Foto: Rainbow- Fasermaterial aus Zellulose

Living Lab Vorarlberg

Die Methodologie des Living Labs stellt die Bedürfnisse der Nutzer in den Fokus des Entwicklungsprozesses. Der originäre Ansatz vom MIT soll auf die nachhaltige diskrete Produktion in der Region Vorarlberg - als Living Lab - adaptiert werden.

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Motivation

Die diskrete Produktion und somit die Produktentwicklung ist gekennzeichnet durch immer kürzere Produktlebenszyklen. Der Zeitraum, über den ein Produkt gewinnbringend am Markt platziert werden kann, hat sich in den letzten 20 Jahren etwa halbiert. Die Unternehmen sind somit dem Druck ausgesetzt ständig neue Produkte zu entwickeln um langfristig überleben zu können. Eine erfolgreiche Produktentwicklung ist zu einem Schlüsselfaktor für das Überleben des jeweiligen Unternehmens geworden. Aber nur eins von 4 neu entwickelten Produkten wird zu einem wirtschaftlichen Erfolg. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Ausrichtung auf die Markt- und Kundenbedürfnisse einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Produktentwicklung darstellt. In der betrieblichen Praxis wird dieser Forderung jedoch noch vielfach nicht nachgekommen und so kommen viele Produkte auf den Markt, die von den Kunden nicht angenommen werden.

Ziele

Die Grundlagenstudie "Living Lab Vorarlberg" hat das primäre Ziel, den am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelten Ansatz der Living Labs, auf die nachhaltige Produktentwicklung zu adaptieren.

Methodische Vorgehensweise

  1. Definition einer Living Lab Methodologie für die nachhaltige Produktentwicklung mit dem Fokus auf den Beitrag des Living Lab Ansatzes für eine nachhaltige Produktentwicklung
  2. Untersuchung von I&K Technologien zur Unterstützung der Living Lab Einführung in der Region Vorarlberg inklusive der Erarbeitung einer Technologieroadmap und eines Technologieradars
  3. Untersuchung der Anwendbarkeit der Living Lab Methodologie auf die Region anhand einer Befragung bei Vorarlberger Industrieunternehmen
  4. Industrielle und politische Validierung des Living Lab Konzeptes mittels Informationsveranstaltungen und bilateralen Gesprächen

Ergebnisse

Ursprünglich wurde das Paradigma der Living Labs entwickelt um eine bessere Einbindung des Kunden in den Design Prozess von Wohneinheiten zu ermöglichen. Hier werden die Probanden, die in einer realen Umgebung leben, beobachtet wie sie mit neuen Technologien umgehen. Die Ergebnisse der Beobachtungen geben Aufschluss darüber wie Wohneinheiten gestaltet sein sollen, um dem Benutzer ein optimales Umfeld zu bieten. Im europäischen Raum wird der Living Labs in den letzten Jahren auf die Branche der Telekommunikation adaptiert. Hier gibt es bereits zahlreiche Initiativen und Unternehmen (z.B. Nokia, Ericsson, Vodafone, etc.), die die Idee des Living Labs in ihren Entwicklungsaktivitäten umsetzen.

Eine Analyse der bestehenden Living Lab Definitionen lässt eine Ableitung von vier allgemein geltenden Merkmalen zu. Diese Merkmale sind der "Nutzer als Co-Creator", spezielle Methoden zur Integration der Kunden über den gesamten Innovationsprozess hinweg und die technische Infrastruktur um die Einbindung der Nutzer zu ermöglichen. Regionalität ist als viertes Merkmal zu nennen, da Living Labs insbesondere auf regionale und soziale Spezifika Rücksicht nehmen und so regionale Innovationen fördern. Für ein Living Lab der nachhaltigen Produktentwicklung werden diese vier Merkmale um den Aspekt der Nachhaltigkeit ergänzt.

Die Ausrichtung eines Living Labs im Bereich der Produktentwicklung differiert von den existierenden Definitionen, da im Zentrum des Living Labs ein bzw. mehrere Unternehmen stehen.

Im Fokus eines Living Labs für die nachhaltige Produktentwicklung steht das Unternehmen (z.B. KMU oder Großunternehmen). Dieses Unternehmen weist eine technologische und organisatorische Infrastruktur auf, die im Falle der Kundeneinbindung mit neuen Technologien eine wichtige Rolle spielt. Darüber hinaus wird angenommen, dass das Unternehmen über einen definierten Innovationsprozess verfügt.

Je nach Ausrichtung des Unternehmens kann das Living Lab dem Business-to-Business (B2B) oder dem Business-to-Consumer (B2C) Bereich zugeordnet werden. Je nachdem, ob ein Unternehmen im B2B oder B2C Bereich angesiedelt ist, unterscheidet sich die Art der Kunden (Firmenkunden, private Verbraucher). Der Living Lab Ansatz ist sehr stark auf Regionalität ausgerichtet. Dementsprechend ist es wichtig zu verstehen, ob die Kunden, mit denen das Unternehmen in der Produktentwicklung zusammenarbeitet regional, oder global verteilt sind.

Auf Basis der erarbeiteten Definition für ein Living Lab der nachhaltigen Produktentwicklung wurde eine Befragung bei 12 Industrieunternehmen in Vorarlberg durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Befragung lassen den Schluss zu, dass die Grundvoraussetzungen für ein "Living Lab Vorarlberg" gegeben sind. Für die Implementierung soll verstärkt mit Unternehmen zusammengearbeitet werden. Die Befragung bei den Industrieunternehmen liefert dabei Hinweise, konkrete Maßnahmen werden mit den Unternehmen direkt ausgearbeitet. Aufgrund der Studie lässt sich erkennen, dass ein besonderes Augenmerk auf IKT Methoden und die Nachhaltigkeit zu legen ist.

Ausblick

Die Ergebnisse der Grundlagenstudie "Living Lab Vorarlberg" dienen als Basis, um die Idee des "Living Lab Vorarlberg" gemeinsam mit den Unternehmen (z.B. Hilti AG, Rhomberg Bau, Zumtobel, Doppelmayr) weiterzuentwickeln. Ein Folgeantrag wird gemeinsam mit den bereits identifizierten Unternehmen im Herbst 2008 im FFG Programm COIN eingereicht werden.

Publikationen

Living Lab Vorarlberg

Schriftenreihe 49/2008 J. Schumacher
Deutsch, 192 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter

Dr.-Ing. Jens Schumacher
Fachhochschule Vorarlberg GmbH

ProjektmitarbeiterInnen

Thomas Bargetz, Mag. (FH) Karin Feurstein, Dipl.-Ing. Peter Heinzle, Matthias Rieder
Fachhochschule Vorarlberg GmbH
Dipl.-Math. Hermann Böhling
Produtec Ingenieursgesellschaft mbH
(Werkvertrag)

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