Foto: Frontansicht der Schule Schwanenstadt

Schaffung von rechtlichen Anreizen für Urban Mining im Abfallrecht

Ziel des vorliegenden Forschungsprojekts ist es, Anreize für ein zukünftig forciertes Urban Mining insbesondere im Abfallrecht zu schaffen.

Kurzbeschreibung

Inhalte und Zielsetzungen

Teil a: Kategorisierung und technische Analyse des Potenzials anthropogener Lagerstätten
Teil b: Rechtlicher Teil
Teil c: SWOT-Analyse und Verbesserungspotenziale

Im ersten Teil des Gesamtprojektes wird das Potenzial anthropogener Lagerstätten für ein Urban Mining aus technisch naturwissenschaftlicher Sicht kategorisiert, die relevanten Teilprozesse entlang des gesamten Produktlebenszyklus zur Quantifizierung des anthropogenen Lagers identifiziert und grob abgeschätzt. Darauf aufbauend werden im zweiten Teil des Gesamtprojektes die relevantesten Steuerungsmöglichkeiten insbesondere im Abfall-, Umwelt- und Anlagenrecht lokalisiert und Verbesserungsmöglichkeiten sowie die Schaffung von Erleichterungen beim Vorhaben des "Urban Mining" dargestellt. Das gewählte Vorgehen erlaubt es, zielgerichtet auf die massemäßig und ökonomisch relevanten Ressourcen im anthropogenen Lager Einfluss zu nehmen.

Der Bedarf an mineralischen Rohstoffen und Erdöl liegt bei 15 Tonnen pro Österreicher und Jahr. Die Kategorisierung der anthropogenen Lager aus technisch naturwissenschaftlicher Sicht dient dazu, das Potential für ein Urban Mining in kleinere, überschaubarere Bereiche einzuteilen, um anschließend die relevanten Gesetzte und Normen zu identifizieren. Die Auswahl der Güter orientiert sich an den massemäßig wichtigsten Güter für ein Urban Mining.

Ausgewählte Güter

Aufgrund der Erfahrungen der Studienautoren und einer Literatur­recherche werden folgende Güter ausgewählt:

  • Sand, Kies und Natursteine
  • Erdöl (hier in Form von Kunststoffen)
  • Eisen
  • Aluminium
  • Kupfer

Um in weiterer Folge rechtliche Anreize für ein Urban Mining zu schaffen, werden die ausgewählten, exemplarischen Güter in vier Kategorien unterteilt:

  1. Tiefbau (Verkehrsinfrastruktur, Straßen, Brücken, Tunnel, etc.)
  2. Netze (Infrastruktur für Wasser, Abwasser, Energie etc. also Rohre, Kabel)
  3. Hochbau (Gebäude)
  4. Konsumgüter (Lebensdauer 1 Jahr wie Elektrogeräte und Kfz, etc.)

In weiterer Folge wird quantifiziert, in welchen Teilprozessen des gesamten Produktlebenszyklus das größte Lager mit der größten Lagerveränderung zu erwarten ist.

Die Prozesskette umfasst folgende Teilprozesse:

  • Urproduktion (Extraktion von Rohstoffen aus der Lithosphäre)
  • Produktion (Aufbereitung der Rohstoffe zu Halbzeugen bzw. Fertigprodukten)
  • Konsum (Nutzung von Produkten in Privathaushalten und Industrie- und Gewerbe mit einer Nutzungsdauer von > 1 Jahr)
  • Abfallwirtschaft (Sammlung und Aufbereitung von Abfällen zum Zweck einer Verwertung oder Beseitigung im In- oder Ausland)
  • Recycling (Wiederverwendung, stoffliche oder sonstige Verwertung von Abfällen)

Die Quantifizierung der anthropogenen Lager erfolgt anhand bestehender Studien, deren Resultate mit Hilfe der Stoffflussanalyse erzielt wurden.

Sand, Kies und Natursteine

Sand, Kies und Natursteine sind in Form von mineralischen Baumaterialien für den größten Lagerbestand in der Anthroposphäre verantwortlich. Insgesamt kann der Lagerbestand mit rund 3.700 Mio. t angegeben werden. Das Lager wächst jährlich um rund 100 Mio. t. Der Grad der Bewirtschaftung dieser Lager entscheidet, ob die derzeit noch gebundenen Baumaterialien nach dem Ende der Nutzungsdauer Abfall oder Sekundärressource werden.

Kunststoffe

Das Lager an Kunststoffen beträgt ca. 28 Mio. t. Davon sind etwa 12 Mio. t als Harze, Rohre, Platten oder als technische Kunststoffe noch im Einsatz. Das Lager an Kunststoffen in Deponien beträgt ca. 16 Mio. t. Während das Lager im Einsatz jährlich um etwa 0,3 Mio. t wächst, bleibt aufgrund der Deponieverordnung das Lager in der Deponie stabil.

Eisen und Stahl

Das Lager an Eisen und Stahl wird mit rund 44 Mio. t abgeschätzt. Die jährliche Zunahme beträgt ca. 3 Mio. t.

Aluminium

Das Lager an Aluminium kann mit 2,8 Mio. t abgeschätzt werden. Davon sind etwa 0,8 Mio. t in Gebäuden und 0,9 Mio. t langlebigen Konsumgütern gebunden. In Netzen (Strom, Bahn und der Straßeninfrastruktur befinden sich knapp 0,4 Mio. t. in Deponien wurden bereits 0,74 Mio. t Aluminium abgelagert.

Kupfer

Das Lager an Kupfer kann mit 1,7 Mio. t abgeschätzt werden. Davon sind etwa 0,9 Mio. t in Gebäuden gebunden. In den langlebigen Konsumgütern und den Netzen (vorwiegend Kabel) sind jeweils ca. 0,25 Mio. t Kupfer im Einsatz. In Deponien wurden bereits 0,3 Mio. t Kupfer abgelagert.

Ergebnisse

Eine grobe monetäre Bewertung der anthropogenen Lager weist für Kunststoffe einen Wert von 0 bis 1 Mrd. Euro, für Eisen 4,8 bis 20,9 Mrd. Euro, für Aluminium 1,7 bis 4 Mrd. Euro und für Kupfer 2,5 bis 4,8 Mrd. Euro aus.

Die Schlussfolgerungen der Studie sind dem Kapitel 5 (Teil c) zu entnehmen.

Publikationen

Schaffung von rechtlichen Potenzialen für Urban Mining im Abfallrecht

Schriftenreihe 31 /2014
R. Fehringer, B. Brandt, W. Frühwirth, et al., Herausgeber: bmvit
Deutsch, 274 Seiten

Downloads zur Publikation

Weitere Informationen

Kontaktadresse

Denkstatt GmbH
Roland Fehringer, Bernd Brandt
E-Mail: office@denkstatt.at
Web: www.denkstatt.at

Ressourcen Management Agentur
Hans Daxbeck, Stefan Neumayer, Heinz Buschmann, Andreas Gassner
E-Mail: office@rma.at 
Web: www.rma.at 

RA Kanzlei Mag. Elisabeth Moser-Marzi
Elisabeth Moser-Marzi, Milorad Erdelean
E-Mail: kanzlei@moser-marzi.at 
Web: www.moser-marzi.at 

Diese Seite teilen ...

zum Anfang