Foto: Frontansicht des Passivhauskindergartens Ziersdorf

Baustelle SCHULE - Nachhaltige Sanierungsmodelle für Schulen

Im Forschungsprojekt wurden modellhafte Sanierungskonzepte für den Schulgebäudebestand entwickelt. Die Konzepte umfassen Maßnahmenkataloge zur Implementierung nachhaltiger Bautechnologien und Fallbeispiele für die Neuorganisation von Gebäuden verschiedener Typologien.

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Diskussionen über Schulpolitik, Schulorganisation und Investitionen in Bildung gehören zu den meistdiskutierten Themen in der Politik. Schlechte Ergebnisse österreichischer SchülerInnen in den Pisa-Studien, die Arbeitszeit von LehrerInnen, der Anteil der Kinder mit migrantischem Hintergrund an den Schulen, die Ideologiedebatte über die Gesamtschule sind nur einige dieser Themen. Das Schulwesen wird sich verändern. Wenn innovative PädagogInnen von Lernlandschaften sprechen, fällt es schwer, diese Vorstellung mit starren funktionellen Strukturen in bestehenden Schulen zu verbinden. Schulneubau wird künftig jedoch eine weniger wichtige Rolle spielen. Können bestehende Bauten den künftigen Unterricht auch funktionell aufnehmen? In den Leitprinzipien von "Haus der Zukunft" wird zukunftsverträgliche Entwicklung als dynamischer Prozess begriffen, der die kontinuierliche Anpassung an neue Umstände erfordert.

Aufgrund demografischer Veränderungen und neuer Anforderungen ist eine Adaptierung des Schulbaubestandes virulent. Erschwerend ist, dass bei einem hohen Prozentsatz der bestehenden Schulen bereits ein dringlicher Sanierungsbedarf besteht. Umso wichtiger erscheint es, für diesen Sektor rechtzeitig zukunftsorientierte Maßnahmenpakete zu entwickeln, andernfalls aufgrund von Sanierungsdruck die Implementierung nachhaltiger Technologien unberücksichtigt bleibt. Diese grundlegenden Fragen sollten im gegenständlichen Projekt geklärt und mit Anforderungen der nachhaltigen Sanierung kombiniert werden.

Die wichtigsten Arbeitschritte des Projekts waren: Bestandserhebung (baulicher Zustand, Haustechnik und Energie, Freiräume, pädagogische und funktionelle Kriterien), Analyse nationaler und internationaler Konzepte und Beispiele, Erstellung von Sanierungsmodellen, Analyse und Rückkopplungsschritte und Zusammenfassung der Ergebnisse in Form eines Handbuches. Die Erhebung des baulichen Zustandes erfolgte vor Ort durch optische Bestandsaufnahme der Bauschäden sowie durch Analyse der Pläne. Zusätzlich wurden nachträgliche Sanierungsmaßnahmen in Gesprächen mit den Schulerhaltern sowie Facility-BetreuerInnen vor Ort (SchulwartInnen) erfasst.

Die Bestandserhebung für die weiterführenden energetischen Berechnungen wurden mittels für die Nutzungskategorie Schulbau entwickelter Checklisten als "Vor-Ort-Aufnahme" vorgenommen. Die Checklisten folgen den relevanten Eingabefaktoren nach ÖNORM B8110-6, B8110-5, H5056-H5059 und gliedern sich in einen gebäudebezogenen und einen gebäudetechnischen Bereich. Der gebäudebezogene Bereich umfasst eine Aufnahme von relevanten Baukonstruktionen der Gebäudehülle und wesentlicher objektbezogener Daten sowie das Erfassen unterschiedlicher Nutzungskategorien und Zonengrenzen.

Für die Aufnahme der gebäudetechnischen Kenndaten wurden die jeweiligen Schulwarte und Schulwartinnen einbezogen. Die Berechnung folgt der Methode der OIB-Richtlinie 6: 2007. Die Energiekennwerte der berechneten Schulen dienen zur Grobeinordnung innerhalb der definierten Typologien und sind Von-bis-Angaben. Innerhalb der ausgewählten Schulen wurden nachfolgend "Standardtypen" fixiert und berechnet. Alle weiteren Vergleiche beziehungsweise die Ausarbeitung der Gebäudekennzahlen wurden mit diesen Standardtypen durchgeführt. Ein Vergleich mit internationalen Studien innerhalb derselben Kategorie wurde durchgeführt. Hier waren jedoch grobe Unterschiede festzustellen. Da in vielen Veröffentlichungen die Ausgangsdaten und eine Aussage auf die Bezugsflächen fehlen, sind vergleichende Analysen nur eingeschränkt möglich.

Die pädagogischen und funktionellen Kriterien wurden mittels qualitativen Interviews mit DirektorInnen, direkt in der Praxis stehenden PädagogInnen und weiteren ExpertInnen aus dem Schulumfeld und den Erziehungswissenschaften erhoben. Eine weitere Analyse und Rückkopplung dieser Interviewergebnisse erfolgte in drei interdisziplinären Arbeitsworkshops. Ergänzend wurden beispielhafte Lösungen für die räumliche Umsetzung zeitgemäßer pädagogischer Konzepte im europäischen Kontext untersucht. Es gibt in Europa viele Schulen mit innovativer Architektur und viele mit innovativen pädagogischen Konzepten, doch nur wenige, die diese beiden Aspekte in ihrer Praxis zusammenführen konnten. Die Analyse beschränkt sich deshalb auf Skandinavien und Deutschland sowie einige Aspekte der Entwicklung in den Niederlanden und Südtirol - Skandinavien und die Niederlande wegen der innovativen Modelle, Deutschland und Südtirol wegen der kulturellen und administrativ-politischen Nähe, die möglicherweise auf eine Übertragbarkeit der Modelle schließen lässt.

ExpertInnen aus Pädagogik und Schulverwaltung sind sich weitgehend einig über die besondere Relevanz räumlicher Faktoren für den Unterricht. Es zeigen sich nach Baualter und Typologie unterschiedliche hemmende und förderliche räumliche Faktoren. Räumliche Bedingungen, die besser der Unterrichtspraxis entsprechen würden, wären zum Beispiel offenere Räume und Raumaufteilungen, Raumreserven und mehrere kleine Räume für individuelle Betreuung und Kleingruppen, Räume unterschiedlichster Qualitäten und Größe, mehr und größere Räume für Feste und Veranstaltungen etc. Alle Bautypologien verfügen neben großen energetischen Einsparpotenzialen auch über Potenziale für räumlich differenzierte Nutzungen und funktionale Reorganisation. In den prototypischen Sanierungskonzepten, die im weiteren Verlauf des Forschungsprojektes entwickelt wurden, sind die Potenziale und Defizite der jeweiligen Bauperiode berücksichtigt. Für die Defizite wurden kompensierende Maßnahmen entwickelt.

Die Zusammenfassung der Ergebnisse in Form eines Handbuches zielt auf eine gelungene Synthese der Ideen aus dem Umfeld "Haus der Zukunft", den Konzepten der Verwaltung und zukünftiger Trends, dargestellt in einem Kompendium für Schulbetreiber, Schulgemeinschaften, Architekturschaffende und PädagogInnen. Das "Handbuch Baustelle Schule: Architektur und Planungsgrundlagen - Ein Leitfaden zur ökologisch nachhaltigen Sanierung von Schulen." erscheint als eigener Bericht.

Das Handbuch Schule

Das „Handbuch Baustelle Schule - Ein Leitfaden zur ökologisch nachhaltigen Sanierung von Schulen“ gliedert sich in folgende Abschnitte:

  • Schulbautypologien
  • (Reform)Pädagogik & Raumkonzepte
  • Schulbauentwicklung und innovativer Schulbau in Österreich
  • Pädagogik und (Frei)Raum
  • Prototypische Sanierungsszenarien
  • Lernen in gesunden Räumen
  • Energie- und Umweltbildung im Unterricht

Publikationen

Baustelle Schule

Nachhaltige Sanierungsmodelle für Schulen
Schriftenreihe 47a/2010 E. Haselsteiner, M. Lorbek, G. Stosch, R. Temel, Herausgeber: bmvit
Deutsch, 340 Seiten

Downloads zur Publikation

Handbuch Baustelle Schule

Ein Leitfaden zur ökologisch nachhaltigen Sanierung von Schulen
Schriftenreihe 47b/2010 E. Haselsteiner, M. Lorbek, G. Stosch, R. Temel, Herausgeber: bmvit
Deutsch, 242 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter

Arch. DI Maja Lorbek (technisch), DI Dr. Edeltraud Haselsteiner (organisatorisch)

Projektmitarbeiter

  • DI Gerhild Stosch
  • Mag. Robert Temel

Projekt- und Kooperationspartner

Pädagogik, Schulentwicklung, Freiräume

  • IUS - Institut für Unterrichts und Schulentwicklung, Wien-Klagenfurt
  • ZSE - Zentrum für Schulentwicklung, Graz-Klagenfurt
  • ÖISS, Arbeitskreis Schulfreiräume

Schulverwaltung, Schulerhalter Graz, Steiermark und Wien

  • Stadtbaudirektion Graz
  • Stadtschulamt Graz
  • Landesschulrat Steiermark
  • Magistratsabteilungen der Gemeinde Wien: MA 19 - Architektur und Stadtgestaltung, MA 56 - Städtische Schulverwaltung (angefragt), MA 34 - Bau- und Gebäudemanagement (angef.)
  • Stadtschulrat Wien
  • BIG - Bundesimmobiliengesellschaft

Weitere Kooperationspartner sind nach Maßgabe der inhaltlichen Fragestellungen geplant.

Kontaktadresse

Dipl.-Ing. Dr. Edeltraud Haselsteiner
Märzstrasse 158/20
1140 Wien
T: +43 (1) 9834038
F: +43 (1) 9834938
Handy: +43 (699) 12698082
E-Mail: edeltraud.haselsteiner@aon.at

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