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RISKMIN - Risikominimierung entlang der Wertschöpfungskette vom pflanzlichen Rohstoff bis zum Farbstoff

RISKMIN ist ein Projekt zur Minimierung der Risiken entlang der Wertschöpfungskette vom pflanzlichen Rohstoff bis zum Farbstoff. Unter Berücksichtigung der Maßnahmen zur Risikominimierung wurde ein Businessplan für einen Pflanzenfarbstoffproduzenten zur erfolgreichen Umsetzung der Geschäftsidee erstellt.

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Motivation

Nachwachsende Rohstoffe aus der Landwirtschaft und Nebenprodukte der lebensmittel- und holzverarbeitenden Industrie können zu Pflanzenfarbstoffen verarbeitet werden. Die Ergebnisse der "Fabrik der Zukunft" - Programmforschung zur Pflanzenfärbung (GEISSLER et al. 2003, 2001 und RAPPL et al. 2005) zeigen, dass die Pflanzenfärbung großtechnisch im Betrieb möglich ist. Das Österreichische Ökologie-Institut erarbeitete mit dem Institut für Textilchemie und Textilphysik in Dornbirn und Unternehmen der Textilbranche Alternativen zu synthetischen Farbstoffen für die Textilwirtschaft. Entscheidend in den bisherigen Forschungsarbeiten war stets die Einbindung von Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis hin zum standardisierten Farbstoff als Produkt für den Färberbetrieb und dessen Kunden. Es fehlt jedoch der Ansprechpartner ("Missing Link") zwischen Anbietern der Pflanzenmaterialien und der Textilindustrie, der einerseits eine Standardisierung des Rohstoffs bis zum Pflanzenfarbstoff vornimmt und andererseits Farbqualitäten und Echtheitsniveaus garantiert. Daher entwickelte das Projekt RISKMIN die Geschäftsidee für einen Pflanzenfarbstoffproduzenten (PFP), minimierte die Riskien entlang der Wertschöpfungskette und schätzte die wirtschaftliche Realsierbarkeit ab.

Ergebnisse der Vorprojekte

In den angewandten Forschungsarbeiten zum Einsatz von Pflanzenfarbstoff konnte die technologische Machbarkeit der Nutzung nachwachsender Rohstoffe, d.h. von Färbepflanzen und Nebenprodukten, gezeigt werden. Synthetische Farbstoffe im Textilbereich könnten grundsätzlich und unter bestimmten Rahmenbedingungen durch Färbepflanzenfarbstoffe ersetzt werden. Es gelang, die verfahrenstechnische Entwicklung bis zur Nutzung für den industriellen Einsatz unter strengen ökologischen Kriterien voranzutreiben. Für bestimmte Textilien und bestimmte Pflanzenfarbstoffe konnten die für den industriellen Einsatz nötigen Qualitätskriterien erreicht und eine attraktive Farbpalette geschaffen werden.

Inhalte und Zielsetzungen

RISKMIN ist ein Projekt zur Minimierung der Risiken entlang der Wertschöpfungskette von der Pflanze bis zur Bereitstellung des Farbstoffes. Unter Berücksichtigung der Maßnahmen zur Risikominimierung wurde ein Businessplan für einen PFP zur erfolgreichen Umsetzung der Geschäftsidee erstellt.

Für RISKMIN wurden Färbepflanzen gewählt, die in Österreich bisher hauptsächlich wild wachsen und prinzipiell günstige klimatische Standortbedingungen in Österreich vorfinden, wobei Anbauanleitungen einen ökologischen Anbau theoretisch ermöglichen. Hinsichtlich Rohstoffbeschaffung sind Nebenprodukte aus holz- und lebensmittelverarbeitenden Betrieben in ausreichenden Mengen vorhanden. Bei der Auswahl dieser Rohstoffe wurde großer Wert auf die kurzfristige und ressourcenschonende Verfügbarkeit gesetzt. Den größten Energieverbrauch in der Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Farbstoff nimmt die Trocknung der Pflanzen bzw. der Nebenprodukte ein. Dazu kann Solarwärme oder Abwärme aus Biogasanlagen genutzt werden. Dies ermöglicht eine emissionsarme Textilfärbung, deren Abfälle kompostierbar sind und deren Abwässer keine toxischen Stoffe enthalten.

Das Projekt RISKMIN prüfte die wirtschaftliche Umsetzbarkeit der Geschäftidee eines Pflanzenfarbstoffproduzenten (PFP). Die Voraussetzungen für die Produktion von Pflanzenfarbstoffen und den dafür notwendigen Dienstleistungen wurden geschaffen, indem Minimierungsmaßnahmen für die unternehmerischen Risiken erarbeitet und vorgeschlagen wurden. Um Strategie und Maßnahmen zur Risikominimierung zu erarbeiten, wurden die unterschiedlichen Arbeitsabläufe für die verschiedenen Rohstoffe in all ihren Einzelschritten entlang der Wertschöpfungskette definiert.

Die Problemfelder in all diesen Produktionsschritten wurden lokalisiert und ihre Relevanz beurteilt. Für alle daraus definierten Risiken mussten Maßnahmen zur Minimierung gefunden werden. Im Endeffekt kommt das Projektteam zum Schluss, dass eine wirtschaftliche Umsetzung möglich ist, wenn eine entsprechende Diversifizierung und umsichtiges Vorgehen beim Aufbau des Unternehmens gewährleistet sind.

Methodische Vorgehensweise

Das Projekt RISKMIN sucht nach Lösungen zur Risikominimierung für den PFP entlang der Wertschöpfungskette. Supply Chain Risk Management (SCRM) dient zur Erarbeitung und Bewertung von Risikominimierungsmaßnahmen bei der Einführung von Innovationen. In dieser Methode werden zunächst alle Stufen der Wertschöpfungskette erfasst und modelliert, damit die Risiken dargestellt und bewertet werden können. Demgegenüber werden auch die Chancen und der zu erwartende Nutzen durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe beurteilt.

Im einem ersten Workshop mit potentiellen Lieferanten aus Land-, Forst- und Lebensmittelwirtschaft wurden Chancen und Risiken der Wertschöpfungskette diskutiert. Die gewonnen Erkenntnisse waren Grundlagen für die Risikolokalisierung und -bewertung. Die Ergebnisse daraus bilden die Grundlage für die Erstellung des Businessplanes für den PFP.

In einem zweiten Workshop wurden bei potentiellen Kunden des PFP deren Erwartungen für den Einsatz von Pflanzenfarbstoffen erhoben. Darüber hinaus wurde über Ansätze und Formen einer weiteren Zusammenarbeit zur Entwicklung der Farbstoffe diskutiert und über die aus Sicht von Landwirten und färbenden Betrieben noch ausständigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten gesprochen.

Ergebnisse

Die Risikoquellen entlang der Wertschöpfungskette sind identifiziert und bewertet. Strategien und Maßnahmen zur Risikominimierung entlang der Wertschöpfungskette werden aufgezeigt und vorgeschlagen.

Anhand der im Supply Chain Risk Management (SCRM) verwendeten Methode des Supply Chain Mappings wurden in RISKMIN die relevanten Risikoquellen entlang der Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Farbstoff aus Sicht des PFP identifiziert und kategorisiert. Diese sind Prozess- und Steuerungsrisiken innerhalb des Unternehmens sowie Beschaffungs- und Absatzrisiken innerhalb der Wertschöpfungskette, aber außerhalb des Unternehmens. Umweltrisiken sind schließlich externe Risiken, die für die Wertschöpfungsprozesse eine Rolle spielen. Im Zuge der Kategorisierung wurden insgesamt elf Hauptrisikokategorien mit Untergruppen erstellt und hinsichtlich ihrer Auswirkungen in A-Risiken (hoch), B-Risiken (mittel) und C-Risiken (gering) eingeteilt. Jeder Aktivität wurden mehrere Risikoquellen zugeordnet, die Bewertung der Auswirkungen erfolgt anhand des betroffenen Umsatzes entlang der Wertschöpfungskette.

RISKMIN zeigt Lösungen zur Minimierung der Risiken für den PFP. Aus der Risikobewertung lässt sich folgende Schlussfolgerung für "Colours of Nature" ziehen:

  • Im Bereich der Rohstoffbeschaffung hinsichtlich Menge und Qualität sowie in einem fehlenden Absatzmarkt wurden die Risiken mit hoher Relevanz lokalisiert.
  • Risiken mit mittlerer Relevanz sind Produktqualität, Zahlungsrisiken und Beschaffungsrisiken für Rohstoffe.
  • Risiken mit geringer Relevanz beziehen sich auf Lagerung, unattraktive Produktpalette, Produktionsprozess sowie Rohstoffkosten.

Das Supply Chain Risk Management (SCRM) führt zu folgenden Vorschlägen der Risikominimierung für "Colours of Nature":

  • Vertragliche Regelungen bei Rohstoffbeschaffung und Produktion
  • Geografische Diversifizierung von Lieferanten und Rohstoffquellen
  • Know-How Transfer und Erfahrungsaustausch in mehrere Richtungen
  • Definition von Qualitätskriterien, Qualitätskontrolle für Erfolg der Geschäftsidee "Colours of Nature"
  • Prozessoptimierung für die Optimierung der Produktionskosten
  • Standardisierung für Durchsetzung am Markt
  • Verfahrenstechnische Betreuung der färbenden Betriebe

"Colours of Nature" ist eine nachhaltige Geschäftsidee, die wirtschaftlich erfolgreich realisiert werden kann.

Die Geschäftsidee und das Know-How zur Pflanzenfarbstofffärbung sind einzigartig und innovativ und stellen einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil dar, da es bis dato weltweit nichts Vergleichbares gibt.

Aufgrund der Trendanalysen und durch steigendes Umweltbewusstsein sind die Umsetzungschancen der Geschäftsidee "Colours of Nature" positiv zu bewerten. Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit werden zunehmend auch in der Textilbranche zum Thema und führen zu vermehrter Nachfrage an umweltfreundlichen Textilien.

Ein wesentliches Ergebnis des Projektes RISKMIN ist der Businessplan "Colours of Nature", der die Arbeitsschritte des PFP erläutert und eine wirtschaftliche Umsetzbarkeit unter bestimmten Rahmenbedingungen aufzeigt. "Colours of Nature" ist ein Unternehmenskonzept für Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Pflanzenfarbstoff für die Textilindustrie in Österreich und in der Folge auch international.

Im ersten Geschäftsjahr von "Colours of Nature" liegen Meilensteine im Aufbau des Management- und Entwicklungsteams, in der Konzeption einer Pilotfertigungslinie für Pflanzenfarbstoff und in weiteren Marktstudien sowie in der Kundenakquisition und Kapitalbeschaffung.

Folgende Maßnahmen zur Unterstützung der Realisierung von "Colours of Nature" werden empfohlen:

  • weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeit in den Bereichen der Pflanzenfärbung (Optimierung der Färbeprozesse)
  • Ausbau der regionalen Marktkompetenzen und Akquisition neuer Vermarktungsmöglichkeiten (Gesamtmarktanalyse)
  • Verstärkte Informationsmaßnahmen über Pflanzenfärbung in Österreich und im internationalen Konnex
  • Bildung eines internationalen Netzwerkes zum Erfahrungsaustausch über die Pflanzenfarbstofffärbung
  • Die Unterstützung eines Pilotprojektes "Pflanzenfarbstoff in der PRAXIS" als Basis für die notwendige Firmengründung legen.
  • Abschließend wird die Erarbeitung eines neuen Konzepts "GreenIncubator" zum Aufbau und Wachstum nachhaltiger Geschäftsideen empfohlen, um deren Erfolgschance zu erhöhen.

Publikationen

Risikominimierung entlang der Wertschöpfungskette vom pflanzlichen Rohstoff bis zum Farbstoff (RiskMin)

Schriftenreihe 08/2007 A. Wenisch, C. Pladerer, Herausgeber: BMVIT
Deutsch, 91 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter

Ing. Antonia Wenisch
Österreichisches Ökologie-Institut, Geschäftsführung

Projekt- und Kooperationspartner

  • Thinkaustria Unternehmensberatung
    Dr. Thomas Huber
    Seidengasse 13, A-1070 Wien
    Internet: www.thinkaustria.at
  • Regionalentwicklungsverein Auland Carnuntum
    Ing. Johann Trapl
    Fischamenderstr. 12, A-2460 Bruck an der Leitha
    Internet: www.auland-carnuntum.at
  • Institut für Textilchemie und Textilphysik
    Leopold Franzens - Universität Innsbruck
    A. Univ.-Prof. Dr. Thomas Bechtold, Mag. Rita Mussak
    Höchsterstraße 73, A-6850 Dornbirn
    Internet: www.uibk.ac.at/textilchemie
  • Leinenweberei Christine Vieböck
  • Fritsch Färberei GmbH
    DI Dr. Eduard Taufratzhofer
  • Ing. Anton Prischink KEG
  • Mitteramskogler GmbH
  • Österreichische Bergkräuter reg.Gen.mbH
  • Pannonischer Kräuterhof Brucker Landwirtegruppe
  • Sonnentor
  • Qualitätsoffensive Carnuntum BBK Bruck/L.

Kontaktadresse

Österreichisches Ökologie-Institut, Geschäftsführung
Ing. Antonia Wenisch
Seidengasse 13, A-1070 Wien
Tel.: +43 (1) 523 6105 11
Mobil: +43 (664) 256 2476
E-Mail: wenisch@ecology.at
Internet: www.ecology.at

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