Produktbezogene Umweltinformationssysteme (PUIS) in österreichischen Unternehmen

Eine Bestandsaufnahme von produktbezogenen Umweltinformationssystemen, deren Anwendung in österreichischen Unternehmen und Analyse in Hinblick auf grundsätzliche Einsatzmöglichkeiten.

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Die Stärkung des Lebenszyklusdenkens (life cycle thinking) in österreichischen Unternehmen ist wünschenswert, weil dadurch die gesamten (Umwelt-)Wirkungen eines Produktes integriert betrachtet werden. Dies stellt eine wertvolle Ergänzung zu Standortbetrachtungen dar. Gewisse Optimierungsfragen können sinnvoll nur mit dem Blick auf den gesamten Lebenszyklus beantwortet werden. Voraussetzung für die Berücksichtigung des Produktlebenszyklusses ("von der Wiege bis zur Bahre") sind Informationen über bestehende produktbezogene Umweltinformationssysteme (PUIS), deren Möglichkeiten und Grenzen; des weiteren stellt eine Orientierung an bereits bestehenden erfolgreichen Anwendungen eine wichtige Motivation dar. Das vorliegende Projekt trägt dazu bei, den Einsatz von PUIS in österreichischen Unternehmen zu forcieren und das Wissen über PUIS auf eine systematischere Basis zu stellen, indem

  1. Informationen über AnwenderInnen (Unternehmen und wissenschaftliche AkteurInnen in Österreich) sowie Methoden systematisch erhoben und aufbereitet wurden
  2. Verschiedene häufig eingesetzte PUIS genauer charakterisiert wurden
  3. Anforderungen von Entscheidungen in Unternehmen analysiert wurden
  4. Eigenschaftsprofile von PUIS mit Anforderungsprofilen von Entscheidungsarten verglichen wurden, um die für den jeweiligen Anwendungszweck geeigneten PUIS zu identifizieren
  5. Empfehlungen für Interessensvertretungen, politische EntscheidungsträgerInnen und Methoden-EntwicklerInnen zusammen gefasst werden.

Entsprechend gliederte sich das Projekt in drei Module:

A. Bestandsaufnahme der Anwendung von PUIS

In Form eines Fragebogens und durch Interviews wurden die Anwendungen von PUIS in österreichischen Unternehmen erhoben. Eine Literatur-Recherche führte zu einer Bestandsaufnahme von Methoden, welche sich prinzipiell als PUIS eignen. Österreichische Fachinstitutionen wurden in einer BeraterInnen-Befragung kontaktiert.

B. Wissenschaftliche Analyse von PUIS und Entscheidungssituationen

Die Charakterisierung von PUIS aus der Sicht der Wissenschaft erfolgte durch Literaturrecherchen, eine Befragung unter österreichischen BeraterInnen und ein Experten-Assessment. Den Eigenschaftsprofilen der PUIS werden die Anforderungskriterien von unterschiedlichen Entscheidungssituationen der betrieblichen Praxis gegenübergestellt. Die Ergebnisse sind in einem Handbuch veröffentlicht.

C. PUIS in der Fabrik der Zukunft

Ein Strategiepapier fasst ausgehend von den Ergebnissen aus Modul A und B die daraus folgenden Empfehlungen für Politik, Unternehmen und Methodenentwicklung zusammen, um eine sowohl breitenwirksame, als auch wissenschaftlich fundierte Umsetzung von PUIS zu fördern.

Der vorliegende Endbericht beinhaltet die Ergebnisse der Projekt-Phasen A-C. Der Forschungsbericht "PUIS auf dem Prüfstand" sowie das Strategiepapier "PUIS in der Fabrik der Zukunft" sind integraler Bestandteil des vorliegenden Endberichts. Das Handbuch "PUIS in Theorie und Praxis" wird gesondert veröffentlicht.

Die in österreichischen Unternehmen durchgeführte Fragebogen-Erhebung und Interviews bieten einen Einblick in Details der PUIS-Anwendung (Verbreitungsgrad, Verwendungszweck, Motivation), Anforderungen von Unternehmen an PUIS sowie Empfehlungen an andere Unternehmen, Wissenschaft und Politik. Der Einsatz von PUIS in Österreich steht meist in Zusammenhang mit Aktivitäten des Umweltmanagementsystems. Der Bekanntheitsgrad von PUIS ist höher als die tatsächlichen Anwendungen, sie dienen selten der Betrachtung des ökologischen Produktlebenszyklusses und sind kaum routinemäßig in Gebrauch. Unterschiede und Gemeinsamkeiten können durch einen Vergleich mit einer in Deutschland vom IÖW durchgeführten Erhebung [Fußnote 1] festgestellt werden.

Über 20 verschiedene PUIS werden einer näheren Betrachtung unterzogen und an Hand eines Kriteriensystems in Bezug auf die Kategorien "Umfang", "Prozess", "Ergebnis", "Fallspezifität" und "Anforderungen" näher charakterisiert. Grundlage bilden zum Einen die Ergebnisse einer BeraterInnen-Befragung, und zum Anderen die Einschätzungen von Experten [Fußnote 2].

Einteilung und Beschreibung von betrieblichen Entscheidungen orientiert sich stark an dem im Rahmen des EU-Projektes "CHAINET" erstellten Handbuchs [Fußnote 3] . Die unterschiedlichen Anforderungen von Strategischer Planung, Kapital-Investition, Design & Entwicklung, Kommunikation & Marketing sowie operativem Management werden in Analogie zu den Eigenschaftsprofilen der PUIS mit Hilfe des Kriteriensystems definiert. Eine Gegenüberstellung der Anforderungsprofile von betrieblichen Entscheidungen und Eigenschaftsprofilen von PUIS identifiziert die für die jeweilige Anwendung am besten geeigneten PUIS. Da aber die Profile auf den Einschätzungen von einigen wenigen ExpertInnen beruhen, dürfen die Ergebnisse nur als erster Anhaltspunkt verstanden werden, welcher in Nachfolge-Aktivitäten auf eine breitere Basis gestellt werden sollte.

Das Strategiepapier für die Zielgruppen "Unternehmen", "Interessensvertretungen", "PUIS-EntwicklerInnen und BeraterInnen" und "politische EntscheidungsträgerInnen" basiert auf den Einschätzungen von österreichischen Unternehmen und den oben angeführten Publikationen und stellt mögliche Maßnahmen und Strategien vor, um den Einsatz von PUIS zu systematisieren und auf eine breitere Basis zu stellen.

Footnotes:

(1) Konrad, Wilfried ua (2002): Produktbezogene Umweltinformationssysteme. Empirische Analysen zu ihrem Einsatz in Unternehmen. Schriftenreihe des IÖW 163/02. Berlin.

(2) Gruppe angewandte Technologien (GrAT), Krotschek, Institut für Industrielle Ökologie (2003): Eignung und Anwendbarkeit von Bewertungsmethoden für nachhaltiges Wirtschaften, im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), Projektergebnisse.

(3) Wrisberg, Nicoline; Udo de Haes, Helias (Hrsg) (2002): Analytical Tools for Environmental Design and Management in a Systems Perspective. Kluwer Academic Publishers. Netherlands.

Publikationen

PUIS - Produktbezogene Umweltinformationssysteme in österreichischen Unternehmen

Schriftenreihe 16/2003 U. Seebacher, I. Oehme, J. Suschek-Berger, A. Windsperger, S. Steinlechner
Deutsch, 353 Seiten, vergriffen

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Projektbeteiligte

Projektleitung

DI Dr. Uli Seebacher
IFF/IFZ - Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur

Projekt- und Kooperationspartner

Univ. Doz. Dr. Andreas Windsperger
Institut für Industrielle Ökologie (IIÖ)

Kontaktadresse

Dr. Ulrike Seebacher
Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFF/IFZ)
8010 Graz, Schlögelgasse 2
Tel.: +43 (316( 813 909-25
Fax: +43 (316) 810 274
E-Mail: seebacher@ifz.tu-graz.ac.at
Web: https://www.ifz.at/