Foto: Frontansicht des Gemeindezentrums Ludesch

Contracting als Instrument für das Althaus der Zukunft

Weiterentwicklung von Contracting-Modellen für umfassende Sanierungs(dienstleistungs) pakete.

Inhaltsbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Teil A:

Motivation:

Gegenstand des Projektes war die Weiterentwicklung von Contracting-Modellen für umfassende Sanierungspakete im Sinne der Ziele des Programms "Haus der Zukunft", d.h. im Sinne von energetisch und ökologisch optimierten und sozial verträglichen Sanierungs(dienst)-leistungen. Damit kann die breitere Umsetzbarkeit von energetisch-ökologisch optimierten Sanierungen ermöglicht werden. Insbesondere im Bereich der öffentlichen Gebäude kann Contracting aufgrund der vorherrschenden Finanzierungsengpässe als "Türöffner" für weitergehende, innovativere Maßnahmen fungieren. Durch die Verknüpfung von Gebäudesanierungen mit Contracting-Modellen und die bestmögliche Nutzung des Sanierungszeitpunkts sind für die Nutzer insgesamt kostengünstigere Sanierungen mit höherer Qualität zu erwarten. Die Weiterentwicklung des Instruments "Contracting" trägt zur Marktdiffusion innovativer Technologien bei.

Inhalt und Ziele:

Im Vordergrund standen die Analyse von bisher angewendeten Firmen Kooperationsmodellen bei Contracting-Projekten, die Analyse bisheriger, umfassender Contracting-Projekte aus dem internationalen Raum, eine Analyse von Alternativen und Hemmnissen zu den bisher verwendeten Contracting-Modellen sowie die gezielte Befragung von Experten zum Themenbereich Contracting und umfassende Sanierungen. Darüber hinaus wurden neue Contracting Modelle entwickelt, im Rahmen eines Workshops mit Branchenvertretern diskutiert und auf ihre Praxistauglichkeit hin untersucht. Im Anschluss an den durchgeführten Workshop (1. Juli 2003) wurden die ersten Entwürfe von neuen Contracting-Modellen überarbeitet und verfeinert. Als Resultat stehen nun drei unterschiedliche Contracting-Umsetzungsmodelle zur Verfügung, die bei der Informationsveranstaltung am 10. Dezember 2003 einem breiten Publikum präsentiert wurden.

Die Ziele, die durch dieses Projekt beabsichtigt und erreicht wurden:

  • Drei Varianten für erweiterte, praxistaugliche Contracting-Modelle. Es wurden geeignete Organisations- und Kooperationsformen untersucht (z.B. ARGE-Bildungen, Bauunternehmen als Contractoren, Leasing-Projekte) sowie die vertraglichen Aspekte behandelt.
  • Austausch von Informationen und Erfahrungen zwischen den zwei Communities" - den "technischen Innovatoren" im "Haus der Zukunft" und den "wirtschaftlichen Optimierern" der Contractoren.
  • Erhöhung der Bekanntheit von umfassenden Contracting-Dienstleistungen und erste Ansätze für die Bereitschaft bei Contractoren, der Bauwirtschaft sowie bei Architekten, Planern und Leasingunternehmen, solche erweiterten Contracting-Modelle einzusetzen.
  • Schlussfolgerungen und Vorschläge zur weiteren Marktaufbereitung.

Methode und Datengrundlage:

Zu Beginn wurden die Voraussetzungen und die rechtlich-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Potentiale und Hemmnisse für neue Organisationsmodelle von Contracting im Sinne des Projektzieles anhand bisheriger Contracting-Projekte, Contracting-Modelle, Contracting-Programme und Contracting-Erfahrungen analysiert. Anschließend erfolgte anhand der Erfahrungen der Entwurf von Contracting-Modellen, die sich für eine weite Verbreitung eignen, um von den jeweiligen Akteursgruppen erfolgreich eingesetzt zu werden. Die Vernetzung und Informationsverbreitung zum Thema "umfassende Contractingmodelle" fand in Form eines Workshops und einer Informationsveranstaltung statt, um die Modelle der Zielgruppe näher zu bringen. Vorschläge zur Weiterverbreitung und Marktaufbereitung für erweiterte Contractingmodelle wurden abschließend erarbeitet. Die Datengrundlage für das Projekt sind die aus den Interviews, den eigenen Projekterfahrungen der Grazer Energieagentur sowie aus der Recherchetätigkeit gewonnenen Erkenntnisse. Die relevante Literatur, die zur Bearbeitung der Projektproblematik herangezogen wurde, findet sich im Literaturverzeichnis.

Teil B:

Ergebnisse:

Die Bedeutung von baulichen Maßnahmen im Rahmen von Contracting-Projekten ist derzeit eher gering, die Marktpotenziale und die Nachfrage seitens der Kunden (Gebäudeeigentümer, insbesondere aus dem öffentlichen Bereich) sind jedoch vorhanden. Im Rahmen einer internationalen Recherche nach entsprechenden Projekten waren neben den Projekten der Grazer Energieagentur nur wenige Projekte mit eher Testcharakter zu finden. Ein einziges Programm, welches sich gerade im Aufbau befindet, hat denselben Schwerpunkt (Energiepartnerschaft Plus der Berliner Energieagentur). Unter dem Schlagwort "Public Private Partnership" werden derzeit Kooperations- und Finanzierungsformen (u.a. Contracting) für die öffentliche Hand diskutiert und erprobt, welche es ermöglichen energiesparende und bauliche Sanierungsmaßnahmen zu koppeln. Im Rahmen einer Befragung von 25 Experten, darunter Contracting-Anbieter, Bauunternehmer, Bauherren, Planer und Finanzierer, wurden Hemmnisse und fördernde Faktoren für eine Einbindung von baulichen und energetischen Sanierungsmaßnahmen in Contracting-Projekte identifiziert. Zu den Hemmnissen zählen:

  • Die bisher fehlende Erfahrung mit solchen Projekten
  • Der hohe Aufwand (Planungsaufwand, Aufwand für Anbotlegung) im Vorfeld eines komplexen Projektes
  • Das Vertrauen in die Leistungen der jeweils anderen Branche (Bau bzw. Contracting) ist noch nicht genügend vorhanden
  • Das Know-how-Defizit für bauliche Belange (insbesondere Bauphysik), welches Contractoren und Finanzierer teilweise haben
  • Die Refinanzierungszeit des Contracting-Projektes wird (erheblich) verlängert; Baukostenzuschüsse und zusätzliche Finanzierungsüberlegungen sind notwendig
  • Das Bewusstsein für umfassende Sanierungsdienstleistungen fehlt noch bei vielen Akteuren.

Fördernde Faktoren sind:

  • Die Attraktivität der Merkmale von Contracting, wie die garantierte Gebäudeperformance nach Sanierung (insb. Energiekosten-Einspargarantie), Wartung, ein Ansprechpartner für die gesamte Projektabwicklung und laufende Betreuung der Anlagen, Komfortgarantien etc.
  • Gemeinsame Optimierung von Investitions- und Betriebskosten - ganzheitliche Betrachtung
  • wichtige Auftraggeber für umfassende Contracting-Projekte sind öffentliche Institutionen da deren Gebäude ähnliche Nutzungen und Probleme aufweisen
  • Contracting-Projekte und ökologische Vorgaben lassen sich gut miteinander verbinden.

Aufbauend auf den Ergebnissen der Befragung und den bisherigen eigenen Projekterfahrungen (Contracting mit Baumaßnahmen) konnten drei Umsetzungsmodelle mit verschiedenen Akteurskonstellation erarbeitet werden. Das Ziel, erweiterte Contracting-Modelle zu verbessern und auf Ihre Praxisrelevanz zu prüfen, als auch einen Erfahrungs- und Informationsaustausch zu gewährleisten, konnte mit den durchgeführten Veranstaltungen mit reger Teilnahme aus Vertretern von nahezu allen relevanten Akteursgruppen erreicht werden. Die Aufmerksamkeit der Besucher für erweiterte und neue Contractingmodelle sowie ein Interesse für die Thematik und die Umsetzung im jeweils eigenen Geschäftsbereich konnte geweckt werden. Damit wurde auch die Basis erarbeitet, um solche Contracting Modelle auch in Zukunft an den Interessentenkreis weiter zu verbreiten sowie die bereits entstandenen Kooperationen zu vertiefen.

Schlussfolgerungen:

Es kann davon ausgegangen werden, dass umfassende Contracting-Angebote unter Einbeziehung von Baumaßnahmen bei den Bauherren, insbesondere im öffentlichen Bereich, bereits jetzt verstärkt nachgefragt und auf Interesse stoßen werden. Die verschiedenen Akteursgruppen, insbesondere die an neuen Geschäftsfeldern interessierten Leasing- und Bauunternehmen und Bauträger sehen in diesen erweiterten Angeboten große Chancen und Marktpotenziale. Manche Contracting-Unternehmen sind ebenfalls sehr interessiert, da sie den Standpunkt vertreten, dass bei Sanierungen eine gesamtheitliche Lösung realisiert werden sollte, andere wiederum wollen sich eher auf die Kernkompetenzen (z.B. energiesparende moderne Anlagen oder Regelungen) beschränken, d.h. es ist eine gewisse Polarisierung bei dieser Unternehmensgruppe erkennbar. Die weitere Bewerbung von innovativen Sanierungsdienstleistungen und Behebung von teilweise vorhandenen Informationsdefiziten sollte sich in maßgeschneiderte Weiterbildungsaktionen für Akteure, die im Contracting-Bereich bereits tätig sind und an umfassendem Contracting oder Mischfinanzierungsformen Interesse haben, sowie in konkrete Aktionen für "Neueinsteiger" insbesondere aus dem Baubereich teilen. Ein Vorschlag zur Durchführung in Form einer Workshopserie mit Modulcharakter wurde im Rahmen des Projektes ausgearbeitet.

Eine wichtige Erkenntnis bei der Betrachtung der Modelle ist auch, dass es für Contracting-Unternehmen leichter ist bei einem auf Niedrigstenergiestandard sanierten Gebäude (mit Passivhauskomponenten wie hohe Dämmstärken und Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung) für eine Obergrenze an Energiekosten zu garantieren als bei einem herkömmlich sanierten Gebäude. Dies resultiert daraus, dass sehr niedrige Energiekennzahlen allein nur durch das Zusammenwirken von baulich-energetischen Maßnahmen (Wärmedämmung) und effizienter Haustechnik erreicht werden können. Bei energieeffizienten Gebäuden spielt der Lüftungswärmeverlust eine höhere Rolle, dieser wird über die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung durch die laufende Betreuung des Contractors optimiert und kann durch Regelungstechnik beeinflusst werden. Weiters haben übliche Verbrauchsschwankungen im Bereich von 10-20% des Jahresverbrauchs durch den geringen Gesamtverbrauch kaum eine Auswirkung auf die Gesamtkosten. Kosten für Finanzierung und Dienstleistungen treten somit in den Vordergrund, man kann sogar den Schritt in Richtung fixe Gesamtkosten (unabhängig vom Verbrauch) gehen - dies gilt insbesondere für Gebäude nahe dem Passivhausstandard. Die Qualitätskontrolle bei Ausführung und Abnahme der bau- und haustechnischen Maßnahmen gewinnt hierbei stark an Bedeutung, somit auch Qualitätssicherungs-Instrumente wie Thermografie und Luftdichtheitstests (Blower-Door-Tests)

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Projektbeteiligte

Projektleiter: DI Gerhard Bucar
Grazer Energieagentur
Partner:
  • Christian Gummerer
    IFF/IFZ Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur
  • Mag. Hannes Piber
    Trigon Entwicklungsberatung für Mensch und Organisation (Reg. Gen.m.b.H)

Kontakt

DI Gerhard Bucar
Grazer Energieagentur Ges.m.b.H
Kaiserfeldgasse 13, 8010 Graz
Tel: 0316/811848-0
Fax: 0316/811848-9
E-Mail: office@grazer-ea.at

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