch, 179 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation

Bibliographische Daten

Heimwert
Ökologisch-ökonomische Bewertung von Siedlungsformen

Endbericht

Auftragnehmer:
DI Georg Tappeiner
Österreichisches Ökologie-Institut

Autoren:
DI Georg Tappeiner, DI Manfred Koblmüller, Georg Stafler, DI Karin Walch

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 25/2002

Wien, Juli 2002
194 Seiten

Projektbeteiligte

Projektleiter: DI Georg Tappeiner
Österreichisches Ökologie-Institut
Kooperationspartner: Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFF/IFZ), Graz

Kontakt

DI Georg Tappeiner
Österreichisches Ökologie-Institut
Seidengasse 13
A 1070 Wien
Tel.:+43 1 523 61 05-44
Fax: +43 1 523 58 43
E-Mail: tappeiner@ecology.at

This content in English

Diese Seite teilen ...

zum Anfang