Foto: Fenster des Freihofs Sulz

EKZ-Energiekompetenzzentrum Großschönau

Errichtung eines Passivhausdorfes zum Probewohnen im Rahmen einer innovativen Siedlungsentwicklung. Bau eines großvolumigen Passivhauses für Beratung, Ausbildung, Ausstellung, Forschung und Verbreitung von Technologie und Know-how im Bereich energieeffizienten und nachhaltigen Bauens.

Inhaltsbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Motivation

Inspiriert vom Club of Rome, der in seinem Bericht auf die Endlichkeit der Ressourcen verwies, beschäftigen sich die Initiatoren dieses Projektes schon seit 1980 mit Problemen des Energiesparens und der Nachhaltigkeit. Bereits 1982 wurde in der VS Großschönau eine damals revolutionäre Hackschnitzelheizung eingebaut. Aufbauend auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit und des sorgsamen Umgangs mit der Umwelt wurde 1992 der Verein "Umweltinitiativen NÖ" in Großschönau gegründet.

Dieser Verein entwickelte Ideen für dezentrale Lösungen der Abwasserreinigung im ländlichen Raum. Daraus entwickelten sich die "Wasserwerkstatt" und die Mitarbeit am NÖ Leitfaden "Abwasserreinigung im ländlichen Raum". 1986 gründeten die gleichen Initiatoren die erste österreichische Umweltmesse, die BIOEM. Diese findet 2004 zum 19. Mal statt und ist mit bis zu 35.000 Besuchern jährlich die größte Messe Niederösterreichs nördlich der Donau. Jedes Jahr verleiht ein Schwerpunktthema der Messe ihr Erscheinungsbild. 2004 steht unter dem Motto "Gesundes und harmonisches Bauen - Wohnen - Leben". Bei der Beschäftigung mit Energiesparen und der Verwendung erneuerbarer Energien ist es naheliegend, Energiesparende Maßnahmen schon beim Hausbau zu berücksichtigen. Die Weiterentwicklung dieses Gedankens führte zum Niedrigenergiehaus. Daraus entwickelte sich das Passivhaus und in sehr naher Zukunft wird es das Energieplus Haus in breitem Ausmaß geben.

Dieses Haus wird mehr Energie erzeugen als es verbraucht. Großschönau ist bestrebt, diese Idee des energieeffizienten und nachhaltigen Bauens aufzugreifen und zu verbreiten. Aus der im Auftrag des FVV im Jahre 2001 erstellten Leitbildstudie die auf der BIOEM und einer Reihe anderer umweltrelevanter Aktivitäten (Wasserwerkstatt,...) aufbaut, entspringen die Projektideen eines Passivhaus-Netzwerkes und eines Kompetenzzentrums für ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen und Sanieren. Bereits im Mai 2002 wurde im Rahmen des von der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie durchgeführten Strategieworkshops "Das Passivhaus in der Praxis" unter dem Arbeitstitel "Energiepark Großschönau" die Schaffung eines Kompetenzzentrums mit fachlicher und touristischer Ausrichtung präsentiert. Die Zielformulierung für dieses Projekt umfasste die rasche und effiziente Verbreitung von ressourcenschonendem Bauen und Sanieren, konkrete Demonstration, integrierte Planung, virtuelle Demonstration, gewerkeübergreifende Weiterbildung und die Unterstützung von Firmenkooperationen. Diese Überlegungen waren die Grundlagen für das vorliegende Gesamtprojekt. Durch die Ausrichtung von Fachsymposien, Fachkongressen, Seminaren, Kursen und die nachhaltige Ortsentwicklung hat sich Großschönau in den Bereichen Umweltschutz und energieeffizientes und nachhaltiges Bauen und Sanieren bereits einen kompetenten Namen gemacht. Die Meinungsbildung zugunsten des Passivhauses ist jedoch ein äußerst mühevoller und langwieriger Prozess, da die Vorstellung eines Hauses ohne herkömmliches Heizsystem nicht so einfach angenommen wird. Unwissenheit über die konkreten Kosten, Einsparungspotentiale und Umsetzungsmöglichkeiten eines Passivhauses hält noch viele potentielle Interessenten davon ab, sich intensiver mit dieser Thematik zu befassen. Ein Quantensprung bei der Verbreitung energieeffizienter und nachhaltiger Bauformen stellt die Errichtung des Musterhausdorfes dar. Hier können Interessierte in den Passivhäusern für einige Tage probewohnen und sich umfassend mit allen Sinnen informieren. Im Waldviertel besteht traditionell eine den regionalen Markt weit übersteigende Dichte an Klein- und Mittelbetrieben des Bau- und Baunebengewerbes, der Fertighausbranche, der Haustechnik-, Energieund Bauplanungsdienstleistungen. Diese Dichte zwingt zur Einhaltung hohen Qualitätsstandards, zum Aufgreifen von Produkt- und Verfahrensinnovationen. Damit scheint das Waldviertel prädestiniert, sich als Passivhaus-Kompetenzzentrum zu etablieren. Dies wäre ein Know-how Vorsprung gegenüber anderen Regionen.

Durch die Neue Niederösterreichische Wohnbauförderung kommt es zu einer Umgestaltung der Förderlandschaft. Davon werden kräftige positive Impulse für den Passivhausmarkt in Niederösterreich ausgehen. Der FVV Großschönau sieht die Summe dieser Tatsachen als genügenden Standortvorteil und Entwicklungspotential, um daraus für den Ort und die Region eine bodenständige und letztendlich wirtschaftlich erfolgreiche Weiterentwicklung betreiben zu können.

Inhalt

Das Projekt "Sonnenplatz - Zentrum für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen" versucht die Idee des ökologisierten Passivhauses in lenkungsfähig wichtigen Ebenen zusammenzuziehen und in einem dynamischen Prozess in der Region als Kompetenzzentrum für energetische und ökologische Themenstellungen zu verankern.

Das Gesamtprojekt setzt sich aus einer Passivhaussiedlung (Ein- und Mehrfamilienhäuser) kombiniert mit Probewohnen und dem Bau eines großvolumigen Passivhauses als Energiekompetenzzentrum (Schulungen, Ausstellungen, Technologie- und Forschungseinrichtung, Datenbanken und Simulationsprogrammen usw.) zusammen. Die dafür notwendigen Strukturentwicklungen und Gebäude können nicht in eine bestehende Struktur implantiert werden, sondern sind Teil des örtlichen Dorfentwicklungsprozesses.

Die Grundlagen dafür bildet ein innovatives Siedlungsentwicklungskonzept, welches neben der ökologischen Orientierung die tragfähige Basis eines Passivhausdorfes mit zusätzlichen multifunktionalen Einrichtungen (Wohnen, Arbeiten, Tourismus, Weiterbildung, usw.) liefern soll. In Großschönau werden dazu in den nächsten Jahren ca. 20 Passivhäuser in unterschiedlichsten Ausführungen (Holz- Misch- und Massivbauweise), Maßstäben und Nutzungen gebaut. Nach der Errichtung stehen die jeweiligen Häuser einige Jahre zum Probewohnen zur Verfügung und gehen dann kontinuierlich in Eigentum über. Gleichzeitig entstehen in der Nachbarschaft immer wieder neue Häuser zum Probewohnen. Dadurch können einerseits immer Häuser auf dem neuesten Stand der Technik zum Probewohnen bereitgestellt werden, andererseits entsteht dadurch ein lebendiger, wachsender Ortsteil mit Häusern in unterschiedlichen Realisierungsphasen. Parallel dazu wird ein großvolumiges Passivhaus mit etwa 3000m² Nutzfläche als Energiekompetenzzentrum errichtet. Es soll neben Beratungen, Schulungen, Ausbildungsseminaren, Ausstellungen und Firmenpräsentationen im Zusammenhang mit dem Probewohnen auch Forschung beherbergen und vor allem zur Verbreitung von Technologie und Know-how im Bereich energieeffizienten und nachhaltigen Bauens dienen. Von Anfang an wird das Probewohnen ausgewertet und die Ergebnisse kontinuierlich mit anderen Projekten verglichen und rückgekoppelt. Die Daten sollen zum Aufbau einer kundenorientierten Datenbank führen und als Basis für Simulationsprogramme dienen, die für energieeffizientes und ökologisches Bauen und Sanieren als Anwendungswerkzeug notwendig sind. In die Datenbank sollen auch die erzielten Forschungsergebnisse einfließen und zur Stärkung der Kompetenz führen.

Ziele

Ziel ist es, in erster Linie einen "lebenden" Ortsteil zu schaffen und nicht eine Siedlung, die zur Schaustellung von Musterhäusern dient. Weiters wird eine offene Netzwerkstruktur zur Integration aller Anbieter relevanter Planungs- Beratungs- und Baudienstleistungen, die den Qualitätsstandard der Passivhaustechnologie einhalten können, geschaffen. Durch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen in der Passivhaustechnologie innerhalb des Netzwerkes ergibt sich eine Verbesserung des Marktauftritts der Anbieter und eine Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit der Waldviertler Kleinbetriebe im Bau- und Baunebengewerbe und somit wiederum eine Erhaltung bzw. Schaffung von Arbeitsplätzen. Wir wollen einen Beitrag zur rascheren Verbreitung des nachhaltigen und ressourcenschonenden (d.h. baustoff-, energie-, raum- und verkehrsreduziert) Bauens und Sanierens leisten.

Das Ziel ist es, Unternehmen in Richtung innovativer Baukonzepte Perspektiven zu eröffnen bzw. einen Wettbewerbs-vorsprung zu verschaffen. Um eine hohe Marktdiffusion zu erreichen, wird parallel dazu privaten Personen ein Leben rund um das Passivhaus hautnah erlebbar gemacht. Unsicherheiten gegenüber der Thematik werden durch die Betreuung durch Fachpersonal des Sonnenplatzes und die Unternehmerpräsenz unterschiedlicher Fachbereiche an Ort und Stelle wesentlich verringert. Mit dem Projekt wollen wir zur Entstehung ähnlicher regionaler KMU-Netzwerke in anderen Regionen ermutigen, und das Konzept im Bereich Stadtentwicklung und Stadterneuerung als Studie - Abwägungsinstrumente und Handlungsanleitung veröffentlichen. Durch die damit einhergehende Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft wird Großschönau zu einem attraktiven Standort. Diese Attraktivität wird durch die Möglichkeit, dass Privatpersonen die Probewohnhäuser, in späterer Folge, erwerben können, noch erhöht. Verbessert wird die Lebensqualität in Großschönau auch durch weitere angedachte Projekte wie den Naturbadeteich und das Energieerlebniscamp. In einem derartig hochwertigen Lebensraum sind die im Energiekompetenzzentrum entstehenden Arbeitsplätze sehr attraktiv. Durch Probewohnen, Baustellenbesichtigungen und Passivhaustourismus, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, Energieerlebniscamp, Wissenstransfer und Gründerzentrum wird es zu einer nachhaltigen Belebung des Fremdenverkehrs kommen.

Methode der Bearbeitung

Die Verbreitung der Ideen des energieeffizienten und nachhaltigen Bauens auf privater, politischer und wirtschaftlicher Ebene wollen wir mit folgenden Maßnahmen erreichen:

  • Umsetzung eines innovativen und ökologisch orientierten Siedlungsentwicklungs- konzeptes für den ländlichen Raum
  • Errichtung eines Musterhausparks in Passivhausqualität mit Probewohnfunktion
  • Errichtung eines multifunktionalen, großvolumigen Passivhauses als Energietechnologiezentrum
  • Spezialisierung der BIOEM zu einer Fachmesse für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen
  • Aus- und Weiterbildungsangebote für das Bau- und Baunebengewerbe
  • Beratung und Informationsdienstleistungen
  • Forschungs- und Entwicklungsarbeiten
  • Energieerlebniswelt
  • Gründerzentrum für Unternehmen im Bereich energieeffizienten und nachhaltigen Bauens

Der Sonnenplatz Großschönau soll zu einer Drehscheibe des Informationsflusses und Initiator für eine ständige Verbesserung des Passivhausstandards werden.

Vorläufige Ergebnisse und Schlussfolgerungen

  1. Änderung des Bewusstseins im Bereich energieeffizienten und nachhaltigen Bauens
  2. Interesse in- und ausländischer Gemeinde- und Umweltpolitiker
  3. Schaffung der Grundlagen für eine Datenbank
  4. Bau des ersten privaten Wohnhauses in Passivhausqualität in der Gemeinde Großschönau
  5. Zusammenarbeit mit dem AMS NÖ bei der Gründung eines Qualifizierungsverbundes
  6. Schulungsprogramm
  7. Abschluss des Siedlungsentwicklungskonzeptes
  8. EKZ Grundlagenstudie
  9. Sicherung der Baugründe und Einleitung der Umwidmungsverfahren
  10. Gründung des Vereins "Sonnenplatz Großschönau"
  11. Gründung der "Sonnenplatz Großschönau GmbH"
  12. Wirtschaftlichkeitsstudie Probewohnen
  13. Projektpräsentation für Passivhaushersteller und Komponentenhersteller
  • Terminisierung der Aktivitäten für das Jahr 2004
  • Passivhaus Exkursion
  • BIOEM Beteiligung
  • Fachkongress
  • Gesamtprojektpräsentation für die Bevölkerung von Großschönau

Downloads

Sonnenplatz Großschönau Zentrum für energieeffizientes und nachhaltiges Bauen

Schriftenreihe 21/2004 H. Wurzer
Deutsch, 214 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter: DI Harald Wurzer
FVV
Partner:
  • Mag. Arch. Dr. Helmut Poppe
    Poppe*Prehal Architekten
  • EBÖK
    Ingenieurbüro für Energieberatung, Haustechnik und ökologische Konzepte

Kontakt

Josef Bruckner
Kreuzberg 97
3922 Großschönau
Tel: 02815/7007, Fax: DW 40
E-Mail: office@young.at

This content in English

Diese Seite teilen ...

zum Anfang