Bild: Frontansicht des Kompetenzzentrums ENERGYbase

Generalsanierung eines EFH auf Niedrigenergiehausstandard, Kufstein

Dieses Projekt zeigt, wie ein Einfamilienhaus aus dem Jahre 1955 durch konsequente Wärmeschutzmaßnahmen und die Integration einer Be- und Entlüftunganlage mit Wärmerückgewinnung zum "Komfortwohnhaus" wurde.

Kurzbeschreibung

Das Einfamilienhaus wurde ungefähr ein Jahr vor den Umbaumaßnahmen von den Bauherrn erworben. Eine umfassende Sanierung war aufgrund des Bauzustandes und der Raumeinteilung unumgänglich, da der thermische Komfort im unsanierten Zustand extrem schlecht war.

Der konsultierte Architekt war selbst ohne NEH-Erfahrung und musste erst von den Maßnahmen, die das technische Büro DI Greml vorgab (Dämmung 16 cm Wand bzw. 30 cm Dach) und der kontrollierten Wohnraumlüftung überzeugt werden.

Teilweise war es relativ schwierig, die für Niedrigenergiebauweise erforderliche hohe Luftdichtheit und Wärmebrückenfreiheit zu erreichen. Durch Konsultierung von Spezialisten wurden aber auch diese wichtigen Detailfragen gelöst. Bei der Ausführung mussten dann schließlich auch die Professionisten betreut werden, damit die vorgegebenen Baudetails auch eingehalten werden konnten.

Das Ergebnis der Sanierung gibt den Bauherrn aber Recht. Die massiven Energieeinsparungen, der sehr gute thermische Komfort und die Gewissheit, bauphysikalisch keine Risiken eingegangen zu sein, sorgen bei den Nutzern für vollste Zufriedenheit. Durch die Installation einer Wohnraumlüftungsanlage kann nun der hygienische und thermische Komfort erst richtig genutzt werden, da die Fenster geschlossen bleiben können.

Eine Solarkombianlage und eine Regenwassernutzungsanlage vervollständigen das ökologische Konzept der Sanierung. Für 2004 ist der Austausch des Öl-Heizkessels gegen eine moderne Pelletsheizung geplant.

Das Haus wurde 2003 nach den EQ-Kriterien von ENERGIE TIROL zertifiziert.

Erfahrungen des 1. Betriebsjahres:

Winter: (strenger Winter 2002/2003)

Trotz altem Heizkessel mit über 320°C Abgastemperatur und damit sehr ungünstigem Wirkungs- und Nutzungsgrad sank der Verbrauch von ursprünglich mehr als 3000 l Heizöl (inkl. Warmwasser) auf 800 l, und dies bei deutlich verbessertem thermischen Komfort. Die durchschnittliche Raumtemperatur stieg von früheren 19° C auf 22°C.

Sommer:

Im Rekordsommer 2003 zeigte sich, dass trotz des Verzichtes auf Außenrolläden, der Dachvorsprung zur Sonnenabschattung der Südfenster ausreichte, um ein gutes Raumklima zu erzielen. Der Beitrag der Frischluftkühlung über den Erdwärmetauscher ist beim Gesamtkonzept eher von untergeordneter Bedeutung, ermöglicht aber, die Fenster in Hitzeperioden geschlossen halten zu können. Die Zulufttemperatur lag normalerweise unter 20°C. Erst am Ende der Hitzeperiode hatte sich das Erdreich soweit erwärmt dass die Zuluft 22°C erreichte (Außentemperatur 35°C).

Bauphysikalische Daten/ U-Werte:

  • Außenwand: 0,20 W/(m².K)
  • Dachschräge: 0,13 W/(m².K)
  • Kellerdecke: 0,31 W/(m².K)
  • Fenster mit Randverbund: 0,90 W/(m².K)
  • Verglasung: 0,70 W/(m².K)

Lüftungskonzept:

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (Gegenstromwärmetauscher 85% WRG und EWT)

Spezifische Heizlast: 25 W/m²
Spezifischer Heizwärmebedarf: 34 kWh/(m² a)

Fassadendämmung:

16 cm Mineralwolledämmung auf altem Ziegelmauerwerk, Putzoberfläche

Dachdämmung:

Gesamtstärke 30 cm. Kombination aus 16 cm diffusionsoffener Aufsparrendämmung aus PUR und 14 cm Zwischensparrendämmung aus Mineralwolle

Dämmung der Kellerdecke

Auf der Wohnraumseite: 10 cm Mineralwolle und Holzkonstruktion mit Parkettauflage

Fenster:

Über 50% Fixverglasungen mit U-Wert der Verglasung von 0,7 W/m²K und gedämmten Holz-Alurahmen, wärmebrückenarm in der Dämmebene eingebaut (vor der Ziegelwand mittels speziellem Blindstock)

Solaranlage:

12 m² hochselektiver Kollektor auf dem Süddach (ca. 35°Neigung)

Pufferspeicher mit 800 Liter und integriertem Edelstahl-Wärmetauscher für das Trinkwasser. Die Ladung ist je nach Temperaturniveau auf zwei Ebenen möglich.

Regenwassernutzungsanlage:

8m³ Regenwasserzisterne aus Beton für Garten und Toiletten.

Heizung:

Geplant Pelletheizung (2004) mit automatischer Raumaustragung. Derzeit ist noch die alte Ölheizung (25 Jahre in Betrieb), da der Öltank von 1.500 Liter aufgrund des geringen Verbrauches noch für ein weiteres Jahr ausreicht. Dadurch ist aber eine gute Vergleichsmöglichkeit der Energieeinsparung gegeben.

Wärmeabgabe:

Radiatoren mit max. 45°C Vorlauftemperaur, Fußbodenheizung im Bad

Projektbeteiligte

Bauherrn:

Anna und Wolfgang Kreuzer
6330 Kufstein, Bruneckerstraße 9

Baudetails, Bauphysik und Haustechnikkonzept:

TB DI Andreas Greml

 

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