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Die Papierfabrik im Jahr 2030

Papierfabrik im Jahr 2030 als integrierter Bestandteil einer nachhaltigen Wirtschaft und als Anbieter von nachhaltigen Papierprodukten, mit höchstmöglicher Erfüllung der Kriterien für Nachhaltigkeit.

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Motivation

Die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe für die Produkt- und Energieerzeugung ist eine der großen Herausforderungen der heutigen Zeit, daher hat die Zellstoff-, Holzstoff- und Papierproduktion ("Papierindustrie") zusammen mit der holzverarbeitenden Industrie aufgrund des großen Einsatzes erneuerbarer Rohstoffe auch zukünftig eine bedeutende Rolle.

Inhalt

Es werden zukünftige Bedarfsmuster der KonsumentInnen in Form von Szenarien abgeschätzt und Möglichkeiten der Bedarfsdeckung mit Produkten der Papierindustrie ermittelt. Die Rolle, die der Papierindustrie dabei zufällt, wird dargestellt. Ausgehend von der heutigen Situation wird das Ausmaß der Realisierung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise in der Papierindustrie untersucht. Unter Berücksichtigung der laufenden Entwicklungen werden die Zielrichtungen für die Adaptierung der Produktionsprozesse in Richtung Nachhaltigkeit ermittelt.

Zielsetzung

Ausgehend von der Technologie und dem Umweltstandard der Papierindustrie zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden Szenarien entwickelt, die die "Papierfabrik im Jahr 2030" als integrierten Bestandteil einer nachhaltigen Wirtschaft und als Anbieter von nachhaltigen Produkten beschreiben, wobei eine höchstmögliche Erfüllung der Kriterien der Nachhaltigkeit angestrebt wird.

Methode der Bearbeitung

Zunächst wurden die vorliegenden Erfahrungen im Bereich "Papier und Umwelt" als Ausgangsbasis für das gegenständliche Projekt zusammengestellt und ausgewertet.

Neben einer Analyse der vorliegenden Publikationen wurden die Markterfahrungen in einem Workshops zusammengestellt. Indikatoren für Nachhaltigkeit wurden festgelegt, die in einer Expertenbefragung hinsichtlich ihrer Bedeutung für die "Papierfabrik im Jahr 2030" bewertet wurden. Mit den maßgeblichen Indikatoren wurden die Anforderungen an die gesamte Produktionskette der "Papierfabrik im Jahr 2030" erarbeitet. Abschließend wurden der Entwicklungsbedarf und die notwendige Anpassung der Betriebsstrukturen ermittelt und in einem Abschluss-Workshop gemeinsam mit Industrie- und Marktvertretern diskutiert.

Um auf den Erfahrungen innerhalb der Papierindustrie aufbauen zu können, wurde das Projekt von einem Arbeitskreis begeleitet, der aus Vertretern der Papierindustrie bestand, in dem Zwischen- und Endergebnisse diskutiert und die detaillierte Vorgangsweise besprochen wurden.

Daten

Die im Projekt verwendeten Einschätzungen der zukünftigen Entwicklung stammen im Wesentlichen aus der im Rahmen des Projektes durchgeführten Expertenbefragung und aus den zwei projektbezogenen Workshops. Die Daten zur Charakterisierung der Papierindustrie wurden Publikationen der Austropapier entnommen und durch Fachliteratur und statistische Daten ergänzt.

Ergebnisse

Papierprodukte werden für die Erfüllung der Bedürfnisse Schutz/Verpackung, Information/Unterhaltung/Lesen, Schreiben, Reinigung, Hygiene, Bauen/Wohnen/Technik, Konsum/Genuss eingesetzt. Die wichtigsten gesellschaftlichen Prozesse, die eine Zunahme der Papierproduktion bewirken, sind Wirtschaftswachstum, Bevölkerungswachstum sowie steigender Wohlstand und Komfort.

Eine "Nachhaltige Entwicklung" auf der Basis des Dreisäulenmodells für die ökologischen, ökonomischen und sozialen Zieldimensionen, die auch die sieben Leitprinzipien nachhaltiger Technologieentwicklung des BMVIT Impulsprogramms "Nachhaltig Wirtschaften" beinhalten, wird für die Konkurrenzfähigkeit von Papierprodukten mit anderen Produkten in Zukunft wesentlich sein. Die wichtigsten Indikatoren für die Nachhaltigkeit von Papierprodukten in den ökologischen Zieldimensionen sind Abwasser-Emissionen, Energiebedarf, Wasserbedarf, Luft-Emissionen, Abfall, Einsatz nachwachsender Rohstoffe, Einsatz erneuerbarer Energie und Wiederverwertbarkeit des Produkts; in den ökonomischen Zieldimensionen sind es der Verbraucherpreis und der Umsatz Verbraucherpreis und Umsatz, deren Entwicklungen maßgebliche Indikatoren für die betriebswirtschaftlichen Ziele der Steigerung der Wertschöpfung und der Gewinnoptimierung sind; in den sozialen Zieldimensionen sind es Benutzerfreundlichkeit, Produktqualität, Komfort (bei Verwendung) und Gesundheitsschutz.

Die Ist-Analyse zeigt, dass die Papierproduktion in Österreich mengenmäßig seit 1990 um etwa 30% gestiegen ist, wobei für die Faserstoffproduktion vorwiegend österreichisches Holz eingesetzt wird. In den letzten 10 Jahren wurden in allen Umweltbereichen deutliche Verbesserungen erzielt, wobei hier vor allem die Reduktionen der Abwasser-Emissionen und des fossilen Energieanteils hervorzuheben sind.

Die Nachhaltigkeit der Papierprodukte wird durch die Nachhaltigkeit der Prozesse während des gesamten Lebenszyklusses der Produkte bestimmt, von der Rohstoffproduktion bis zur Entsorgung und Weiterverwertung genutzter Papierprodukte. Diese hinsichtlich des Abwasseranfalles nahezu geschlossenen Prozesse werden im Jahr 2030, vor allem in Bezug auf Energiebedarf, CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern, Wertschöpfung und Anzahl der Mitarbeiter bewertet werden.

Von allen betrachteten nachhaltigen Szenarien wurde ein "Nachhaltigkeits-Szenario" ausgewählt, in dem es durch die geänderte Produktmengenstruktur im Jahr 2030 gegenüber dem Jahr 2001 trotz eines Anstiegs der Produktionsmenge um 37% zu einer Abnahme des Energiebedarfs (-12%) und einer Abnahme der CO2-Emissionen (-31%) verbunden mit einer weiteren Zunahme beim Einsatz erneuerbarer Energie (+ 25%) kommen, eine zentrale Bedeutung hat dabei der Ausbau der Produktionskapazitäten für Zellstoff durch Produktionssteigerungen bestehender Zellstoff-Fabriken bis zum Neubau einer neuren Anlage. Durch die Zunahme der Produktionsmenge könnte trotz einer gesteigerten Mitarbeitereffizienz (+30%) ein etwa gleicher Mitarbeiterstand (+-0%) aufrechterhalten werden. Aus der Sicht der Nachhaltigkeit zeigen sich somit deutliche Fortschritte gegenüber der Situation 2001.

Schlussfolgerungen

Ausgehend von der Technologie und dem Umweltstandard der Papierindustrie zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wurde in Szenarien gezeigt, dass die "Papierfabrik im Jahr 2030" als Anbieter von nachhaltigen Produkten ein integrierter Bestandteil einer nachhaltigen Wirtschaft sein wird. Grundsätzlich hat Österreich hierfür sehr gute Voraussetzungen, insbesondere sind hohe Rohstoff-Potenziale, qualifizierte Arbeiter und Techniker sowie hohe Umsatzpotenziale vorhanden. Die Szenarien zeigen, dass die Herstellung der benötigten Produktmengen in Österreich unter den definierten Nachhaltigkeitskriterien möglich ist. Zukünftige Anstrengungen sollten auf die Erreichung der im "Nachhaltigkeits-Szenario" ermittelten Kenngrößen zielen und die verstärkte Implementierung der Nachhaltigkeit in den Management-Strategien bewirken und auch in unterstützenden gesetzlichen Maßnahmen Beachtung finden.

Publikationen

Die Papierfabrik im Jahr 2030

Schriftenreihe 18/2005 G. Jungmeier, H. Schwaiger, A. Windsperger, St. Steinlechner, G. Hintermeier, H. Stark, Herausgeber: bmvit
Deutsch, 234 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter:
Dipl.-Ing. Dr. Gerfried Jungmeier
JOANNEUM RESEARCH, Institut für Energieforschung

Partner:

Institut für Industrielle Ökologie

Technischer Universität Graz, Institut für Papier-, Zellstoff- und Fasertechnik

ÖZEPA, Österreichische Vereinigung der Zellstoff- und Papierchemiker und -techniker

Kontakt

Dipl.-Ing. Dr. Gerfried Jungmeier
JOANNEUM RESEARCH
Institut für Energieforschung
Elisabethstraße 5
A 8010 Graz
Tel.: +43 316 876-1313
Fax: +43 316 876-1320
E-Mail: gerfried.jungmeier@joanneum.at

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