Foto: Schiestlhaus

Architekturhistorisch differenzierte, energetische Sanierung

Bauten der Nachkriegsmoderne unter Denkmalschutz. Vergleichende Analyse energetischer Sanierung
Fallbeispiel Freiluftschule Franklinstraße, Wien 21

Inhaltsbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Ziel der Studie war die Entwicklung eines differenzierten Sanierungskonzeptes, bei dem sowohl Denkmalschutzaspekte als auch Energiemaßnahmen zum tragen kommen sollten.

Unsere Idee für die Entwicklung einer Methode der verfeinerten Sanierung war einfach: Wenn originale Bauteile mit schlanken Profilen und der Formensprache der frühen sechziger Jahre belassen werden sollen, müssen andere Bauteile durch einen höheren Energiestandard einen energetischen Ausgleich herstellen. Dieses Sanierungskonzept nennen wir: "Architekturhistorisch differenzierte, energetische Sanierung". Die "differenzierte" Sanierungsmethode haben wir mit der "klassischen Sanierungsmethode" verglichen. Die vergleichende Analyse umfasst sowohl Energiekennzahlen als auch die Bau- und Energiekosten beider Sanierungsvarianten.

Das innovative Sanierungsmodell, das exemplarisch entwickelt wurde, kann als systematische Vorgangsweise für alle Bauten dieser Epoche angewendet werden.

Bei der vergleichenden Untersuchung am exemplarischen Objekt (Sonderschule Franklinstraße) wurde ein auf Bauteile bezogenes, differenziertes Sanierungskonzept entwickelt. Architekturhistorisch differenziert bedeutet: Möglichst viele originale Bauteile bleiben erhalten, andere Gebäudeteile werden im Ausgleich dazu mit einem höheren energietechnischen Standard ausgestattet. Die gebäudetechnische Komponente der Nutzung und passiv wirksame Gebäudekomponenten sind in die energetische Betrachtung miteinbezogen worden. Verglichen wurden: Die klassische energetische Bauteilsanierung mit dem von uns zu entwickelnden "architekturhistorisch differenzierten, energetischen Sanierungskonzept". Das Projekt gliedert sich in mehrere Phasen, die im Folgenden beschrieben werden:

Chronologische Auflistung:

  1. Bestandsaufnahme Fallbeispiel "Sonderschule Floridsdorf"
  2. Untersuchung der Objekttypologie
  3. Untersuchung durchgeführter Sanierungen an vergleichbaren Objekten
  4. Entwicklung der Methode für objektivierte Anwendung, Klassifizierung der Objektmodule und Bauteile
  5. Klassifizierung der bauteilbezogenen Sanierungsarten
  6. Vorläufiger Maßnahmenkatalog und Sanierungskonzept für "Architekturhistorisch differenzierte, energetische Sanierung" (Kurz: ADES)
  7. Energetische Bewertung der "klassischen" Sanierung und der ADES
  8. Anpassung der ADES - Maßnahmenkatalog und -konzept
  9. Bauteilbezogener Kostenvergleich beider Sanierungsmethoden
  10. Darstellung der Bestandsaufnahme, der klassischen Sanierung und des ADES - Konzeptes im Bauteilkatalog
  11. Methode für die Bewertung von Sanierungskonzepten

Alle Bauteile, insbesondere die architekturhistorisch relevanten Bauteile sind systematisch erfasst worden. Eine Dokumentation der Originalplanung wurde angelegt. Im nächsten Schritt erfolgte die Feinabstimmung von wesentlichen Gebäudeelementen: Für jedes relevante Bauteil wurde ein eigenes Sanierungskonzept entwickelt. Welche Teile bleiben erhalten, welche Teile sind zu erneuern? Welches Material und welche Form werden für die Erneuerung ausgesucht? Welche Energiekennwerte soll der Bauteil in Abhängigkeit seiner Lage im Gebäude beziehungsweise seiner Nutzung erreichen? Diese Fragen wurden bei allen relevanten Bauteilen gestellt und beantwortet.

Ergebnisse:

  • Energievergleich der "klassischen Sanierung" mit der Architekturhistorisch differenzierten Sanierung:

    Die vergleichende Analyse ergab, dass der energetische Standard durch die "ADE-Sanierung" gegenüber der "klassischen Sanierung" in jedem der Gebäudemodule verbessert werden konnte. Hochgerechnet auf die gesamte Schule kann die Energiekennzahl bei "ADE-Sanierung" bezogen auf die Bruttogeschoßfläche auf einen Wert von 41 kWh/m²a gesenkt werden. Das entspricht einer Reduktion um 48 % bezogen auf die klassische Sanierung.

    Insgesamt konnte gezeigt werden, dass durch unseren Ansatz der "Architekturhistorisch differenzierte, energetische Sanierung" sehr wohl auf Denkmalschutzkriterien, beziehungsweise auf den architektonischen Charakter des Gebäudes Rücksicht genommen werden kann, ohne auf einen hohen energetischen Standard verzichten zu müssen.

  • Ergebnisse der vergleichenden Kostenschätzung:

    Der Vergleich der Kosten beider Sanierungsvarianten (Kostenschätzungen planungsorientiert gemäß Ö Norm B 1801) ergab fast erwartungsgemäß, dass die "Architekturhistorisch differenzierte, energetische Sanierung" teurer ist als die "klassische Methode" der Sanierung. Allerdings fielen die Mehrkosten für "ADE - Sanierung" durchaus moderat aus. Bei der Festlegung der Maßnahmen für die "ADE - Sanierung" behielten wir den Kostenfaktor stets im Auge. 25 % Mehrkosten bei "ADE - Sanierung" bewerten wir als ein gutes Ergebnis.

  • Ergebnisse der differenzierten Bewertung von Sanierungsmethoden:

    Die Bewertung für beide Sanierungskonzepte erfolgte nach folgenden Kriterien mit zugeordneter Gewichtung:

    1. Erhaltung originaler Bauteile: 10 %
    2. Erhaltung bzw. Rekonstruktion des Architekturkonzeptes 15 %
    3. Kosten der Sanierung 50 %
    4. Energieeffizienz der Sanierung 15 %
    5. Anwendung ökologischer Baustoffe 5 %
    6. Rückführung Originalfarbkonzept 5 %

    Die Bewertung ergab, dass bei Berücksichtigung mehrerer Sanierungsschwerpunkte die "ADE - Sanierung" gut abschneidet. Die Bewertungsmethode soll hauptsächlich als ein Instrument der Sensibilisierung für das Thema "Denkmalschutz und Moderne" dienen. Die Bewertung kann außerdem für die Berücksichtigung mehrerer gleichwertiger Sanierungsschwerpunkte eingesetzt werden.

Fazit:

Die Planungsroutine und die Baupraxis für aufwendige und qualitativ wertvolle Sanierungen für Bauten der Moderne und der Nachkriegsmoderne stehen am Beginn einer Weiternetwicklung. Für die Entwicklung differenzierter Sanierungskonzepte sind systematisches Vorgehen und hohes Improvisationsgrad ausschlaggebend. Der Denkmalschutz und die Verbesserung der Energieeffizienz sind keine unversöhnlichen Gegensätze.

Das Ergebnis der Studie ist ein differenziertes Sanierungskonzept, in dem bewiesen wurde, dass die die Erhaltung des originalen Architekturkonzeptes und der authentischen Bauteile bei gleichzeitig guten Energiekennzahlen und moderaten Mehrkosten möglich ist. Denkmalschutz und Verbesserung der Energieeffizienz sind keine unversöhnlichen Gegensätze. Moderne Sanierungskonzepte können mehrere, gleichwertige Schwerpunkte enthalten: Erhaltung des architektonischen Konzeptes, Adaptierung für den geänderten Gebrauch, Verbesserung des Gebäude-Energiestandards und des Verbrauches, Einhaltung eines moderaten Kostenrahmens, Anwendung nachhaltiger Technologien, Verwendung ökologischer Baustoffe usw. Bei entsprechend engagiertem Planen können mehrere Aspekte im Sanierungskonzept berücksichtigt werden..Bei entsprechend engagiertem Planen können mehrere Aspekte in den Sanierungskonzepten berücksichtigt werden.

Downloads

Architekturhistorisch differenzierte, energetische Sanierung

Vergleichende Analyse von Sanierungsmethoden bei Bauten der Nachkriegsmoderne, exemplarisch durchgeführt am Objekt Sonderschule Floridsdorf
Schriftenreihe 28/2003 M. Lorbek, G. Stosch
Deutsch, 94 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation

Bibliographische Daten

Architekturhistorisch differenzierte, energetische Sanierung
Dipl.-Ing. Maja Lorbek, Dipl.-Ing. Gerhild Stosch

Berichte aus Energie- und Umweltforschung 28/2003

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Verkehr
August 2003

Projektbeteiligte

Projektleitung:

Arbeitsgemeinschaft Dipl.-Ing. Gerhild Stosch (federführend) und
Arch. Dipl.-Ing. Maja Lorbek

Kontakt

Dipl.-Ing. Gerhild Stosch,
Diehlgasse 50/28
A 1050 Wien
Tel./Fax: +43 1 548 17 47
E-Mail: g.sto@eunet.at

Arch. Dipl.-Ing. Maja Lorbek
Schottenfeldgasse 72/2/6
A 1070 Wien
Tel./Fax: +43 1 526 38 41
E-Mail: maja.lorbek@chello.at

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