Foto: Frontansicht des Biohofs Achleitner

Erprobung von Passivhausstandards am Beispiel des Weizer - Energie - Innovations - Zentrums

Der vorliegenden Bericht über das erste mitteleuropäische Büro - Passivhaus, das Weizer Energie - Innovations - Zentrum (W.E.I.Z), soll die Erfahrungen aus Planung, Errichtung und Betrieb für die Optimierung zukünftiger Projekte sammeln und darstellen werden.

Inhaltsbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Das Weizer Energie- Innovations- Zentrum war zum Zeitpunkt seiner Errichtung und Eröffnung im Jahr 1999 der erste Versuch in Mitteleuropa, ein Bürohaus mit sehr unterschiedlichen und wechselnden eingemieteten Unternehmen als Passivhaus zu bauen und zu betreiben. Der vorliegende Bericht fasst die Erfahrungen aus der Konzepterstellung, Planung, Errichtung und aus den ersten Betriebsjahren zusammen. Daraus werden Empfehlungen für zukünftig vergleichbare Projekte formuliert. Eine erste Umsetzung dieser Empfehlungen wird im Jahr 2005 im Rahmen der zweiten Ausbaustufe des Innovationszentrums erfolgen.

Das W.E.I.Z. liegt in der Bezirkshauptstadt Weiz in der Oststeiermark und bietet derzeit auf ca. 2000 m2 Nutzfläche ca. 70 Arbeitsplätze in Ingenieur- und Forschungsbüros, sowie Beratungsunternehmen. Die meisten sind im Umfeld innovativer Energietechniken tätig. Es ist ein Massivholzbau (das damals höchste derartige Gebäude in Österreich) mit vorgefertigten Holzelementen in der Außenwand und zusätzlichen Speichermassen aus Beton. Die Erschließung der U - förmig angeordneten Büros erfolgt über ein nordseitig gelegenes Atrium. Die Beheizung erfolgt über eine kontrollierte zentrale Be- und Entlüftung mit Zuluftöffnungen in allen Büros und Abluftführung über Überströmgitter in das Atrium, in dem die Abluft gesammelt wird. Die Wärmeversorgung übernimmt die Biomasse Fernwärme der VATECH Elin.

Wichtige ergänzende Elemente im Energiekonzept sind ein Erdreichwärmetauscher zur Vorwärmung oder - kühlung der Außenluft und Vorrichtungen zur passiven Nachtkühlung über gekippte Fenster, Luftklappen zum Atrium, sowie Entlüftungsklappen am Dach des Atriums. Außerdem ist jedes Büro mit der Möglichkeit der elektrischen Nachheizung der Zuluft gemäß individuellen Temperaturanforderungen ausgestattet. Aufgabe einer zentralen Steuerung ist es allerdings, den Einsatz dieser Nachheizung zu minimieren.

Als Planungsgrundlage wurde eine TRNSYS Simulation durchgeführt, die einen jährlichen Wärmebedarf von ca. 24.000 kWh ergab und maximale Temperaturen in den Büros von ca. 27 oC. Diese Werte konnten im Betrieb nicht erreicht werden. Der mittlere Wärmebedarf liegt bei ca. 45.000 kWh/Jahr und in einigen Büros wurden in Hitzeperioden Temperaturen über 30 oC erreicht. Im vorliegenden Bericht werden die Versuche beschrieben, das Verhalten des Gebäudes und der Mieter zu analysieren, Ursachen für die Abweichungen zu identifizieren und Maßnahmen zur Optimierung der Funktion umzusetzen.

Wärmebrücken und Undichtheiten in der Gebäudehülle konnten mittels Thermographie und Blower Door identifiziert und durch die ausführenden Firmen behoben werden. Die Lüftungsanlage erwies sich in ihrer Komplexität (Erdregister / Zentralgerät / Zu- und Abluftstränge / Einzelraum- und Zentralsteuerung / passive Entlüftung / Nutzungsverhalten) als nur in Einzelelementen nachträglich verbesserbar. Das Hauptziel der Verbesserungen, die Zufriedenheit der Mieter zu steigern, konnte mit einer Vielzahl von Maßnahmen erreicht werden. Eine Senkung des Wärmebedarfs ist nicht gelungen, obwohl der Stromverbrauch des Gebäudes mit etwa 200.000 kWh/Jahr ein Mehrfaches des Wärmebedarfs ausmacht.

Aus den Erkenntnissen der Projektarbeit, sowie dem Vergleich derselben mit Erfahrungen in vergleichbaren Objekten, können die folgenden Empfehlungen für die Anwendung des Passivhaus - Konzeptes auf Bürogebäude formuliert werden:

  • Beheizung und Kühlung über eine kontrollierte Be- und Entlüftung ist nur sinnvoll, wenn eine relativ einheitliche Nutzung der Büros gewährleistet ist. Für die derzeitige Struktur der Mieter würde das W.E.I.Z. nicht mehr als Passivhaus gestaltet werden.
  • Alle bau- und haustechnischen Kriterien müssen übererfüllt werden. Die Planung muss sich dabei vorrangig auf die Hitzeperioden im Sommer konzentrieren.
  • Die Ausführung muss durch Unternehmen erfolgen, die nicht nur Erfahrung mit Passivhäusern haben, sondern auch zu einer laufenden Abstimmung aller Beteiligten zur Qualitätssicherung bereit sind.

Downloads

Erprobung von Passivhausstandards am Beispiel des Weizer - Energie - Innovations - Zentrums

Schriftenreihe 01/2005 J. Haas, F. Kern, G. Derler, A. Thür
Deutsch, 108 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation

Bibliographische Daten

Authoren:

DI Johannes Haas, DI Franz Kern, Gottfried Derler, DI Alexander Thür

Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie und des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung

Wien, Dezember 2004, 108 Seiten

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