Foto: Frontansicht des Einfamilien-Passivhauses in Pettenbach

SERPLANT PRO - Dienstleistung Pflanzenschutz: Ein Konzept zur Verbreitung in der Landwirtschaft

Entwicklung eines Konzeptes, um die Dienstleistung "Pflanzenschutz" zu etablieren. Klärung von Kernfragen und erfolgskritischen Faktoren, die aus Sicht der Stakeholder die Etablierung ermöglichen.

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Die Ausbringung von chemischen Pflanzenschutzmitteln gegen Schaderreger und Unkräuter - also der chemische Pflanzenschutz - ist zusammen mit der Bodenbearbeitung, der Düngung und der Ernte ein wichtiger Teil der Landwirtschaft. Aus Sicht der konventionellen Landwirtschaft, aber auch im integrierten Anbau, ist er Bedingung für einen guten Ernteertrag. Chemische Pflanzenschutzmittel besitzen neben dem unbestrittenen ökonomischen Nutzen - Vermeidung bzw. Verminderung von Ertragsverlusten -auch erhebliche gesundheitlich und ökologisch nachteilige Wirkungen. Dazu zählen der Eintrag in die Umwelt bzw. die Auswirkungen auf Nichtzielorganismen sowie die Aufnahme durch AnwenderInnen und KonsumentInnen. Aus diesen Gründen ist es ein wichtiges gesellschaftliches Ziel, den umweltoffenen Stoffstrom "Pflanzenschutzmittel" toxikologisch zu entschärfen und es wird deshalb auf europäischer als auch nationalstaatlicher Ebene nach Wegen gesucht, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter zu reduzieren.

Ein möglicher Weg, um technologische Weiterentwicklungen verstärkt zum Einsatz zu bringen und insgesamt den Stoffstrom der chemischen Pflanzenschutzmittel zu verringern ist die Auslagerung des Pflanzenschutzes als betriebsexterne Dienstleistung. Hierbei werden Maßnahmen des Pflanzenschutzes, wie etwa die Schadensbeobachtung und -diagnose sowie insbesondere die Ausbringung der Pflanzenschutzmittel, als eine externe Dienstleistung an Spezialisten vergeben. Diese Dienstleistungsangebote zielen auf eine ökologisch effiziente Nutzung eines Sachgutes ab, wobei ein geringerer Ressourcenverbrauch bei gleichem oder höherem Nutzen für den Kunden erreicht werden soll.

Für Landwirte gibt es zahlreiche Gründe für die Auslagerung des Pflanzenschutzes an Dritte. Einerseits ist es der stetige Wandel und die zunehmende Komplexität der gesetzlichen Rahmenbedingungen, andererseits die Erfahrung und Expertise, die eine Fachkraft wie der Pflanzenschutzdienstleister mit sich bringt. Andere Gründe sind der Nebenerwerb, der keine Zeit für den zeitkritischen und aufwändigen Pflanzenschutz lässt. Faktoren, die gegen eine Auslagerung sprechen, beziehen sich zum einen auf die Kosten der Dienstleistung, die über den Selbstkosten der Landwirte liegen, wenn diese eigenen Lohnkosten nicht ansetzen, und andererseits das teils mangelnde Vertrauen in die Dienstleister.

Ziel des Projektes Serplant Pro war es deshalb zu erheben und darzustellen, ob und wie ein Konzept "externe Pflanzenschutzdienstleistung" aussehen und wie dieses in der Praxis umgesetzt werden kann. Dafür waren neben der Gestaltung des Konzeptes für die Pflanzenschutzdienstleistung insbesondere Chancen, erfolgskritische Faktoren, wie beispielsweise Haftungsfragen, Qualitätsaspekte etc., und Hemmnisse zu klären, um eine spätere Umsetzung in die Praxis vorzubereiten und zu focieren.

Den Ausgangspunkt des Projekts stellte eine detaillierte Analyse des Ist-Zustandes dar. Diese unterteilte sich einerseits in eine Erhebung zu bestehenden Produkt-Service-Systemen als Basis für die Entwicklung von Pflanzenschutzdienstleistungen. Kernelement dieser Produkt-Service-Systeme ist es, die Produktion von materiellen Produkten durch Produktlebenszyklusverlängerungen, Nutzungsintensivierung, alternative Nutzungsweisen (Pooling, Sharing) und durch Produktersetzung zu verringern. Dadurch sollen weniger Ressourcen verbraucht werden, was sich in weiterer Folge umweltschonend auswirkt. In Bezug auf den Pflanzenschutz würde dies eine Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und eine Reduktion in der Herstellung von Ausbringungsgeräten bedeuten. Andererseits war aber auch von Bedeutung, auf bestehende und bereits in der Praxis umgesetzte Best Practice Beispiele zurückzugreifen. Aus diesem Grund erfolgte im Projekt Serplant Pro eine detaillierte Analyse bestehender Produkt Dienstleistungssysteme in der Landwirtschaft und zu Dienstleistungen im Pflanzenschutz in der Landwirtschaft im Speziellen.

Als weiterer wichtiger Erfolgsfaktor für die Implementierung von Pflanzenschutzdienstleistungen kann die Integration von betroffenen Anspruchsgruppen angesehen werden, da oft erst durch die Berücksichtigung der Ansprüche von Stakeholdern eine Dienstleistung umgesetzt werden kann. Deshalb erfolgte eine empirische Erhebung unter österreichischen Stakeholdern zum Pflanzenschutz, um auf deren Einstellungen und Anforderungen bei der Konzeption der Pflanzenschutzdienstleistung explizit eingehen zu können.

Auf Basis dieser Erkenntnisse aus der Ist-Zustandserhebung und der empirischen Erhebung zur Einstellung der Stakeholder wurde die innovative Pflanzenschutzdienstleistung konzipiert. Neben der prinzipiellen Gestaltung der Dienstleistung und der Darstellung der Vorteile war es von Bedeutung, die Pflanzenschutzdienstleistung modular aufzubauen, um sie für ein möglichst breites Einsatzspektrum attraktiv zu gestalten. Darüber hinaus mussten Rahmenfaktoren wie Haftungsbedingungen, die Vertragsgestaltung, Dokumentationsanforderungen etc. berücksichtigt werden.

Um die Verbreitung der Ergebnisse des Projektes unter den Stakeholdern, aber auch untern den direkt von der Dienstleistung betroffenen Landwirten, Dienstleistern, Pflanzenschutztechnikern etc. zu ermöglichen, wurden die wichtigsten Erkenntnisse des Projektes in einem anschaulichen und übersichtlichen Leitfaden für die Praxis zusammengefasst. Zusätzlich beinhaltet der Leitfaden Hinweise und Informationen zu bereits bestehenden Dienstleistung in der Landwirtschaft. Damit wird gewährleistet, dass das Konzept der externen Pflanzenschutzdienstleistung die Zielgruppen des Projektes, Landwirte, Dienstleister, Pflanzenschutztechniker etc. erreicht. Zusätzlich wurde die Integration von Multiplikatoren wie Landwirtschaftskammern, Interessensvertretungen, Maschinenringe etc. angestrebt, um die externe Pflanzenschutzdienstleistung einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Publikationen

Serplant Pro Dienstleistung Pflanzenschutz

Ein Konzept zur Verbreitung in der Landwirtschaft
Schriftenreihe 39a/2007 S. Vorbach, et al., Herausgeber: bmvit
Deutsch, 230 Seiten

Downloads zur Publikation

Innovative Dienstleistungen im Pflanzenschutz

Leitfaden zur Entwicklung, Organisation und Verbreitung
Schriftenreihe 39b/2007 S. Vorbach, et al., Herausgeber: bmvit
Deutsch, 63 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter

ao. Univ.-Prof. DI Dr. Stefan Vorbach
Institut für Innovations- und Umweltmanagement
Karl-Franzens-Universität Graz

Projekt- und Kooperationspartner

  • IFZ Interuniversitäres Forschungszentrum
    Mag. Dr. Manfred Klade, Mag. Wilma Mert
    Schlögelgasse 2, A-8010 Graz
    Tel.: +43 (0) 316 / 81 39 09 - 27
    Fax: +43 (0) 316 / 81 26 61-11
    E-Mail: klade@ifz.tugraz.at
    Internet: www.ifz.tugraz.at

Kontaktadresse

Karl-Franzens-Universität Graz
Institut für Innovations- und Umweltmanagement
ao. Univ.-Prof. DI Dr. Stefan Vorbach
Universitätsstraße 15, A-8010 Graz
Tel.: +43 (0) 316 / 380 - 3235
Fax: +43 (0) 316 / 380 -9585
E-Mail: stefan.vorbach@uni-graz.at
Internet: www.uni-graz.at/inmwww

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