Foto: Frontansicht des KlimaKomfortHauses in Wien

Roadmap "Solarwärme 2025" - Eine Technologie- und Marktanalyse mit Handlungsempfehlungen

Solarwärme kommt sowohl aus energiepolitischer als auch aus gesell­schaftlicher Sicht eine wichtige Rolle in einer zukünftigen, nachhaltigen Energieversorgung zu. Im Rahmen der gegenständlichen Roadmap werden Technologie und Markt analysiert, über 100 zielgerichtete Handlungsempfehlungen diskutiert und deren mögliche Wirkung in drei verschiedenen Entwicklungsszenarien dargestellt.

Inhaltsbeschreibung

Ausgangssituation

Mit Ende des Jahres 2011 waren weltweit 335,1 Millionen m² solar­thermische Kollektorfläche installiert, was einer Leistung von 234,6 GWth entspricht. Die weltweit absolut größten installierten Leistungen an Flachkollektoren und Vakuumröhrenkollektoren befinden sich mit Ende 2011 in China (152,2 GWth), Deutschland (10,7 GWth) und der Türkei (10,2 GWth). Im Vergleich hierzu erreichte Österreich mit Stand 2011 eine installierte Leistung von rund 3,3 GWth und liegt an 8. Stelle. Bezieht man die installierte Leistung auf die Einwohnerzahl (Leistung pro 1.000 Einwohner), weisen Zypern (541,2 kWth) und Israel (396,6 kWth) hier die mit Abstand höchste Solaranlagendichte auf. Aber bereits an 3. Stelle folgt Österreich mit 355,7 kWth pro 1.000 Einwohner.

Diese lange und erfolgreiche Tradition der Solarwärmenutzung in Öster­reich hat zu einer sehr guten internationalen Positionierung österreichi­scher Unternehmen geführt, wie ein Exportanteil an den im Jahr 2012 in Österreich produzierten Kollektoren (1,14 Mio. m²) von rund 81% demon­striert. Der Marktanteil von Kollektoren aus heimischer Fertigung im Jahr 2012 in der EU 27 (und der Schweiz) betrug rund 33%. Der Branchenum­satz betrug im Jahr 2012 345 Mio. Euro und ermöglichte durch primäre Arbeitsplatzeffekte rund 3.400 Vollzeitarbeitsplätze. Insgesamt konnte durch die im Jahr 2012 insgesamt in Betrieb befindlichen Solaranlagen eine Vermeidung von knapp 460.000 Tonnen CO2äqu erreicht werden.

Trotz der vorliegenden Potenziale und trotz sehr erfolgreicher Jahre für die Solarwärmebranche (insbesondere 1990 bis 2008) ist das durch­schnittliche jährliche Marktvolumen für Neuinstallationen im Wirtschafts­raum Europa (EU 27) und auch in Österreich seit vier Jahren rückläufig, während die durchschnittlichen weltweiten Wachstumsraten der letzten zehn Jahre rund 20% betrugen. Dieser, nicht ausschließlich, aber zu guten Teilen durch die Wirtschaftskrise und dem Photovoltaik-Hype erklärbare Installationsrückgang, hat mittlerweile auch dazu geführt, dass die gesamte europäische Branche unter gehörigem wirtschaftlichen Druck steht. Erhöhter Wettbewerb unter den erneuerbaren Energieträg­ern sowie grundsätzlich geänderte Rahmenbedingungen in der gesamten Energiebranche haben weiters zur Verschärfung der Situation beige­tragen.

Vor diesem Hintergrund stellen sich aus der Sicht der Solarwärmebranche für Österreich drei konkrete Fragestellungen:

  • Wie können die zuletzt zweistelligen Rückgänge (in Prozent) bei den jährlichen Neuinstallationen abgefedert und möglichst rasch eine Trendumkehr herbeigeführt werden (zeitliche Perspektive 2014 bis 2025)?
  • Was können konkrete Maßnahmen für die Trendumkehr sein und welche Gruppe von Akteuren betrifft die Umsetzung?
  • Was sind die möglichen Beiträge von Solarwärme auf dem Weg in ein zuvor beschriebenes zukunftsfähiges Energiesystem bzw. in eine "Low-Carbon-Economy"(zeitliche Perspektive 2025 bis 2050)?

Methodische Vorgehensweise

Um Antworten auf diese Fragestellungen zu finden, wurden, basierend auf den aktuell vorherrschenden Rahmenbedingungen und den Detail­analysen der Marktsituation, in Abstimmung bzw. intensivem Austausch mit der österreichischen Solarwärmebranche und einer Vielzahl weiterer wichtiger Akteure in der Energiebranche drei mögliche Entwicklungs­szenarien, die sich deutlich in den jeweiligen Aktivitätsintensitäten bzw. der Entwicklung externer Faktoren unterscheiden, skizziert:

  • Szenario "Business as Usual"
  • Szenario "Forcierte Aktivitäten"
  • Szenario "Ambitionierte Aktivitäten"

Im nächsten Schritt wurden vier Handlungsfelder ("Branchenaktivitäten", "Forschung & Entwicklung", "Rahmenbedingungen", "Begleitmaßnahmen") definiert und deren Zusammenspiel in entsprechenden Intensitäten den drei Entwicklungsszenarien überlagert. Konkret wurden in intensivem Austausch mit der Solarwärmebranche über 100 einzelne Maßnahmen zur Stärkung und Entwicklung der Technologie identifiziert bzw. vorgeschla­gen.

Von zentraler Bedeutung erwiesen sich dabei Aktivitäten zur Reduktion der Abhängigkeit von externen Faktoren bei der Markteinführung, insbe­sondere durch konsequente Kostenreduktion (bis 2025 bei Kleinanlagen in einem Ausmaß von bis zu 60% bzw. bei Großanlagen in einem Ausmaß von bis zu 40%) und Verbesserung der Zielgruppen­akzeptanz. Zielge­richtete Standardisierungsarbeiten, spezifische Forschungsarbeiten, neue Vertriebs- und Geschäftsmodelle als auch angepasste Förderinstru­mente wurden hier als essentiell identifiziert.

Ausblick

Wird die Wirkung der drei definierten Szenarien bis zum Jahr 2050 weitergeführt, ergeben sich in Abhängigkeit der zugrunde liegenden Entwicklung des österreichischen Niedertemperaturwärmebedarfs (zwei mögliche Entwicklungen wurden behandelt) unterschiedliche solare Deckungsgrade. Konkret bedeutet das aufgrund der erstellten Prognosen und Abschätzungen für das Jahr 2050 in Verbindung mit der hier dargestellten Entwicklung des Niedertemperaturwärmebedarfs solare Deckungsgrade von 1,5% bis 2% im Szenario "Business as Usual", 9,1% bis 12,1% im Szenario "Forcierte Aktivitäten" und 14,4% bis 20,3% im Szenario "Ambitionierte Aktivitäten".

Ergebnisse

Die Ergebnisse dieser gegenständlichen Roadmap "Solarwärme 2025" zeigen deutlich, dass neue Wege und Ansätze in Verbindung mit einem ambitionierten Schulterschluss zwischen Solarwärmebranche, öffentlicher Hand, Forschung & Entwicklung sowie anderen Stakeholdern nicht nur eine Trendwende bei der jährlich installierten Kollektorfläche möglich machen, sondern Solarwärme auch eine wichtige Rolle in einer zukünftigen "Low-Carbon Economy" mit hoher regionaler Wertschöpfung zukommt.

Kontakt

AEE - Institut für Nachhaltige Technologien
Bereichsleitung "Solarthermische Komponenten und Systeme"
Ing. Christian Fink, Prokurist
Feldgasse 19
A-8200 Gleisdorf
Tel.: +43 (3112) 5886-214
Fax: +43 (3112) 5886-214 18
E-Mail: c.fink@aee.at
Web: www.aee-intec.at

Downloads

Roadmap "Solarwärme 2025"

Eine Technologie- und Marktanalyse mit Handlungsempfehlungen
Schriftenreihe 42/2014 C. Fink, D. Preiß, Herausgeber: bmvit
Deutsch, 105 Seiten

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