Foto: Zero Emissions

Marktchancen und technische Grenzen von Leichtbauprodukten basierend auf nachwachsenden Rohstoffen

Erhebung der Nutzeranforderungen und technische Bewertung des Umsetzungspotentials von ausgewählten Leichtbauprodukten basierend auf nachwachsenden Rohstoffen durch Einbeziehung aller Akteure (Produzenten - Weiterverarbeiter - Handel - Konsumenten) der Wertschöpfungsketten im Möbel- und Innenausbau.

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Ausgangssituation

In Zuge der zunehmenden Produktionskapazitäten im Bereich der holzverarbeitenden Industrie sowie der zunehmende Nutzung von Holz als Energieträger ist es in den letzten Jahren zu einer Ressourcenverknappung bei Rohstoffen gekommen. In Deutschland hat der Holzverbrauch für energetische Zwecke nahezu den Verbrauch für die stoffliche Nutzung eingeholt. Dieser Trend der Rohstoffverwendung und Verfügbarkeit führt zu Überlegungen einerseits alternative, bisher nicht für die Holzwerkstoffproduktion genutzte Rohstoffe einzusetzen, andererseits Konzepte für eine erhöhte Ressourceneffizienz bei der Werkstofferzeugung zu entwickeln.

Vor diesem Hintergrund hat das Interesse der Holzindustrie an ressourcen- und energieeffizienten Werkstoffen und Anwendungen in den letzten Jahren sehr stark zugenommen. Wabenplatten stellen eine erfolgreiche Umsetzung des Leichtbaus in der Holzwerkstoffindustrie dar. Durch das Wabenkonzept können Ressourcen und Kosteneinsparungen auf der Werkstoff- und unter bestimmten Voraussetzungen auch auf der Verarbeitungsseite realisiert werden. Aufgrund der geringerer mechanischer Stabilität, reduzierter Dauerhaftigkeit/Haltbarkeit und der Kundenerfahrungen mit diesem Leichtbaukonzept (Einsatz von Wabenplatten in Mitnahmemöbel, leichten Türblättern, etc.), besteht bei Experten häufig das Vorurteil, dass Leichtbauprodukte aus Holz oder Holzwerkstoffen eine geringe Qualität aufweisen. Ein negatives Image (Stichwort „Billigimage“) der Leichtbauwerkstoffe im Bereich Holzwerkstoffe wird vielfach von Experten angenommen und kolportiert.

Umgekehrt wurden die Anforderungen von Nutzern an Leichtbaulösungen bisher kaum untersucht beziehungsweise wurde der holzverarbeitende Sektor in die Entwicklung von Leichtbaukonzepten nicht einbezogen. Neben dem oben erwähnten Kosten- und Ressourcendruck, stellen jedoch eine Reihe anderer langfristige Trends wie z.B. erhöhte Mobilität der Gesellschaft, demografische Entwicklung, Flexibilität bei der (Um-)Gestaltung von Wohnungsgrundrissen, Trend zu Mitnahmemöbeln und nach Elementen mit größeren Materialdimensionen, etc. für den Möbel- und Innenausbaubereich neue Herausforderungen aber auch Marktchancen auf nationaler und internationaler Ebene dar.

Inhalte und Zielsetzungen

In diesem Projekt wurden die Nutzeranforderungen, Akzeptanz und Markthemnisse hinsichtlich des Einsatzes von Leichtbauplatten aus nachwachsenden Rohstoffen im Möbel- und Innenausbaubereichs unter Einbeziehung der Endkonsumenten, Weiterverarbeiter und dem Handel erhoben. Des weiteren erfolgte eine technische Bewertung der Machbarkeit und des Umsetzungspotenzials der analysierten Nutzeranforderungen durch Einbeziehung von Experten auf wissenschaftlicher Ebene, ebenso wie durch Akteure aus dem Produktionsbereich.

Methodische Vorgehensweise

Methodisch erfolgten die sozialwissenschaftlichen Analysen mittels Limit Conjoint-Analyse mit angeschlossenem Fragebogen von Endkunden im Möbel- und Innenausbaubereich und qualitativer Experteninterviews (face-to-face) aus Industrie und Handel. Die technische Bewertung erfolgte anhand der durchgeführten Experteninterviews und anhand der Aussagen und Ergebnisse aus dem Expertenworkshop sowie durch eine intensive Recherche von kürzlich zu diesem Thema präsentierten Vorträgen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der verschiedenen im Projekt durchgeführten Endkundenbefragungen deuten generell darauf hin, dass die Marktchancen von Leichtbauprodukten bei den Endkunden kaum durch deren Präferenzen abzuleiten sind. Die eindeutig nachgewiesenen Präferenzen im Wesentlichen hinsichtlich einer hohen Lebensdauer bei gleichzeitig relativ geringer Bedeutung des Produktpreises deuten auf ein hohes Qualitätsbewusstsein in diesem Segment hin. Hierfür kann in einigen Fällen Leichtbau als Barriere betrachtet werden, da besondere Leichtigkeit eine geringere Stabilität und damit eine geringere Haltbarkeit impliziert.

Obwohl die Ergebnisse für die verschiedenen Möbelanwendungen (Küchen Korpus, Arbeitsplatte, Büro Korpus, Bürotischplatte) an sich überraschend homogen waren, zeigten sich die größten Unterschiede bei den präferierten Plattenstärken, welche insgesamt nach der Lebensdauer den zweitgrößten Beitrag zur Präferenzbildung ergaben. Bei den Tisch- und Arbeitsplatten wurden mit 38 und 25 mm größere Plattenstärken präferiert. Tatsächlich liegt die Präferenz damit aber in allen Anwendungen (auch bei den Korpussen) in der Mitte des üblicherweise angebotenen Spektrums. Trotzdem lassen diese Ergebnisse den Schluss zu, dass für den Endkunden der präferierte Designaspekt noch den stärksten Impuls für Leichtbau im Möbelsektor gibt.

Dem entgegen gestellt hat das präferierte Material in allen Befragungen einschließlich der Innentüren eine Barriere für Leichtbau offenbart. Die Wabenplatte hat tatsächlich in allen Befragungen einen negativen Teilnutzenwert erzielt, wobei das Material je nach Anwendung mit 18 bis 30% den zweit- und den drittgrößten Beitrag zur Präferenzbildung lieferte. Am geringsten zeigt sich die Barriere für den Leichtbau damit bei Küchenarbeitsplatten.

Insgesamt kann damit festgestellt werden, dass die gemessenen Präferenzunterschiede für die fünf Anwendungen in Bezug auf die Einsatzpotenziale für Leichtbau relativ gering sind. Am ehesten bei den Küchenarbeitsplatten konnte ein gutes Einsatzpotenzial für leichte Platten analysiert werden konnte.

Publikationen

Marktchancen und technische Grenzen von Leichtbauprodukten basierend auf nachwachsenden Rohstoffen

Schriftenreihe 52/2010 A. Eder, S. Strobl, et al., Herausgeber: bmvit
Deutsch, 114 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleitung

DI Dr. Asta Eder
Kompetenzzentrum Holz GmbH (Wood K plus)

Projektmitarbeiter

  • Ao. Univ. Prof. Dr. Peter Schwarzbauer
    Institut für Marketing & Innovation, BOKU Wien:
    Privatdozent Dr. Ulrich Müller
    Dr. Tobias Stern
  • Kompetenzzentrum Holz GmbH (Wood K plus):
    Freier Mitarbeiter: DI Roland Oberwimmer

Kontaktadresse

Kompetenzzentrum Holz GmbH
Universität für Bodenkultur Wien
Department für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Institut für Marketing & Innovation
Dipl.-Ing. Dr. nat. techn. Asta Eder
Feistmantelstrasse 4
A-1180 Wien, Österreich
Tel.: +43 (1) 47654-4403
E-Mail: a.eder@kplus-wood.at
Internet: www.kplus-wood.at

This content in English

Diese Seite teilen ...

zum Anfang